Kleinliches Gezerre bei Porsche/VW

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den bizarren Machtkampf zwischen Porsche und VW und lotet die Zukunftsaussichten des Sportwagenherstellers aus. La Tribune ärgert sich über Russlands Haltung gegenüber westlichen Unternehmen. Der Business Spectator attestiert China einen gekonnten Umgang mit WHO-Regeln. Fundstück: Die peinlichen Pleiten der Millionäre.

Für das Wall Street Journal ist nach dem neuerlichen Streit und Vorwurf der Erpressung klar, dass das Schicksal von Porsche mit den Verhandlungen mit Katar steht und fällt: „Eine Kapitalspritze der Qatar Investment Authority wäre der entscheidende Schritt, um die Bilanzen des deutschen Autobauers zu stützen und ihn mit mehr Verhandlungsmacht auszustatten, um eine Einigung mit VW zu erzielen.“ Doch sei nach wie vor unklar, ob Katar tatsächlich Porsche-Anteile erwerbe oder Porsche-Optionen an VW übernehme oder eine Kombination von beidem. Porsche sei bemüht, der Öffentlichkeit zu signalisieren, dass die Verhandlungen für einen möglichen Deal mit Katar nicht, wie von vielen vermutet, ins Stocken geraten seien.

Die Financial Times Deutschland moniert das „Chaos mit der VW-Aktie“. „Über kaum eine Aktie weiß der normale Anleger so wenig wie über Volkswagen. Seit Porsche seinen Versuch gestartet hat, den deutlich größeren VW-Konzern zu übernehmen, bewegt sich der Kurs der VW-Stammaktien weitgehend unabhängig von Geschäftszahlen – und oft genug gegenläufig zum Aktienindex Dax.“ Mit dem Emirat Katar werde die Lage weiter verkompliziert, denn ein dritter Großaktionär neben Porsche und dem Land Niedersachsen würde das Chaos komplett machen: „Weil der Streubesitz sinken würde, müsste die VW-Aktie womöglich sogar aus dem Dax weichen. Im Sinne von Transparenz und Fairness wäre das überfällig.“ Bei den einzelnen Spielern, wie etwa den beteiligten Banken, habe sich ein Insiderwissen angesammelt, das – missbräuchlich genutzt – nicht nur die Entwicklung der VW-Aktie, sondern die des gesamten Dax vorhersehen lasse: „Wer den nächsten Zug im Machtpoker zwischen VW und Porsche kennt, der hat einen milliardenschweren Wissensvorsprung.“ Die Kapriolen der Aktie würden ein schlechtes Licht auf die deutschen Kapitalmarktregeln werfen. Schon lange gebe es Überlegungen der Finanzaufsicht, stärkere Transparenzpflichten für Aktienoptionen einzuführen, die Anschleichmanöver wie das von Porsche bei Volkswagen unmöglich machen. „Durchgesetzt hat sich diese Forderung leider nicht.“

USA: Der schleichende Tod der verarbeitenden Industrie

24/7th Wall Street.com kommentiert den Vorschlag von General Electrics-CEO Jeff Immelt, die verarbeitende Industrie in den USA wieder aufzubauen. „Immelt glaubt, dass dieser Sektor rund 20 Prozent der Arbeitsplätze stellen müsse, weil die Erholung der Wirtschaft, die Stärkung des Konsums und die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts nicht allein über den Bankensektor gestemmt werden könne. Er hat sicher recht, doch seine Vision ist nicht umsetzbar: Sie kostet zuviel Geld“, ist das US-Wirtschaftsportal überzeugt. Zwar seien massive Infrastrukturmaßnahmen geplant, doch diese machten gerade mal zehn Prozent des Stimuluspakets aus: „Um neue Fabriken zu bauen, bedarf es riesiger Summen. Ein Beispiel: In Tennessee wollen chinesische Investoren eine Fabrik für die Fertigung von Hybridautos mit 25.000 Angestellten bauen. Kostenpunkt: 6,5 Milliarden Dollar.“ Amerika müsse sich auf seine Stärken besinnen und die Wirtschaftszweige fördern, denen es noch gut gehe: Banken und Finanzdienstleistungen; Technologiefirmen, – darunter Firmen für Soft- und Hardware, für nukleare und solare Anlagen –, sowie der Dienstleistungssektor. „Die Bedeutung der herstellenden und verarbeitenden Industrie geht seit Jahrzehnten zurück, es ist schlichtweg nicht möglich, das Kapital zu beschaffen, das für ihren Wiederaufbau nötig wäre.“

Russland vergrault westliche Unternehmer

„Renault und der russische Salat“ übertitelt La Tribune einen Kommentar zu aktuellen Entwicklungen in der russischen Wirtschaft: „Es schien ein Eldorado für westliche Unternehmer zu sein, doch nun entpuppt sich Russland als Albtraum.“ Renault sei eins der Opfer: Die Franzosen glaubten, das große Los gezogen zu haben, als sie sich 2007 mit 25 Prozent an dem Lada-Hersteller Avtovaz beteiligen durften. Doch nun stehe hinter ihrem Engagement ein Fragezeichen: „Weil der Kreml unbedingt will, das GAZ, ein von der russischen Staatsbank Sberbank gestützter Fabrikant, zusammen mit Magna Opel übernimmt, ist jetzt eine Fusion von GAZ mit Avtovaz im Gespräch.“ Renault sei nicht der einzig Leidtragende. Die Kehrtwenden der russischen Öl- und Erdgasfirmen seien hinlänglich bekannt. Der norwegische Telekomriese Telenor sei in einem grotesken Verfahren gezwungen worden, seinen Anteil am russischen Mobilfunkunternehmen Vimplecom zu verkaufen. Und Ikea habe beschlossen, seine Aktivitäten in Russland einzufrieren, aufgrund von Schikanen. „Kurios mutet das schon an, wo gerade neue Partnerschaften geschlossen werden, etwa zwischen Siemens und Rosatom oder Alsthom und TMH. Hoffentlich müssen diese Firmen nicht auch irgendwann zurückweichen.“

