Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert skeptisch das Wachstum der deutschen und französischen Wirtschaft. Die Business Times beschreibt den Goldrausch in Russland. BusinessWeek lauscht dem italienischen Wind bei Chrysler. Fortune zweifelt an der Leistung der US-Börsenaufsicht SEC. Fundstück: Käse im Tresor.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal dieses Jahres wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten. Gleiches Bild in Frankreich, wo das leichte Wachstum ebenso überraschend kam. Kein Zweifel, der französisch-deutsche Wirtschaftsmotor habe sich erholt, schreibt die britische Financial Times . Die Frage sei nur, ob er weiter summen oder irgendwann zischen und schließlich abgewürgt werde. Doch bislang seien die Zeichen gut. In beiden Ländern habe ein Zuwachs bei den Exporten zum Wachstum beigetragen, was als Beleg für die Qualität der europäischen Exportwirtschaft gewertet werden könne, da das Plus trotz eines historisch starken Euros erfolgt sei. „Schuldenfinanzierte öffentliche Ausgaben haben beide Wirtschaften angekurbelt. Jetzt muss die Behandlung fortgesetzt werden, bis sich die Patienten vollkommen erholt haben“, schließt die FT.
Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung stellt der UBS-Ökonom Dirk Faltin einen erneuten Einbruch der deutschen Wirtschaft, sobald die staatlichen Konjunkturprogramme auslaufen, in Aussicht. „Die Probleme, die bei der Rückführung aller politischen Maßnahmen entstehen, werden das Wachstum belasten. Die Staaten werden sparen müssen und werden viel weniger ausgeben können“, erklärt der Ökonom. Vor diesem Hintergrund gebe es „sehr viel Potenzial für Enttäuschungen“ im nächsten Jahr. Er glaube nicht daran, dass die deutschen Exporte jemals wieder das Niveau von vor der Krise erreichen könnten. „Wir werden in Zukunft weltweit viel weniger Kreditvergabe sehen. Dadurch wird es auch weniger Außenhandel geben.“ Außerdem orientierten sich viele Länder vermehrt nach innen und stützten vor allem die heimische Wirtschaft.
Les Echos aus Frankreich gießt ebenfalls Wasser in den Wein. Die Zahlen zum Wachstum seien vorwiegend auf den starken Konsum und den Beitrag des Exportgeschäfts zurückzuführen. Und in beiden Bereichen sei die weitere Jahresentwicklung ungewiss: Der Konsum sei durch die niedrigen Preise und die Abwrackprämie in Fahrt gekommen – zwei Faktoren, die in den kommenden Quartalen schwächer ausfallen würden. Beim positiven Außenhandelsgeschäft seien die verringerten Importe ausschlaggebend gewesen – und keineswegs die Stärke der eigenen Exportprodukte.
Die Wirtschaftswoche rechnet mit weiteren positiven Überraschungen in den nächsten Quartalen: Nachdem die Unternehmen ihre Lagerbestände drastisch heruntergefahren hätten, müssten sie die Nachfrage nun durch neu produzierte Güter befriedigen und ihre Lager aufstocken, was wiederum die Produktion ankurbele. Hinzu komme, dass die staatlichen Konjunkturprogramme der Bauwirtschaft Impulse gäben und die anziehende Weltwirtschaft den Exporteuren steigende Aufträge verschaffe. Dennoch sei es verfehlt, jetzt einen neuen Boom auszurufen. „Spätestens ab Mitte 2010 werden die Notenbanker zudem die geldpolitischen Zügel straffen müssen – und die Politiker an der Steuerschraube herumfummeln. Auch wenn das die Wirtschaft nicht gleich in die Rezession zurückwirft, raubt es ihr doch den Schwung.“
Goldregen für Russland
Die wachsende Goldproduktion stützt Russland in der Krise, meint die Business Times aus Singapur. Die Nachfrage nach Gold als „sicherem Hafen“ sei während der Krise stark gestiegen und habe so einen Teil der Einnahmensverluste aus anderen Rohstoffen ausgleichen können. Im vergangenen Jahr sei die Goldproduktion in Russland zum ersten Mal seit sechs Jahren gewachsen, um 13 Prozent. Im ersten Halbjahr 2009 habe die Produktion bereits um 25 Prozent zugelegt. Die Goldmine Kupol, die nach fünf Jahren Bauzeit im fernen Osten des Landes in diesem Jahr ihren Betrieb aufnahm, habe den Hauptbeitrag zu dem Output-Wachstum geleistet. Bis 2013 soll in Russland das drittgrößte Goldlager der Welt entstehen.
