Die internationale Wirtschaftspresse analysiert Hintergrund und Konsequenzen aus dem Verkauf der Pharmasparte von Procter & Gamble an Warner Chilcott. Das Wall Street Journal kommentiert die Meldung, GM wolle Opel behalten. Der NYT-Blog Dealbook prognostiziert der Citigroup hohe Verluste. Fundstück: Die Château-Lafite-Rothschild-Blase.
Die Zeiten, in denen das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten von Innovation und dicken Gewinnen gekennzeichnet war, sind vorbei, kommentiert das Wall Street Journal in seinem Blog die Nachricht, dass Procter & Gamble genau diese Sparte für 3,1 Milliarden Dollar an Warner Chilcott verkaufen will. „Heute macht dieses Geschäftsfeld für P&G einfach keinen Sinn mehr.“ Die Pharmaindustrie diversifiziere derzeit in den Bereichen Markengenerika, Tiermedizin und Verbraucherprodukte, P&G sei aber bereits ein Gigant gerade im letztgenannten Bereich: „Warum sollte man sich in einer derartigen Position noch mit dem Verkauf von verschreibungspflichtigen Pillen gegen Kopfschmerzen abgeben?“ Dass der Deal auch zeige, wie sehr sich der Pharmamarkt verändere, unterstreiche zudem die Tatsache, dass man bei P&G als einen Grund für den Verkauf auch einen Gerichtsprozess gegen die Generika-Sparte von Boehringer Ingelheim nenne.
Mit der Refokussierung auf das Geschäft mit verschreibungsfreien Gesundheitsprodukten gehe Procter & Gamble einen ähnlichen Weg wie die Konkurrenten GlaxoSmithKline and Novartis, schreibt die Financial Times . Auch diese hätten ihre Investitionen in Entwicklung und Verkauf von nicht verschreibungspflichtigen Produkten für die Gesundheitsvorsorge merklich verstärkt, um unabhängiger zu sein hinsichtlich der Unwägbarkeiten bei der Neuentwicklung von Medikamenten und der auslaufenden Patente für bereits existierende Produkte. Warner Chilcott habe nun die Möglichkeit, zu einem Weltkonzern aufzusteigen: „Das in Irland angesiedelte Unternehmen kann nun im US-amerikanischen Markt expandieren und seine Produktreihe für urologische Beschwerden komplettieren.“
„Banken finanzieren wieder Übernahmen“, schlussfolgert das manager magazin aus dem von Procter & Gamble und Warner Chilcott angekündigten Deal. Denn das P&G endlich einen Käufer für sein Pharmageschäft gefunden habe, überrasche nicht. „Bemerkenswert dagegen ist, dass Banken dem Käufer Warner Chilcott insgesamt vier Milliarden Dollar für den Deal zur Verfügung stellen. Es ist eine der größten fremdfinanzierten Übernahmen des Jahres – und ein Zeichen für das Auftauen der Kreditmärkte.“ Sechs Banken unter Führung der Bank of America und JPMorgan Chase würden eine Finanzierung von insgesamt vier Milliarden Dollar zur Verfügung stellen – darunter auch eine Milliarde zur Umschuldung von Chilcott. Die Risikobereitschaft der Banken scheine demnach wieder zuzunehmen.
Bleibt Opel bei GM?
„Das ist ein Strategiewechsel, der neue Fragen aufwirft“, kommentiert das Wall Street Journal die eigene Meldung, General Motors ziehe nun in Erwägung, das Europageschäft Opel/Vauxhall zu behalten. Der Aufsichtsrat habe das Management beauftragt, ein Konzept zu entwickeln und 4,3 Milliarden Dollar zur Finanzierung zusammenzuziehen. „Der Rat hat offenbar GM-Chef Fritz Hendersons Plan, die Sparte an Magna International zu verkaufen, am vergangenen Freitag eine Absage erteilt und ihn aufgefordert, bis zur nächsten Sitzung im September einen Plan für den Erhalt der Sparte als GM-Tochter vorzulegen.“ Das werde die Obama-Regierung in diplomatische Schwierigkeiten bringen: Deutschland wolle den Deal mit Magna und habe finanzielle Unterstützung zugesagt, und auch Russland werde verärgert sein, habe die Regierung dort doch viel Arbeit in die Ausarbeitung des Angebots mit Magna investiert.
Citigroup vor hohen Verlusten?
Vor schwierigen Zeiten steht die Citigroup nach einem Bericht des New York Times-Blog Dealbook . Unter Berufung auf einen Analysten von Fox-Pitt Kelton könnte die amerikanische Großbank 2010 Verluste in Höhe von 68 Milliarden Dollar schreiben. „Nach Einschätzung von Fox-Pitt Kelton wird die Citigroup 11,5 Milliarden Dollar Verlust im Sektor Handels- und Industriedarlehen machen; weitere 18,5 Milliarden Dollar bei Hypotheken, 11,8 Milliarden Dollar im Kreditkartengeschäft und 16 Milliarden Dollar bei allen anderen Darlehen. Hinzu kommen Abschreibungen in Höhe von 10,8 Milliarden Dollar.“ Das könne ein Loch von 25 Milliarden Dollar in die Bilanzen reißen. Die Bank werde sich wohl nicht in naher Zukunft von den „lebenserhaltenden Unterstützungen der Regierung“ verabschieden. Gründe für die Entwicklung seien u.a. bei Morgan Stanley zu suchen, die möglicherweise ihre Optionen auf den Erwerb von Smith-Barney-Anteilen der Citigroup wahrnehme; Citigroup gingen damit wichtige Einnahmen verloren. Außerdem würden sich die Investment Banking- und Equity-Plattformen der Bank nur langsam erholen, Geld an der Wall Street zu machen werde künftig ohnehin schwerer sein.
