Die internationale Wirtschaftspresse prophezeit dem schwedischen Autobauer Saab trotz seiner Übernahme durch die Luxusschmiede Koenigsegg eine schwere Zukunft. Vedomosti kommentiert Gazproms Sparkurs. Die Financial Times analysiert den dramatischen Absturz der lettischen Wirtschaft. Die Asia Times erwartet nach dem BRIC-Treffen eine kapitalistische Finanzrevolution. Fundstück: das Ende des Eigentums.
Die Übernahme der GM-Tochter Saab durch den schwedischen Luxus-Autobauer Koenigsegg ist, einer Analyse des schwedischen Wirtschaftsmagazins Affärsvärlden zufolge, in Wahrheit der Versuch des kleinen Sportwagenherstellers, sich selbst zu retten. Mit den Saab-Ingenieuren stünden dem Unternehmen die notwendigen Entwicklungs-Ressourcen zur Verfügung, um elektro- oder hybridbetriebene Sportwagen für eine größere Kundengruppe herzustellen. Als wichtiger Finanzier für die Saab-Übernahme gilt der norwegische Unternehmer und Koenigsegg-Miteigner Bård Eker. Allerdings verfüge Eker bei weitem nicht über das notwendige Kapital für die Fortsetzung der seit Jahren fast chronisch Verlust bringenden Produktion der GM-Tochter. „Bis Saab im Jahr 2011 die Verlustzone verlässt, wird wohl der schwedische Staat mit entsprechenden Garantien einspringen müssen“, spekuliert das Blatt.
BusinessWeek fragt sich, ob Saab es überhaupt Wert sei, gerettet zu werden. Der Absatz sei zum Vorjahresmonat um mehr als die Hälfte eingebrochen. Koenigsegg werde daher gezwungen sein, möglichst schnell neue Modelle bei Saab an den Start zu bringen. Insgesamt erinnere die Übernahme Saabs an den Kauf von MG Rover durch das britische Phoenix-Konsortium im Jahr 2000. Rover sei die letzte rein britische Marke gewesen. Doch alle Versuche, sie wiederzubeleben, seien gescheitert. 2005 habe das Unternehmen Insolvenz angemeldet. „Vielleicht haben auch diesmal ein paar Autonarren beschlossen, eine Heimatmarke zu retten“, mutmaßt das Blatt. Es liege jedenfalls bei Christian von Koenigsegg, nicht den gleichen Fehler zu begehen wie die Engländer. Eines sei jedenfalls sicher: „Koenigsegg wird der Name Saab viel mehr am Herzen liegen als GM, und das ist schon Mal ein Anfang“.
Während der Verkauf von Saab weitere Ungewissheiten im Insolvenzprozess des amerikanischen Konzerns General Motors ausräumt, sei die Zukunft des schwedischen Autobauers weiterhin unsicher, schreib das Wall Street Journal. Sollte der Deal durchgehen, sei die „luxuriöse Autoboutique“ Koenigsegg mit der Aufgabe konfrontiert, die jahrelang steigenden Verluste bei Saab in Gewinne umzukehren. Bisher habe das 22 Jahre alte Unternehmen stückweise Sportwagen für die Reichen gebaut. „Um Saab zu retten, müssen gewaltige Hindernisse überwunden werden“, schreibt das Blatt. So betrage Saabs Schuldenlast rund eine Milliarde Euro. Außerdem müsse das Unternehmen seine Ausgaben reduzieren und Zeit für den notwendigen Turnaround gewinnen. Neben Koenigsegg –mit einem 66-prozentigen Anteil – gehören auch die Norwegische Eker Holding mit 11,5 Prozent und der amerikanische Investor Mark Bishop mit 22,2 Prozent zu den neuen Aktionären.
Die New York Times hält Saab für zu klein zum Überleben. Im vergangenen Jahr habe der schwedische Autobauer insgesamt nur 93.000 Autos verkauft. Die Kundschaft von Saab sei zwar loyal, aber auch ziemlich klein. Die Übernahme durch Koenigsegg scheine eine kurzfristige Lösung zu sein, die das Kernproblem aber nicht beseitige. „Saab ist zu klein, um damit langfristig Geld zu verdienen“, zitiert das Blatt einen Experten. Währenddessen trenne sich GM neben Opel und Saab auch von anderen Marken, gibt die NYT ein Update: Die Marke Hummer gehöre nun einem chinesischen Hersteller, und Saturn sei nun Teil der Panske Automotive Group, einem der größten Händler in den USA. Bis 2010 solle die Marke Pontiac ebenfalls abgewickelt werden.
