Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Volksrepublik analysiert die internationale Wirtschaftspresse die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von China. Die New York Times stimmt in einen Abgesang auf die Berliner Republik ein. Die Börsen-Zeitung beschreibt die Entzauberung der LBBW. Fundstück: Doku gegen Gebührenwahnsinn.
Bloomberg untersucht das soziale Gefälle in China. Im neuesten Gucci-Laden in Shijiazhuang, rund 300 Kilometer südwestlich von Peking, werde eine Geldbörse aus Schlangenhaut für 4400 Dollar verkauft, das Zweifache des jährlichen Pro-Kopf-EInkommens der Stadt; fünf Stockwerke darüber verdiene eine Verkäuferin von Lamm-Kebab gerade einmal 7,30 Dollar am Tag. Die Stadt sei repräsentativ für ein Land, in dem ein 30 Jahre anhaltender Boom Hunderte Millionen Menschen aus der Armut gezogen habe, allerdings auf Kosten eines immer größeren Einkommensgefälles. Dieses sei eine der größten Sorgen von Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao. Die Staatsführer seien dem wachsenden Protest von Arbeitern und Bauern ausgesetzt, die sich über Korruption und die große Einkommensunterschere im Land beschwerten.
Im Interview mit dem Manager Magazin prognostiziert der US-Zukunftsforscher George Friedman, Leiter des Informationsdienstes Stratfor, dass in China die nächste große Asien-Krise heraufziehen werde. Da auch in China das Wachstum langsam zurückgehe, infolge der Rezession in den Abnehmerländern, entstünden massenhaft faule Kredite. Dadurch kollabiere das Finanzsystem langsam, aber sicher, vergleichbar mit der ersten Asien-Krise Anfang der 90er Jahren in Japan, als Kredite im Umfang von 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als schlecht eingestuft worden seien. Aktuell zeichne sich die dritte große Asien-Krise ab – die chinesischen Unternehmen seien hochverschuldet, während die Banken am Rande des Kollaps stünden.
Forbes zweifelt an den Daten zu Chinas Wirtschaft, die von den Behörden veröffentlicht werden. Für August werde ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund acht Prozent bekanntgegeben – und viele Skeptiker zum Grübeln bringen. In China würden die Provinzen viel schneller als in hochentwickelten Ländern ihre statistischen Daten kompilieren und an die Statistikbehörde melden. Diese diskutiere anschließend darüber mit Regierungsvertretern, die schließlich offizielle Zahlen bekanntgebe. Die Fehler in der Statistik seien aber bereits auf lokaler Ebene anzusiedeln, wo die Beamten ein eigenes Interesse hätten, die Wirtschaftsleistung zu „übertreiben“, weil das die Basis ihres Aufstiegs innerhalb des Systems sei – es gebe kaum eine Chance, diese des Betrugs zu überführen und zu bestrafen.
LBBW: Sturm im Musterländle
Die Börsen-Zeitung kommentiert den Stellenabbau bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die einst von Politikern als „bärenstark“ bezeichnet und von manch anderer Landesbank eben darum abeneidet worden sei. Doch die „Musterbank im Musterländle“ sei seit gestern, als bekannt wurde, dass 2500 Stellen abgebaut werden sollen, entzaubert. Die Ausmaße des Desasters könnten nicht annähernd mit den Altlasten erklärt werden, die die LBBW mit der Sachsen LB und der Landesbank Rheinland-Pfalz übernommen habe. „Da müssen in den Kellern am Stuttgarter Hauptbahnhof schon noch ein paar bisher gut versteckte Leichen zum Vorschein gekommen sein“, vermutet das Blatt. Am Ende des nun eingeleiteten Restrukturierungsprozesses werde die LBBW mehr „Landesbank“ im eigentlichen Sinne des Wortes sein und sich von Global-Player-Ambitionen verabschiedet haben.
Deutschland 2009: Ende der Bescheidenheit
Die New York Times stimmt in einen Abgesang auf die Berliner Republik ein. Während man sich Ende der 1990er Jahre in Deutschland gefragt habe, ob man nach Jahrzehnten des selbst auferlegten Schweigens wieder stolz auf das Land sein dürfe und eine „Normalität“ erreicht habe, sehe die Situation in der „Deutschen Republik“ besonders nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb ganz anders aus. „Dieses Deutschland ist nationalistischer, balanciert zwischen Washington und Moskau, ist cool und fast schon desinteressiert mit Blick auf die Europäische Union, ist egozentrisch und selbstgefällig, pflichtbewusst, aber wenig begeistert hinsichtlich der NATO-Allianz“, beschreibt der Autor das neue Bild von Deutschland.
BAE: größte Ermittlungen aller Zeiten
Der Economist verfolgt den Korruptionsfall beim britischen Rüstungskonzern BAE Systems, der im Austausch für Aufträge in afrikanischen und osteuropäischen Ländern Millionen gezahlt haben soll. Gestern hat die Ermittlungsbehörde gegen Wirtschaftskriminalität (Serious Fraud Office) in London Ermittlungen angekündigt, die allerdings noch von der Generalstaatsanwaltschaft eingefädelt werden müssten. Die Strafermittlungen wären nach Ansicht des US-Magazins die größten und strittigsten in der britischen Unternehmensgeschichte. Die Anschuldigungen gegen BAE in der „für dreckige Geschäfte berühmten Branche“ seien allerdings alt. 2006 seien Ermittlungen wegen Zahlungen an saudische Beamte und Mitglieder der königlichen Familie im Vorfeld von großen Rüstungsaufträgen in den 1980ern ad acta gelegt worden – aus Furcht, Saudi-Arabien könnte die Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus versagen.