Aktienrückkäufe hemmen Wachstum
Ein Plädoyer gegen Aktienrückkäufe liefert Report on Business . Das kanadische Wirtschaftsportal bezieht sich auf einen Wissenschaftler der University of Massachusetts Lowell: „Hunderte Milliarden, oder gar Billionen, die für Aktienrückkäufe aufgewendet werden, fehlen für Investitionen in Innovation, neue Arbeitsplätze oder niedrigere Produktpreise.“ Es sei unfassbar, dass Unternehmen großzügige Aktienrückkaufangebote selbst dann unterbreiteten, wenn sie gleichzeitig Entlassungen planen oder Jobverlagerungen ins Ausland. Der Akademiker habe herausgefunden, dass 438 Unternehmen des Standard & Poor’s 500 Index zwischen 1997 und 2008 2,4 Billionen Dollar in Aktienrückkäufe gesteckt haben. Allein in 2007 habe jedes S&P-Unternehmen durchschnittlich 1,2 Milliarden Dollar dafür investiert. Zu den Firmen, die massiv auf Aktienrückkäufe setzten, zählten Exxon, Microsoft, IBM, die Bank of America und Cisco. „Die Zeiten haben sich geändert: Der US-Kapitalismus ist in der Krise, die Wirtschaftsnationen leiden, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Was wir dringend benötigen ist Innovation, in neue Produkte, in neue Technologien und Prozesse. Stattdessen sind die Firmen wie besessen, Aktien zurückzuerwerben.“
Bedeutung spanischer Banken wächst
Cinco Días freut sich über die zunehmende Bedeutung spanischer Banken im internationalen Kreditgeschäft. Dank der vor 15 Jahren beschlossenen Expansionsstrategie von Santander und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und deren Expansion in Lateinamerika gelte Spanien heute als erfolgreiches Bankenland. Jetzt habe die BBVA mit der Übernahme der texanischen Guaranty Bank auch die letzte Grenze durchbrochen und mache sich daran, den amerikanischen Markt zu erobern. Geschickt nutze die Bank die weltweite Finanzkrise als Chance, um das eigene Geschäft anzukurbeln. Alles deute darauf hin, dass der Vormarsch spanischer Banken weltweit – und insbesondere in den USA – weiter anhalte, spekuliert die Zeitung.
Kein Zurück mehr möglich?
Die globale Rezession sei unvermeidbar gewesen, konstatiert die Economic Times aus Indien, und nicht ausschließlich der Gier und den Fehlern führender Finanzinstitutionen geschuldet. Zwei grundlegende Faktoren seien hauptsächlich verantwortlich für die Rezession. Zum einen die Sättigung des Marktes und damit das Nachlassen der Verbrauchernachfrage nach neuen Produkten. Das Resultat: stagnierendes, industrielles Wachstum. Zum anderen der Trend zur Warenproduktion in Billiglohnländern und damit der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit westlicher Waren. Die westlichen Länder hätten zwar versucht, dies mit neuen innovativen Technologien und neuen Industriezweigen wett zu machen, doch die Beschäftigungsraten in den Bereichen seien zu gering. Die Folge sei eine hohe Arbeitslosigkeit in den G8-Ländern, und eine weitere Reduzierung der Nachfrage. Die Strukturen des Marktes hätten sich fundamental geändert, ein paar Green Shots würden den Arbeitsmarkt nicht wesentlich stärken können. Vielleicht, fürchtet das Blatt, werde es ein Zurück zu den Verhältnissen vor der Rezession nicht geben.
Fundstück: Die Château-Lafite-Rothschild-Blase
Die ungewöhnliche Resistenz von französischem Château Lafite Rothschild gegen Krise und Abschwung untersucht der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg näher: So ziemlich jeder Markt habe gelitten, auch der für gute Rotweine. Selbst der Vintage Wine Fund, der sich stets seiner beständigen, hohen Kaptialzuwachsraten rühmt, sei 2008 um 33 Prozent eingebrochen. Doch der Preis für den Lafite steige und steige – so sehr, dass die Weinbörse Liv-ex einen eigenen Lafite-Index eingerichtet habe, um die Preise der Jahrgänge 2000 bis 2006 zu reflektieren. Dieser stehe derzeit gerade mal 4,4 Prozent unter seinem Langzeithoch. Ursache sei die hohe Nachfrage aus Asien: „Dort gilt es fast als Beleidigung, einen anderen Rotwein als einen Lafite zu servieren.“ Doch die Investoren seien vom Erfolg des Lafite-Indexes schon derart betrunken, dass sie die Blase, die sich da zusammenbraue, nicht wahrnehmen. „Auch in Asien wird man andere Weine entdecken, die mit einem Lafite mithalten können, man sollte sich nicht der Illusion hingeben, der Lafite sei eine absolut sichere Anlage.“ Darauf deuteten gerade die hohen Preise: „Die Preise sind in unglaubliche Höhen gestiegen, doch mit ihnen auch das Risiko, mit dem die Investitonen sich bei einem Preisverfall in Luft auflösen können.“
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