Schaeffler/Conti: Ende einer Seifenoper

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert Schaefflers Einigung mit den Gläubigerbanken auf eine Finanzierung der Conti-Übernahme. Die FTD warnt vor politischen Gegengeschäften bei der Rettung der Wadan-Werft. Cash verteidigt das Engagement von Viktor Vekselberg bei Sulzer. Dagens Industri rechnet den Saab-Verkauf durch. Fundstück: Bericht vom Knast-Parkett.

Nach Volkswagen und Porsche neige sich auch die zweite „wirtschaftliche Seifenoper“ Deutschlands um die Hauptdarsteller Schaeffler und Continental dem Ende zu, schreibt die britische Financial Times . Die Gläubigerbanken des Familienunternehmens Schaeffler hatten dem Unternehmen gestern eine großzügige Kreditverlängerung gewährt. Damit sei die Tür für eine vollständige Fusion der beiden Automobilzulieferer zwar offen, allerdings sei die Rückzahlung der Schulden nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Über der Integration von Schaeffler und Conti hingen weiterhin dunkle Wolken, schließlich sei es unklar, ob das Konsortium die Verbindlichkeiten irgendwann überhaupt begleichen könne.

Conti müsse Schaeffler ja fast schon dankbar sein, meint die Börsen-Zeitung – nach der Einigung zwischen Schaeffler und den Gläubigern habe die Continental-Aktie ein Kurssprung von 17 Prozent hingelegt. Damit sei die Herabstufung von Conti durch eine Ratingangentur auf vier Plätze unter Investment Grade fast in Vergessenheit geraten. Die Zinslasten seien durch die Ratingverschlechterung um 30 bis 40 Millionen Euro gestiegen. „Im dritten Quartal wird es sowieso noch einmal ganz eng“, prophezeit das Blatt. „Zu eng, erwarten einige, sodass erneut mit den Banken verhandelt werden muss.“ Jetzt zeichne sich ab, dass Schaeffler durch eine kreditmäßige Entlastung des operativen Geschäfts Vorbereitungen für die angestrebte Fusion treffe. „Es scheint die bemerkenswerte Logik zu gelten, dass die Banken Schaeffler schon allein nicht fallen lassen können – und ein Konglomerat aus Schaeffler und Continental gleich zweimal nicht“, resümiert das Blatt.

Bankenaufsicht wusste von HRE-Risiken

Die Pleite von Lehman Brothers und der Fast-Kollaps der Hypo Real Estate haben die Bankenaufsicht doch nicht so überraschend getroffen wie bislang dargestellt. Im März und August 2008 ließ die Bundesbank laut Manager Magazin in Abstimmung mit der BaFin die Risikopositionen deutscher Geschäftsbanken (u.a. der HRE) gegenüber US-Investmentbanken (u.a. Lehman) abfragen. Oberaufseher Jochen Sanio hatte stets erklärt, die Insolvenz der US-Bank und ihre Folgen seien unvorhersehbar gewesen. Dass innerhalb weniger Monate gleich zweimal die Exposure der HRE gegenüber Lehman Brothers erhoben worden sei, müsse zumindest als ungewöhnlich gelten, schreibt das Magazin.

Wadan: Vorsicht vor russische Oligarchen

Die neuen russischen Eigentümer der Wadan-Werften haben es auf die Schiffbautechnologie abgesehen, analysiert die Financial Times Deutschland. Das sei durchaus legitim, gefährlich werde es jedoch, wenn die russische Regierung eine politische Gegenleistung für die Rettung deutscher Arbeitsplätze erwarte. „Weil bei staatlichen Unternehmen aus dem Putin-Reich ökonomische und politische Motive häufig ineinandergreifen, ist dort die Auffassung verbreitet, dass große Deals wie dieser oft auf einem – politischen – Gegengeschäft beruhen“, mein das Blatt. Die Kanzlerin, die die Rettung der Werften zur Chefsache gemacht habe, müsse aufpassen, sich nicht durch Moskau erpressbar zu machen. Hierin liege nämlich die wahre Gefahr des Geschäfts und nicht in der Gefährdung deutscher Sicherheitsinteressen durch den Werft-Verkauf selbst.

