Arcandor-Insolvenz: Daseinsberechtigung verspielt

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Insolvenzantrag des Essener Handels- und Touristikkonzerns Arcandor und sucht nach Ursachen und Schuldigen. Das Wall Street Journal fordert eine Lösug für die Citigroup. Economist und Veckans Affärer beobachten Apples Siegeszug auf dem Smartphone-Markt. Fundstück: Grünwein für die Welt.

Das Wall Street Journal erklärt die Insolvenz des Kaufhausbetreibers Arcandor mit dem Scheitern des Verkaufskonzepts „Alles unter einem Dach“. Wie in den USA oder in den anderen europäischen Ländern seien Kaufhäuser von großen Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“ oder von Spezialgeschäften verdrängt worden, die eine größere Auswahl in speziellen Produktgruppen anböten. Hinzu kämen die hohen Mieten in den Innenstädten und die Profillosigkeit von Karstadt, die die Kunden verjagt habe. Auch Woolworth und Hertie hätten aus diesen Gründen Insolvenz anmelden müssen. „Dem letzten verbliebene Kaufhausbetreiber Metro ist es besser ergangen, weil er seine Kaufhof-Filialen und das Sortiment behutsam aufgewertet hat und nun Bekleidung Schmuck und Geschenkartikel im Premiumsegment vertreibt“, schreibt das Blatt.

Die Börsen-Zeitung meint, die Insolvenz bedeute zwar keineswegs das Aus für die 43.000 Arbeitsplätze, die von der Insolvenz direkt betroffen seien, allerdings könnten beim Versuch, für die verwertbaren Teile des Konzerns eine neue Heimat zu finden, Unwägbarkeiten zum Vorschein kommen – die Vertragsdetails aus den zahlreichen M & A-Transaktionen aus der Ära Middelhoff könnten noch manche Tücke bergen. Die Insolvenz werde vermutlich zur Zerschlagung von Arcandor führen, was jedoch nicht bedauerlich sei: „Was außer dem Verschieben von Vermögenswerten unter dem Konzerndach machte den Konzern in der Vergangenheit eigentlich aus? Von einem Zusammengehörigkeitsgefühl dürfte jedenfalls erst mit der Bedrohung durch die Insolvenz die Rede gewesen sein. Engere geschäftliche Verquickungen oder gar Synergien zwischen den drei Säulen gab es jedenfalls kaum.“

„Man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, wenn es doch gelingt, handelt es sich oft um eine unappetitliche“, kommentiert Les Echos aus Frankreich die Krise bei Arcandor. Und rekapituliert: Zwei Mal bereits sei die Konzerntochter Karstadt der Pleite entkommen. Als „alte Dame“ von 128 Jahren, die genauso viele Menschen wie Opel beschäftige, sei Karstadt davon ausgegangen, recht einfach bei Angela Merkel Gehör zu finden. Doch da die beiden großen Aktionäre aus Sicht der Kanzlerin nicht alle Möglichkeiten zur Abwendung der Krise ausgeschöpft hätten, habe Merkel eine privatwirtschaftliche Lösung bevorzugt. Doch die Metro könne es sich nicht erlauben, auch nur die Kosten für die Umstrukturierung eines solchen großen Bazars zu tragen. „Der große Ausverkauf ist unvermeidbar, und die Banken stehen in der ersten Reihe, um dafür herhalten zu müssen.“

Die Kaufhäuser – die Dinosaurier im deutschen Einzelhandel – sterben aus, analysiert die Financial Times. Seit Ausbruch der Krise seien 500 der 643 Kaufhäuser, die zu den fünf größten Ketten gehörten, in Deutschland pleite gegangen. Das liege vor allem am veränderten Kaufverhalten und an der Polarisierung im Handel zwischen Discountern und Spezialisten. „Es gibt kaum noch Nachfrage nach traditionellen Kaufhäusern, die auf die Mittelschicht abzielen“, zitiert das Blatt einen Experten. Während Karstadt sein Konzept nicht verändert habe, habe Metro seine Kaufhaussparte neu positionieren können: Das Sortiment sei ausgedünnt und den Geschäften ein eleganterer Look verpasst worden. Nun wolle Metro 60 von Karstadts 127 Filialen übernehmen, um so zur unangefochtenen Nummer Eins in Deutschland zu werden.

Probleme der Citigroup haben Priorität

Zehn US-Banken dürfen 68 Milliarden Dollar an Staatshilfe aus dem TARP-Programm zurückzahlen, darunter Goldman Sachs und J.P. Morgan. Besonders die Zukunft der Citigroup, die schon drei Mal staatlich gestützt werden musste, bleibt nach Einschätzung des Wall Street Journal unklar – sie gehört zu den vier von fünf großen Banken, die noch nicht ihre TARP-Gelder zurückzahlen durften. Der vom US-Einlagensicherungsfonds FDIC initiierte Umbau des Managements reiche nicht weit genug. Unter den US-Regulatoren herrsche Uneinigkeit, ob man die Autorität besitze, einen Finanz-Supermarkt wie die Citi umzukrempeln. „Vor dem Hintergrund aller Aktionen der Fed und des Finanzministeriums in den vergangenen eineinhalb Jahren erscheint es nun befremdlich, zu argumentieren, dass ihnen die legale Autorität zum Handeln fehlt“, meint das WSJ. Zwar wäre eine Lösung des Citi-Problems, also eine Umstrukturierung der Bank teuer, die Vorteile wären aber immens: Der führende Kandidat für ein „zombie-bankdom“ würde aus dem Finanzsystem verschwinden, außerdem könnte das langsame Einsickern von Steuergeld in das Institut beendet werden.

