Chrysler-Übernahme: „Fiat oder Liquidation“

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich überrascht vom Veto des Obersten Gerichtshofs der USA beim Verkauf von Chrysler an Fiat und rätselt über die Zukunft des Autobauers. Die Financial Times sieht eine mögliche Wende im Streit zwischen Porsche und VW durch den Einstieg eines Investors. Vedomosti kritisiert Putins Machtkonzentration. Fundstück: iPhone-Software gegen die Krise.

Der Oberste Gerichtshof der USA stürzt den Verkauf von Chrysler an Fiat in Unsicherheit, schreibt das Wall Street Journal. Das Schicksal des US-Automobilkonzerns hänge nun von der Entscheidung des Gerichts ab, das den Deal auf Ersuchen mehrerer Rentenfonds aus Indiana vorerst blockiere. Der Verkauf von Chrysler an Fiat könne sich so um Wochen und Monate verzögern und Zehntausende Jobs im Mittleren Westen der USA gefährden. „Es gibt keine andere Möglichkeit: entweder Fiat oder Liquidation“, zitiert das Blatt eine Person, die mit der Restrukturierung des Autokonzerns befasst sei. Sollte der Deal nicht bis zum 15. Juni abgewickelt sein, habe Fiat die Möglichkeit, von dem Kauf zurückzutreten. „Die gestrige Erklärung des Gerichts gibt keinerlei Anhaltspunkte über die nächsten Schritte oder darüber wie lange der Verkauf gestoppt wird“, so die Zeitung.

„Nicht so schnell, Mister President“, titelt Forbes mit Blick auf den gestoppten Chrysler-Verkauf. Eine Weile habe es so ausgesehen, dass Barack Obamas halsbrecherische Mission – die Neuerfindung der amerikanischen Autoindustrie – nichts hätte stoppen können. „Nachdem er den Gläubigern, den Arbeitnehmern, den Zulieferern und den Händlern schmerzhafte Opfer abverlangt hat, schickte er Chrysler und GM und die so genannte ,schnelle, chirurgische Insolvenz’“, fasst das Blatt zusammen. All das sei nun zum Stillstand gekommen. Sollte der Chrysler-Fall tatsächlich vom Obersten Gerichtshof überprüft werden, könnte das auch die Insolvenz von GM verlangsamen. „Wie George W. Bush bei seinem ,Mission Accomplished’-Debakel im Irak bereits gelernt hat, ist es immer gefährlich, voreilig den Sieg auszurufen“, zitiert das Blatt einen Experten.

Businessweek sieht ebenfalls ein Risiko, dass der stockende Chrysler-Verkauf auch Konsequenzen für die Insolvenz von General Motors haben könnte. „Die Entscheidung des Obersten Gerichts, den Deal vorerst zu stoppen, könnte mehr als nur Chrysler betreffen“, schreibt das Blatt. GM befinde sich ebenfalls mit Unterstützung des Weißen Hauses im Insolvenzverfahren. Sollten die Rentenfonds den Verkauf von Chrysler torpedieren, könnte es Auswirkungen auf die Wiederauferstehung von GM aus der Insolvenz haben. „Der größte amerikanische Autobauer wäre Chrysler vielleicht nicht in die Insolvenz gefolgt, wenn nicht alles den Anschein erweckt hätte, glatt zu laufen“, zitiert die Zeitung einen Experten.

Opel-Übernahme wackelt

Im aktuellen wirtschaftlichen Klima scheint kein Geschäft sicher zu sein, kommentiert Globe and Mail aus Kanada. Noch vor kurzem habe Magna den Kauf von Opel gefeiert. Doch nun würden die kritischen Stimmen immer lauter. Die Bieterrunde um Opel sei sogar noch offen, sei im deutschen Wirtschaftsministerium zu hören. Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti habe Fiat indes Unterstützung bei seinen Expansionsplänen zugesagt. „Es kann sein, dass die deutsche Regierung Manga unter Druck setzen möchte, damit das Unternehmen sein Angebot nachbessert. Es kann auch sein, dass Magna wirkliche Probleme bei der Übernahme bekommt“, mutmaßt die Zeitung. Die Hindernisse seien jedenfalls anspruchsvoll, und die Verhandlungen stünden erst am Anfang.

