Die internationale Wirtschaftspresse blickt mit Spannung auf die heute stattfindende Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bank. BusinessWeek mag trotz guter Zahlen keine Entwarnung für den US-Immobilienmarkt geben. Forbes fordert die Zerschlagung von Goldman Sachs & Co. Die Business Times gratuliert mutigen Anlegern. Fundstück: Boris Johnson stöbert in Lagerhäusern.
“Die Finanzkrise ist endgültig vorbei!”, schlussfolgert die Börsen-Zeitung vor der heutigen Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bank. Denn anders sei kaum zu deuten, dass an der Spitze des Finanzinstituts zwei Männer anscheinend keine größeren Probleme haben als jenes, wie sie sich gegenseitig zerstören könnten. Der Konflikt sei eindeutig eskaliert – und habe unappetitliche Formen angenommen. Die jüngsten Verlautbarungen in der Öffentlichkeit und auf ungeklärtem Wege veröffentlichte Dokumente erweckten den Eindruck, dass einer der beiden eine “diabolische Inszenierung” auf die Bühne bringe, die den Abschuss des anderen zum Ziel habe. Zwar sei dieser Eindruck nicht richtig, doch derartige Feinheiten würden mindestens einem der Beteiligten nicht mehr helfen: “So erbittert, wie die Matadore sich bekriegen, bleibt bestenfalls die Highlander-Lösung: Es kann nur einen geben.” Wenn es dumm laufe, gehe in den Frankfurter Highlands aber sogar ein Zweiter mit, “wiewohl heutige Vorstandsmitglieder, soweit bekannt, nicht in die anrüchigen Aktivitäten verstrickt oder auch nur darüber informiert waren.”
Die WirtschaftsWoche zieht nach dem Zwischenbericht der Deutschen Bank zur Spitzelaffäre eine nüchterne Bilanz: Er lasse bei den Beteiligten noch Fragen offen. “So hat die Bank dem Leiter der deutschen Konzernsicherheit und dem Chef der Investor-Relations-Abteilung fristlos gekündigt, obwohl es nur bei den beauftragten Detekteien Anhaltspunkte für direktes Fehlverhalten gebe.” Beide hätten ihre Kompetenzen überschritten, heiße es im Umfeld der Bank. Konzerninsider bezweifeltn dies und hielten die Betroffenen für “Bauernopfer”. Es halte sich das Gerücht, der Bericht solle den Aufsichtsratschef Clemens Börsig beschädigen, der als Ackermann-Gegner gelte. Die Ermittlungen des Regierungspräsidiums in Darmstadt und der Staatsanwaltschaft Frankfurt liefen, ein Ergebnis werde in drei Wochen erwartet. Unabhängig davon laufe die Sonderprüfung der Finanzaufsicht BaFin.
Die Financial Times Deutschland erwartet auf der heutigen Aufsichtsratssitzung einen Showdown, der der Karriere von Aufsichtsratschef Clemens Börsig einen “tiefen Knick” verleihen könnte. Bislang habe er an seinem einflussreichen und prestigeträchtigen Posten festhalten können, und auch sein öffentliches Mitteilungsbedürfnis halte sich in Grenzen: “Obwohl er seit Monaten dem medialen Trommelfeuer ausgeliefert ist, tut er selbst nichts, um sich zu rechtfertigen.” Er kämpfe nicht öffentlich um seine Ehre oder lege seine Sicht der Dinge dar, er strafe seine Kritiker mit Nichtbeachtung. Nun aber komme die Spitzelaffäre hinzu, seine Verwicklung darin müsse er heute erklären. “Von dem Institut selbst kann er keine Rückendeckung erwarten: Sein Verhältnis zu Ackermann gilt als gestört.”
Keine Entwarnung für US-Immobilienmarkt
BusinessWeek traut den jüngsten, positiven Zahlen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt nicht. Die Verkäufe von neuen Einfamilienhäusern hätten im Juni zwar um elf Prozent zugelegt, “doch die Prognose der Analysten für dieses Jahr lag bei 21,3 Prozent.” Die Zahlen nährten die Ansicht, dass der Immobilienmarkt im ersten Quartal seine Talsohle durchschritten habe, könnten aber auch ganz banale Ursachen haben: “Viele Verkäufe entfallen auf die Niedrigpreissegmente des Marktes. Außerdem könnten viele Verkaufsverträge, die im Juni unterzeichnet wurden, noch auf den niedrigen Hypothekenraten aus den Monaten April und Mai basieren.” Und nach wie vor stünden eine Menge Häuser zum Verkauf. Der Druck auf die Hauspreise werde sich deshalb nach Einschätzung von Experten fortsetzen: “Der Mittelwert eines neuen Hauses ist 2009 bis Juni um 12 Prozent gefallen.” Die Bewegungen auf dem Immobilienmarkt würden sich stabilisieren, wenn auch auf niedrigem Niveau, die Preise aber würden weiter fallen.
