Bonus-Beschränkung: Sarkozy ist Avantgarde

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Die internationale Wirtschaftspresse ist überwiegend angetan von Nicolas Sarkozys Plan zur Regulierung von Bonuszahlungen. Laut Expansión sind spanische Immobilienfirmen im Aufwind. Kommersant beleuchtet Russlands Urangeschäfte in der Mongolei. Veckans Affärer meint, das Schlimmste sei in Schweden überstanden. Fundstück: UBS – die Rache der Ex-Ehefrauen.

Der Plan von Nicolas Sarkozy, Boni künftig zeitverzögert über drei Jahre auszahlen zu lassen und ungehorsamen Banken die Regierungsaufträge zu entziehen, wird in der internationalen Wirtschaftspresse mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Das Wall Street Journal zweifelt an der Umsetzbarkeit von Sarkozys Plan auf einer internationalen Ebene und nennt die „Komplexität, eine solch kleine Zielgruppe ins Visier zu nehmen“, als Grund. Statt der Symptome exzessiver Boni müssten die Ursachen behandelt werden: Die Kapitalanforderungen in den Handelsabteilungen der Banken müssten verschärft werden, da es die Händler seien, die wichtig viel Geld verdienten, indem sie hohe Risiken eingingen, vor dem Hintergrund von Bilanzen, die durch den Steuerzahler abgesichert werden. Laut Bank for International Settlements müsste die Kapitalbasis einiger Handelsabteilungen verdreifacht werden, was die Tier 1-Kernkapitalquote einiger europäischer Banken laut Credit Suisse von 6,4 Prozent auf 4,4 Prozent fallen lassen würde.

Zwar sei es „so albern wie populistisch“, exzessive Boni als Ursache der Finanzkrise auszumachen. Gleichwohl lasse sich kaum bestreiten, dass die Orientierung der Gehälter am kurzfristigen Erfolg die falschen Anreize gesetzt und damit neben anderen Faktoren zum Desaster beigetragen habe, schreibt die Financial Times Deutschland . Daher sei die geplante Begrenzung von Bonuszahlungen, die die Bundesregierung mit Frankreich im Kreise der G20-Staaten durchsetzen wollten, ein legitimes Anliegen. Dabei dürfe die Politik jedoch nicht zu brachial die Vertragsfreiheit verletzen. „Niemand will einen Staatskommissar, der die Höhe der Boni für einzelne Banker festlegt.“ Außerdem seien international verbindliche Regeln erforderlich, um Nachteile einzelner Finanzplätze im globalen Wettbewerb zu verhindern.

Les Echos warnt vor französischen Alleingängen in der Bonus-Frage, die der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs schadeten, weshalb die Regeln des „internationalen Spiels“ geändert werden müssten. Gleichwohl würden neue Bonus-Regeln nur das Symptom behandeln. Um das „Wettrennen auf den Schatz“ zu verlangsamen, müsse dessen Zusammensetzung verändert werden, also die Art und Weise der toxischen und opaken Finanzprodukte.

Spaniens reichster Mann verdient wieder

Amancio Ortega lässt die Finanzkrise links liegen, schreibt die Wirtschaftszeitung El Economista. Der Präsident und Hauptaktionär der Modegruppe Inditex habe es geschafft, seine Investmentgesellschaften aus den roten Zahlen zu holen. Verluste von bis zu zehn Prozent seien endgültig Vergangenheit. Zwar stehe der Geschäftsbericht von Keblar, einem der drei Fonds, über die Amancio Ortega sein Vermögen investiere, noch aus, ähnele vom Ergebnis her aber sicherlich den vorgelegten Zahlen der beiden anderen Fonds Alazán Inversiones und Gramela mit einer Netto-Rentabilität von 1,14 bzw. 1,9 Prozent. Diese Zahlen dürften nicht nur Amancio Ortega gefallen, sondern seien möglicherweise ein Zeichen dafür, dass sich der Aufwärtstrend auf den Finanzmärkten endgültig festige, hofft die Zeitung.

