Reinhard Mohn: Unternehmer und Managementphilosoph

Die internationale Wirtschaftspresse würdigt den verstorbenen Unternehmer Reinhard Mohn und blickt in die Zukunft von Bertelsmann. Report on Business beleuchtet Bombardiers Erfolgskonzept in China. Der Economist sieht Anzeichen der Erholung auf dem Immobilienmarkt. Die Business Times will die Sirenengesänge der Banker nicht hören. Fundstück: Starbucks ist nicht länger romantisch.

Als “Jahrhundertunternehmer”, “Managementphilosoph” und “Wirtschaftsweisen” würdigt das manager magazin den verstorbenen Unternehmer und Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn. “Wie kein zweiter Manager in Deutschland stellte er sich den Fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmers und entwickelte einen Wertekanon, dessen ethische Prinzipien nach allgemeiner Gültigkeit strebten und heute zum Allgemeingut moderner Unternehmensführung gehören.” Die Selbstverwirklichung eines jeden Mitarbeiters habe er als Ziel gesehen, die Maximen des gewinnorientierten Kapitalismus und der Sozialverpflichtung des Eigentums miteinander zu versöhnen versucht. Und bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) habe er darauf geachtet, nicht nur Familienmitglieder als Gesellschafter zuzulassen, sondern als Korrektiv auch den amtierenden Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG bzw. einen Mitarbeitervertreter. “In seinen letzten Lebensjahren machte Mohn allerdings einiges davon wieder rückgängig.” Mark Wössner musste gehen, weil er offenkundig die Bedeutung der Familie für den alternden Patriachen unterschätzt hatte, und Thomas Middelhoffs Börsenpläne hatten einen spürbaren Mißmut bei Mohn ausgelöst. Der Verlust, den sein Tod für die Bertelsmann AG darstelle, die sich in wirtschaftlich schwieriger Lage befinde, lasse sich nicht ermessen. Mohn sei Stifter und Ideengeber, Identifikations- und Integrationsfigur gewesen, er habe sich unersetzlich gemacht. “Die Zukunft wird zeigen, welche Rolle seine Tochter Brigitte, die er in seinem letzten Buch zu seiner geistesverwandten Nachfolgerin gekürt hat, künftig spielen wird.”

Reinhard Mohn und seine Frau Liz hätten all die Jahre die Firma fest im Griff gehabt und ihren Charakter und ihre Ausrichtung bestimmt, schreibt die Financial Times . Das habe sowohl Mark Wössner als auch Thomas Middelhoff den Job gekostet, aber auch zu den Strukuren geführt, die dem Bertelsmann-Konzern bis heute die Unabhängigkeit sichern. “Dennoch: Bertelsmann konnte den Problemen, mit denen alle Medienunternehmen weltweit konfrontiert werden, nicht entkommen, der ganze Sektor erfährt grundlegende, strukturelle Veränderungen.” Vorstandsvorsitzender Hartmut Ostrowski versuche derzeit, das Unternehmen strategisch neu zu positionieren. So habe die Sony-Gruppe aus Japan die 50 Prozent an Sony BMG übernommen, die Bertelsmann bislang gehalten habe: “Reinhard Mohn hat diese Entwicklung bis zuletzt begleitet und ist im Unternehmen immer präsent geblieben.”

Bombardiers Erfolgskonzept für China

Report on Business analysiert die Hintergründe für den Vertrag im Wert von vier Milliarden Dollar, den das kanadische Eisenbahnunternehmen Bombardier mit China über die Lieferung von 80 Hochgeschwindigkeitszügen geschlossen hat. “Das Stimuluspaket der chinesischen Regierung hat eine Rolle gespielt, ein Teil des Geldes geht nun an Bombardier.” Doch auch andere Gründe seien für den so erfreulichen Deal zu nennen: So habe das Chaos auf Chinas Eisenbahngleisen zum Neujahrsfest 2008 die Regierung alarmiert; Investitionen in das Eisenbahnnetz hätten nun höchste Priorität. Zudem habe sich Bombardier sehr gut vorbereitet: “China prüft ein Unternehmen mitunter jahrelang, bevor es einen Auftrag vergibt. Gewünscht sind vor allem fortschrittliche Technologien.” So seien bereits 1.000 Eisenbahnwagen der Kanadier in China im Einsatz – mit Erfolg. “Wir konkurieren schließlich nicht nur mit ausländischen Unternehmern, sondern auch mit chinesischen”, zitiert das Blatt den CEO von Bombardier China. Nun dürfe das Unternehmen auf weitere Bestellungen hoffen. Immerhin solle in fast jeder der 37 Großstädte Chinas das Eisenbahnnetz verbessert bzw. ausgebaut werden.

Immobilienmarkt vor der Erholung?

