In der Krise sind optimistische Stimmen rar. Eine davon ist Claudia Kemfert (Foto: Sabine Braun). Die Umweltökonomin, Wirtschaftwissenschaftlerin und Politikberaterin fordert in ihrem Buch „Jetzt die Krise nutzen“ (Murmann Verlag), sofort die politischen Weichen zu stellen, um drei Krisen mit einer Klappe zu schlagen: Wirtschaftskrise, Energiekrise und Klimakrise. Im Interview mit ecolot.de beschreibt die Ökonomin die Chancen des Klimaschutzes als Weg aus der Krise – warum wir uns das leisten können und wieso die Bevölkerung dies mitträgt.
Dass gleich drei Krisen mit einer Klappe geschlagen werden könnten – Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise – ist sicher wünschenwert. Aber in der Rezession wird aktuell doch eher darüber debattiert, ob wir uns Klimaschutz überhaupt noch leisten sollen…
Wir müssen uns Klimaschutz leisten, denn Klimaschutz ist der Weg aus der Krise. Es darf nicht heißen „Jetzt erst einmal nicht“ sondern „Jetzt erst recht“. Denn wenn wir jetzt nicht die richtigen Weichen stellen und in die zukunftsweisenden Technologien und Märkte investieren, drohen uns die nächsten Krisen: Energie- und dann die Klimakrise. Die richtigen Investitionen in die Märkte der Zukunft schaffen Arbeitsplätze und sichern unseren Wohlstand. Wir müssen mehr tun, um Energie einzusparen und insbesondere die Gebäude besser dämmen, aber auch in allen Bereichen mehr tun, um die Energieeffizienz zu verbessern. Zudem müssen wir mehr in zukunftsweisende Energietechniken investieren, angefangen von erneuerbaren Energien bis hin zu CO2 armen Kohlekraftwerken und Elektromobilität bzw. nachhaltige Mobilität. Wir müssen dazu die Infrastruktur ausbauen, sei es Stromnetze, ÖPNV oder aber „super smart grids“, d.h. intelligente Strom- und Datennetze. Um die Versorgungssicherheit zu stärken, müssen wir zudem in Energiespeicher investieren. Die Elektromobilität könnte gleich mehrere Probleme lösen: die Autobranche aus der Wirtschaftskrise bringen, die erneuerbaren Energien auszubauen und zudem Energie zu speichern, wenn die Batterietechniken weiter ausgereift sind. Bis dahin ist jedoch noch ein langer Weg zu gehen, und den müssen wir jetzt einschlagen.
Weder die zeitweise hohen Benzinpreise noch das Peak-Oil- Schreckeszenario haben bisher zu einem Umdenken geführt. Würde die Bevölkerung eine neue Energie- und Umweltpolitik überhaupt mittragen?
Die hohen Benzinpreise waren ja nur ein erster Warnschuss, denn Öl wird zunehmend knapp und teurer. Die Finanzkrise verstärkt das Problem, da in nicht ausreichendem Maße in die Öl- oder auch Gasförderung investiert wird und uns schon bald eine Energiekrise drohen kann, wenn wir nicht rechtzeitig umstellen. Die Bevölkerung gerade in Deutschland trägt schon heute alle Anstrengungen zum Klimaschutz mit. Die Menschen haben verstanden, dass wir wegkommen müssen von den fossilen Energien, insbesondere Öl aber auch Gas und Kohle. Viele Menschen wünschen sich eine klimafreundliche Wirtschaft und unterstützen dies konkret, indem sie Ökostrom kaufen oder beim Kauf von Konsumgütern gezielt auf die Energiebilanz der Geräte schauen. Die Akzeptanz der Bevölkerung für den Wandel ist in Deutschland allerdings besonders ausgeprägt, das ist in vielen Nationen derzeit noch anders. Es kann für uns jedoch ein Wettbewerbsvorteil sein, denn mittel- bis langfristig holen viele Länder auf. Derzeit sind wir noch Marktführer in Punkto Klimaschutz. Noch.
Obama drängt in den USA auf ein Klimaschutzgesetz, schielt hinsichtlich konkreter Selbstverpflichtungen zu CO2-Minderungen aber auf die Chinesen – Zusagen wollen die Amerikaner nur geben, wenn die Chinesen das auch tun. Entscheidet ein Duopol darüber, ob eine Klimakatastrophe abgewendet werden kann?
Die USA haben ein wichtiges Gesetz zur Treibhausgasminderung verabschiedet und man kann nur hoffen, dass der Senat auch zustimmt. Es ist ja richtig, dass wir möglichst viele Weltnationen davon überzeugen müssen, dass sie mehr tun für den aktiven Klimaschutz, und China wie aber auch andere stark wachsende Staaten müssen folgen. Allerdings müssen wir die notwendigen Techniken entwickeln und gemeinsam alles tun, um das Wirtschaften CO2 arm und klimaschonend zu gestalten. Dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen anstelle von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Insgesamt sehe ich Europa, USA aber auch China auf einem guten Weg.
Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der privaten Elite Universität , Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz und hat im Herbst 2008 ein Buch mit dem Titel „Die andere Klima-Zukunft- Innovation statt Depression“ veröffentlicht (www.claudiakemfert.de).
Claudia Kemfert:
Jetzt Die Krise nutzen
Wie wir nachhaltigen Nutzen aus der Wirtschaftskrise ziehen.
Murmann 2009, 12 Euro



Das ist ja alles schön und gut. Aber nicht realistisch. “Ich bin ein Innovationsoptimist, aber ein Implementationspessimist”, sagt Schellnhuber in der Zeit. (http://www.zeit.de/2009/14/DOS-Schellnhuber?page=5). Und: Seine “letzte Hoffnung” (!!!) basiert darauf, dass er und alle anderen Klimaforscher sich irren.
Energiekrise 2015 (Szenario)
Für die Studie Energiekrise 2015 führen wir eine Onlineumfrage bei Führungskräften und Experten durch:
Welche Massnahmen sind für den fall einer kurzfristig eintretenden nachhaltigen massiven Energiepreiserhöhung notwendig.
Die Ergebnisse sollen Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft dienen.
Ihre Teilnahme an einer kurzen Umfrage unterstützt uns sehr:
http://www.btsplus.eu/umfrage
Danke!
Mit besten Grüßen
Günther R. Neukamp (GF BTSplus)