Er war Polizist, ist Doktor der Philosophie, Journalist, Autor – und laut taz der beste Satiriker in diesem Land (hier seine tatsächlich genialen Wochenrückblicke auf WDR 5): Unabhängig von diesem Superlativ steht fest, dass Peter Zudeick ein Multitalent ist. Über Ernst Bloch hat er ein Buch geschrieben, später über Friedrich Nietzsche – und jetzt über die Finanzkrise: „Tschüss, Ihr da oben“ (Westend-Verlag) handelt „vom baldigen Ende des Kapitalismus“. ecolot.de bringt Auszüge aus dem Abgesang auf den Kapitalismus.
Das Kapital
In Ewigkeit. Amen.
Allenthalben hören und lesen wir, dass die gegenwärtige Krise auch eine Krise des Kapitalismus sei. Die schwerste Krise seit der großen Depression 1929 oder seit der noch größeren Depression 1873, die immerhin über zwanzig Jahre dauerte. Und hin und wieder erschallt auch ganz mutig der Ruf nach dem Ende des Kapitalismus oder zumindest dem »Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen«. Einig ist man sich vor allem darin, dass der Turbokapitalismus, wahlweise der US-Turbokapitalismus, am Ende sei.
Tatsache ist, dass die USA es geschafft haben, die Verluste aus dem katastrophalen Absturz ihrer Wirtschaft – nicht nur der Immobilienwirtschaft – zu globalisieren. Das ist sicherlich kein Ergebnis einer zielgerichteten Politik. Zumindest nicht in dem Sinne, dass sich US-Wirtschaft und US-Politik eines guten Tages hingesetzt und einander gelobt haben, dass sie zuerst den eigenen Laden und dann die ganze Welt zum Einsturz bringen würden.
Aber als die Folgen der Immobilienblase für die Banken, die Finanzmärkte, den Automobilmarkt etc. absehbar waren, da haben Ökonomen und Politiker in den USA mit der Sozialisierung der Verluste begonnen und die Freunde in Europa aufgefordert, dabei zu helfen. Angela Merkel hat zunächst fast empört abgelehnt. Aber dann hat auch die Bundesregierung das getan, was nicht mehr vermeidbar war: Um den Laden nicht völlig zusammenkrachen zu lassen, wurden Staatsprogramme aufgelegt. Weil ja alle möglichen Länder in die Krise verwickelt und von deren Folgen betroffen sind. Und das heißt im Ende: Die Besitzer von Geldvermögen werden von den Regierungen in Washington, London und Berlin und von der Europäischen Union in Brüssel aus dem Schlamassel gerettet. Die Zeche bezahlen diejenigen, die kein Geldvermögen haben.
Angesichts dieser Entwicklung wurde sogar Peer Steinbrück böse. »Ein maßloser Kapitalismus, wie wir ihn hier erlebt haben mit all seiner Gier, frisst sich am Ende selbst auf«, schimpfte der Bundesfinanzminister Ende September 2008. Und fand sogar ein bisschen Gefallen an Karl Marx: »Generell muss man wohl sagen, dass gewisse Teile der marxistischen Theorie nicht so verkehrt sind.« Diese neue Liebe zu Karl Marx hat zur Zeit immens Konjunktur. Das ist beachtlich, galt doch seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endgültig als ausgemacht, dass der Kapitalismus gesiegt habe. Weil auch noch die letzte Alternative den Bach runtergegangen sei. Das war natürlich nur für außergewöhnlich naive Gemüter plausibel. Nämlich für diejenigen, die – positiv oder negativ – die östlichen und sonstigen Sozialismen für »Verwirklichungen« des von Marx Gedachten gehalten hatten. So was kann nur behaupten, wer sich standhaft weigert, auch nur eine Zeile Marx zu lesen.
