Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt kritisch den GM-Insolvenzantrag und die Entscheidung der US-Regierung, Mehrheitsanteilseigner zu werden. La Tribune kommentiert das Interesse von Siemens an Areva T&D. Der Estado gratuliert Brasilien zur erfolgreichen Außenhandelspolitik. Fundstück: Finderlohn für den Hund, nicht für die Ehefrau.
Ein Spiegelbild des modernen Amerika sieht die Financial Times in der Insolvenz von General Motors. “Warum erwirbt der US-Staat GM für 60 Milliarden Dollar? Sicher nicht, weil die Anteile Gewinne versprechen und die Firma irgendwann wieder schuldenfrei sein wird. Auch nicht, um Jobs zu erhalten, längst ist klar, dass GM Fabriken schließen und 20.000 Arbeiter entlassen muss. Und auch die Tatsache, dass GM in Zukunft effizientere Autos baut, kann kein Grund sein, dafür hat der Staat längst Geld locker gemacht. Der einzige Grund ist der, den Niedergang hinauszuzögern, damit sich Arbeiter, Händler und Käufer auf das unausweichliche Schicksal einstellen können.” Doch müsse man dafür 60 Milliarden Dollar verschwenden? Die US-Regierung habe keine Wahl, denn die Öffentlichkeit akzeptiere die Wahrheit nicht: “Die einen wollen sehen, dass Jobs gerettet werden, die anderen, dass der Einsatz von Gläubigern und Steuerzahlern honoriert wird. Von beiden Gruppen kauft sich die Obama-Administration nun frei.” Die von GM solide bezahlten und sozial abgesicherten Arbeiter seien einst ein Triumph des demokratischen Kapitalismus gewesen. “Heute gibt es diese Jobs und die soziale Sicherheit nicht mehr: Der Niedergang von GM spiegelt den Niedergang von wirtschaftlicher Sicherheit und wachsendem Wohlstand in der US-Gesellschaft.”
Eine ehrliche und detaillierte Erklärung, welche Ziele die US-Regierung mit der Übernahme der Mehrheit an GM verfolge, schuldet US-Präsident Barack Obama nach Auffassung der New York Times dem amerikanischen Volk. “Einen Automobilhersteller zu besitzen, kann sich als politisch heikler erweisen als es scheint. Die Politiker sollten es tunlichst vermeiden, im GM-Tagesgeschäft mitzumischen, denn die oft mit Launen behaftete Taktikerei in der Politik könnte das Unternehmen in den Abgrund ziehen.” Professionelle Manager sollten vielmehr GM künftig lenken, Manager, die nicht mit politischen Zielen wie der Sicherung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen in Konflikt geraten dürften, oder mit so widersprüchlichen Erwartungen wie die Rückführung von GM in die Profitzone und die gleichzeitige Verpflichtung, Sprit sparende Autos zu bauen. “Obama muss erklären, wie er mit Widersprüchen wie diesen künftig umzugehen gedenkt.”
Forbes sieht GM trotz Insolvenz und Engagement der US-Regierung noch immer am Rande des Abgrunds. Zu viele Fragen seien noch unbeantwortet: “Werden beispielsweise die Kunden Autos eines insolventen Unternehmens kaufen? Wie gehen sie mit der Unsicherheit hinsichtlich von Garantieleistungen und Service um, wie werden sie den Wiederverkaufswert einschätzen?” Eine weitere Frage sei, ob der Staat tatsächlich einen Autohersteller besitzen und managen kann. Die Geschichte sage eindeutig Nein, wie Trabant in früheren DDR oder Lada in der früheren Sowjetunion beweisen. Und schließlich sei unklar, ob das Geld der Regierung GM wirklich aus der Krise helfe: “Es wäre wunderbar, wenn das Geld für die Entwicklung neuer, aufregender Autos genutzt werden könnte. Doch es wird vor allem für Anwälte, für die Pensionskassen der Gewerkschaften und für Abfindungen an entlassene Arbeiter verbraucht werden, für Rabattaktionen und für Experimente mit elektrischen Autos, um die mächtige Grünen-Lobby in Washington zu befriedigen.” Vielleicht könne GM gerettet werden, doch die Gefahr, dass die Firma in den Abgrund stürze, sei groß.
Das Schicksal GMs sollte eine Mahnung für jedes Unternehmen sein, die Straße nie aus dem Blick zu verlieren, meint der Economist . Weil es genau auf dieser viele Wettbewerber gebe, sei fraglich, ob GM überleben könne: “Sicher, am Ende wird ein viel kleinerer Automobilhersteller stehen. Aber letztlich wird durch die Insolvenz von GM nur ein Teil der Überkapazitäten auf dem amerikanischen Markt abgebaut.” Ein Problem für GM werde die Konkurrenz aus Asien sein: “Sie bauen preiswertere und verlässlichere Autos.” Und auch Chrysler, mit Fiat als Partner, und Ford, wenn auch Schulden beladen, würden GM künftig Autokäufer streitig machen. GM stelle heute ganz anständige Autos her, doch der Ruf des Konzerns leide noch immer unter den schlechten Autos, die Jahrzehnte lang die GM-Bänder verlassen hätten. “Wenn GM nicht seinen guten Namen wieder beleben kann, wird der Teufelskreis aus fallendem Aktienkurs und allmählicher Reorganisation erneut einsetzen. Dann sehe GM wirklich verloren aus.”
Siemens: Provokant oder Masochistisch?
