80er Jahre – Nichts bleibt wie es ist

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Landauf, landab gibt es Rückblicke und Analysen zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik, doch kaum einer hat sich so intensiv mit der deutschen Geschichte beschäftigt wie ecolot.de-Mitarbeiter Rüdiger Dingemann. „60 Jahre Deutschland. 1949-2009“ heißt der zehnbändige Rückblick, den Dingemann zusammen mit seiner Frau Renate Lüdde für den Bucher-Verlag zusammengestellt hat. Für ecolot.de schaut der Autor in einer siebenteiligen Serie zurück auf 60 Jahre Wirtschaftsgeschichte. Teil 5: 80er Jahre – Nichts bleibt wie es ist.

Ökonomie, Ökologie und technologische Entwicklung

Die wachsende Staatsverschuldung der BRD nahm zu und drohte bereits Anfang der 80er ein Fass ohne Boden zu werden. Auch die privaten bundesdeutschen Haushalte hatten sich vielfach mit Ratenkrediten eingerichtet, und meistens gehörte das neue Auto der Bank.

Im Verlauf des Jahrzehntes (1987) kam es an der Wall Street zu einem Kurssturz mit  Kettenreaktion. Eine Ursache sah man neben dem anhaltenden Aktienboom auch in der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung der USA.

Vorrangiges Ziel der neuen schwarz-gelben Bundesregierung unter Hellmut Kohl (ab 1982) war es, die Arbeitslosigkeit abzubauen, die auf über zwei Millionen angestiegen war; das wirtschaftliche Wachstum zu stärken und die Bundesfinanzen zu sanieren. Firmenpleiten hatten zugenommen, dennoch hatte das Jahr 1983 eine neue Rekordhöhe im Handelsbilanzüberschuss zu verzeichnen.

Europäische Gemeinschaft

Die europäischen Subventionen für die Landwirtschaft wurden abgebaut. (Preis- und Produktionsbegrenzung). Ein nationales Förderprogramm 1986 minderte die Auswirkungen für die deutschen Bauern. Anfang der 80er Jahre waren die Japaner an die Spitze der weltweiten Automobilproduktion geklettert.. Sie bauten preiswerte, verbrauchsarme Autos mit hohem Komfortstandard. Mehr als die Hälfte ihrer Produktion wurde für das Ausland gefertigt. Die Europäische Gemeinschaft konnte durchsetzen, dass die japanische Ausfuhr in EG-Länder für drei Jahre beschränkt wurde.

Streiks – und Soziales

Mit wachsender Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik waren die einst so hilfreichen Gastarbeiter, die entscheidend am wirtschaftlichen Aufbau und Aufschwung beteiligt waren, überflüssig geworden. Mit finanziellen Anreizen des Staates sollte arbeitslos gewordenen Gastarbeitern die Rückreise in ihre Heimat erleichtert werden (1983)
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Am Beginn des Jahrzehnts hatten ca. 65 Prozent der Arbeitnehmer fünf Wochen Urlaub. In der Druck- und Metallindustrie wurde 1984 für die 35 Stundenwoche gestreikt. Ein Kompromiss war die 38,5 Stundenwoche mit Ausnahmeregelungen. 1988 übernahm auch der Öffentliche Dienst diese Wochenarbeitszeit.

Kohle und Stahl: In der Krise liegt eine Chance

Die Ruhrkohle AG, das größte Bergbau-Unternehmen in der Bundesrepublik, kündigte eine Verringerung der Zahl ihrer Beschäftigten um 14.000 bis 1988 an.

Der Weltmarkt für Kohle war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs durch Billigimporte hart umkämpft.

Zwei der größten Stahlunternehmen der Bundesrepublik, Krupp und Klöckner, schlossen sich 1985 zu einem Unternehmen mit 43.000 Mitarbeitern zusammen, um einen weiteren Stellenabbau zu verhindern.

Zu erbitterten Arbeitskämpfen kam es, als die Hattinger Henrichshütte Thyssens 1987 geschlossen werden sollte und 1988/89 auch das Krupp-Hüttenwerk in Duisburg-Rheinhausen. Die Schließungen betrafen eine komplette Region. 100.000 Stahlarbeiter streikten. Eine Kette mit 80.000 Menschen zog sich durchs Ruhrgebiet. Sie hatten vorübergehenden Erfolg. Durch die erhöhte Nachfrage aus den USA und die deutsche Wiedervereinigung erlebte die Stahlindustrie einen kleinen konjunkturellen Aufschwung. Dennoch wurde ein Milliardenprogramm für den unumgänglichen Strukturwandel im Ruhrgebiet beschlossen.

Energie – gebündelt und gestrahlt

1982 hob der Bundestag den seit Ende 1978 bestehenden Vorbehalt gegen die Inbetriebnahme des sogenannten Schnellen Brüters in Kalkar auf. 1986 ging das AKW Brokdorf in Betrieb.

In diesem Jahr genehmigten DDR-Behörden ein Atommüll-Endlager für schwach und mittel radioaktive Stoffe in Morsleben (Sachsen-Anhalt). Zu DDR-Zeiten wurde dort Abfall aus Forschung und Medizin eingelagert, nach 1989 dann auch Abfall aus dem Kernkraftwerk Lubmin und aus Anlagen in den Altbundesändern.

Die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) entschied sich für das bayerische Wackersdorf als Standort für die erste kommerzielle Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in der Bundesrepublik Deutschland. Der Protest und zum Teil gewaltsame Widerstand verhinderte aber die Errichtung der Anlage.