Das hat sich offenbar geändert. Der Dietz-Verlag berichtet von einem ausgesprochenen Run auf das Kapital. Was nicht viel heißen muss, da es auch sein kann, dass allerlei Zeitgeist-Surfer nur die Lücken in ihren Bücherregalen wieder schließen wollen, die entstanden, als sie nach dem Endsieg des Kapitalismus die blauen Bände auf den Müll warfen. Aber man hört auch anderes. Nämlich von Kapital-Lesegruppen, in denen wie in den alten Zeiten – den Sechzigern und Siebzigern – meist junge Menschen zusammenkommen, um Marx zu verstehen. »In früheren Jahrhunderten wandten die Menschen sich in Krisenzeiten der Religion zu. Heutzutage lesen sie auch Das Kapital. Und wenn sie es nicht lesen, dann berufen sie sich darauf.« Schreibt Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung.
1998 bot der Schauspieler Rolf Becker dem Hamburger Schauspielhaus eine Lesung an. Thema: 150 Jahre Kommunistisches Manifest. Man war nicht interessiert. Eine Hamburger Schule schon, auch der eine oder andere Asta. Aber ein Renner wurde das nicht. Auch das Hörbuch nicht, das Becker 2004 produzierte. Aber seit Anfang 2008 ist Beckers Manifest-Lesung gefragt. Ob im saarländischen Blieskastel oder in Leipzig, in Berlin, München, Stuttgart oder Elmshorn: Becker ist inzwischen als Lese- Reisender in Sachen Kommunistisches Manifest unterwegs. Und das Publikum ist begeistert. Es scheint ganz versessen zu sein auf die »Nachrichten aus der ideologischen Antike«.
Was alle möglichen Marx-Neuentdecker fasziniert, ist die Tatsache, dass Marx Mitte des 19. Jahrhunderts eine Welt beschreibt, die Anfang des 21. Jahrhunderts Wirklichkeit geworden ist. »In einer Zeit, in der die Triumphgesänge eines revitalisierten Kapitalismus nicht enden wollen, funktioniert zum ersten Mal in der Geschichte das Kapital weitgehend frei von irgendwelchen Beißhemmungen und Einschränkungen, so wie Marx es in seinem Kapital beschrieben hat.« Was Oskar Negt in seiner Hannoveraner Abschiedsvorlesung 2003 erklärte, gilt für die Jahre danach erst recht und verschärft.
Marx schreibt: »Das Kapital hat einen Horror vor der Abwesenheit von Profi t oder sehr kleinem Profi t, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital wach, 10 Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; 100 Prozent, es stampft alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.« Der Kapitalismus steckt voller Widersprüche, sagt Marx, er produziert sie unentwegt neu. Das Prinzip der Profitmaximierung zwingt den Produzenten dazu, kostengünstig zu produzieren, also die Löhne niedrig zu halten. Gleichzeitig benötigt er Konsumenten für seine Waren, also Kaufkraft. Wir können die praktischen Auswirkungen dieses Widerspruchs täglich besichtigen.
Ein weiterer Widerspruch: Das Geld, dessen Bedeutung sich von der realen Warenproduktion immer mehr entkoppelt, wird zum Wert an sich, es erscheint als verselbständigtes, »automatisches Subjekt«. Dinge, also Objekte, werden zu Subjekten, Menschen, also Subjekte, zu ohnmächtigen Objekten. Die Warenproduzenten werden von ihren Produkten beherrscht: »Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, anstatt sie zu kontrollieren.«
Geld wird so, wie die Ware, zum »Fetisch«, also zu einem vermeintlich magischen Gegenstand. Marx hat schon vor über 150 Jahren das Jonglieren mit dem Fetisch »fiktives Kapital« analysiert: »Die selbständige Bewegung des Werts« von Aktien oder anderen »Eigentumstiteln«, sagt Marx, »bestätigt den Schein, als bildeten sie wirkliches Kapital neben dem Kapital oder dem Anspruch, worauf sie möglicherweise Titel sind«. Hätte er die Bedeutung der globalen Finanzmärkte von heute und ihre totale Entkoppelung von der werteschaffenden Realwirtschaft erlebt, ihm wäre wohl schwindlig geworden angesichts der Aussagekraft seiner frühen Thesen.