“Ist das Provokation oder purer Masochismus?” fragt sich La Tribune angesichts des Interesses von Siemens an Areva T&D, der Stromübertragungssparte des französischen Energietechnikkonzerns. Schon mehrfach sei der deutsche Konzern von Paris schlecht behandelt worden, doch mit der Ankündigung, T&D übernehmen zu wollen, füge er der Scheidungsakte zwischen Areva und Siemens nur ein weiteres, belastendes Dossier zu. “Vielleicht ist das ein taktisches Spiel, doch Strategie sollte in diesem Fall vor Taktik gehen.” Sicher habe Areva ein Interesse daran, die Kosten für die Auflösung des gemeinsamen Joint Ventures Areva NP zu drücken und Siemens an einer Allianz mit der russischen Gruppe Rosatom zu hindern. Für Siemens gebe es dagegen zwei Prioritäten: Die Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro reduzieren und sich stärker im Bereich grüner Infrastrukturen etablieren. “Doch T&D zu übernehmen, passt in keine seiner Achsen, und auch nicht zur Geschäftspolitik von Peter Löscher. Es würde lediglich etwas Salbe auf die Wunden des Konzerns bringen, die noch immer offen sind.”
Spaniens Steuern verhindern Investitionen
“Die Flut neuer Steuern bremst unsere Möglichkeiten, in neue Technologien zu investieren”, beklagt sich Jean-Marc Vignolles, Chef von Orange España, in einem Interview mit Cinco Días. Stolz blicke der Manager nach den anstrengenden Übernahmen von Amena und Yacom auf die internationale Stellung von Orange, das in Spanien selbst Branchenprimus Telefónica das Wasser reichen könne. Allerdings sei optimistisch, wer bei sinkenden Einnahmen, neuen Steuern und Vorschriften der Regulierungsbehörden in naher Zukunft Investitionen in neue Technologien wie das Glasfaserkabelnetz erwarte. Dafür fehle im Moment einfach das Geld.
Beeindruckende Bilanz für brasilianische Außenhandelspolitik
Der Estadao wirft einen Blick auf die brasilianischen Auslandsbeziehungen, die sich in den letzten 15 Jahren stark verändert hätten. Der Außenhandel sei seit 1990 um 440 Prozent gewachsen. Brasilien sei mittlerweile zwölftgrößter Direktinvestor weltweit und zweitgrößter unter den Schwellenländern. Bergbau, Energie, Finanzwesen oder Luftverkehr seien Sektoren, in denen die Brasilianer im Ausland besonders präsent seien. Auch die brasilianische Forschung habe einen Sprung gemacht: Jede zweite wissenschaftliche Publikation in Lateinamerika stamme aus Brasilien. Zudem seien die Schulden beim IWF abbezahlt und die Währungsreserven auf dem höchsten Niveau der Geschichte. Längst unterlägen die Außenbeziehungen nicht mehr einer einzigen politischen Strategie: Die Brasilianer sollten nun diskutieren, welche Rolle das Land in den nächsten Jahrzehnten in der Welt spielen wolle und neue Pläne und internationale Allianzen schmieden.
Südkorea entdeckt ASEAN-Verbund als wichtigen Partner
“Warum immer in die Ferne schweifen und das Nahe liegende übersehen”, kommentiert die Korea Times die neue Hinwendung des Landes zum Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Präsident Lee Myung-bak wolle im Zuge des am 1. Juni begonnen ASEAN-Gipfels die Beziehungen zu den Ländern in unmittelbarer koreanischer Nachbarschaft auf eine neue Stufe heben, und das sei “längst überfällig”. Mit seinen zehn Mitgliedsstaaten sei der Verband bereits der drittgrößte Handelspartner Südkoreas, nach China und der EU, er stelle einen wichtigen Markt für Investitionen und den koreanischen Bausektor dar. “Südostasien und Korea vernetzen sich wirtschaftlich, politisch, kulturell und sozial mit enorm hoher Geschwindigkeit.” Nun müsse überlegt werden, wie die bilateralen Bindungen in gleichberechtigte und für beide Seiten profitable Kooperationen gemünzt werden könnten. Bislang habe es Seoul verpasst, eine ernst zu nehmende Initiative zu ergreifen.
Fundstück: Finderlohn für den Hund, nicht für die Frau
Die Scheidungsschlacht zwischen Veronica Lario und Italiens Premierminister Silvio Berlusconi nimmt das kanadische Finanzportal Canoe Money zum Anlass, die Privatkriege der Reichen zu analysieren. “Solche Trennungen sind oftmals so schwierig wie die Aufteilung in zwei Unternehmen.” Zumeist sei ein ganzes Team an Experten notwendig: ein Unternehmensbewerter, ein Fachmann für Anlagen- und Beteiligungskapital, ein Kunstschätzer, ein Juwelier, ein Privatdetektiv – “und ein Experte für forensische Arbeit, der den Cash Flow der gemeinsamen Konten genau nachverfolgt.” Problem sei, dass die meisten Vermögenswerte gebunden seien. Und so mancher habe über die Scheidung seinen Status als Milliardär verloren. Dennoch hinderten Scheidungen die Reichen dieser Welt nicht daran, erneut zu heiraten – die Heiratsverträge würden dann lediglich genauer ausgearbeitet. Richtig spannend seien Trennungen aber vor allem aufgrund der schmutzigen Wäsche, die öffentlich gewaschen werde, wie im Falle der Berlusconis. Welche Ausmaße das annehmen könne, habe jüngst ein reiches, amerikanischen Paar gezeigt: Sie habe den gemeinsamen Hund mitgenommen, worauf der geschasste Ehemann in der Stadt Suchanzeigen anschlagen ließ, mit dem Text: “Frau und Hund vermisst. Für den Hund zahle ich Finderlohn.”
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Kerstin Herrn, Florian Käfer.



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