Energieriese geht vom Gas
Entgegen früheren Behauptungen der Gazprom-Führung werde der russische Energieriese selbst bei wichtigen Schlüsselprojekten weniger investieren, schreibt Kommersant. Die Inbetriebnahme des riesigen Bovanenkovskoe-Gasfeldes auf der Jamal-Halbinsel verschiebe sich so um ein Jahr auf 2012, die geplanten Investitionen sollen um 15 Prozent sinken. Offensichtlich gehe Gazprom davon aus, dass sich die Nachfrage nach russischem Gas nur sehr langsam erholen werde. Durch das Verschieben neuer Projekte werde die Fördermenge von Gazprom vorerst sinken. „Die Entscheidung, das Bovanenkovskoe-Gasfeld vorerst zu verschieben, sei die erste vernünftige Reaktion auf die Krise“, schreibt das Blatt. Bisher habe Gazprom sich nicht von der sinkenden Nachfrage abhalten lassen, immer größere Pipelines nach Europa anzukündigen.
Lettland: politisch extrem schmerzhaft
Lettland versuche seine Wirtschaft mit drastischen Sparmaßnahmen zu retten, und den Wechselkurs stabil zu halten, schreibt die Financial Times. Hauptziel sei, keine Abwertung des lettischen Lats, der bisher an den Euro gebunden ist, zuzulassen. Die Regierung in Riga habe etwa die Löhne im öffentlichen Sektor um 20 Prozent gekürzt und wolle alle kleineren Schulen schließen. „Dieser Prozess ist politisch extrem schmerzhaft, allerdings könnten sich kleinere Länder wie Lettland nicht einfach aus der Krise leihen, wie etwa die USA“, schreibt die Zeitung. Mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um fast 18 Prozent durchlebe das Land seine härteste Rezession. Es stehe mehr auf dem Spiel als nur der Wohlstand von 2,3 Millionen Letten. Sollte es dem Land gelingen, sich selbst aus der Krise zu ziehen, wäre dies ein positives Signal für andere osteuropäische Staaten. „Scheitert Lettland jedoch, könnten die Folgen, insbesondere für die kleinen Nachbarländer, dramatisch sein“, schwarzmalt das Blatt.
Herrenmode vor dem Aus
Cinco Días kommentiert die Entscheidung der Modekette Cortefiel, ihr unter der Marke Milano angebotenes Herrensortiment zu streichen. Wegen sinkender Umsätze in diesem Segment ziehe das von den Investmentfonds CVC, PAI und Permira geführte Unternehmen die Notbremse und schließe alle elf Milano Geschäfte. Im Gesamtportfolio von Cortefiel mache Milano mit zwei Prozent des Umsatzes allerdings nur einen kleinen Teil aus. Sobald die aktuellen Rabattaktionen abgeschlossen seien, wolle Cortefiel die betroffenen Läden umbauen und unter seinen anderen firmeneigenen Marken wie Springfield, Women’ Secret oder Cortefiel wieder öffnen. Allerdings habe sich der Wert dieser Marken in den letzten Jahren trotz massiver Expansion kaum verändert, so Cinco Días.
BRIC-Treffen: große kapitalistische Finanzrevolution
Das Treffen der so genannten BRIC-Staaten im russischen Jekaterinenburg könnte als Meilenstein in die Geschichte eingehen, an dem das Fundament für eine finanzielle Revolution gelegt wurde, kommentiert die Asia Times hochtrabend. Brasilien, Russland, Indien und China wollten sich nicht nur Gehör verschaffen, sondern auch ernsthaft das Weltwährungssystem reformieren. Statt ihre Staatsfinanzen in Dollar zu investieren, planten die Staaten nun Anleihen des Internationalen Währungsfonds zu erwerben. „Insgesamt werden Brasilien, Russland und China für 70 Milliarden Dollar Papiere des IWF erwerben“, schreibt das Blatt. Mit ihrer Botschaft, dass man in Zeiten der Krise trotzdem Geld für solche Institutionen zur Verfügung habe, wollten die BRIC-Länder außerdem ihre Stimmen in größeren Organisationen wie dem IWF oder der Weltbank stärken. „Die Zeit, in der USA und Europa Institutionen wie den IWF oder die World Bank alleine kontrollierten, geht zu Ende“, resümiert das Blatt
Fundstück: das Ende des Eigentums
Statt zu kaufen und Eigentum zu schaffen, werden immer mehr Gegenstände des täglichen Lebens gemietet, stellt die italienische LaStampa fest. Am Anfang war es nur der Wohnraum und das Tretboot am Meer. Dann – dank vieler amerikanischer Filme – sei auch das Ausleihen von Smokings populär geworden, und in den neunziger Jahren hätten Videotheken geboomt. Doch nun habe sich das Mieten von Gegenständen und Artikeln des täglichen Bedarfs immer mehr in der italienischen Lebensart eingebürgert. Car- und Motorrad-Sharing für Autos und schnelle Motorräder, aber auch Dress-Sharing für Kleider und Handtaschen sowie für den Nachwuchs Toy-Sharing für Spielzeugautos, Puzzles und Legosteine seien heute gang und gäbe. Für den Outdoor-Fan lasse sich der Tarzan-Kit für 90 Euro pro Tag mieten, komplett mit Zelt, Schlafsack, Beil, Kompass und Kamera. Internet-Seiten wie Italianoleggio seien die Plattformen für teuere Gegenstände, angefangen vom Hubschrauber, über Boote, aber auch für Privatsaunen und Schwimmbäder.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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