Hoffnung nach verpatzter Hochzeit

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die geplatzte Milliarden-Ehe des chinesischen Staatskonzerns Chinalco und des britisch-australischen Rohstoffkonzerns Rio Tinto. BusinessWeek sieht Citigroup-Chef Vikram S. Pandit auf der Abschussliste. ilsole24ore führt das schlechte Ergebnis der deutschen Regierungsparteien bei der Europawahl auf die Opel-Rettungsaktion zurück. Fundstück: Spanien gehen die Nummern aus.

Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns Chinalco beim britisch-australischen Rohstoffkonzern Rio Tinto ist geplatzt. Um trotzdem an die dringend benötigte Finanzspritze zu kommen, will Rio Tinto nun eine mit großem Abschlag versehene Kapitalerhöhung über 15,2 Milliarden Dollar ansteuern; außerdem plant der Konzern, seine australischen Eisenerzminen mit denen seines Rivalen BHP Billiton zusammenzulegen.

Das Wall Street Journal erkennt im zehnprozentigen Wertzuwachs der Rio-Aktie nach den jüngsten Rio-Nachrichten eine Bestätigung der Aktionäre für das Joint Venture mit BHP. Viel stärker jedoch sei die Reaktion ein Applaus für die Abkehr vom Chinalco-Deal – in den vergangenen Wochen habe sich bereits abgezeichnet, dass die Aktionäre die chinesische Beteiligung trotz der am Ende noch veränderten Rahmenbedingungen unter keinen Umständen akzeptieren würden. Im nachhinein habe sich die Haltung der Aktionäre als richtig erwiesen. Nicht nur habe sich Rio auf diesem Weg mehr Geld gesichert – 21 Milliarden Dollar gegenüber 19,5 Milliarden Dollar beim Chinalco-Deal, dank der Barzahlung in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar durch BHP im Rahmen des Joint Venture –; außerdem sei der neue Kurs für die Aktionäre wertvoller. Das Joint Venture bewerte Rios Eisenerz-Geschäft mit 63 Milliarden Dollar – fast dem Doppelten der Summe, die ihm durch den Chinalco-Deal beigemessen worden wäre.

Aus Sicht der Financial Times ist der geplatzte Deal ein ernster Rückschlag für das Selbstbewusstsein der Chinesen, für die das Engagement bei Rio Tinto das größte Auslandsinvestment gewesen wäre – und außerdem eine Perspektive, das eigene rapide Wachstum mit einer stabilen und kosteneffizienten Versorgung mit natürlichen Ressourcen zu sichern. „Für China ist dies eine bittere Lektion. Die Geschwindigkeit der globalen Expansion hat seinen Firmenkolossen wenig Gelegenheiten geboten, Erfahrungen mit der unbarmherzigen Realität von Übernahmen im westlichen Stil zu sammeln. Trotz des Rückschlags geht die FT nicht davon aus, dass China seine aggressive globale Investitionsstrategie aufgeben werde. Allein die Rückendeckung der vier staatlich kontrollierten Banken für Chinalco – für das zweite Investment hätte das Unternehmen kaum Zinsen zahlen müssen, außerdem habe es keine Frist zur Tilgung der Schulden gegeben – habe den Ehrgeiz der Chinesen untermauert.

Für Les Echos aus Frankreich ist die Mega-Kapitalerhöhung bei Rio Tinto ein positives Zeichen in der Krise. Noch vor kurzer Zeit wäre dieser Schritt undenkbar gewesen, weshalb sich die hochverschuldete australische Bergbau-Gruppe noch im Februar in die Arme der Chinalco-Chinesen habe werfen wollen. „Heute ist nicht mehr die Zeit der eiligen Lösungen. Die Investoren finden allmählich wieder ihren „Geist“. So „bewässere“ die Liquidität von neuem die Märkte, gleichwohl in homöopathischen Dosen. Selbst die „Pestkranken“ von gestern erhielten wieder ihr Bürgerrecht: die Bergbau-Konzerne, die von einem Anstieg der Preise für Rohstoffe profitierten, sowie die Banken, die sich nach langen Monaten der Quarantäne diesseits und jenseits des Atlantiks wieder auf den Märkten refinanzierten.

Vikram S. Pandit auf dem heißen Stuhl

Nach Einschätzung von BusinessWeek wackelt der Stuhl von Citigroup-Chef Vikram S. Pandit bedenklich. Hintergrund sei ein Konflikt zwischen dem Bankenboss und der Chefin des US-Einlagensicherungsfonds FDIC, Sheila Bair, die Pandit am liebsten ablösen möchte. Kritikpunkte: Dem CEO fehlten die Fähigkeiten und agiere nicht schnell genug, um die angeschlagene und hochkomplexe Bank wieder auf Kurs zu bringen; ursprünglich habe sich Pandit dagegen gewehrt, sich von Firmenzweigen zu trennen und den „finanziellen Supermarkt“ von Citi zu trimmen; schließlich habe Pandit von Beginn an primär Erfahrungen im Investmentbanking, aber weniger im Retail-Geschäft vorweisen können. Der FDIC habe gute Gründe, sich eine Citigroup in guter Gesundheit zu wünschen: Die Agentur sichere 29,9 Milliarden Dollar an Citi-Einlagen und anderen Konten sowie weitere 34,6 Milliarden an garantierten Citi-Bonds. Vertreter der Regierung hätten bereits bei Verwaltungsratsmitglied Jerry Grundhofer, Ex-Chef der U.S. Bancorp, angeklopft, ob er an dem Posten interessiert sei. Grundhofer habe sowohl beim Commercial Banking, Pandits Schwachstelle, als auch bei der Sanierung angeschlagener Banken Erfahrung.

