Bernanke-Anhörung: Fed unter Feuer

heliben_150Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Anhörung von Helikopter Ben Bernanke (Foto: BlueWire Studio) vor dem US-Kongress wegen der umstrittenen Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America. BusinessWeek widmet sich dem US-Markt für Kreditkarten, auf dem viele Anbieter ihre Konditionen massiv verschärft hätten. Les Echos untersucht den neuen kartellrechtlichen Eifer der Regierung Obama. Dagens Industri begrüßt den neuen H&M-Chef. Fundstück: Kontroverse um Schweineohren und Windeln.

Die Financial Times kommentiert die Anhörung von Ben Bernanke vor dem US-Kongress, bei der der Fed-Chef erklärt hat, er habe bei der umstrittenen Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America seine Kompetenzen nicht überschritten und keinen Druck auf die BoA ausgeübt. Angesichts der komplizierten Konstellation der Übernahme, an der verschiedene Regierungszweige sowie zwei Banken beteiligt gewesen seien, seien schon vorab keine klaren Antworten zu erwarten gewesen, meint das Blatt. Bernankes „Gegrilltwerden“ habe die Stimmen der Kritiker verstärkt, die der US-Notenbank nicht mehr Macht im Zuge der Reform der Finanzaufsicht verleihen wollen. Indem der Fed-Chef jedoch zum „politischen Boxsack“ gemacht werde, stehe das Ansehen der Fed auf dem Spiel, warnt die FT. Bei der Entscheidung, den Vertrag von Bernanke zu verlängern oder nicht, müsse Barack Obama den ganzen „Lärm“ der Debatte beiseite schieben. Zwar würden die Folgen der verschiedenen Fed-Schritte erst in ein paar Jahren klar. Aus heutiger Sicht verdienten Bernanke & Fed jedoch das Vertrauen der Märkte.

Das Wall Street Journal stellt den scharfen Ton bei der Anhörung von Bernanke vor dem House Committee on Oversight and Government Reform in den Vordergrund. Die Mitglieder des Kommittees hätten Bernanke häufig unterbrochen und heftig attackiert – dies sei das „rauste öffentliche Gegrilltwerden“ eines Zentralbankenchefs seit den späten 1990ern gewesen, rekapituliert das WSJ. Im Hintergrund schwele die Unruhe angesichts der Rolle der Fed im Kampf gegen die „Panik auf den Finanzmärkten“. Durch die zunehmende Kritik an der Fed wachse die Gefahr, dass die US-Notenbank dem politischen Druck ausgesetzt werde, dem sie sich jahrzehntelang habe entziehen können. Für viele Gesetzgeber sei die BoA-Saga ein Symbol ihrer „grundlegenden Frustration“: Kritiker aus dem rechten Spektrum, die seit langem die Macht der Fed anzweifelten, meinten, die Fed habe zu aggressiv in den privaten Sektor eingegriffen; linke Kritiker monierten, das Vorgehen der Fed sei undurchsichtig gewesen.

Die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch wütet und nimmt unter anderen den Fed-Chef unter Beschuss: Während der ersten Großen Depression hätten „Staatsfeinde“ die Banken ausgeraubt, heute säßen diese in den Banken sowie in der Regierung: „Helicopter Machine Gunner“ Bernanke“ oder „Clyde“ Geithner. Sie raubten das Volk aus, kosteten den Steuerzahler Billionen Dollar – und, am schlimmsten: Der US-Präsident liebe diese „Gang“ auch noch. Fazit: „Gebt die Rettung nicht in die Hände derselben Idioten, die das Chaos verantwortet haben“, mahnt der Wirtschaftsdienst – und sieht bereits die „USS Utopia“ auf Titanic-Kurs.

Verschärfte US-Antitrust Politik

Das US-Justizministerium hat seit Beginn des Jahres drei Antitrust-Verfahren gegen den Internet-Dienstleister Google eingeleitet, bemerkt die französische Wirtschaftszeitung Les Echos. Eric Schmid, CEO von Google, sei selbst als Mitglied des Beratungsgremiums Science and Technology des US-Präsidenten nicht vor dem neuen kartellrechtlichen Eifer der Regierung Obama gefeit. Neben Google seien ebenfalls einige andere „Große“ der Technologiebranche – Yahoo, Apple und Intel – ins Visier der Kartellbehörde geraten. Dies sei kein Zufall. „Es ist das Ergebnis eines intensiven Lobbyings seitens der Startup-Unternehmen und der maßgeblichen Investoren aus Sillicon Valley, die in der Dominanz einiger weniger Akteure eine große Gefahr für die innovative Kraft der amerikanischen Hightech-Landschaft sehen“, analysiert die Zeitung.

