Wirtschaftswache: Last Exit Kinderzimmer

Nur noch gut eine Woche Zeit bis zur Bundestagswahl, und die Dinge stehen schlecht für den Kandidaten Frank-Walter Steinmeier. Was kann er tun? Die Antwort ist klar: Er muss von Barack Obama lernen. Denn der lernte von Bob dem Baumeister.

Was vielen Menschen hierzulande nicht klar ist: Seinen mega-erfogreichen Schlachtruf “Yes we can!” hatte der Kandidat Obama tatsächlich beherzt bei der Kinderfilm-Figur Bob the Builder geklaut. Und damit den Beweis angetreten, dass allzu erwachsene Zeitgenossen die Kunst der Kinderherzengewinnung zu Unrecht als “Eisfresser-Entertainment” verachten. Vor allem Wahlkampfstrategen können sich eine Menge von Bob & Co abschauen. Denn viele Wähler sind im Grunde Kindsköpfe, wie gerade im Moment wieder die guten Umfragewerte der FDP zeigen.

Nun holpert der Bauunternehmer Bob aus dem Sonnenblumental im deutschen Sprachraum leider ein unbeholfenes “Yo, wir schaffen das” über die Spanplatten, und das reißt sogar die Kernzielgruppe spätestens im zweiten Kindergartenjahr nicht mehr vom Stühlchen. Auch das englische Original “Yes we can” ist nicht zu empfehlen, denn erstens fehlt es ihm an Bodenhaftung und zweitens klänge es aus dem Mund ostdeutscher SPD-Wahlkämpfer genauso wie die “Bild”-Schlagzeile zum sogenannten TV-Duell: “Yes we gähn!”

Aber es gibt ja noch andere Kämpen der Kinderzimmerfront, bei denen Steinmeier fündig werden könnte. Unbegreiflich ist zum Beispiel, warum er seinen “Deutschland-Plan” nicht mit dem charakteristischen “Ich habe eine Idee!” (Fingerschnippen) aus “Wicky und die starken Männer” verknüpfte. Dann hätte er just im Wahlkampf-Endspurt kostenlos von der großen Marketingkampagne für den “Wicky”-Film von Michael Bully Herbig mitprofitieren können. Aber ach, zu spät, zu dumm.

Angesichts der Kürze der Zeit, die Steinmeier jetzt noch bleibt, um das Ruder herumzureißen, denkt man stattdessen spontan an das knackige “Hex, hex!” von Bibi Blocksberg. Aber das würde schon von der Papierform her viel besser zur Amtsinhaberin passen. Die hat auf den ersten Blick mit der vorpubertären Zaubertrixie zwar auch nicht mehr gemeinsam als ihr Herausforderer. Aber erinnern wir uns: Wie sie nach der letzten Bundestagswahl die neoliberale Programmatik der CDU verschwinden ließ, das war pure Hexerei.

Viel näher läge für Steinmeier da im Hinblick auf seinen Sprachduktus und sein Erscheinungsbild – nix für ungut – eine Anleihe bei dem Elefanten und Elternschreck Benjamin Blümchen. Dessen fröhliches “Törööö!” hätte ohne Zweifel Signalwirkung. Und es wäre auch nicht dämlicher als vieles, was Steinmeiers großes Vorbild Gerhard Schröder in die Gegend zu trompeten pflegte. Vielleicht könnte dieser Rüsselruf dem Kandidaten darüber hinaus zu einer Art psychologischem Artenschutz in parteiinternen Auseinandersetzungen verhelfen. Und den dürfte Steinmeier – Rüssel aufs Herz – nach der Wahl dringend brauchen.

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