Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt am gestern beschlossenen Umbau des deutschen Landesbankensektors. Dagens Industri warnt vor den Gefahren baltischer Kredite. Les Echos aus Frankreich blickt ernüchtert zurück auf das G20-Treffen. Die Japan Times rät Japan, wie China massiv in Öl zu investieren. Fundstück: Bier, Koks und Mail-Overkill.
Folgt jetzt der überfällige Umbau des deutschen Landesbankensektors? Gestern haben sich die Unions-Ministerpräsidenten, deren Länder Anteile an den öffentlich-rechtlichen Instituten halten, mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf „wesentliche Konsolidierungsschritte“ bis Ende 2010 geeinigt. Die Ziele der effizienteren Strukturen und neuen Geschäftsmodelle sollen nach Handelsblatt-Informationen u.a. durch einen Kapazitätsabbau von bis zu 50 Prozent im Landesbankensektor erreicht werden.
Überfällig, aber nicht hinreichend sei die Selbstverpflichtung der Ministerpräsidenten, ihre Banken neu zu ordnen, meint die Financial Times Deutschland. Erst wenn aus den vage Versprechungen Maßnahmen würden, werde sich zeigen, wie ernst es den Ministerpräsidenten wirklich sei. „Die Erfahrung lässt da nichts Gutes erwarten. Der ein oder andere Landeschef würde sich wohl eher einen Finger abhacken als ein Instrument aus der Hand geben, mit dem sich so schön Strukturpolitik betreiben lässt wie mit einer Landesbank.“
„Bei großen strategischen Würfen sind im öffentlich-rechtlichen Finanzverbund immer alle dafür“, erklärt die Börsen-Zeitung. Und ergänzt: „Sie wissen nämlich: Auf dem langen Marsch durch die Gremien kommen garantiert noch reichlich Gelegenheiten, ein unliebsames Projekt scheitern zu lassen.“ So sei bereits die „die Mutter aller Fusionen“, der vor 20 Jahren gefasste Plan, alle Landesbanken unter dem Dach der DekaBank-Vorgängerin Deutsche Girozentrale zusammenzuschieben, an renitenten Landesfürsten gescheitert.
Deutsche Bank drittgrößter GM-Gläubiger
Das französische Wirtschaftsmagazin Challenges verleiht der Deutschen Bank etwas höhnisch eine „Bronzemedaille“. Das Institut liege mit Forderungen von 4,4 Milliarden Dollar auf Platz drei auf der Liste der GM-Gläubiger – die Deutschen seien die einzige europäische Bank auf der Liste. Das Dokument sei am 1. Juni vom Autobauer vorgelegt worden, der aktuell unter dem Insolvenz-Schutz von Chapter 11 steht.
Spanische Sparkassen verhandeln über Fusion
Cinco Días sieht bei den Fusionsgesprächen zwischen den südspanischen Sparkassen Cajamurcia und Cajasur neue Impulse. Insbesondere für Cajamurcia böte ein Zusammenschluss interessante Entwicklungsmöglichkeiten, entstünde doch die größte Sparkasse im Süden des Landes, zitiert das Blatt führende Angestellte der Bank. Gegen die Fusion spreche allerdings der schlechte finanzielle Zustand der von der katholischen Kirche kontrollierten Cajasur. Staatliche Zuschüsse zur Stärkung des Finanzmarktes könnten aber auch dieses Problem lösen, ist sich Cinco Días sicher.
Baltische Kredite in Gefahr
Für schwedische Finanzinstitute droht das im Baltikum bereitgestellte Geld zum Bumerang zu werden, warnt die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Mit billigen Krediten hätten Schwedens Banken viele Balten ins Verderben gelockt. 25 Milliarden Kronen (rund 2,3 Milliarden Euro) hätten alleine die Svedbank und SEB in den vergangenen fünf Jahren im Baltikum verdient. An die Aktionäre seien in diesem Zeitraum 5,5 Milliarden Kronen geflossen. Nun wachse die Kritik an dem Gebaren der involvierten Banken. Selbst der schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt schiebe ihnen eine Mitschuld an der baltischen Krise zu – die aggressive Kreditvergabe in guten Zeiten und die jetzige Zurückhaltung seien „verantwortungslos“. Nun ist aber auch für die Aktionäre „Schluss mit lustig“, schließt das Blatt. Die Börse habe auf die prognostizierten Kreditverluste von 70 Milliarden Kronen mit starken Kursrückgängen bei den Bankwerten reagiert.
G20: große Pläne, keine Taten
Les Echos aus Frankreich blickt zurück auf das G20-Treffen und stellt ernüchtert fest, dass aus den hehren Plänen des Weltfinanzgipfels in London bislang nicht viel geworden sei. Offenbar sei den Teilnehmern in den seither verstrichenen 60 Tagen die Schwierigkeiten ihrer Unternehmen – vorrangig General Motors – sowie die kritische Entwicklung der Arbeitslosigkeit wichtiger gewesen. Statt sich als Architekten eines besser regulierten Systems zu behaupten, hätten die G20-Teilnehmer die Rolle der Krisen-Feuerwehr gespielt. Vor diesem Hintergrund sei die am Mittwoch in Paris unterzeichnete Erweiterung des Doppelbesteuerungsabkommen der beiden Länder Frankreich und Luxemburg aus dem Jahr 1958 ein wichtiger Schritt gewesen. Hintergrund: Luxemburgs Budgetminister Luc Frieden und die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hätten Regelungen zum Austausch von Steuerinformationen – insbesondere zur Lockerung des Bankgeheimnisses für französische Kunden – unterschrieben. Das Abkommen sei ein Wachruf für diejenigen Wirtschaftsakteure, die noch immer glaubten, dass alles beim Alten bleibe, lautet das Fazit von Les Echos.
Gute Investitionen aus China
Die Japan Times fragt sich, ob Japan dem chinesischen Beispiel folgen sollte und jetzt massiv in Öl investieren sollte. Japan sei zurzeit noch stärker abhängig von importiertem Öl als China. Allein Russland, Kasachstan, Venezuela und Brasilien habe China zuletzt Kredite in Hoehe von 50 Milliarden Dollar gewährt. Gingen Chinas Pläne auf, hätte sich das Land 1,5 Millionen Barrel täglich zusätzlich gesichert, was einem Drittel der chinesischen Ölimporte entspreche. Chinas Strategie sei zudem gut für den weltweiten Ölmarkt: Die Investitionen sorgten für eine Ausweitung des Angebots, so dass die Preise nicht wieder exorbitant steigen würden, sobald sich die Weltwirtschaft erholte und die Nachfrage anzöge.
Fundstück: Bier, Koks und Mail-Overkill
Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins vergleicht in der Rubrik „Die Welt in Zahlen“ unter anderem den durchschnittlichen Preis für ein Pint Bier in der Londoner City ( 2,75 Pfund) mit dem einer Linie Kokain (2 Pfund). Auch abseits der Rauschmittel erkennt das Magazin bedeutende Entwicklungen, so beim Niedergang der Briefkultur, der nicht zur Verarmung, sondern zum Overkill geführt habe: Albert Einstein habe im Laufe seines Lebens rund 14.500 Briefe geschrieben – am durchschnittlichen vernetzten Arbeitsplatz gingen heute jedoch pro Tag rund 126 Mails ein.
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Florian Käfer, Fridolin Pöschl.



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