Immer, wenn die Angela Merkel und der Barack Obama sich treffen, findet in den Zeitungen eine Art mediales Blümchenzupfen statt: Sie mögen sich, sie mögen sich nicht, sie mögen sich, etc… Die akribische Suche der Medien nach Zeichen der Sympathie ist ein bisschen albern, aber deren auffällige Seltenheit ist beruhigend. Denn wenn Politiker einander zu sehr lieben, kommt nichts Gutes dabei heraus.
Es ist doch so: Wenn Staatsmänner resp. -frauen erkennen lassen, dass sie einander besonders mögen, sollte jedem Bürger das Messer und jedem Journalisten der Füller im Sack aufgehen. Denn dafür, einander zu lieben, werden die Herrschaften weder gewählt noch bezahlt. Wenn solche Zuneigung in der Regel folgenlos bliebe, würde man ja noch sagen: Bitte schön, auch egal. Leider zeigt die Erfahrung: Wenn Staatenlenker zu sehr lieben, können die Folgen verheerend sein.
Als zum Beispiel der Schröder den Putin zu sehr liebte, kam das in seiner Dümmlichkeit bis heute Maßstäbe setzende Wort vom “lupenreinen Demokraten” dabei heraus. Als der Blair den Bush zu sehr liebte, warfen die beiden zusammen Bomben auf Bagdad. Als der Clinton den Kohl zu sehr liebte, machte er später im Oval Office mit einer dicken Praktikantin herum.
Wenn also Merkel und Obama ein eher sachliches Verhältnis haben, ist das kein Schaden – für sie nicht und für uns erst recht nicht. Wichtig ist, dass zwischen den beiden die Politik stimmt – nicht die Chemie.



0 Kommentare zu “Poliklick: Mediales Blümchenzupfen”