Keine Entwarnung für Deutsche Bank

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert verhalten optimistisch die Geschäftszahlen der Deutschen Bank und analysiert das Geschäftsmodell des Instituts. Die Financial Times sieht in der Allianz von Microsoft und Yahoo einen ernst zu nehmenden Google-Gegner. Vedomosti befürchtet Massenentlassungen in der russischen Autoindustrie. Fundstück: Deutsche zu doof für Kapitalismus?

Die Deutsche Bank hat gestern einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro im zweiten Jahresviertel vorgelegt. Dennoch: Wer geglaubt habe, die Krise sei angesichts der guten Ergebnisse der US-Banken wenigstens auf der Finanzebene ausgestanden, für den könnte der aktuelle Report aus dem Hause von Josef Ackermann eine desillusionierende Lektüre sein, kommentiert die Börsen-Zeitung . Für den „einen oder anderen Herren“ im Vorstand gebe es jenseits ihres Egotrips also Wichtigeres zu tun. Die Verwerfungen auf den Kapitalmärkten hätten tiefe Spuren in der Erfolgsrechnung der Deutschen Bank hinterlassen. „Hinter dem miserablem Privatkundengeschäft, der hochkatapultierten Kreditrisikovorsorge und einem Sammelsurium an positiven und vor allem negativen Sondereffekten sind – bei genauerer Analyse -, durchaus erfreuliche Perspektiven zu sehen“, schreibt das Blatt.

Es sei gut, dass Deutschlands größtes Geldhaus überwiegend Investmentbank geblieben sei, meint die Financial Times Deutschland . Banker, Berater und Ratingagenturen hätten es in den letzten Jahren wie ein Mantra wiederholt: „Banken brauchen dringend Privatkundengeschäft“. Das bringe Sicherheit. „Die Ergebnisse der Deutschen Bank zeigen allerdings, dass sich in diesem Segment schlecht Geld verdienen lässt“, meint die Zeitung. Im zweiten Quartal habe die Bank lediglich 55 Millionen Euro mit Privatkunden verdient, bei einem Gesamtvorsteuergewinn von 1,3 Milliarden. „Die Deutsche Bank konnte nur deshalb einen Milliardengewinn einfahren, weil sie trotz öffentlicher Kritik an ihrem Geschäftsmodell einer Investmentbank festgehalten hat“, analysiert das Blatt. Institute im deutschen Privatkundengeschäft würden nie so hohe Gewinne abwerfen wie die Investmentbanken. Stattdessen müssten sie sich wegen steigender Kreditausfälle und sinkender Risikobereitschaft der Anleger warm anziehen.

Auch das Wall Street Journal sieht die Stärke der Deutschen Bank in seinem Investmentgeschäft, durch das die Schwäche im Privatkundengeschäft kompensiert werde. Die Ergebnisse der Deutschen Bank zeigten, dass die Geldhäuser, die im letzten Jahr gebeutelt wurden, noch weitere Monate an den faulen Krediten zu knabbern hätten. „Gleichzeitig sucht die Bank wie andere Institute mit Investmentabteilungen nach einem sicheren Bereich für Spekulationen auf dem Kapitalmarkt“, glaubt die Zeitung. Analysten gingen davon aus, dass das Wachstumspotenzial für dieses Jahr aber ausgeschöpft sei. Auch könnten die faulen Kredite der Bank in Zukunft weitere Probleme bereiten.

Konkurrenz für Google in den Startlöchern

Microsoft und Yahoo sind kurz davor, eine Allianz zu besiegeln, aus der ein ernst zu nehmender Konkurrent für Google im Suchmaschinengeschäft hervorgehen könnte, berichtet die Financial Times. Die Vereinbarung könnte am Mittwoch bekannt gegeben werden, beruft sich das Blatt auf Insider. „Ein erfolgreicher Verhandlungsabschluss würde das Ende von Microsofts 18-monatiger Jagd auf Yahoo bedeuten“, schreibt das Blatt. Die beiden Konzerne würden ihre Suchmaschinen und das Anzeigengeschäft kombinieren, um besser mit Google konkurrieren zu können. Ein wichtiger Punkt, der Yahoo überzeugen konnte, sei der Relaunch und die technische Verbesserung von Microsofts Suchmaschine Bing gewesen, sagte ein Yahoo-Investor gegenüber Financial Times. „Yahoo hatte befürchtet, sich sonst mit einem schwächeren Partner einzulassen und so seine Kunden zu verschrecken“, erklärt das Blatt.