Spanische Immobilienfirmen im Aufwind

Expansión sieht die größten spanischen Immobilienunternehmen auf dem besten Weg hinaus aus der Krise. Zwar seien sie noch weit davon entfernt, nur die Hälfte der in den vergangenen Jahren angehäuften Verluste auszugleichen. Dafür habe sich ihr Börsenwert insgesamt aber nahezu verdoppelt. Seit einigen Wochen seien gerade die größten Krisenverlierer dabei, sich am IBEX in Erfolgspapiere zu verwandeln. Allein Reyal Urbis habe im vergangenen Monat seinen Börsenwert um 215 Prozent steigern können, gefolgt von Metrovacesa (80 Prozent), Renta Corporación (64 Prozent), Afirma (63 Prozent), Aisa (55 Prozent) und Colonial (39 Prozent). Trotz des Erfolges sei kurz- bis langfristig allerdings nicht mit größeren Gewinnen zu rechnen, dämpft die Zeitung allzu optimistische Erwartungen. Gerade der Branchenriese Aisa gehe im aktuellen Geschäftsbericht von einer Abschwächung des spanischen Immobilienmarktes bis mindestens Ende 2010 aus.

Russlands Urangeschäfte in der Mongolei

Der staatliche Kernenergiekonzern Rosatom bekommt Förderrechte für das größte mongolische Uranvorkommen, berichtet Kommersant . Dort lagerten rund ein Prozent der weltweit bekannten Reserven. Ein entsprechendes Abkommen habe Präsident Dmitri Medwedew bei einem Staatsbesuch in der Mongolei in dieser Woche unterzeichnet. Auch die russische Eisenbahn wolle mehrere Milliarden Dollar in das Eisenbahnnetz des Landes investieren, das zur Hälfte bereits der russischen Bahn RZD gehöre. Die Transmash-Holding wolle zudem Waggons und Lokomotiven liefern. Der ebenfalls staatliche Konzern Russian Technologies betreibe bereits die größte Kupfermine im Land. „Nach dem Regierungswechsel in der Mongolei haben Experten damit gerechnet, dass das Land sich zunehmend für westliche Partner öffnet“, schreibt das Blatt. Die russischen Unternehmen jedenfalls müssten sich vorerst keine Sorgen um ihren Einfluss zu machen.

Private Haushalte als Wachstumsmotor

„Das Schlimmste ist überstanden, Schweden wird langsam aber sicher wieder mit Wachstum rechnen können“, lautet die positive Botschaft der schwedischen Prognoseinstitute. Das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer bekräftigt diese Aussage, äußert sich aber verhalten gegenüber einer baldigen Erholung der schwedischen Exportindustrie. In dieser Krise sei das Konsumverhalten der schwedischen Haushalte „das Zünglein an der Waage“ und werde die Wirtschaft wieder schnell auf Vordermann bringen. Laut einer Umfrage der Swedbank liegt die Kaufkraft der schwedischen Bevölkerung, gemessen an den Ausgaben für Wohnkosten, auf dem Niveau von 2005. Das verfügbare Einkommen und auch die Sparquote in Schweden bewegten sich auf einem „Rekordhoch“. Angesichts des niedrigenden Zinsniveau werde Schwedens Wirtschaft schon im dritten Quartal 2009 „erhebliche“ Wachstumsraten aufweisen, progostiziert die Zeitung.

Tirrena in Schieflage

„Eine Katastrophe, schlimmer als der Verkauf der Alitalia, ist die Privatisierung der staatlichen Fährgesellschaft Tirrenia“, zitiert der italienische Finanztitel Il Denaro den Präsidenten des Mitbewerbers Grandi Navi Veloci, Silvano Cassano. Tirrenia habe drei Drehkreuze Genua, Neapel und Cittavecchia – und an Neapel sei Grandi Navi Veloci sehr interessiert, erklärt das Blatt. Auch der Präsident der Fährgesellschaft Moby SpA habe Interesse gezeigt, den angeschlagenen Staatsbetrieb zu übernehmen. Doch die Bilanzen seien schlecht, analysiert das Blatt: Der Schuldenberg sei größer als der Wert der gesamten Flotte.

Fundstück: UBS – die Rache der Ex-Ehefrauen

Die Hölle kennt keine größere Wut, als die der verschmähten Frau, schreibt Daily Finance. Daher dürfte einige Ex-Ehefrauen in den USA interessieren, dass ihre früheren Gatten ein geheimes Konto bei der Schweizer Großbank UBS hätten. Nach der Einigung der US-Steuerbehörden und der Schweiz und der baldigen Veröffentlichung von 4450 Namen der Kontoinhaber könnten die Frauen Ansprüche aus den versteckten Konten ableiten. Ein New Yorker Scheidungsanwalt habe bereits von zahlreichen Anrufen seiner Mandantinnen berichtet, bei denen es um das Thema „geheime UBS-Konten“ ging. Doch nicht nur die Ex-Ehefrauen, sondern auch Gläubiger und Partner könnten jetzt möglicherweise ihre Forderungen befriedigen.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev, Fridolin Pöschl.

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