1983 ging Growian, eine gigantische Windkraftmühle bei Brunsbüttel mit einer elektrischen Leistung von 3.000 KW (3 MW) ans Netz. Und auch das bis dahin größte europäische Sonnenkraftwerk auf der Nordseeinsel Pellworm/Schleswig-Holstein nahm seinen Betrieb auf.

Dem Elektrokonzern AEG-Telefunken drohte zu Beginn der 80er Jahre der Konkurs, der noch einmal abgewendet werden konnte. 1985 stieg Daimler – Benz nach Genehmigung durch das Bundeskartellamt in den Konzern mit ein.

1988 wurde von der Bundesregierung eine Reform der Deutschen Bundespost auf den Weg gebracht. Danach wurde die Post in drei Bereiche aufgegliedert: in den Postdienst (Briefe und Pakete), die Telekom (Telefon- und Fernmeldebereich) und die Postbank. Gleichzeitig endete ihr bisheriges Telekommunikations-Monopol.

In Frankfurt/Main wurde 1988 die Ökobank eröffnet. Als genossenschaftlich organisiertes Kreditinstitut hatte es sich vor allem die Förderung von umweltorientierten Projekten zum Ziel gesetzt.

Seit Anfang der 80er begann der Erfolgszug der Heimcomputer, die immer preiswerter wurden. 1986 etablierte sich die CeBiT als eigenständige Messe in Hannover. Computer wurden immer besser und billiger.

Skandale

Der gewerkschaftseigene Wohnungsbaukonzern “Neue Heimat” geriet 1982 in die Schlagzeilen. Dem Vorstand wurde Missbrauch seiner Stellung und persönliche Bereicherung vorgeworfen.1986 wurde die mit rund 17 Milliarden DM verschuldete gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft für eine symbolische Mark verkauft.

In der sogenannten “Flick-Parteispendenaffäre” mussten sich Politiker wie der Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, sein Vorgänger Hans Friderichs und der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch wegen Bestechung bzw. Bestechlichkeit 1983 vor Gericht verantworten. Der Flick-Manager wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Lambsdorf und Friderichs erhielten Geldstrafen. Friedrich Karl Flick verkaufte sein Unternehmen 1985 für rund 5 Milliarden DM an die Deutsche Bank.

Ein Lebensmittelskandal ereignete sich 1985/1986 mit gepanschten Weinen. In Österreichischen Weinen wurde Diäthylenglykol (Frostschutzmittel) gefunden. Italienische Weine waren mit Methylalkohol vergiftet

Das Reaktorunglück in Tschernobyl nördlich von Kiew/UdSSR zeigte weltweite Auswirkungen. Es war die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Nutzung von Atomenergie. Auch in der Bundesrepublik wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen. Verschiedene Lebensmittel waren strahlengeschädigt und durften nicht mehr verkauft werden. Der Genuss z. B. von Pilzen war in verschiedenen Regionen für Jahrzehnte nicht mehr bedenkenlos möglich.

Einen Skandal mit strafrechtlichen Konsequenzen gab es um die Konsumgenossenschaft Co-Op Mitte/Ende der 80er Jahre. Der 3köpfige Vorstand hatte Bilanzen gefälscht, Gelder veruntreut und sich persönlich bereichert.

Mit DDR geht es zu Ende

Der immer wichtiger werdende Umweltschutz fand bei den staatlichen Organen kein öffentliches Gehör. Umweltdaten, sofern sie erhoben wurden, blieben Staatsgeheimnis. 1986 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten in Ostberlin vor dem DDR-Umweltministerium gegen die Salzeinleitung der DDR-Kalibergwerke in die Werra. Derartige Demonstrationen wurden innerhalb weniger Minuten durch die Volkspolizei unterbunden.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren unübersehbar geworden. Der neue Fünfjahrplan 1981 sah eine Steigerung des Nationaleinkommens von 5 Prozent vor. Doch der Mangel an Rohstoffen und Ersatzteilen, der Verschleiß der Maschinen behinderte die Produktion zunehmend. Der Import von Waren wurde immer mehr gedrosselt, während Qualitätswaren verstärkt exportiert wurden.

Die Auslandsverschuldung der DDR sank auf 8,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz in den Intershops blühte, über den “Geschenkdienst- und Kleinexport GmbH – Genex” konnten Waren und Autos aus der Bundesrepublik bestellt werden, sofern man Westverwandtschaft besaß. Die Bundesregierung verbürgte sich (1983/84) für Milliardenkredite. Im Gegenzug sollten Erleichterungen im innerdeutschen Verkehr erfolgen.

Der Arbeitsort als zentraler Mittelpunkt

Die Betriebe mit ihren Arbeitsbrigaden hatten im sozialen Leben ihrer Mitglieder weitaus mehr Funktionen, als nur die Erfüllung des wirtschaftlichen Plansolls. Sie waren gleichzeitig Orte der Bildung, des geselligen Miteinander und der sozialen Bindung. Der damit verbundenen politischen sowie sozialen Kontrolle entzogen sich aber auch viele Bürger, indem sie ihr geselliges Leben in Nischen wie zum Beispiel in Datschen- Kolonien führten.

Teil 6: 90er Jahre – Von der Industrie zu Dienstleistungsgesellschaft

BuecherRenate Lüdde, Rüdiger Dingemann: „60 Jahre Deutschland. 1949-2009“. 10 Bände im repräsentativen Schmuckschuber. Buch Verlag, 119 Euro. Die Einzelbände kosten 14,95 Euro.

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