Ericsson auf Wachstumskurs in Nordamerika

Mit dem Kauf des kanadischen Telekomausrüsters Nortel und der Abwicklung des Mobilfunk- und Festnetzgeschäfts als Outsourcingpartner des US-amerikanischen Telekomkonzerns Sprint baut Ericsson seine Präsenz in Nordamerika extrem aus, analysiert die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Ericsson werde in Nordamerika etwa 8500 Angestellte übernehmen, insgesamt wären dann in dieser Region 14.000 Mitarbeiter beim schwedischen Telekomriesen beschäftigt. In Schweden würden künftig sogar weniger Mitarbeiter tätig sein als in Nordamerika. „Aus dem neugenerierten Nordamerikageschäft ist ein jährlicher Umsatz von maximal 1,8 Milliarden Euro zu erwarten“, prognostiziert die Zeitung. Vor Abschluss der beiden Nordamerika-Deals hatten Analysten dem schwedischen Unternehmen ein Wachstum von lediglich einem Prozent zugetraut.

Massenentlassungen bei Lada

Der russische Automobilkonzern Avtowas, der Fahrzeuge der Marke Lada herstellt, bereitet sich offenbar auf eine Entlassungswelle vor, berichtet Vedomosti. Die Rede sei von rund einem Viertel der Belegschaft oder insgesamt über 27.000 Mitarbeitern. Der Absatz der Konzerns sei in diesem Jahr um 44 Prozent gesunken. „Im August stehen die Bänder wegen Betriebsferien still, im September wird die Belegschaft in Kurzarbeit geschickt“, schreibt das Blatt. Der Autobauer habe bereits vor der Krise zu viel Personal beschäftigt. „Verglichen mit westlichen Herstellern, müsste der Konzern eigentlich die Hälfte der Belegschaft entlassen, um konkurrenzfähig zu sein“, meint das Blatt. Anders werde Avtowas nicht aus der Krise kommen. Die Regierung befürchte jedoch Proteste der Belegschaft und habe die möglichen Entlassungen dementiert.

Calvo wird das Fischgeschäft zu klein

„Wir wollen Calvo vom Thunfischverkäufer zum globalen Lebensmittelkonzern ausbauen“, zitiert Cinco Días den Direktor des galizischen Fischunternehmens, Javier Lazcoz. Seit einigen Monaten kämpfe Spaniens größter Konservenfischproduzent gegen den Verlust seines Marktanteiles an die „Marcas Blancas“, die Eigenmarken der Supermarktketten. Zwar decke Calvo bei Thunfisch aus der Dose immer noch 70 Prozent des Marktes ab, leide aber unter der Entscheidung von Spaniens größter Supermarktkette Mercadona, in diesem Bereich nur noch Artikel unter der eignen Hausmarke anzubieten. Schon deshalb müsse Calvo verstärkt auf Diversifikation setzen und das Geschäft nicht nur in Europa und Nordafrika ausbauen, sondern auch neue Produktlinien auf den Markt bringen, fordert die Zeitung.

Air India: Lasst die Profis ran

Die Economic Times aus Indien fordert die Ablösung von Bürokraten und Beamten im Vorstand und Aufsichtsrat der indischen Fluggesellschaft Air India. Die Fusion von Air India und Indian Airlines zur National Aviation Company of India (NACIL) sei im Prinzip eine gute Idee gewesen. „Viele der mit der Fusion betrauten Beamten haben sich aber nur um ihre eigenen Interessen gekümmert“, kritisiert das Blatt; einige seien mit Beförderungen belohnt worden. Luftfahrtminister Praful Patel habe nun nach der Fusion eine zweite Chance, um ein professionelles Management einzusetzen. Die Verluste der Airline seien nämlich immens. „Ein Vorstand aus professionellen Managern ist besser in der Lage, der Verschwendung einen Riegel vorzuschieben und Kosten einzusparen“, glaubt die Zeitung.

Fundstück: Deutsche zu doof für Kapitalismus?

Die deutschen Industriellen sind schnell dabei, wenn es um Kritik am angelsächsischen Kapitalismusmodell geht: Sie stellen die Schwächen der Businesswelt in den USA und in Großbritannien heraus, die nur von Anlegerinteressen und Übernahmen geprägt sei, während ihr eigenes, investitionsbetontes und exportorientiertes Modell überlegen sei. „Eine andere Erklärung für ihre Ablehnung des Wild-West-Kapitalismus könnte sein, dass sie einfach nicht gut darin sind“, vermutet der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg. „Porsches possenhafter Übernahmeversuch von Volkswagen, der lächerliche Expansions-Wunsch der Deutschen Börse AG aus Frankfurt und die deutsche Bankenkrise könnten einen auf den Gedanken bringen, der durchschnittliche deutsche Wirtschaftsboss verstehe vom globalen Finanzsystem soviel wie Silvio Berlusconi vom Feminismus“, schreibt der Autor.

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Mitarbeit: Florian Käfer, Fridolin Pöschl.

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