Kleine Banken, kleine Risiken
“Zerschlagt Goldman Sachs”, fordert Forbes – denn mit kleineren Finanzinstituten seien Investoren, Steuerzahler, Verbraucher und Unternehmer einfach besser bedient. Einige Gründe nennt das Magazin: Finanzexperten und Broker würden bessere Arbeitsergebnisse erzielen, müssten sie auf dem freien Markt viel stärker um ihre Kunden wetteifern. Große Banken benötigten eine große Anzahl an Mitarbeitern, insbesondere im Beratungsgeschäft. Und häufig bejahten Vorstandsvorsitzende eine Fusion mit einem Konkurrenten zu einer größeren Bank letztlich nur, weil sie dann selbst mehr Gehalt erhielten. “Sicher, Größe hat auch ihre Vorteile: Es ist wunderbar, bei einer Bank sein Konto zu haben, wo man 24 Stunden am Tag einen kompetenten Ansprechpartner erreicht und Geldkarten erhält, die praktisch auf der ganzen Welt funktionieren.” Doch häufig sei es doch so, dass einem Kunden bei Großbanken ein Komplett-Service-Paket angeboten wird – er aber vielleicht nur ein, zwei Dienstleistungen aus diesem Ppaket wirklich braucht. Fazit: Es wäre für die Nutzer von Finanzprodukten besser, wenn sie auf dem Markt mehr Auswahl und mehr Wettbewerb vorfänden.
Frankreichs Staatsanleihe birgt eine Chance
Eine historische Chance ergreifen, wie es US-Präsident Barack Obama vormache – das müsse auch Frankreich, fordert das Wirtschaftsblatt Les Echos . “Man betont stets die Unterschiede zwischen Nicolas Sarkozy und Obama, doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Beide haben die Möglichkeit, das Gesicht ihres Landes zu ändern.” Frankreich könne dies mit der umsichtigen Verwendung der Gelder, die aus der von Sarkozy geplanten Staatsanleihen zusammenkommen, gelingen. Dabei, so das Blatt, müssten Politiker darauf achten, dass auch etwas für die Minderheiten des Landes und die Jugendlichen getan werde. “Zahlreiche Franzosen mit Migrationshintergrund verfügen über ausgezeichnete Abschlüsse, finden aber keinen Job. Koffer packen oder arbeitslos sein, sie haben keine andere Wahl.” Frankreich bilde sie aus, aber stelle sie nicht an, das sei eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen. Ähnliches gelte für die Jugend, deren Arbeitslosenquote in Schwindel erregende Höhe klettere. “Der Change, den Obama heraufbeschwört, er ist auch bei uns möglich. Es liegt an und in uns selbst. Es wird höchste Zeit, dass sich Frankreich bewegt.”
Caja Castilla-La Mancha wurde in den Absturz getrieben
El Economista berichtet von schweren Anschuldigungen der Banco de España an die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Caja Castilla-La Mancha (CCM). Gravierende Fehler seien diesen unterlaufen, womöglich hätten sie den Absturz der Bank verhindern können. Mangelhafte Organisationsstrukturen und Defizite bei der internen Kontrolle von Anlagegeschäften habe die Banco de España bei der CCM festgestellt. Insbesondere sei nicht klar gewesen, wer wofür verantwortlich gewesen sei. All diese Mängel hätten maßgeblich zum Konkurs der Bank beigetragen. Den verantwortlichen Bankmanagern drohten nun Strafzahlungen in Höhe von bis zu 150.000 Euro, schreibt das Blatt.
Wer wagt, gewinnt
“Das Glück ist dem Mutigen hold”, ist sich die Business Times aus Singapur sicher: Anleger, die vor einiger Zeit in die “am ausgebrannten Aktien” investiert hätten, würden belohnt, denn sie brächten nun die besten Renditen. Zwar hätten Analysten und Händler Mitte Juli eine eher trübe Aktienentwicklung erwartet, doch nun zeige der Markt einen Aufwärtstrend. Die vergangene Woche die beste seit Monaten für Aktien gewesen. Viele der Wertpapiere hätten das Niveau vom September 2008 erreicht. Sogar skeptische Analysten seien positiv gestimmt und vom Aufwärtstrend überzeugt. Der Straits Times Index an der Börse in Singapur habe im Durchschnitt einen Gewinn von 35 Prozent für seine Aktien-Porfolios verzeichnet – Portfolios, die Aktien enthalten, die als “Verlierer des Jahres” oder als Aktien mit dem schlechtesten Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt wurden.
Fundstück: Vom Boom der Lagerhäuser
Über den wachsenden Erfolg von Lagerhäusern sinniert Boris Johnson, Bürgermeister von London, in seiner Kolumne für den Daily Telegraph: “Wir lächeln über unsere Vorfahren, die sich mit allen möglichen Dingen beerdigen ließen, doch der Instinkt dafür steckt noch heute in uns: Wir können uns von nichts trennen, und packen es deshalb in Lagerhäuser.” Das Erbe von Oma, die alten Schallplatten, die verschmierten Bilderbücher aus der Kindheit, die Zinnsoldaten – all das würde man nie wieder benutzen, aber Entsorgen komme nicht in Frage. “Den Anfang nahm dieser Wirtschaftszweig in den USA, wie so viele Konsumphänomene. Heute trägt er in Großbritannien zum Wachstum des Bruttosozialprodukts bei: 700 solcher Lager gibt es im Königreich bereits.” Frankreich und Deutschland seien dabei, aufzuholen, in den USA seien es inzwischen 57.000. Einige der Unternehmen beklagten inzwischen, dass die Leute auch die Körper ihrer verstorbenen Angehörigen dort lagern wollten. “Wir sehen, wo das hinführt: Wir werden zusammen mit unserem Kram beerdigt, wie unsere Vorfahren.”
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