Spanische Sparkassen auf Partnersuche

Expansión kommentiert die geplante Neuordnung des spanischen Sparkassensektors. Der am Samstag verabschiedete Hilfsfonds der Regierung für die Neustrukturierung des spanischen Bankensektors mache den Weg frei für Fusionen unter den insgesamt 45 Sparkassen des Landes. Zwar richte sich der Hilfsfonds offiziell an alle Banken mit Liquiditätsproblemen, sei aber insbesondere für die von der Finanzkrise stark betroffenen Sparkassen gedacht. In Katalonien, der Region mit den meisten Sparkassen, sei insbesondere die Fusion von Caixa Catalunya, Caixa Girona und Caixa Tarragona wahrscheinlich. Nun müssten die Vorstände ihre jeweiligen Kreditinstitute auf einen möglichen Zusammenschluss mit anderen Sparkassen vorbereiten und sich für mögliche Partner entscheiden.

Indien braucht dringend eine Zollreform

Die Economic Times aus Indien fordert eine schnelle Reform der Einfuhrzölle, um den Finanzhaushalt zu entlasten. Die Spitzenrate von gegenwärtig zehn Prozent Zollgebühren müsse um die Hälfte gekürzt werden, denn „niedrigere Zölle würden den Wettbewerbsdruck auf die einheimische Industrie erhöhen und deren Effizienz steigern.“ Eine Reduzierung der Gebühren würde auch zur Entkräftung der Vorurteile, die es in Indien noch immer gegen die Exportpolitik gebe, beitragen. Allerdings sollten die Zölle nicht sofort drastisch gesenkt werden, da in der momentanen globalen Wirtschaftssituation die Gefahr einer „Flut billiger Importe“ bestehe. Die Reform sei aber in jedem Fall wichtig, auch mit Blick auf die Zusammenarbeite Indiens mit seinen Nachbarn in der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN). Ein verdrehtes und schwer verständliches Tarifregelwerk würde zu einer unnötigen Beeinträchtigung des freien Handels mit der ASEAN führen.

China bedient sich gekonnt der WHO

„Hat der Handelskrieg begonnen?“, fragt der australische Business Spectator mit Blick auf die Beschwerden von USA und Europa über die von China verhängten Exportbeschränkungen bestimmter Rohstoffe, darunter Zink, Koks und Bauxit. Der Unmut sei verständlich, denn viele der betroffenen Rohstoffe seien wichtig für die verarbeitende Industrie. Und der Vorwurf, China wolle damit die Preise hochtreiben, sei nicht von der Hand zu weisen. „Mit den Beschränkungen reduziert China die verfügbare Menge dieser Rohstoffe auf dem Weltmarkt, verfügt aber selbst über Unmengen – und kann so die Preise auf dem Binnenmarkt niedrig halten.“ Der Fall zeige, das China gelernt habe, sich der Welthandelsorganisation (WHO) zu bedienen, um eigene Interessen durchzusetzen. So begründe das Land die Exportbeschränkungen mit dem vom Westen eingeforderten Einsatz für Energieeffizienz und Umweltschutz. „China nutzt die Mechanismen der WHO aber auch, um Zeit zu gewinnen: Eine Klage vor der WHO dauert, und in dieser Zeit kann China bei absehbaren Kompromissen an Boden gut machen.“

Fundstück: Die peinlichen Pleiten der Millionäre
All jenen, deren Vermögen in der Finanzkrise arg geschrumpft ist, spendet Canoe Money Trost: Das kanadische Finanzportal hat eine Liste der Flops der Millionäre veröffentlicht, die Schadenfreude aufkommen lässt. So habe sich z. B. Madonna bei der Scheidung von Guy Ritchie von einer großen Summe trennen müssen: „75 Millionen Dollar, das macht fast zehn Millionen für jedes der acht Ehejahre. Madonnas Fehler: Sie hatte keinen Ehevertrag geschlossen.“ Dumm sei auch der Las-Vegas-Kasino-Besitzer Steve Wynn: Er habe Freunden einen Picasso im Wert von rund 140 Millionen Dollar gezeigt – und das Gemälde bei der anschließenden Party mit seinem Ellbogen durchstoßen: „Die Gäste mussten ihm schwören, Stillschweigen zu bewahren. Die Restaurierung kostete 90.000 Dollar, der Wert sank auf 85 Millionen Dollar.“ Und auch Tennislegende John McEnroe habe Millionen in den Sand gesetzt: „Er erwarb von einem Kunsthändler Anteile an Bilder des Malers Arshile Gorky für zwei Millionen Dollar. Was McEnroe nicht wusste: Der Händler besaß die Gemälde gar nicht.“ Glücklich davon sei dagegen der russische Starviolinist Philippe Quint gekommen: Er habe einst seine vier Millionen teure Stardivari in einem Taxi liegen lassen. Der ehrliche Fahrer meldete sich, und der Musiker bekam das gute Stück zurück – gegen ein kostenloses Konzert.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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