Nachdem die Europäische Zentralbank und Bank of England gestern ihre Leitzinsen konstant gehalten haben, fordert die internationale Wirtschaftspresse einen Strategiewechsel. Die FTD warnt vor einer zentralisierten Bankenaufsicht bei der Bundesbank. Cinco Días bejubelt die geplante Fusion von zwei spanischen Sparkassen. Neue Modelle, kaputtes Image – BusinessWeek untersucht die Nöte von GM. Fundstück: Madoffs Meister aus Gaza.
Die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch rechnet zwar nicht damit, dass die Zentralbanken – ein Jahr, nachdem sie im Schulterschluss die Leitzinsen gesenkt haben – in den kommenden Monaten gemeinsam die Zinsen wieder erhöhen werden. Gleichwohl wäre ein solches koordiniertes Vorgehen von Vorteil: Dieses wäre eine „Erklärung der Normalität, eine wichtige symbolische Markierung auf dem Weg zur Erholung“. Auch der schwächelnde Dollar würde von einer gemeinsamen Zinserhöhung profitieren. „Der Zyklus kann nicht solange warten, bis die globale Wirtschaft wieder als komplett gesund bezeichnet werden kann (…). Aber spätestens wenn der Zyklus beginnt, sollten die wichtigsten Spieler zusammen das Pedal treten“, fordert MarketWatch.
Das Manager Magazin warnt vor dem Szenario, dass die Lage bei den Banken weiterhin angespannt bleibe und gleichzeitig die Inflationsgefahren stiegen. In dieser Situation müssten die Zentralbanken eigentlich die Zinsen anheben, um die Inflationsgefahren einzudämmen – was aber den Zusammenbruch weiterer Banken provozieren würde. Andererseits benötigten die Banken aber weitere Liquiditätsspritzen – wodurch eine Verfestigung der Inflationserwartungen zugelassen werde. Doch die Notenbanken handelten in diesem Entscheidungsdilemma offenbar lieber gar nicht. „Es besteht die Gefahr, dass sich erklärte ,Falken’ wie Jürgen Stark und Bundesbank-Chef Axel Weber (…) mit einer harten Linie nicht werden durchsetzen können“, fürchtet das Blatt. Und warnt vor einer neuen Blase auf dem Finanzmarkt.
Bloomberg rechnet damit, dass die Zentralbanken schon in Kürze einen Strategiewechsel einleiten und die Liquidität auf dem Markt abschöpfen. Darauf ließen Aussagen von Thomas Hoenig, Chef der Federal Reserve Bank in Kansas City, sowie des Fed-Governors Kevin Warsh schließen. Doch die Wahl des Exit-Zeitpunkts erscheine schwierig, ähnlich wie bei einer Party: „Geht man zu früh, verpasst man vielleicht eine Menge Spaß. Bis zum Morgen durchzutanzen, birgt das Risiko, dass der Kater einen lähmt.“ Aktuell sei die Gefahr groß, dass die „Musik plötzlich stoppt, sobald die Zentralbanken, die das Herz und die Seele der Genesungsparty waren, alle auf einmal zum Ausgang eilen“.
Finanzaufsicht-Bündelung ist Aktionismus
Die Financial Times Deutschland zweifelt an der Entscheidung von CDU und FDP, die Bankenaufsicht in die Hände der Bundesbank zu legen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu entmachten. Auch die Bundesbank habe die großen Probleme einiger Institute wie der IKB oder Hypo Real Estate (HRE) nicht rechtzeitig erkannt. Viel schwerer wiege allerdings das Problem, wie die Bundesbank ihre Unabhängigkeit in der Zinspolitik bewahren solle, wenn sie einerseits die Banken beaufsichtige, andererseits aber mit ihrer Geldpolitik deren Ertragslage beeinflusse. „So sieht die schwarz-gelbe Idee ähnlich wie in anderen Ländern vor allem nach politischem Aktionismus aus. Wie in den USA scheint es en vogue, die Bankenaufsicht bei den Notenbanken anzudocken. Diese müssen aber erst einmal beweisen, dass sie es besser machen.“
Endlich eine Bankenfusion ohne Not
Cinco Días begrüßt die geplante Fusion der spanischen Sparkassen Caja Navarra (CAN) und CajaCanarias. Endlich schlössen sich zwei Kreditinstitute zum Zweck der Effizienzsteigerung zusammen, freut sich die Zeitung. In den letzten Monaten seien Fusionen zwischen Sparkassen als letztes Mittel zur Rettung aus der Finanzkrise beliebt gewesen. Im Gegensatz dazu seien sowohl Caja Navarra als auch CajaCanarias profitabel und bedürften keiner Rettungsweste – worin sie sich von anderen fusionswilligen Instituten wie Unicaja, CCM, Caja Girona oder Banco Sabadell deutlich unterschieden. Ziel des Zusammenschlusses zwischen CajaCanarias und CAN sei nicht nur Effizienzsteigerung, sondern auch die geografische Ausbreitung und Erschließung neuer Märkte. Noch nicht einmal auf die von der Regierung für die „Bankenrettung“ zur Verfügung gestellten Finanzhilfen müsse das Duo zurückgreifen, lobt die Zeitung.
