Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das Votum von General Motors, Opel an Magna zu verkaufen. Laut Portfolio wird die Bank of America von der Vergangenheit eingeholt. Les Echos zieht Lehren aus der Lehren aus Boni-Klage von Commerzbank- und Dresdner Kleinwort-Mitarbeitern. RBCdaily freut sich über den Erfolg der russischen IT-Branche. Fundstück: Schuldenabbau als Musical.
Der GM-Verwaltungsrat hat sich geeinigt: Der US-Autobauer General Motors verkauft seine Tochter Opel mehrheitlich an Magna. Nach Einschätzung der Financial Times Deutschland ist mit der politischen Lösung noch keine wirtschaftliche erzielt worden. Besonders hinter Magna setzt das Blatt ein Fragezeichen. Als Eigentümer eines Automobilkonzerns betrete der Zulieferer unternehmerisches Neuland. „Doch die meisten Automobilexperten rätseln über den wirtschaftlichen Sinn seiner Pläne. Fest dürfte nur stehen: Magna verspricht sich Nutzen von dem Geschäft. Wir wissen nur noch nicht, welchen. Wir dürfen gespannt sein – und weiter warten.“
Das Wirtschaftsblatt aus Österreich sieht in der Entscheidung von GM-Chef Fritz Henderson eine „Wette, über deren Gewinnverteilung wir erst in der Zukunft Klarheit gewinnen“. Die Bewertung der Wette erfolge durch den US-Staat, die Arbeitnehmer, die Geschäftspartner, aber auch die neuen Eigentümer. „Fragen wir also ihre Vertreter in einem Jahr, ob der Zuschlag an Magna die richtige Wahl war. Das entscheidet über den Wettausgang. Der Gewinner bekommt den Einsatz. Es fehlen nur noch diejenigen, die dagegen halten. Neben Stakeholdern könnten das alle Investoren sein, die riskante Optionsgeschäfte suchen.“
„Den Liebesdienst, den die amerikanische Regierung als GM-Mehrheitseigentümerin den Regierungsparteien erweist, wird sie sich bezahlen lassen“, blickt das mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Blog Carta nach Berlin. Da sich Bundesregierung, Landesregierungen und der Opel-Betriebsrat zu schnell und zu eindeutig auf den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sber-Bank festgelegt hätten, sei es GM und der US-Regierung gelungen, kühl und berechnend die Zwangslage zu nutzen und mit der Drohkulisse, Opel einfach zu behalten und die deutschen Standorte dicht zu machen, die Betriebsratsführung von Opel, CDU und SPD an die Wand zu spielen. Für Opel beginne der schwerste Teil der Sanierung nach der Wahl. „Dann geht es um die Zukunft. Und um die Arbeitsplätze in Bochum, Rüsselsheim und Eisenach.“
Besorgt äußert sich die spanische Wirtschaftszeitung Expansión über den bekanntgewordenen Beschluss von General Motors, Opel an den Autoteilzulieferer Magna abzugeben. Damit sei das Schicksal der Mitarbeiter am Opel-Werk in Saragossa – immerhin das größte in Europa – völlig ungewiss. Schon im Vorfeld habe Magna angekündigt, gerade in Saragossa bis zu 1600 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Bessere Chancen auf den Erhalt des Werkes habe man sich im Fall der Übernahme von Opel durch den belgischen Investor RHJ ausgemalt. Aber auch General Motors selbst hätte hauptsächlich in Deutschland Arbeitsplätze abgebaut, vermutet die Zeitung.
Vergangenheit holt Bank of America ein
Das US-Wirtschaftsmagazin Portfolio sieht die Bank of America wegen der steigenden Rate für Kreditkartenausfälle in der Bredouille. Während der Wert bei JP Morgan Chase bei 7,9 Prozent liege, nähere sich der Wert bei der größten US-Bank den 14 Prozent. Vor diesem Hintergrund hole die Übernahme des Kreditkartengiganten MBNA 2005 für rund 35 Milliarden Dollar die Großbank wieder ein. Dies sei jedoch nicht die einzige Schwachstelle der BofA. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew M. Cuomo ermittele in der Frage, ob bei der Übernahme von Merrill Lynch die eigenen Akionäre zu spät über die massiven Verluste von Merrill informiert worden seien. Im Zentrum der Ermittlungen, schreibt die New York Times, stehe Timothy J. Mayopoulos, der vier Tage nach dem grünen Licht der BofA-Aktionäre für die Übernahme als General Counsel der BofA gefeuert und prompt aus dem Haus eskortiert worden sei, ohne noch einmal in sein Büro gehen zu dürfen. Wenige Tage zuvor habe Mayopoulos mit dem CFO über die Riesenverluste von Merrill gesprochen.