Am meisten entzückt sind die neuen Marx-Entdecker freilich von der präzisen Beschreibung der Globalisierung, die Marx und Engels im Kommunistischen Manifest abgeliefert haben: »Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.
Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen.
An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.« Geschrieben 1848. Was damals noch eher erahnt als analysiert werden konnte, ist heute Wirklichkeit. Erst die Revolutionierung des Verkehrswesens, die Turbobeschleunigung der Kommunikation, die Höchstgeschwindigkeit der Geldströme macht die hochkapitalistische Globalisierung möglich, die von Marx und Engels 1848 angedacht war.
Dabei geht es Marx gar nicht in erster Linie darum, den bösen Kapitalismus zu entlarven, erst recht nicht den bösen Kapitalisten. Der gute oder böse Wille des einzelnen Kapitalisten hat ihn wenig interessiert, Raffgier war nicht sein Thema. Sehr wohl aber das System, das Raffgier anstachelt und belohnt. Insofern wird sogar der Herr Professor Sinn zu einem »Marxisten«, wenn er sagt, dass nicht die Manager für den großen Krach verantwortlich zu machen sind, »denn diese haben sich innerhalb des Systems nach bestehenden Gesetzen und Regeln verhalten und im Interesse ihrer Aktionäre an zu große Risiken herangewagt«. Freilich kommt er nicht auf die Idee, einen kleinen Schritt weiterzugehen und sich auch mal Gedanken über Sinn und Unsinn des Systems zu machen. Denn der in Deutschland – bei Politikern und vor allem in vielen Medien – als Oberexperte für Wirtschaft gehandelte Professor Sinn ist wie viele Ökonomen in erster Linie Gläubiger und kein Wissenschaftler. Der Kapitalismus mag für ihn nicht gottgegeben sein, aber er glaubt an seine angebliche Naturgesetzmäßigkeit. Als es Franz Müntefering einfiel, Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds als Heuschrecken zu bezeichnen, da erklärte Professor Sinn, genauso gut könne man gegen die Schwerkraft argumentieren.
Zurück zu Karl Marx: Er hat den expliziten Empörungsdiskurs mit Beginn der Arbeit an der Kritik der politischen Ökonomie hinter sich gelassen. Dieser Diskurs läuft als Subtext zwar immer mit, aber im Vordergrund steht die kalte Analyse. Ihn interessieren wirtschaftliche und soziale Prozesse, ihn fasziniert die Kapital- Logik, der Mechanismus eines komplexen Systems, dessen große Maschinerie alle unterjocht, in sich hineinsaugt, alles Leben »subsumiert«. In der kapitalistischen Anwendung der Maschine, sagt Marx, also im modernen Fabriksystem, »ist der Automat selbst das Subjekt, und die Arbeiter sind nur als bewusste Organe seinen bewusstlosen Organen beigeordnet und mit denselben der zentralen Bewegungskraft untergeordnet«.
Es ist nun schick geworden, so was wieder zu lesen und zu zitieren. Oder nur zu zitieren, ohne es gelesen zu haben. Aber trotz aller Antikapitalismus-Girlanden und Marx-Konjunktur: Viele Politiker und viele Ökonomen weigern sich, von einer Krise des Kapitalismus zu sprechen. Das Verhalten mancher Eliten habe in den Schlamassel geführt, also die Gier sei schuld, nicht das System. Vor allem deutsche Politiker erklären, dass wir mit dem »Mittelweg« der sozialen Marktwirtschaft doch ganz gut gefahren sind, dass eben der US-amerikanische Turbokapitalismus der Auswuchs war, den es jetzt zu begrenzen gälte. Noch einmal: Es ist das System, das die grenzenlose Gier möglich macht und ermutigt!