Rückenwind für Sarkozy
Les Echos aus Frankreich kommentiert den von Präsident Nicolas Sarkozy vorgestellten Haushaltsentwurf für 2010. Einerseits habe Frankreich ähnlich wie andere europäische Länder den Fokus stärker auf die Stärkung der Binnenwirtschaft, statt auf die Sanierung des Haushalts gelegt. Dies schlage sich in einem Defizit von rund 141 Milliarden Euro zum Jahresende nieder – 90 Milliarden Euro mehr als ursprünglich geplant. Doch trotz der beschleunigten Verschuldung des Staates dürfe man die von Sarkozy eingeleiteten strukturellen Reformen nicht übersehen. Bis 2010 werde die Regierung rund 100.000 Stellen im Öffentlichen Dienst abgebaut haben – fünf Mal mehr Jobs als zwischen 2003 und 2006 weggefallen seien. Seine Fußspuren hinterlasse der Präsident auch mit der geplanten Abschaffung der Gewerbesteuer, durch die die Wettbewerbsfähigkeit französischer Firmen, „um die uns der Rest der Welt nie beneidet hat“, verbessert werde. Begeistert ist Les Echos besonders von der konservativen Konjunktur-Prognose der Regierung, nach der die Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,75 Prozent wachsen werde – mit ähnlich bescheidenen Vorhersagen sei der kanadischen Regierung in den 1990ern eine „spektakuläre Sanierung“ der eigenen Finanzen gelungen.
Santander-Chef feiert Geburtstag
Die Gaceta de los Negocios gratuliert Emilio Botín, Chef der spanischen Bank Santander, zum 75. Geburtstag. Als Vater, Sohn, Enkel und Urenkel von Bankern verkörpere Emilio Botín wie kein anderer den erfolgreichen Banker unserer Zeit. Trotz seines hohen Alters mache er keinerlei Anzeichen, den Vorsitz der kantabrischen Bank aufgeben zu wollen. Seit 50 Jahren gehöre Botín dem Vorstand von Santander an. Den Vorsitz der Bank habe er im Jahr 1986 von seinem Vater übernommen, als dieser mit 83 Jahren von seinen Ämtern zurücktrat. Gut möglich, dass Emilio Botín dem Beispiel seines Vaters folgen wolle, spekuliert die Zeitung. Rechtlich stünden ihm alle Türen offen, da Santander den Mitgliedern des Vorstandes freistelle, wie lange sie ihre Positionen ausüben wollen. Emilio Botín sei es maßgeblich zu verdanken, dass sich Santander nicht nur zur größten spanischen Bank entwickelt habe, sondern auch weltweit als eine der erfolgreichsten Banken gelte.
Neuauflage der italienische Ökoprämie
Das italienische Ökoprämie für den Neukauf von Fahrzeugen werde 2010 verlängert, berichtet ilsole24ore. Laut Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung Claudio Scajola werde die Regierung eine Summe zwischen 400 und 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Scajola habe die Entscheidung nach seinem Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne in Detroit bekanntgegeben. Italien könne sich nicht dem europäischen Reigen der Autoprämien widersetzen, so der Minister. Marchionne habe in dem Gespräch zugesagt, dass die Produktion von Fiat in Italien in der neuen Kooperation mit Chryler ausgebaut werde. Der Minister habe schließlich den Verkauf von Bertone an Fiat bestätigt – auch wenn Bertone mit einer geschätzten Jahresproduktion von 48.000 Autos kein großer Fisch sei.
Chinesischer Elektroautos schwächeln
Die chinesische Zeitung China Quality Daily bemängelt fehlende Regeln und Standards für die chinesischen Elektromobilbauer. In der chinesischen Automobilbranche entstünden durch Überproduktion strukturelle Risiken; viele Unternehmen hätten staatliche Subventionen für den Bau von Elektromobilen beantragt. Der zuständige Koordinator der National Development and Reform Commission, Chen Bin, habe bereits vor einer Überhitzung in diesem Sektor gewarnt. Den Unternehmen mangele es weiter an eigenen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, stattdessen würden einzelne Komponenten zugekauft und montiert. Insgesamt sei das Fertigungsniveau niedrig; kein Elektromodell könne ausreichende Verkaufszahlen vorweisen. Ebenso fehle es am Nachweis über Sicherheits- und Zuverlässigkeitsprüfungen, insbesondere Langfriststatistiken gebe es nicht. Chinesische Branchenexperten hielten Regulierungsprozesse für die Forschung und Entwicklung sowie die Einführung von Standards für unverzichtbar.
Fundstück: Mahnung vor Gebühren
Karney Hatch war so verärgert über die horrenden Überziehungsgebühren von US-Banken, dass er kurzerhand eine aufwendige Doku gedreht hat (hier zu sehen). Dazu interviewte er Banker, Politiker und Verbraucher – und unterzog Wells Fargo einem Test. Mit einer neuen Kreditkarte ging der Filmemacher in einer Mall shoppen, rutschte mit insgesamt 2,68 Dollar ins Minus und wurde dafür mit 102 Dollar Überziehungsgebühren bestraft. Als er Wells Fargo mit einer Klage drohte, zahlte ihm die Bank die gesamten Gebühren zurück.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Mingli Lauscher
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