Porsches Retter kommt vom Golf

Der Einstieg des staatlichen Investmentfonds des Golfstaates Qatar könnte Porsches Geldsorgen mildern und das Blatt im Streit mit Volkswagen wenden, schreibt die Financial Times. Der Zeitung lägen Informationen vor, wonach Porsche-Chef Wendelin Wiedeking über den Verkauf eines 25-prozentigen Anteils an Qatar verhandele. Gemessen am aktuellen Marktwert, könnte der Golfstaat rund zwei Milliarden Euro investieren. „Der Deal stellt Ferdinand Piëchs Ambitionen, das Steuer nach der Fusion zwischen Porsche und Volkswagen zu übernehmen, in Frage“, kommentiert das Blatt. Der Enkel von Ferdinand Porsche habe in der Vergangenheit die Übernahme von Porsche durch VW favorisiert, was seine Macht beim größten Autobauer Deutschlands festigen würde. Eine mögliche Investition aus Nahost stärke die Position von Porsche bei den Fusionsverhandlungen.

Landesbanken vederben Sparkassen-Party

Die Börsen-Zeitung blickt auf die Feiern zum 200-jährigen Bestehen von Sparkassen in Deutschland in der kommenden Woche. Und stimmt zunächst eine Hymne an: Die Sparkassen, die in etlichen anderen europäischen Ländern längst von der Bildfläche verschwunden seien, hätten sich in Deutschland als zählebig erwiesen – die Sparkassengruppe sei nicht nur unangefochtener nationaler Champion, sondern die nach wie vor größte Finanzgruppe der Welt. Aktuell seien jedoch die Landesbanken der „Stimmungstöter auf der 200-Jahre-Party“: „Müssten die Eigentümer der Landesbanken wie im Rahmen des Bad-Bank-Modells der Bundesregierung vorgesehen, anders als etwa die Altaktionäre von Commerzbank oder Hypo Real Estate, uneingeschränkt für Altlasten der regionalen Spitzeninstitute haften und Kapital nachschießen bzw. Garantien stellen, dürfte das über den bundesweiten Haftungsverbund vermutlich sehr schnell fatale Folgen zeitigen.“ Dann seien kleine, völlig unverdächtige Sparkassen plötzlich systemrelevante Adressen.

Letzte Hoffnung Putin

Vedomosti kommentiert die Proteste von Arbeitnehmern in der Stadt Pikalewo in der Nähe Sankt Petersburg wegen ausstehender Löhne, die nur durch das Eingreifen von Wladimir Putin und das seinerseits versprochene Geld beigelegt werden konnten. Der Vorfall sei symptomatisch für das System, das der jetzige Premier in seiner Zeit als Präsident geschaffen habe. „Die Demontage staatlicher Institutionen führte dazu, dass die Bürger sich nur noch an Putin persönlich wenden können“”, schreibt das Blatt. Die Situation, die normalerweise das Eingreifen eines örtlichen Gerichtes, der Lokalpolitik oder des Gouverneurs erfordert hätte, sei so nur auf höchster Ebene zu lösen gewesen. „Aber was ist, wenn es bald Hunderte solcher Fälle gibt?“ fragt das Blatt. Der Premier habe wegen der zunehmenden Zentralisierung keinen mehr, mit dem er seine Verantwortung teilen könne.

Fundstück: iPhone-Software gegen die Krise

Das neue iPhone ist da. Die New York Times bedauert, dass es leider ohne die Applikationen auskommen wird, die sich ein Autor der Zeitung ausgedacht hat, um das Leben in der Wirtschaftskrise angenehmer zu machen. Für arbeitslose Architekten gibt es zum Beispiel Limbo, eine App, mit dem Projekte erstellt werden können, die nie gebaut werden – mit denen der Spieler dennoch gegen andere arbeitslose Architekten antreten kann. Mit Actioneer können iPhone-Besitzer die Ebay-Auktion, bei der sie Großvaters alte Uhr und sonstiges Zeug versteigern, um an Geld zu kommen, live mitverfolgen. Das Programm Ixnay formuliert Nachrichten an die Kinder, um ihnen etwa den Wunsch nach einer neuen Playstation 3 oder anderem Spielzeug auszuschlagen. Mit Scrape und dem eingebauten GPS zeigt das iPhone alle Teilzeitjobs in einem Fünf-Meilen-Radius an – Sie können sich entweder beim Einparkservice oder in der Fast-Food-Kette versuchen.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Maxim Kireev, Daniel Lenz

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

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