Schöpferische Zerstörung
Auch Wissenschaftler, nicht nur der Herr Sinn, und einige begleitende Journalisten wollen nicht einsehen, warum diese Krise des Kapitalismus nun etwas Besonderes sein soll, etwas Neues, gar Einmaliges. Die Krise, so hören wir, ist nicht die Ausnahme, sondern die Normalität im Kapitalismus. Das wusste schon Karl Marx, vor allem aber Joseph Schumpeter, der österreichische Sozialwissenschaftler, der dieser Erkenntnis eine positive Wendung gab mit seiner These von der »schöpferischen Zerstörung«. Danach revolutioniert der Kapitalismus die Wirtschaftsstruktur unaufhörlich dadurch, dass er Altes zerstört und Neues schafft. Auch das klingt eher nach genauer Lektüre von Marx als nach originärem Denken. Die Pointe Schumpeters: Das Ganze nimmt kein böses Ende wie bei Marx, sondern ist ein ewiger Jungbrunnen. Der Kapitalismus kann gar nicht untergehen, er ist auf Ewigkeit angelegt.
Das hat eine gewisse Plausibilität, wenn man sich anschaut, wie flexibel der Kapitalismus ist, wie er sich wandelt, anpasst, Kritik aushält oder ausbremst, Gegenbewegungen durch Umarmung erstickt. Die USA werden wohl als Finanzsupermacht nicht überleben, der Finanzmarkt-Kapitalismus vom Typ USA ist zu Ende. Und wird durch etwas anderes ersetzt. Aber der Kapitalismus selbst geht nicht unter. Er ist immer der Sieger, was auch passiert, aus jeder Krise steigt er wie ein Phoenix aus der Asche immer glanzvoller empor. Sagen seine Bewunderer, die ihn vor allem wegen des Fortschrittsversprechens bewundern.
Glaube an mich, und dir wird es besser gehen, lautet die Verheißung des Kapitalismus. Das hat trotz der Krisen immer wieder funktioniert. »Alles, was er anfasst, verwandelt sich von selbst zu einem Versprechen, zu einer Art Goldtopf am Fuße eines Regenbogens, der bekanntlich mit dem Regenbogen selbst immer weiterwandert«, tröstet uns die Süddeutsche Zeitung. Und weiter: »Es kann nicht anders sein: Das Scheitern, in mehr oder minder regelmäßigen Abständen, ist in diesem Verfahren inbegriffen. Die Krise ist nur der sichtbarste Ausdruck für die Normalität des Systems.«
Dieser Trost funktioniert über die engere kapitalistische Glaubensgemeinschaft hinaus freilich nur, solange der »Fahrstuhleffekt« funktioniert. Krisen und regelmäßiges Auf und Ab und soziale Unterschiede und Ungerechtigkeiten werden hingenommen, solange es prinzipiell immer nach oben geht im Fahrstuhl des allgemeinen Wohlstands. Immer nach dem beliebten Börsenmotto: »Die steigende Flut hebt alle Schiffe.« Bloß: Damit ist es vorbei, die Schiffe sind gekentert, die Menschen ertrinken. Und das kann auch den Liebhabern des Kapitalismus nicht entgangen sein.
Aber was heißt das ? Wir wissen doch, dass der Kapitalismus sich von Krise zu Krise hangelt und dass auf jede Krise ein Boom folgt. Das sagt jedenfalls die reine Lehre. Auf die New-Economy- Blase folgte die faule Subprime-Blüte, und auch auf diese Krise wird wieder ein Boom folgen. Die Fachleute kennen den Zyklus: Krise, Depression, Belebung, Aufschwung, Überhitzung, Krise. Die Kapitaleigner sitzen schon in den Startlöchern, um die nächste Rallye zu beginnen. Man könnte auf neue Finanzprodukte setzen oder zur Abwechslung mal wieder auf Rohstoffe. Öl und Gas sind zwar ein bisschen out, aber Biomasse ist schwer im Kommen. Emissionszertifikate für CO” versprechen hohe Renditen. Es gibt immer etwas, worauf gewettet und womit gezockt werden kann. Wenn sich nichts grundlegend ändert.