Das Erfolgsgeheimnis von Apples iPhone

Anlässlich der diesjährigen Apple Entwicklerkonferenz, dem Worldwide Developers Forum in San Francisco, geht das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer dem Phänomen iPhone auf den Grund. Neben dem iPhone ist es der App Store, die dazugehörende Software-Plattform, die Nokia, Samsung und Sony Ericsson eindrucksvoll gezeigt hätten, wie ein erfolgreiches Geschäftsmodell funktioniere. Die ehemaligen Platzhirsche auf dem Mobilfunkmarkt hätten heute zwar auch alle ihre eignen Softwareplattformen, allerdings blieben diese weit hinter der Zugriffsrate des Apple-Originals von mehr als einer Milliarde zurück. Apple habe es geschafft, den nachgelagerten Industrien, wie beispielsweise dem Spieleentwickler Gameloft, einen lukrativen Absatzkanal zu bieten. „Dieser nachgelagerte Markt wird in Zukunft entscheidend zum Erfolg der jeweiligen Hersteller beitragen“, prophezeit das Blatt.

Apple will mit seinem neuen iPhone und der verbesserten Software für die alten Geräte seine Marktführerschaft bei Smartphones zementieren, schreibt der Economist. Die Funktion, alle Daten vom Gerät ferngesteuert zu löschen – etwa wenn es verloren geht – ziele besonders auf die Geschäftskunden ab. Diese hätten bisher eher die Konkurrenz von BlackBerry bevorzugt. Auch die Unternehmen Palm, Nokia und Google hätten Ambitionen auf diesem Markt. „Kein Wunder, schließlich sollen die Verkäufe von Smartphones um 27 Prozent steigen, während der Handymarkt um vier Prozent schrumpft“ schreibt das Blatt. Der größte Vorteil von Apples iPhone gegenüber den Wettbewerbern sei die Vielzahl verfügbarer Zusatzsoftware, so genannter Apps. „Während es für das iPhone bereits 50.000 Apps gibt, hat Blackberry lediglich 1000 im Angebot und Palm nur ganze 20“.

Nur „SuperFrau“ Merkel und CheneyMan bieten Obama die Stirn

Für Forbes ist es kein Zufall, dass Gordon Brown bei seiner Rede zum D-Day-Gedenktag Omaha Beach in „Obama Beach” umtaufte. Die Anwesenheit des US-Präsidenten – des „Brückenbauers zur Welt der Moslems, Gesprächspartners für verschiedenste Zivilisationen, Retters des Glaubens an Amerika“ – habe den britischen Premier nervös gemacht. Nicht nur Brown, sondern beinahe die gesamte republikanische Partei könne es mit Obamas Charisma, Rhetorik und Satzrhythmus nicht aufnehmen. Der einzig verbliebene Politiker aus der Opposition sei Dick Cheney – der mit der Furchtlosigkeit eines Pensionärs spreche und als „CheneyMan“ der republikanische Superheld sei. Interessanterweise sei die zweite Person, die ebenfalls das Duell mit Obama suche, eine, die auch keien Ansprüche auf das Präsidentenamt anmelde: Angela „SuperFrau“ Merkel. Sie sei zwar keine große Poetin, nehme Obama aber seine Ideen und Initiativen übel, darunter die „waghalsigen“ Stimulus-Pakete. „Dick Cheney und Angela Merkel. Zwei Politiker, die dorthin gehen, wohin sich andere nicht trauen. Was würden die Republikaner ohne sie machen“, schließt der Autor Tunku Varadarajan, Wirtschafts-Professor und Forbes-Kolumnist.

Spanische Holding für Übertragungsrechte von Fußballspielen auf Investorensuche

Die spanische Wirtschaftszeitung El Economista zitiert Quellen, laut denen die von Mediapro und Prisa geplante Holding für Senderechte von Fußballspielen auch ausländischen Gesellschaftern offen stehe. Angesichts des hohen Kapitalbedarfs des geplanten Konsortiums seien externe Investoren herzlich willkommen. Als mögliche Partner kommen laut El Economista Digital+, Telmex, News Corp, Vivendi, France Télecom und Mediaset in Betracht. Bisher habe allerdings nur die spanische Telefónica ernstes Interesse gezeigt, sich an der Fußball-Holding zu beteiligen.

Fundstück: Grünwein – die unbekannte Spezialität aus Portugal

Obwohl Portugal weltweit das einzige Land sei, das so genannten Grünwein produziere, exportierten die Portugiesen den Wein nicht, wundert sich das Jornal de Negócios. Dabei habe der Wein, der aus unreifen Trauben gemacht wird, längst nicht mehr die starke Säure, durch die er früher bekannt war. Die Aromen des heutigen Grünweins seien sehr angenehm, diversifiziert und von hoher Qualität. Grünwein zeichne sich zudem durch einen niedrigeren Alkoholgehalt aus. Konsumenten in Amerika, Asien oder Afrika könnten eine Flasche Grünwein theoretisch schon für 7 bis 10 Euro erwerben.

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Mitarbeit: Charlotte Bartels, Florian Käfer, Fridolin Pöschl

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