Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet das für morgen erwartete Finale bei Opels Loslösung von General Motors. Für die Börsen-Zeitung ist die teilweise Entmachtung des umstrittenen Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin ein Trauerspiel. Fortune rechnet mit dem Mann ab, der hinter der größten US-Bankenpleite in diesem Jahr steht. Laut Les Echos sehen die Franzosen kein Licht am Tunnelende. Fundstück: Spanier ohne Zahlungsmoral.
Am morgigen Donnerstag wird voraussichtlich der Kaufvertrag mit Magna unterschrieben – eine teilweise Loslösung vom US-Konzern General Motors (GM) und der Einstieg des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank.
Die Gaceta de los Negocios berichtet, dass ein Spitzentreffen zwischen Regierung, Magna und dem Präsidenten von Opel in Spanien keine Ergebnisse gebracht habe. Keiner der Verhandlungspartner habe sich von seiner ursprünglichen Haltung abbringen lassen, und so sei die Zukunft des Opel-Werkes im nordspanischen Figueruelas weiterhin offen. Trotz intensiver Besprechungen halte Magna an seinen Plänen fest, die Produktion des dreitürigen Opel Corsa nach Eisenach in Deutschland zu verlegen und entsprechende Stellen in Spanien abzubauen. Das dürfe sich die Gewerkschaft und auch die spanische Regierung nicht gefallen lassen, habe José Juan Arceiz, Verhandlungsführer für die spanischen Opel-Werke, erklärt. Über die brisante Frage der Arbeitsplätze sei gar nicht verhandelt worden, zitiert die Zeitung eine weitere Quelle. Zu verschieden seien die Standpunkte der Verhandlungspartner gewesen. Rücke Magna nicht von seinen Plänen ab, so werde die Belegschaft in Streik treten.
Die britische Financial Times blickt nach Russland. Der Business-Plan von Magna und somit die Zukunft von Opel hänge weitestgehend davon ab, ob es Magna gelingen werde, die Geschäfte in Russland, gemeinsam mit dem zweitgrößten russischen Autobauer Gaz, auszubauen. Mit 4,5 Milliarden Euro an Garantien von europäischen Regierungen, der Rückendeckung der Sberbank und dem Segen des Kreml müsse es Magna schaffen, einen Teil der russischen Autoindustrie vor dem Bankrott zu retten und wieder aufzubauen. Doch der Schachzug in Rusland sei so riskant wie mutig. Die Nachfrage auf dem russischen Automarkt sei in diesem Jahr um mehr als die Hälfte eingebrochen, und nach Einschätzung des Industrieministeriums werde die Autobranche erst 2014 wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen. Das jüngste Ultimatum von Russlands Premier Wladimir Putin an Renault zur Rettung des größten Autobauers Avtovaz (an dem die Franzosen zu 25 Prozent beteiligt seien) zeige, dass Magna politische Risiken bevorstünden. Auch drohten Konflikte zwischen den neuen Mehrheitseigentümern von Opel auf der einen Seite und GM auf der anderen Seite.
In einem zweiten Artikel zu Opel berichtet die Financial Times , dass die größte britische Gewerkschaft Unite eine Einigung mit Magna erzielt habe. Damit sei gesichert, dass die Firma auch nach 2013 noch Autos in den beiden britischen Fabriken von General Motors produzieren werde.
Bundesbank hat sich entblößt
Die Börsen-Zeitung kommentiert die teilweise Entmachtung des umstrittenen Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin. Der Kampf habe nur Verlierer hervorgebracht: Nicht nur Bundesbankchef Axel Weber und Sarrazin selbst hätten als Streithähne Federn lassen müssen – die gesamte Institution stehe „reputationstechnisch ziemlich entblößt“ da. „Der gesamte Bundesbankvorstand hat durch diese Posse viel öffentlichen Kredit verspielt. Der Ruf der Behörde ist beschädigt. Dass Sarrazin innerhalb weniger Monate für mehr Unterhaltungswert sorgte als die Bundesbank in den zurückliegenden 60 Jahren, ist ein schwacher Trost.“ Fazit: Das Theater sei alles in allem ein Trauerspiel gewesen. „Und es steht zu befürchten, dass der Vorhang noch nicht gefallen ist.“
Der verhasste Mister Lowder
Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune rechnet minutiös mit dem Mann ab, der hinter der größten US-Bankenpleite in diesem Jahr steht: Bobby Lowder, Ex-CEO der Colonial Bank. Wenige Monate, nachdem sich der 67-Jährige von der Banken-Spitze in die Rente verabschiedet habe, hätten die staatlichen Behörden im August die Kontrolle bei der Bank übernommen. Vorangegangen seien 28 Jahre, in denen Lowder die Bank zu einem „regionalen Kraftwerk“ ausgebaut habe. Der Niedergang der 350 Filialen umfassenden und 26 Milliarden Dollar an Assets verwaltenden Bank sei die sechtgrößte Pleite in der US-Geschichte und die drittgrößte seit Anbruch der Finanzkrise. Als mit acht Millionen Anteilen größter Aktionär habe Lowder selbst rund 164 Millionen Dollar von 2006 bis zur Auslistung bei der New York Stock Exchange im August verloren. In den vergangenen Jahren habe sich Lowder viele Feinde gemacht – sein Name sei einer der meistgefürchteten, verachteten und, wie einige meinten, missverstandensten im US-Bundestaat Alabama. Als Treuhänder an der Universität von Auburn habe er einem Verwaltungsrat sogar mit dem Tod gedroht.
