Die internationale Wirtschaftspresse schaut skeptisch auf Wachstum der japanischen Wirtschaft und prophezeit eine spannende Wahl am 30. August. Börsen-Zeitung und die FTD ziehen ein Fazit zur bald auslaufenden Abwrackprämie. Vedomosti untersucht die wirtschaftliche Dimension des Unfalls im sibirischen Wasserkraftwerk. Fundstück: Italien im Lottofieber.
Wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei Shimbun berichtet, ist das reale Bruttoinlandsprodukt in Japan im zweiten Quartal 2009 um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen und damit zum ersten Mal seit fünf Quartalen wieder im positiven Bereich. Als Gründe für die positive Entwicklung werden Preisschwankungen, steigende Exporte innerhalb Asiens und zusätzliche öffentliche Investitionen genannt. Außerdem sei der private Konsum, durch Steuersenkungen für umweltfreundliche Autos angeregt, erstmals seit drei Quartalen wieder gestiegen. Allerdings sei das nominale BIP von April bis Juni um 0,2 Prozent geschrumpft – und damit seit fünf Quartalen infolge im negativen Bereich.
Die japanischen Wachstumsdaten für das zweite Quartal sähen zunächst viel versprechend aus, schreibt das Wall Street Journal . Mit einem Wachstum von 0,9 Prozent wäre die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt raus aus der „größten Rezession nach den Zweiten Weltkrieg“. Jedoch stützten sich die Zahlen auch auf neue Berechnungsmethoden, steigende Exporte und staatliche Konjunkturspritzen. „Die natürliche Binnennachfrage ist immer noch ziemlich schwach“, berichtet das Blatt. Das lasse auf anhaltende Probleme in der japanischen Wirtschaft schließen. Anders sehe das Bild in den asiatischen Nachbarstaaten aus, die allesamt von einer starken Nachfrage der heimischen Konsumenten profitiert und so die wirtschaftliche Krise hätten abschütteln können.
Die Freude über die positiven Wachstumszahlen der japanischen Wirtschaft fällt ziemlich gedämpft aus, schreibt der Economist – eine bescheidene Erholung der Wirtschaft nach einem solch dramatischen Einbruch der vergangenen Monate sei tatsächlich kein Grund zum Jubeln, und zwar weder für das Land noch die regierende Partei. Bei den Wahlen am 30. August drohe der Liberalen Partei Japans nach 53 Regierungsjahren eine historische Niederlage gegen die Demokratische Partei. Schließlich gehe es der japanischen Wirtschaft schlechter als der der anderen Industrienationen. „Aufs Jahr gerechnet könnte immer noch ein Minus von sechs Prozent des BIPs herauskommen – doppelt so hoch wie in den USA“, vergleicht das Blatt. Selbst wenn die Regierung mit der Parole „das Schlimmste ist vorbei“ Recht behalte, ihre Haut werde sie nicht mehr retten können.
Japan sei zwar unter den Industriestaaten die momentan am schnellsten wachsende Volkswirtschaft, allerdings übertünchten die Zahlen zahlreiche Probleme, so die Einschätzung der britischen Financial Times. Erstens sei die Arbeitslosigkeit auf das Rekordhoch aus dem Jahr 2003 gestiegen; zweitens sei die Erholung vor allem den staatlichen Konjunkturspritzen und steigenden Exporten geschuldet. „Beides sind keine eindeutigen Anzeichen für wirtschaftliche Vitalität“, meint das Blatt. Die Wähler fragten sich, warum das BIP nominal gerade einmal den Wert von 1993 erreicht habe und das Wachstum in Japan fast vollständig vom „Wohlbefinden der restlichen Welt“ abhänge. Dies gebe der erst zehn Jahre alten Oppositionspartei eine Chance, gegen die „altehrwürdige“ Liberale Partei Japans bei den kommenden Wahlen zu gewinnen.
Kalter Entzug für Autobauer
Die Automobilindustrie in Deutschland steuert auf einen Entzug hin, schreibt die Börsen-Zeitung mit Blick auf das auslaufende Konjunkturprogramm. Noch 180.000 Autos, dann werde die „süße Droge“ Abwrackprämie abgesetzt. „Jetzt müssen die Unternehmen zeigen, dass sie die vom Staat finanzierte Überbrückungszeit dazu genutzt haben, sich auf die hierzulande langfristig sichere, niedrigere Nachfrage einzustellen und verbrauchsärmere Fahrzeuge zu entwickeln“, meint das Blatt. Die verschiedenen „internationalen Abwrackprämien“ kaschierten zudem die wahre Lage auf dem Automobilmarkt. Die Finanzlage vieler Konzerne sei schon jetzt extrem angespannt. „ Die überfällige Neuordnung in der weltweiten Automobilwirtschaft, das scheint sicher, hat bisher noch gar nicht begonnen“, kommentiert das Blatt.
Die Financial Times Deutschland glaubt, das Auslaufen der Abwrackprämie werde vor allem den Autohändlern zusetzen. Die Händler seien zum größten Teil von der Binnennachfrage abhängig, während sich die Hersteller auf einen steigenden Bedarf aus Lateinamerika stützen könnten. „Als reine Konjunkturmaßnahme hat die Abwrackprämie ihre Funktion erreicht“ findet das Blatt. Selbst das Lieblingsargument der Kritiker, dass vor allem ausländische Kleinwagenproduzenten statt deutscher Luxushersteller profitierten, sei kleinlicher Natur. Schließlich sorgten ähnliche Konjunkturprogramme in den USA und China für Nachfrage nach deutschen Oberklasse-Autos.
„Reparaturarbeiten werden Jahre brauchen“
Vedomosti widmet sich den wirtschaftlichen Folgen des Unfalls in einem sibirischen Wasserkraftwerk, bei dem mindestens zehn Menschen gestorben seien. Demnach könnten die Reparaturarbeiten mehrere Jahre dauern. Die Kosten für neue Turbinen lägen bei mehreren Hundert Millionen Dollar, da jede eine Einzelanfertigung sei. In der Region seien einige Aluminiumwerke von Stromausfällen betroffen worden. Die Versorgung sei aber mittlerweile wieder hergestellt, da nur ein Teil der Maschinen beschädigt wurde. Analysten schätzten, dass der Betreiber Roshydro in diesem Jahr wegen des Unfalls rund acht Prozent weniger Strom erzeugen werde. „Der Versorger wird wohl gezwungen sein, Strom von anderen Anbietern zu kaufen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen“, analysiert das Blatt. Wegen starker Kursverluste sei der Handel mit Roshydro-Aktien an der Moskauer Börse momentan ausgesetzt.
Fundstück: Italien im Lottofieber
Rekord bei den Ankünften am Flughafen Rimini, Verkehrsstaus am Grenzübergang Ventimiglia – ganz Europa stürme die italienischen Tabakläden, um Lotto zu spielen, berichtet ilsole24ore. Der Lotto-Jackpot habe diese Woche die Summe von 135,9 Millionen erreicht, ein neuer europäischer Rekord. Die Bild-Zeitung habe dazu aufgerufen, den Jackpot zu knacken, und organisiere dazu Sonderflüge nach Mailand und Rimini. Doch eine Gefahr für die einheimischen Spieler sieht das Blatt nicht. Während die Ausländer einzelne Lose für ein paar Euro kauften, bevorzugten die Einheimischen fast ausschließlich System-Scheine. In Modena hätten 2000 Menschen 81.000 Euro in Tippreihen angelegt; sollten die sechs Richtigen darunter sein, würde jeder Spieler ca. 56.000 Euro erhalten.
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