Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die wichtigsten Statements von Banken-Chefs bei der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ – und geht dabei besonders mit Goldman-Chef Lloyd Blankfein hart ins Gericht. Die Gaceta de los Negocios zeigt, wie sich spanische Firmen vor der Schweinegrippe wappnen. Dagens Industri warnt vor einer chinesischen Vormachtstellung bei Saab und Volvo. Fundstück: Ausraster am Kopierer.
Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, hat bei der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ gleich mehrfach mit knalligen Statements gepunktet: Das Ende der Finanzkrise sei in greifbarer Nähe; der öffentliche Boni-Furor sei berechtigt – man müsse die Anreizstrukturen kriselnder Banken überprüfen. Das Wall Street Journal liefert zu Blankfeins Zitaten den Subtext. Dass der Banker Verständnis für die Empörung über überzogene Gehälter bei Banken, die Verluste ausweisen, aufbringe, müsse vor dem Hintergrund gesehen werden, dass sein Institut im zweiten Quartal einen Rekord-Gewinn in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet habe. „Das heißt, 2009 könnte zur höchsten Gewinnausschüttung pro Person in der Firmengeschichte führen, bei der jeder Mitarbeiter 770.000 Dollar einsammelt“, erklärt das Blatt. Und spricht weiter für den Goldman-Chef: „Das ist die Lektion für unsere Wall-Street-Wettbewerber: Ihr müsst erst einmal herausfinden, wie ihr wieder Geld verdient, und dann verdient ihr Euer Gehalt.“ Blankfeins Bemerkungen zur Regulierung – durch Revierkämpfe untereinander drohten die verschiedenen Regulierungsbehörden den Fokus auf den Markt zu verlieren – übersetzt das WSJ so: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Die Aufseher waren während der Finanzkrise nicht richtig am Ball. (…) Das ist aber nicht das Problem der Wall Street.“
Die Financial Times meint, dass Blankfeins Ausführungen zwar für Schlagzeilen sorgen könnte, zur eigentlichen Diskussion aber wenig beitrage. Seine Einschätzung, dass die Gesundheit der Bankenindustrie entscheidend für eine dynamische Wirtschaft sei, falle weit hinter die Kritik von Lord Adair Turner, Chef der britischen Finanzmarktaufsicht, an der angeschwollenen britischen Finanzindustrie zurück. „Der lauter werdende Chor, dass Banken ihre soziale und ökonomische Nützlichkeit neu abwägen müssten, ist merkwürdig. Banken haben, wie alle Branchen, schon immer gewinnorientiert operiert, zu Gunsten von Aktionären und Mitarbeitern. Das wird sich nicht ändern.“ Auch Risiken blieben immer die sine qua non des Bankings, egal, was wie die Aufseher handelten.
In einem weiteren Artikel zur Boni-Debatte berichtet die Financial Times, dass sich niederländische Banken als erste Finanzinstitute der Welt mit dem Finanzministerium auf ein Boni-Limit für Führungskräfte verständigt hätten. Demnach sollen die variablen Gehaltsbestandteile bei Bankern ab Januar auf das jährliche Fixghalt beschränkt werden.
Die Börsen-Zeitung kommentiert die auf der Handelsblatt-Tagung vorgenommene Ankündigung von Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing, auf die noch bereitstehende Bürgschaft über fünf Milliarden Euro zu verzichten. Dies sei „ein kraftvolles Signal der Entspannung an den Markt“, das auch angekommen sei, wie das Plus der Coba-Aktie zeige. Für Blessing komme es jetzt drauf an, die „schöne Restrukturierungsstory“, der sich der Markt derzeit hingebe, nicht unglaubwürdig werden zu lassen. „Konkret heißt das: Die Risikovorsorge, die sich im vergangenen Jahr einschließlich Dresdner Bank auf 3,6 Mrd. Euro summierte, darf 2009 der Prognose gemäß nicht steigen, böse Überraschungen bei den risikotragenden Aktiva von knapp 300 Mrd. Euro dürfen nicht mehr vorkommen.“ Sollte Blessing jedoch erneut unter die Fittiche des Staates schlüpfen müssen, „wäre wohl nicht das Ende des Instituts, ganz sicher aber das seiner Laufbahn dort.“
Vorsorge gegen Schweinegrippe
Die Gaceta de los Negocios untersucht die geplanten Maßnahmen großer spanischer Unternehmen gegen die Schweinegrippe. Bis zu 50 Prozent der Arbeitnehmer könnten sich diesen Herbst mit dem Grippe-Virus infizieren und Betriebskosten von über einer Milliarde Euro verursachen. Um dem vorzubeugen, reiche der Maßnahmenkatalog der am IBEX notierten Unternehmen von bereitgestellten Laptops für die Arbeit von zuhause (La Caixa) über betriebsinterne Impfungen (Bancaja) hin zu Informationsportalen und Fachschulungen für Personal und Management (Telefónica). Santander habe den Virus sogar zur Chefsache erklärt und mögliche Auswirkungen in ihrem Geschäftsplan berücksichtigt. So unterschiedlich die Maßnahmen auch seien, gründliche Vorsorge stehe im Mittelpunkt, lobt die Zeitung.