Regulierung des Derivatemarktes unzureichend

Der New York Times geht der Plan der US-Regierung zur Regulierung des Derivatemarktes nicht weit genug. Hintergrund: Zwar sollen künftig standardisierte Derivate nur über den Umweg einer Clearinggesellschaft gehandelt werden können, dies gelte jedoch nicht für individuell zugeschnittene Derivate („customized derivatives“), die weiterhin privat gehandelt werden könnten – ohne dass ihre Preise verglichen werden könnten. Diese Regelung wirke wie ein Beruhigungsmittel für Banken, die gegen Transparenz und Bekanntmachung gekämpft hätten. „Sie wissen genau, dass Kunden, die auf Derivate setzen – darunter Investmentfonds, große Firmen und reiche Einzelpersonen – voraussichtlich weniger zahlen würden, falls sie Preise vergleich könnten.“ Jetzt komme es auf den US-Kongress an, den Plan zu verbessern.

EU-Wahl: bittere Quittung für Opel

Das schlechte Wahlergebnis der deutschen Regierungsparteien bei der Europawahl führt der italienische Wirtschaftstitel ilsole24ore auf die mangelnde Akzeptanz der Deutschen für die Rettungsaktion von Opel zurück. Zum Missfallen der Deutschen fließe von den 300 Millionen Euro aus dem staatlich verbürgten Überbrückungskredit nur ein Teil in die deutschen Werke. Außerdem kursierten Gerüchte, dass Magna weniger Eigenkapital einbringe, als ursprünglich vereinbart; die Frage der Pensionsrückstellungen sei schließlich nicht annähernd geklärt. Während der Deal mit Magna weit von den ursprünglichen Konditionen entfernt sei, stehe Fiat bereit, wieder in die Verhandlungen einzutreten, trotz seines amerikanischen Engagements mit Chrysler.

Plädoyer für die Globalisierung

Die Japan Times bricht eine Lanze für die fortgesetzte Globalisierung von Wirtschaft und Handel – und warnt im Gegenzug vor den Gefahren des Protektionismus. Aktuell verflachten die Gespräche zwischen einzelnen Länder und drifteten in Plattitüden ab. Die Gefahr des Protektionismus bestehe darin, dass einzelne Länder Aktionen starteten, die den Wettbewerb verzerrten und die allgemeine Leistungsfähigkeit der Wirtschaft schwächten. So investierten international agierende Banken auf politischen Druck der Regierungen hin primär im eigenen Land oder zögen gar Geldmittel aus ausländischen Geschäftszweigen ab, um einheimische Unternehmen zu unterstützen. Dies geschehe auch, wenn Industrienationen ihre Zinsen erhöhten, was sich wiederum auf die Kreditkosten von Entwicklungsländern auswirke und damit deren Staatsverschuldung in die Höhe treibe. Als Ausweg schlägt das Blatt eine Kommission vor, die regelmäßig über die wirtschaftliche Weltlage diskutiere, beispielsweise auf Grundlage des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses beim Internationalen Währungsfonds.

Neue Ära der finanzpolitischen Kooperation in Asien

Die Far Eastern Economic Review erkennt im Beschluss der asiatischen Staatengemeinschaft Asean Plus Three, ihren Hilfsfonds kräftig auszuweiten eine „neue Ära der finanzpolitischen Kooperation“. Die bisher auf Grundlage der Chiang Mai Initiative – einem Zusammenschluss von Staaten nach der Asienkrise, mit dem Ziel, sich bei ähnlichen Krisen in Zukunft gegenseitig beizustehen – initiierten bilateralen Divisentausche sollen künftig in einen regionalen Pool überführt werden, der mindestens 120 Milliarden Dollar an Währungsreserven umfasse; 20 Prozent steuerten die zehn Mitgliedstaaten der Vereinigung Südostasiatischer Staaten, die restlichen 80 Prozent die nordostasiatischen Länder Südkorea, China und Japan bei. Außerdem soll ein regionales Überwachungssystem der Finanzmärkte aufgebaut werden. Trotz der richtungsweisenden Beschlüsse werde die asiatische Staatengemeinschaft jedoch nicht ohne die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds auskommen, der noch alleine über die entsprechende Expertise und das Personal der Überwachung verfüge – selbst ein möglicher Asian Monetary Fund würde den IWF nicht überflüssig machen.

Fundstück: Spanien gehen die Nummern aus

Spanien gehen die Handynummern aus, warnt die Gaceta de los Negocios. 73 Prozent der mit der Zahl „6“ beginnenden Telefonnummern seien bereits verbraucht. So groß sei die Nachfrage der Mobilfunkbetreiber, dass das spanische Industrieministerium nun prüfe, eine neue Nummernserie mit der Startzahl „7“ freizugeben. Jetzt sei die spanische Bevölkerung aufgerufen, die Idee zu diskutieren oder weitere Lösungsvorschläge zu präsentieren.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.

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