GM ringt um Marktanteile
BusinessWeek hinterfragt den Abschied von Mark LaNeve, Vizepräsident für Nordamerika bei GM. Dessen Abgang sei insofern verständlich, als LaNeve im Juli die Verantwortung für das Marketing an Vize-Chairman Robert A. Lutz habe abtreten müssen. Außerdem sei er, wie andere Führungskräfte, vom Vorstand unter Druck gesetzt worden, den Marktanteil des Autobauers auszubauen – dieser sei von 22,3 im vergangenen Jahr auf 19,6 Prozent gesunken, trotz einer Flotte an neuen Modellen. „Das Hauptproblem besteht darin, dass GM zwar neue Modelle enthüllt, die auch von der Motorpresse beklatscht werden, das Image aber durch die Insolvenz im Sommer beschädigt wurde“, analysiert das Magazin. In dieser Situation komme es für GM-Chef Henderson darauf an, das vom neuen Chairman Ed Whitacre vorgegebene Ziel zu erfüllen, im kommenden Jahr über einen Marktanteil von 20 Prozent hinauszukommen.
Italienische Träume in Russland
Über die jüngsten Umtriebe des Fiat-Chefs Sergio Marchionne berichtet ilsole24ore. Gemeinsam mit Wladimir Putin habe der Autobauer aus Turin einen Joint-Venture Vertrag für Mähdrescher, Traktoren und Baumaschinen für den russischen Markt unerschrieben. Partner seien der russische Baumaschinenhersteller Kamaz AG und CNH Case New Holland, eine fast hundertprozentige Tochterfirma von Fiat, spezialisiert auf Land- und Baumaschinen. Doch Marchionne träume von mehr. Er wolle Jeeps in Russland produzieren. Eine Idee, die Wladimir Putin ausdrücklich begrüße, denn in Russland bestehe eine große Nachfrage nach Jeeps, da viele Straßen erst noch gebaut werden müssten. Fiat habe bereits ein Joint-Venture zum Bau von Schulbusse auf der Basis des Fiat Ducato mit der russischen Sollers Group. Nun hoffe Marchionne auf eine Ausweitung dieser Zusammenarbeit.
China holt beim E-Commerce auf
Xinhuanet berichtet über den wachsenden Internethandel in China. Der Umsatz der chinesischen E-Shops liege bei rund 13 Millarden Euro oder einem Prozent des gesamten Konsumgüterumsatzes. Das Warenspektrum werde immer breiter und reiche von hochwertigen Elektronikartikeln wie Computern und Handys bis zu einfachen Konsumgütern wie Kleidung oder Kosmetika. Ende Juni 2009 seien bereits über 330 Millionen chinesische Internetnutzer registriert gewesen; 25 Prozent der chinesischen Bevölkerung seien online. Vom verstärkten E-Commerce profitierten besonders die Zustelldienstleister.
Fundstück: Madoffs Meister aus Gaza
Dies ist wohl eine der seltsamsten Geschichten von gescheiterten Investments: Laut Bloomberg haben palästinensische Investoren rund 500 Millionen Dollar durch Israels Bombardierung der Versorgungstunnel zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten verloren. Die rund 800 bis 1000 Tunnel seien mit Hilfe privater Geldgeber ausgebaut und von Schmugglern genutzt worden – im Januar hat das Handelsblatt berichtet, dass sogar Hammelherden durchgeschleust wurden. Die Investoren verlangten nun von der Hamas ihr Geld zurück. Die Palästinenser-Organisation habe zu den Tunnel-Investitionen animiert; die Hamas wiederum erkläre, man habe 200 Tunnel-Betreiber in Haft genommen – diese seien die Schurken. Ein Ökonom aus Gaza Stadt meint, der Betrug sei schlimmer als der von Ponzi-Meister Bernard Madoff.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Mingli Lauscher.



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