Die Zeche der anderen
Den Vorschlag der Europäischen Kommission, Hypothekendarlehen von bisher 80 Prozent nur noch bis zu 40 Prozent des Immobilienwertes zuzulassen, kommentiert ilsole24ore aus Italien sehr kritisch. Nach den gescheiterten Versuchen der Reform zum Schutz von Spareinlagen greife die Europäische Komission nun in den gut funktionierenden Markt der Wohnungsbaudarlehen ein. Bisher hätten die Banken auf dem europäischen Festland im Allgemeinen und die italienischen Banken im Besonderen ohnehin schon sehr konservativ Darlehen an die privaten Haushalte ausbezahlt. Doch nun holten die internationalen Verfehlungen die italienischen Banken ein. Überzogene Hypothekendarlehen seien in Kalifornien oder London eingeräumt worden, nicht aber in Mailand oder Rom. Der Vorstoß der Europäischen Kommission falle in eine Zeit des „epochalen Rückgangs“ der Verbraucherkredite in Höhe von 70 Prozent. Auch werde die Verschärfung der Bedingungen für Hypotheken-Darlehen die Nachfrage nach Immobilien zusammenbrechen lassen und zu einem Preisverfall bei Immobilienwerten führen, warnt das italienische Blatt.
Franzosen sehen kein Licht am Tunnelende
„Das Schlimmste steht uns noch bevor“, antworteten 60 Prozent der Franzosen auf die Frage, ob Frankreich die Wirtschaftskrise schon überwunden habe. Die Wirtschaftszeitung Les Echos ist über das Ergebnis ihres monatlichen Stimmungsbarometers verwundert, deuteten doch die Wirtschaftsdaten eine allmähliche Erholung der Konjunktur an: Der CAC-40 habe die Jahreshöchstmarke erreicht und Experten für 2010 bereits wieder Wachstumsraten angekündigt. Von Optimismus aber könne innerhalb der Unternehmen nicht die Rede sein. Die Mehrheit der Angestellten „spürten“ die Krise nach wie vor, da sie auf Lohnerhöhungen und Bonusprogramme verzichten müssten. 30 Prozent der Befragten hätten sogar angegeben, dass sich ihr Haushaltseinkommen im laufenden Jahr verringert habe. Alles in allem gebe es trotz positiver Konjunkturprognosen wenig Gründe für eine optimistische Zukunftseinschätzung. Mit einem Stimmungswechsel sei wohl erst zu rechnen, wenn die die Kündigungen wieder zurückgingen. Das werde auch von Nicolas Sarkozy immer wieder betont: Solange die Arbeitslosigkeit steige, bleibe den Franzosen auch der Blick auf das Licht am Ende des Tunnels verwehrt.
Schwäche des US-Dollars
Es gebe zwar gute Gründe, warum Chinesen, Russen und arabische Scheichs sich treffen sollten, um über die Rolle des Dollars als Reservewährung zu diskutieren, meint die Business Times aus Singapur. Dennoch sei die in der vergangenen Woche im britischen Independent erschienene Story über ein konspiratives Treffen zur Ablösung des Dollars als Leitwährung nur pure Sepkulation gewesen. Gleichwohl habe die daraus entstandene Diskussion darauf aufmerksam gemacht, wie groß die Probleme die US-Wirtschaft seien und wie stark der Dollar gegenüber fast allen wichtigen Währungen an Wert verloren habe – unter anderem, weil die US-amerikanische Notenbank den Markt mit Dollars „geflutet“ habe, um das Haushaltsdefizit zu stopfen. Die US-Politik setze alles daran, den Dollar zu schützen, um beispielsweise einem nachlassenden Interesse ausländischer Investoren an US-Schatzbriefen entgegenzuwirken. Andererseits sei aus amerikanischer Sicht ein schwacher Dollar hilfreich, um den US-Export wieder anzukurbeln und für mehr Jobs auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen.
Fundstück: Spanier ohne Moral
Die Wirtschaftszeitung Cinco Días zeigt sich entsetzt über eine von der Versicherungsgesellschaft Atradius veröffentlichte Studie zur Zahlungsmoral von Unternehmen. Das Ergebnis: 67 Tage warteten spanische Unternehmen im Schnitt, bevor sie fällige Rechnungen bezahlten. Ähnlich träge und unzuverlässig sei nur noch Italien. Selbst China stehe mit durchschnittlich 40 Tagen Zahlungsverzögerung besser da. Auch im Ranking der Länder, in denen Unternehmen für jeden Kunden unterschiedliche Zahlungsfristen ansetzten, stehe Spanien weit vorne, beklagt die Zeitung.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Fridolin Pöschl
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