Sulzer: Viktor Vekselberg muss jetzt liefern

Nachdem die Aktionäre von Sulzer Jürgen Dormann und Klaus Sturany gestern in den Verwaltungsrat gewählt haben, Favoriten des russischen Investor Viktor Vekselberg, fragt der Schweizer Wirtschaftsdienst Cash, warum der Russe in der Schweiz als Investor eigentlich nicht willkommen sei. „Vekselberg bezeichnet sich als langfristige industrieller Investor und als solcher hat er sich bislang durchgebissen. Seine Manager Kuznetsov und Krüger machen bei Oerlikon einen seriösen Job. Und Vekselberg hat in Form der Vermittlung eines russischen Großauftrags für die Solar-Sparte angedeutet, dass er eine Strategie hat, die Früchte trägt.“ Bei Sulzer müsse jetzt einerseits der Nachweis einer funktionierenden Corporate Governance erfolgen, andererseits müsse sich zeigen, dass Sulzer mit einem Investor wie Vekselberg in Russland erfolgreicher sein könne als bisher.

Saab bis Jahresende mit neuem Eigentümer?

Der erste Schritt sei getan, äußerte sich Staatssekretär Jöran Hägglund, Regierungsbeauftragter für die Abwickung des Saab-Verkaufs, am Dienstag gegenüber der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Koenigsegg Group, mit der die schwedische Regierung in Verhandlungen steht, habe eine Absichtserklärung unterschrieben, Saab bis Ende des Jahres von GM zu übernehmen. Bis dahin seien aber noch etliche Hürden zu nehmen. Koenigsegg müsse noch mehr Kapital von privaten Investoren aufbringen und bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitere Finanzmittel beantragen. Erst wenn diese Schritte eingeleitet seien, könne die Regierung die erforderlichen Garantien beschließen, so Hägglund gegenüber dem Blatt. Das Gesamtvolumen des Deals liege bei rund einer Milliarde Euro, präzisiert die Zeitung. Koenigsegg selbst werde mit Hilfe der EIB 490 Millionen Euro beschaffen können, es fehlten den Käufern noch 300 Millionen, um die Finanzierung abzusichern.

Katalanische Sparkasse: Halbjahresergebnis gerettet

Die spanische Wirtschaftszeitung Expansión kommentiert das Halbjahresergebnis der katalanischen Sparkasse Caixa Terrassa. Nur durch den Verkauf von Anteilen an der Unternehmensgruppe Abertis im Wert von 23,3 Millionen Euro könnten sich die Zahlen sehen lassen: Fast 85 Prozent des Betriebsergebnisses der Sparkasse seien auf diesen Aktienverkauf zurückzuführen. Dabei könne Caixa Terrassa gerade jetzt gute Zahlen dringend brauchen, mitten im Fusionsprozess mit den Sparkassen Caixa Sabadell und Caixa Manlleu zur Union der katalanischen Sparkassen (UCC). Spätestens bis zum Jahresende wolle Caixa Terrassa ihren veräußerten Anteil allerdings wieder zurückkaufen – möglicherweise auch aufgrund der Tatsache, dass Sparkassenchef Enric Mata gleichzeitig im Aufsichtsrat von Abertis sitze, spekuliert die Zeitung.

Hoffen auf den globalen Aufschwung

Für eine Erholung der globalen Wirtschaft müsse man zwar immer noch die Daumen drücken, doch nicht mehr ganz so fest, meint der indische Financial Express. Nachdem das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Frankreich schneller wieder in Fahrt gekommen sei als erwartet, gebe es nun Hoffnung auf mehr: auf einen Aufschwung in Europa und letztlich auch weltweit. Gerade um Letzteres zu erreichen, müssten die großen europäischen Wirtschaftsnationen das Wachstum kontinuierlich am Laufen halten, und Japan sowie die USA müssten nachziehen. Als Beweis für einen baldigen globalen Aufschwung verwiesen die Optimisten auf Indikatoren wie steigende Liquidität auf dem globalen Markt und neues Selbstvertrauen der Investoren. Selbst der OECD-Frühindikator für die Konjunktur weise einen positiven Trend auf; die Zahlen zur industriellen Produktion zeigten, dass die Talsohle für viele Länder nun erreicht und Aufschwung und Expansion wieder möglich seien. Für Pessimisten jedoch zeige der Absturz des Baltic Dry Index (Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern) in eine andere Richtung.

Fundstück: Bericht vom Knast-Parkett

Was passiert, wenn man zwei Börsenberichterstatter auf die Wirtschaft hinter schwedischen Gardinen ansetzt? Das YouTube-Video analysiert mit detaillierten Kurvendiagrammen das Zigaretten-Geschäft im Gefängnis – aufgeschlüsselt nach “im Geburtstagskuchen eingebacken”, “rektal eingeschmuggelt” und “mit Wärtern gegen Drogen getauscht”. Freilich kommt auch ein Trader zu Wort. Der heißt Big Dap Ramirez, ein erfahrener Zigaretten-Händler, und prognostiziert weise vom Knast-Parkett aus, dass sich das Angebot bald normalisieren werde…

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Daniel Lenz, Fridolin Pöschl

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

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