Gleichberechtigung in Ansätzen
Expansión gratuliert der spanischen Kaufhauskette El Corte Inglés zum einjährigen Bestehen ihres Programmes zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz. 67.000 Angestellte profitieren von vertraglich festgelegter Chancengleichheit und dem Versuch ihres Arbeitgebers, mehr Frauen für bisher von Männern dominierte Berufe zu begeistern. In der Praxis stoße sich das Vorhaben allerdings oft an der spanischen Realität, kommentiert die Zeitung. Zwar geselle sich bereits der ein oder andere männliche Verkäufer zu seinen überwiegend weiblichen Kolleginnen. Gerade bei Ausschreibungen für handwerkliche oder technische Aufgaben komme auf neunzig qualifizierte männliche Bewerber allerdings oft nur eine Frau, der zudem häufig die nötige Erfahrung fehle.
Schluss mit umsonst
In Italien sei die Diskussion über Gebühren für das Internet ausgebrochen, berichtet ilsole24ore und zitiert dabei Medien-Mogul Rupert Murdoch, der ab Juni 2010 Geld für die Online-Nutzung seiner Verlagsprodukte kassieren wolle. Der Vorsitzende des Verbandes der italienischen Zeitungsverleger, Carlo Malinconico, wolle sich von dem Klischee lösen, dass Informationen im Internet kostenfrei sein müssten. Schließlich koste Qualität auch im Internet Geld, und nun müsse ein gangbarer Weg gesucht werden. Nach seiner Ansicht seien die Verbraucher durchaus bereit, für hochwertigen Inhalt zu bezahlen. Das Blatt zweifelt allerdings daran, dass eine Nachverfolgung der (illegalen) Verbreitung redaktioneller Inhalte in Internet funktionieren könne.
Italienischer Wind bei Chrysler
Rund einen Monat, nachdem Fiat den angeschlagenen US-Autobauer Chrysler übernommen hat, horcht BusinessWeek auf den neuen Wind im Hauptquartier von Auburn Hills (Michigan). Fiat-Chef Sergio Marchionne verlange zwar Teamwork, habe die einzelnen Marken dennoch in eigene Firmen verwandelt, die im Kampf um Marketing- und Entwicklungsgelder im Konzern gegeneinander antreten müssten. Die Chefs der Marken hätten CEO-Status, jedoch auch Aufgaben an der Konzernspitze, um zu vermeiden, dass sich die CEOs gegeneinander ausstechen – so sei Peter L. Fong etwa CEO für die Marke Chrysler und zudem verantwortlich für den Vertrieb in der gesamten Gruppe. Marchionne verlange von seinen Führungskräften Sieben-Tage-Wochen – nur so habe er selbst Fiat wieder auf Kurs bringen können.
SEC: Schuss mit der Erbsenpistole
Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune zweifelt an der Leistung der US-Börsenaufsicht SEC. Die neue Chefin der der US-Börsenstreife, Mary Schapiro, schieße offenbar nur mit der Erbsenpistole, zumindest erweckte die Höhe der Bußgelder, die das Team um Schapiro bisher verhängt habe, diesen Eindruck. „Schapiro sollte man dafür applaudieren, dass sie die notorisch laxe Aufsicht angekurbelt hat. Aber dass sie die Unternehmen so billig davonkommen lässt, könnte die härtere Gangart schnell wieder entschärfen.“ Zwar wirkten die gegen General Electric (50 Millionen US-Dollar Bußgeld) oder den früheren AIG-Chef, Hank Greenberg (15 Millionen Dollar) verhängten Strafen auf den ersten Blick beeindruckend. Die Summen seien aber trivial, wenn man sie mit dem Vermögen der Bestraften vergleiche. „Der SEC gelang es nicht einmal, den Beschuldigten ein Schuldeingeständnis zu entlocken. Es ist schon absurd, dass das kümmerliche Strafmaß zum Anreiz für die Manager werden könnte, die Regeln großzügig auszulegen.“ Fazit von Fortune: Wenn die SEC-Razzien tatsächlich abschreckende Wirkung entfalten sollten, dann dürfe der Wachhund nicht nur laut bellen, sondern müsse auch beißen.
Fundstück: Käse im Tresor
Die italienischen Regionalbank Credito Emiliano Spa hat 17.000 Tonnen Parmesan-Käse im Tresor. Der Käse solle der Bank als Sicherheit für Kredite und als Finanzierungshilfe für die Käsehersteller in Norditalien dienen, berichtet Bloomberg. Die 440.000 Käseräder hätten einen Wert von 132 Millionen Euro. Der Käse-Pfand sei in der Region Emilia Romagna allerdings nicht exotisch: Seit 1953 werde der Käse als Sicherheit verwendet.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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