Kreditkarten-Anbieter kürzen Dispos

BusinessWeek widmet sich dem US-Markt für Kreditkarten, auf dem viele Anbieter ihre Konditionen massiv verschärft hätten. Bei immer mehr Kunden hätten die Unternehmen die Limits der Belastung drastisch gekürzt – selbst bei Kunden mit guten Jobs und soliden Rückzahlungs-Bilanzen; nach einer Studie seien allein zwischen April und Oktober 2008 die Limits bei 16 Prozent aller Kreditkartenkunden gekürzt worden; nur ein Bruchteil der Betroffenen werde jedoch als riskant (wegen häufiger verspäteter Zahlungen oder an Wert verlierender Hypotheken) eingestuft. Für die Kunden sei das Geschäftsgebaren verwirrend: Hätten die Kreditkartenfirmen früher zu Krediten geradezu verführt, nähmen sie sie nun zurück, selbst bei soliden Kunden. Hintergrund seien die extrem gestiegenen Kreditkarten-Ausfallraten von Instituten wie der Bank of America, American Express oder Citigroup, die im Mai Rekordhöhen um die zehn Prozent erreicht hätten.

Revirement bei H&M

Die Präsentation des Halbjahresergebnisses markiert das Ende der Ära Rolf Eriksen an der Spitze des Bekleidungskonzerns Hennes & Mauritz. Karl-Johan Persson, der 34-jährige Enkel des H&M-Gründers Erling Persson, wird am 1. Juli neuer Chef der schwedischen Modekette. Persson übernimmt das Unternehmen zwar in schwierigen Zeiten, doch ist dieser Führungswechsel weniger dramatisch als bei anderen Aktiengesellschaften, meint die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. H&M verfolge seit Jahren mit großem Erfolg eine in Stein gemeißelte Expansionsstrategie, darüber hinaus verfüge Persson über ausreichend Erfahrung innerhalb des Konzern. Bisher verantwortete er vor allem die Expansion, das Branding und das Erschließen neuer Geschäftsfelder. Die Familie Persson hält H&M-Aktien im Wert von rund 6,8 Milliarden Euro und hat mit 69 Prozent der Stimmen die uneingeschränkte Macht beim Modekonzern.

Neue Etappe für Endesa

Enel gibt den Startschuss für eine neue Etappe in der Firmengeschichte von Endesa, kommentiert die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Endlich beendeten Enel und Acciona – bisherige Hauptaktionäre des Energiekonzerns – ihr gemeinsames Abenteuer auf dem spanischen Markt. Man könne durchaus von einem Neuanfang sprechen, trotz der Tatsache, dass Endesa kurz vor dem Jubiläum zum 65-jährigen Firmenbestehen stehe. Dessen Zukunft liege jetzt in den Händen der italienischen Unternehmensgruppe Enel, deren Führungsstil sich inmitten der Wirtschaftskrise und angesichts abnehmender Stromnachfrage durch Realismus auszeichnen werde, schlussfolgert die Zeitung.

Fundstück: Kontroverse um Schweineohren und Windeln

Die Börsen-Zeitung blickt in die Abgründe der deutschen Steuergesetzgebung. Anlässlich der diskutierten Erhöhung der ermäßigten Mehrwertsteuersätze widmet sich das Blatt der Liste der Güter, die dem ermäßigten Satz unterliegen. Die sei äußerst widersprüchlich und führe zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen einzelnen Branchen: Milch sei steuerbegünstigt, Mineralwasser aber nicht. Zuchtpferde profitierten vom ermäßigten Satz, Wildpferde dagegen nicht. Babywindeln würden voll besteuert, Tierfutter dagegen nicht. Genießbare getrocknete Schweineohren unterlägen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz, getrocknete Schweineohren, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet seien, seien aber voll zu versteuern.

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Mitarbeit: Florian Käfer, Fridolin Pöschl

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