Wirtschaftswache: Boni für die Bayern

In Pittsburgh haben die Führer der G 20-Staaten um die Begrenzung von Banker-Boni gerungen. Dabei sollten sie sich lieber um wirklich wichtige Dinge kümmern. Also vor allem – auch wenn sie heute verloren haben – um die Begrenzung der Bayern-Vorherrschaft in der Bundesliga.

Es ist doch so: Im Grunde kann kein Zweifel daran bestehen, dass die gewaltigen Banker-Boni für die katastrophale Finanzkrise mitverantwortlich waren, die den Banken Megaverluste eingebrockt und nicht wenige an den Rand des Ruins gebracht hat. Wissenschaftler haben nachwiesen, dass das System der vermeintlichen Leistungsanreize für Unternehmen generell mehr negative als positive Effekte hat (kuckstu hier).

Also sollte man doch meinen, dass jede Bank, in deren Management nicht nur verdeckte Terroristen oder tranige Vollpfosten sitzen, selbst eine Begrenzung, wenn nicht sogar eine Abschaffung der Boni zur Leitlinie der Geschäftspolitik erheben müsste. Aber nichts da. Stattdessen schütteln sie sich wieder Sonderzahlungen aus der Kasse, die so fett sind wie holländischer Pindakaas. Und warum? “Weil wir sonst keine guten Leute bekommen”, sagen die Banken.

Das ist ja nun mal doppelt komisch. Denn schließlich fordert niemand, dass Spitzenbanker in Zukunft nur noch soviel verdienen sollen wie, sagen wir mal zum Beispiel, jemand, der ehrlich arbeiten geht. Aber offenbar reicht es nicht, wenn man den findigsten Finanzjongleuren fürstliche Festgehälter anbietet. Nein, Boni müssen es sein, “leistungsabhängige Gehaltsbestandteile”, wie man das in der Fachsprache der Personalabteilungen nennt.

Warum um alles in der Welt wollen die Spitzenbanker unbedingt, dass ein großer Teil ihres Gehalts an Bedingungen geknüpft, also zumindest theoretisch unsicher ist? Dafür kann es nur eine Erklärung geben: Sie lieben das Risiko, sie brauchen den Thrill, sie lechzen nach dem Unberechenbaren. Lebten sie in früheren Zeiten, würden sie schlafende Säbelzahntiger am Schwanz ziehen. Oder auf ein paar zusammengebundenen Stöckchen den Atlantik überqueren. Oder “Schieß doch, du Eierloch!” schreiend aus Schützengräben springen. Aber ach, in unseren erlebnisarmen Zeiten ist ihnen alles so vorhersehbar, so fad.

Womit wir bei den Bayern wären. Die haben mal eben zu Ribery auch noch Robben gekauft und werden – das ist so sicher wie der Abpfiff in der Arena – in der Winterpause den klammen Schalkern Rafinha und Neuer wegkaufen. Und dann werden sie in der Bundesliga nur noch verlieren, wenn zufällig mal die ganze Mannschaft den flotten Otto hat.

Und das bedeutet auch: Schon wieder wird eine Quelle der Unberechenbarkeit versiegen, an der sich erlebnishungrige Spitzenbanker sozialunschädlich laben könnten. Die Folgen für Bonus-Systeme und die Stabilität der Finanzwirtschaft sind unabsehbar. Mit anderen Worten: Wenn die Teilnehmer am G-20-Gipfel wirklich etwas dagegen tun wollen, dass sich die Finanzkrise wiederholt, müssen sie etwas gegen die Vorherrschaft dieses Krösus-Klubs unternehmen.

Theoretisch könnten sich die G-20-Staaten darauf einigen, dass jeder Bayern-Spieler pro Woche zwei Löffel Rizinusöl einnehmen muss. Eine nachhaltigere Lösung verspricht aber folgendes Modell: Zunächst einmal dürfen Spitzenbanker sich in ihre Verträge zwar Bonuszahlungen in unverschämtester Höhe hineinschreiben lassen, aber dafür müssen sie einmal im Jahr zu einem Torwandschießen antreten, und den Bonus bekommt nur, wer drei Bälle hintereinander im oberen Loch versenkt. Wer das nicht schafft, muss die Summe des entgangenen Bonus’ aus privaten Mitteln an einen Amateurfußballverein spenden und bekommt als Trostpreis für die kommende Saison eine Stammplatzgarantie bei den Bayern.

Und wenn das nicht hilft? Kein Problem: Dann führt man einfach auch noch die Rizinusöl-Regelung ein.

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