Lehren aus der Coba-Boni-Klage
Les Echos aus Frankreich kommentiert die Klage von 72 Londoner Bankern gegen Dresdner Kleinwort und die Commerzbank wegen ausstehender Boni in Höhe von 47,8 Millionen Dollar. Der Fall zeige, dass es vergeblich sei, darauf zu warten, dass sich die Bankenbranche selbst reformiert. Umso wichtiger sei ein klares Votum der G20 zu diesem Thema – ansonsten werde sich die Boni-Praxis nämlich nie ändern. Ob es dabei zu einer Beschränkung der Boni komme oder nicht, sei nicht entscheidend. Die Reform werde ohnehin keine Exzesse in der Zukunft verhindern können, könnte aber symbolisch das Ende einer Epoche markieren.
Russische IT-Branche macht Indien Konkurrenz
RBCdaily freut sich über Erfolgsmeldungen aus der russischen IT-Branche. „Trotz Krise haben russische Programmschmieden Software im Wert von rund drei Milliarden Dollar ins Ausland verkauft“, berichtet das Blatt. Das seien 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In den vergangenen sieben Jahren hätten sich die russischen Software-Exporte gar versiebenfacht. Russische Entwickler hätten vor allem vom schwachen Rubel profitiert. „Aber auch die Suche nach qualifiziertem Personal gestaltet sich einfacher, weil große Unternehmen ihre IT-Abteilungen verkleinern“, analysiert das Blatt. Hinzu kämen zahlreiche Outsourcing-Aufträge westlicher IT- und Telekom-Unternehmen. Hier mache Russland mittlerweile den indischen Programmierern erfolgreich Konkurrenz. „Bereits im nächsten Jahr dürfte die russische Software-Industrie zu den alten Zuwachsraten von bis zu 40 Prozent pro Jahr zurückkehren“, glaubt die Zeitung.
Neue Lebensader für Dubai
Die ehrgeizige Eröffnung der neuen Metro-Linie in Dubai kommentiert der italienische Wirtschaftstitel ilsole24ore.Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern im Sieben-Minuten-Takt, der in Stoßzeiten auf 3,5 Minuten verkürzt werden könne, befördere die Linie über 27.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung. Dies rechtfertige die um 75 Prozent gestiegenen Baukosten, die ursprünglich auf 4,8 Milliarden Dollar taxiert worden seien. Schon jetzt leide Dubai an Verkehrsstaus; die hohen Wachstumsraten der Bevölkerung sowie die prognostizierten 80 Millionen Besucher des Emirats bis Ende 2015 erfordere eine Lösung. Die U-Bahn und die Metro werde den Lebensstil in der Stadt verändern, glaubt das italienische Blatt: Die Mittelschicht werde die Bahn, statt der Taxis oder eigener Fahrer nehmen, während die philippinischen und pakistanischen Arbeiter nicht mehr in Minibussen mit bis zu 50 Grad Innentemperatur fahren müssten.
Fundstück: Schuldenabbau als Musical
Sollte die Finanzkrise irgendwann in ein Musical münden, dies wäre einer der Titel im Programm. Bill Dyszel, Autor von Sachbüchern, Entertainer und Sänger, besingt in „We’re Deleveraging“ nach der Melodie von „It’s De-Lovely“ (Cole Porter) mit viel Optimismus und Ironie den in der gesamten Finanzindustrie vorgenommenen Abbau von Schulden. „Während die Arbeitslosigkeit steigt, ist es hip zu sparen“, singt Dyszel. Auch schön: „Man sieht auf Anhieb, dass wir nicht viel Ahnung von Finanzen haben, da wir uns beschweren, dass Bernie Madoff unseren ganzen Zaster geklaut hat.“ Das Ganze auf YouTube zu sehen.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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