Trübe Aussichten für spanischen Werbemarkt
Schlecht stehe es um die spanische Werbebranche, zitiert die Wirtschaftszeitung Expansión Martin Sorell, den Vorstandsvorsitzenden der britischen Werbeagentur WPP. Die von Analysten erwartete wirtschaftliche Apokalypse sei laut Sorell zwar nicht eingetreten, allerdings werde es einige Zeit dauern, bis zahlungsfreudige Unternehmen wieder großzügig in Imagekampagnen investierten. Zwischen Januar und Juni dieses Jahres habe sich Spanien mit einem Auftragsrückgang von 29 Prozent sogar zum weltweit schwierigsten Markt für PR- und Werbetreibende entwickelt. Ähnlich pessimistisch blickten Maurice Lévy, Präsident von Publicis, und John Napier, Vorsitzender von Aegis, in die Zukunft. Frühestens ab Sommer 2010 könne man wohl mit einem leichten Aufschwung auf dem spanischen – und weltweiten – Werbemarkt rechnen, prognostiziert die Zeitung.
Schwedens Auto-Experten in Sorge
„Wir stehen vor einer Kreuzung, wissen aber nicht, wohin die Schilder zeigen“, zitiert die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri Schwedens Auto-Experten Matts Carlsson. Nach der Beteiligung von Bejing Automotive an Koenigsegg und der beabsichtigen Übernahme von Volvo durch Geely blickten Insider eher besorgt auf die drohende chinesische Vormachtstellung bei den beiden schwedischen Autoherstellern. Trotz des erleichterten Zugangs zu dem expansiven chinesischen Markt und „finanzkräftigen“ Eigentümern bleibe die Sorge um die schwedischen Arbeitsplätze groß. Die chinesischen Arbeitskosten machten einen Bruchteil der schwedischen aus, die Gefahr einer Produktionsverlagerung nach China sei nicht von der Hand zu weisen. Ein weiterer Wehrmutstropfen für die beiden Tradionsmarken: Chinesische Autos seien nicht gerade „sexy“, so die einhellige Meinung der Experten.
Chinas Automarkt auf Hochtouren
Finance People aus China stellt eine Studie des chinesischen Auto-Verbands Chinese Auto Industry Association (CAAM) vor, nach der die 14 größten chinesischen Automobilhersteller bis 2010 rund 16 Millionen Fahrzeuge produzieren würden. Seit sechs Monaten liege der Absatz in China bereits bei mehr als einer Million Fahrzeuge pro Monat; die Hersteller Shanghai Volkswagen und FAW-Volkswagen erzielten in diesem Jahr für einzelne Modelle wie Polo und Sagitar Absatzmengen von jeweils über 10.000 Stück und für Lavida und Bora sogar über 20.000 Stück – ein Lagerbestand sei praktisch nicht vorhanden. Die Erholung auf dem Auto-Markt werde voraussichtlich zu weiteren Produktionserhöhungen führen – und schließlich zu einer Überproduktion von drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Im Kommentar schreibt das Portal, dass strukturelle Änderungen durch Fusionierungs- und Restrukturierungsprozesse zur Vermeidung der Überproduktion nötig seien.
Fundstück: Krise kurios
Seltsame Folgen der Krise: EinYouTube-Video zeigt, dass die Nerven bei einem 0815-Bürohengst selbst bei kleinsten Problemen – der Drucker streikt – offenbar inzwischen blank liegen. Eine Szene, die an den Ausraster eines im Stau stehenden Polizisten im Kinofilm “Falling Down” (mit Michael Douglas) erinnert. Eher nervenschonend wirkt sich die Krise auf die britischen Autofahrer aus. Dort ist die Zahl der Verkehrsstaus nach einem Bericht der Welt in den vergangenen zwei Jahren um 31 Prozent zurückgegangen – da mehr Menschen entweder arbeitslos sind, zu Hause arbeiten oder sich zu Fahrgemeinschaften zusammen tun, sind auch weniger Autos auf den Straßen unterwegs.
Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev, Mingli Lauscher, Fridolin Pöschl,
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