Anzeichen für eine Erholung des globalen Immobilienmarktes macht der Economist aus. Der jüngste Bericht des Internationalen Währungsfonds habe zwar einen durchschnittlichen Preisverfall von sieben Prozent in 52 Staaten ausgemacht – mit Spitzenwerten von 40 Prozent in Estland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten oder 20 Prozent in Großbritannien. Aber die Häuserpreise hätten vor der Krise ein hohes Niveau erreicht: Laut IWF seien sie sechs Jahre lang um ca. 50 Prozent gestiegen, ehe sie für die folgenden fünf Jahre um bis zu 24 Prozent wieder zurückgingen. “Die Werte variieren von Land zu Land, abhängig von Einkommen und Alter der Bürger, von den Kapitalpreisen, Zinsen und Baukosten. Berücksichtigt man diese Faktoren, ist von weiter sinkenden Preisen in Irland, Italien und Großbritannien auszugehen, doch die USA, Deutschland und Südkorea könnten schon das Schlimmste überstanden haben.” Zudem seien die Preise in einem Fünftel der untersuchten 52 Staaten höher als vor einem Jahr, etwa in den Schwellenländern China und Indien.

Allianz zwischen Iberia, BA und AA ausgebremst

Brüssel bremst die von British Airways, Iberia und American Airlines geplante Allianz im transatlantischen Fluggeschäft, konstatiert Cinco Días . Die europäische Wettbewerbsbehörde befürchte offenbar, dass die Verbraucher unter abgestimmten Preisen und Flugrouten leiden könnten. Nun sei es die Aufgabe der drei Airlines, auf die Einwände Brüssels zu reagieren und einen zufriedenstellenden Kompromiss auszuhandeln. Andernfalls könne die Wettbewerbsbehörde die Allianz gänzlich verbieten oder Auflagen verhängen. Schon im April vor einem Jahr habe Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bei einem ähnlichen Abkommen zwischen den Star-Alliance Mitgliedern Air Canada, Continental, Lufthansa und United Airlines schwere Bedenken geäußert. Unüblich weit reichend seien die Vereinbarungen zwischen den Fluggesellschaften auf beiden Seiten des Atlantiks, beschwerte sich die Kommissarin.

Die Revanche der Schwellenländer

Eine Revanche für jahrzehntelange Abhängigkeit von der westlichen Welt glaubt Les Echos in der jüngsten Entwicklung der Schwellenländer zu erkennen. Der aktuelle Bericht des Internationalen Währungsfonds mache deutlich, dass diese seit fast einem Jahrzehnt Wachstumsraten von um die drei Prozent schafften: “Sie meistern die derzeitige Krise besser als frühere. Ihre Darlehensnehmer haben nicht so viel riskiert, ihre Wirtschaftspolitik ist besonnener, und sie haben Reserven aufgebaut, die ihnen helfen, den Schock zu überstehen.” Sie würden sich künftig noch mehr anstrengen, um Überschüsse zu erwirtschaften, und auf diese Weise würden sie den westlichen Nationen helfen: “Während für diese ein langsameres Wachstum vorhergesagt wird, werden die Schwellenländer genau dort investieren. Der Norden wird dem Süden nicht mehr länger auf der Tasche liegen.”

Der Sirenengesang der Banker

“Die Banker üben sich wieder in ihrem Sirenengesang “, stellt die Business Times aus Singapur lakonisch zum alljährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds fest. Dort plädierten sie dafür, die Geldmaschine um jeden Preis wieder anzuwerfen und den Markt für verbriefte Wertpapiere zu fördern – dabei habe gerade dieser die Finanzkrise ausgelöst. “Die Jünger des Mammon sind wieder zurück im Geschäft der riesigen Bonuszahlungen.” Insbesondere die Zentralbanker würden sie versuchen zu überzeugen, die Unterstützungsmaßnahmen weiter fortzusetzen. Gebe man ihren “Sirenengesängen” nach, wären aber all die guten Vorsätze zur Stabilisierung des Finanzmarkts umsonst. Der Schlüssel zum Wirtschaftswachstum sei z. B., die Verbraucher zu unterstützen und die Binnennachfrage in den einzelnen Länder zu stimulieren. Wenn Maßnahmen wie diese verfolgt und ausgebaut würden, sei eine zusätzliche Beschaffung von Geld letztlich nicht notwendig – und so gebe es auch weniger Möglichkeiten für Banker, sich zu bereichern.

Fundstück: Starbucks ist nicht länger romantisch

Enttäuscht registriert das Wall Street Journal die Einführung von Instantkaffee bei Starbucks. Vor ein paar Jahren noch habe der damalige Forschungsdirektor auf einer Konferenz der Lebensmittelindustrie das braune Pulver als “schlimmstes Produkt überhaupt” bezeichnet und eine Hymne auf den frisch und individuell für den Kunden von Starbucks gebrühten Kaffee gesungen. Heute behaupte das Unternehmen, man könne keinen Unterschied zwischen dem Instant- und dem klassisch zubereiteten Kaffee schmecken, so gut sei die Qualität. “Starbucks stand bislang für den kleinen, erschwinglichen Luxus. Der neue Instantkaffee schmeckt tatsächlich nicht übel, doch er beleidigt nicht den Gaumen, sondern die Romantik: Er wurde nicht mit Begeisterung und Leidenschaft gebrüht. Instantkaffee ist einfach schlecht für die Seele.” Woher Starbucks die Idee habe, zeige wohl ein Blick in die Autobiografie von CEO Howard Schultz: “Beim ihm zu Hause hat Kaffee so gut wie keine Rolle gespielt, schreibt er. Klar: Seine Mutter trank Instantkaffee.”

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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