Und dass sich nichts grundlegend ändert, daran haben nicht nur die Akteure ein Interesse, sondern auch viele Politiker, die genau das tun, was manche Journalisten ihnen raten: helfen, stützen, retten, was zu retten ist, damit der Betrieb anschließend weitergehen kann wie vorher. »Es herrscht finanzpolitisches Kriegsrecht«, schreibt Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Züricher Weltwoche. »Im Ausnahmezustand muss der Staat manchmal die Ordnung außer Kraft setzen, um sie zu retten. Die zeitweilige Rückkehr zur Planwirtschaft ist notwendig zur Behebung der Vertrauenskrise. Wenn niemand mehr den Banken Geld geben will, muss der Staat als Stütze wirken. Aber, das ist entscheidend, nur auf Zeit.«
Freilich, die Stimmung ist nicht besonders gut im Moment. Das Vertrauen schwindet, nicht einmal Säulenheilige des Turbokapitalismus wie Deutsche-Bank-Chef Ackermann glauben mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes. Die »Bürger stellen die Systemfrage« weiß das Manager Magazin, und es zitiert Bundesfinanzminister Steinbrück mit der Befürchtung, auch hierzulande könne es zu »Tumulten mit brennenden Autos« kommen wie in französischen Großstadt-Vororten.16 Jungen Führungskräften, auch das berichtet das Manager Magazin, geht es wie Steinbrück: Sie haben am meisten Angst vor »sozialen Unruhen«. Klaus Bouillon, Bürgermeister von St. Wendel im Saarland, bisher weder als Politiker noch als Wahrsager besonders bekannt, erklärte im ZDF: »Wenn die Menschen in den nächsten Jahren nicht mehr Netto zur Verfügung haben, fürchte ich, gibt es eine Revolution.« 17 So weit musste es kommen, dass ein CDU-Politiker von Revolution spricht.
Und es kommt noch schlimmer: Mit der Glaubwürdigkeit des Kapitalismus nimmt auch die Glaubwürdigkeit der Demokratie Schaden. Denn die beiden sind uns von den Ideologen der Marktwirtschaft jahrzehntelang als unzertrennliches Pärchen, ja als eine Art siamesische Zwillinge verkauft worden. Logisch, dass das Ansehen der Demokratie rapide sinkt, wenn der Kapitalismus sich so schlecht benimmt, dass auch die Gutgläubigen etwas merken. In Umfragen geht es mit dem Vertrauen der demokratischen Institutionen schon mal dramatisch bergab.
Peter Zudeick: Tschüss, Ihr da oben: vom baldigen Ende des Kapitalismus.
Westend-Verlag 2009, 16,95 Euro



Mal in 5 Jahren noch mal schauen, welche Sau dann durchs Dorf getrieben wird. Ich habe jetzt mal nicht auf das Werbe-Banner geklickt. Das ist doch Kapitalismus!
Die Analyse ist zutreffend und wird sich bis 2010 als richtig erweisen. Die Kosten werden allerdings der Mehrzahl der Bevölkerung aufgedrückt mit der Begründung, es gäbe keine Alternative, sonst sei alles zu Ende. Alle Medien werden diesbezüglich brav gehorchen und dies unter der Bevölkerung populär machen. Kritiker werden als Irre bezeichnet – wie auch jetzt schon – die keinen Einblick hätten und Wahnideen nachhingen. Die Reichen werden reicher werden, die Armen werden ärmer werden und reihennweise werden Staaten der “Dritten Welt” umkippen. Das belebt das Geschäft mit Waffen, kommt allerdings auch nur wenigen zugute. Von Bild und anderen verblödet werden die Deutschen CDU/FDP wählen und es geht weiter in die falsche Richtung. Peter Zudeick wird nicht mehr zum Presse-Club eingeladen, wie schon seit Jahren, weil man die Teilnehmerzahl von 6 auf 5 reduziert hat, da muss der “Linke” wegbleiben, wir haben ja Müller-Fuck, Markwordt, Sinn und andere Koniferen.
Mich tröstet nur die Aussicht, dass im April 2028(Bild berichtete) ein Asteroid auf der Erde einschlägt. Den Sauriern hat die Natur ca. 150 Millionen Jahre zur Entwicklung gelassen, bei den Menschen werden es nur ca. 200.000 Jahre sein. Offensichtlich wurde die Fehlentwicklung schneller erkannt.