Die Wirtschaftspresse sucht nach den Schuldigen der Quelle-Pleite (Foto: Werbung des Versandhauses). Außerdem applaudieren die Zeitungen Apple zu den guten Quartalsergebnissen und erkennen in der Technologiebranche den Hoffnungsträger der Wirtschaft. Vedomosti sieht keinen Grund zur Freude über die niedrige Inflation in Russland. Fundstück: Die Bibel der Bienenfleißigen.
Die Financial Times Deutschland wirft der Konzernführung des insolventen Versandhändlers Quelle vor, immer wieder die gleichen Fehler gemacht zu haben. Am Anfang stehe der Versuch, den Handels- und Touristikkonzern Arcandor als Ganzes zu retten – und als das scheitert: zu verkaufen. Ominöse Interessenten hätten sich jedoch in Luft aufgelöst. Daraufhin sei das gleiche Spiel mit den einzelnen Sparten weitergegangen. Auch habe man geglaubt, die Versandsparte Primondo als Ganzes zu erhalten – bis nun Insolvenzverwalter Klaus Huber Görg die Abwicklung bekannt gegeben habe. „Die traurige Realtiät ist, dass Quelle schon längst nicht mehr zu retten war, als Arcandor Insolvenz anmeldete“, meint die Zeitung.
Die Börsen-Zeitung kritisiert, dass die Suche nach den Schuldigen am gescheiterten Verkauf der Versandhandelsgruppe Primondo „oberste Priorität“ habe. Die von der Arbeitslosigkeit stehenden Quelle-Beschäftigten müssten dieses Schauspiel als „würdelos“ empfinden. Aus Sicht der Gewerkschaft sei die Politik schuld – allen voran Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Arcandor im Frühsommer den geforderten Staatskredit verweigert habe. Für Insolvenzverwalter Görg seien es dagegen die Banken, die Quelle eine weitere Finanzierung verweigert hätten. Der Fingerzeig auf die Banken tauge allerdings nicht, denn hätte es einen ernsthaften Bieter gegeben, wäre der Deal sicher nicht an der Finanzierung gescheitert, vermutet das Blatt. Einen solchen Investor habe Görg aber nicht auftreiben können. „Anzulasten ist ihm das sicher nicht, allerdings sollte Görg nicht mehr länger versuchen, den ,Schwarzen Peter’ Dritten unterzuschieben“, fordert die Zeitung.
Mit Hightech aus der Krise
„Die Dampfwalze der guten Geschäftszahlen aus der Technologiebranche rollt weiter durch die Wall Street“, schreibt BusinessWeek im Hinblick auf die guten Quartalszahlen des Elektronikkonzerns Apple. Das Unternehmen sei ein weiterer „Leithammel“ der Branche, der eine stabile Nachfrage nach seinen Produkten meldet. Ein Viertel mehr Umsatz und 50 Prozent mehr Gewinn hätten die Erwartungen der optimistischsten Börsianer deutlich übertroffen. Damit habe sich das Unternehmen in eine Reihe mit IBM, Google und Intel gestellt. „Der Technologiesektor führt die wirtschaftliche Erholung an“, zitiert das Blatt Intel-Chef Paul Otellini.
Die Financial Times sieht die Technologiebranche als einen Hoffnungsträger für eine wirtschaftliche Erholung in den USA. Überraschend gute Geschäftszahlen von Unternehmen wie Google, Intel und IBM belegten diese Entwicklung. Nach einem kurzen Einbruch habe sich die Branche viel schneller erholt, als die meisten erwartet hätten. Die Erholung habe große Hoffnungen auf einen Aufschwung in den USA und weltweit geweckt – stimuliert durch eine Welle von Innovationen. Vom staatlichen Förderprogramm für grüne Technologien bis zu einer ganzen Reihe neuer, internetbasierter sozialer Netzwerke und Kommunikations-Tools – diese Industrie werde als einer der wenigen Lichtblicke gesehen. „Ein wesentlicher Unterschied des kommenden Technologiezyklus’ wird die wachsende Bedeutung der Schwellenländer sein“, prophezeit das Blatt. Diese würden nicht nur einen Großteil der Nachfrage stellen, sondern auch des Angebots.
Und schon wieder reagierten die Analysten total überrascht auf die positiven Quartalsergebnisse von Apple, wundert sich das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer. Dabei sei es doch jedes Mal wieder das gleiche Spiel: Steve Jobs präsentiere Rekordergebnisse und mache im selben Atemzug für das kommende Quartal ungemein verhaltene Prognosen. Der Gewinn liege dann aber stets 30 bis 40 Prozent über den Erwartungen. Auch diesmal gebe sich Apple wieder sehr verhalten. Doch kein Grund zur Sorge, meint Veckans Affärer. Ganz im Gegenteil, habe das Unternehmen doch ein rosiges Quartal vor sich. Nächste Woche stehe die Markteinführung von Apples iPhone in China auf dem Programm, und man könne davon ausgehen, dass auch der neue Tablet-Rechner noch dieses Jahr in Produktion gehen werde. Wirklich interessant bleibe letztlich die Frage, ob Apple die gewohnte Hochpreis-Strategie angesichts der neue Generation von Google-Phones ändern werde. Die Entscheidung „Marktanteil versus Gewinnmarge“ sei das wahre Dilemma eines Steve Jobs, schließt die Zeitung.
Kein Wachtum ohne Inflation
Vedomosti sieht keinen Grund zur Freude über die „beispiellos niedrige Inflationsrate“ in Russland. Bereits den zweiten Monat in Folge seien die Konsumpreise kaum gestiegen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung sei nicht das erfolgreiche Krisenmanagement der Regierung, sondern die sinkenden verfügbaren Einkommen der Russen. „Nach dem Konsumrausch der vergangenen Jahre versuchen viele, die Krise zu überwintern“, analysiert das Blatt. Ersparnisse seien teilweise aufgebraucht und Kredite teuer, außerdem seien auch die Banken vorsichtiger geworden. Dabei sei eine gemäßigte Inflation geradezu notwendig für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Die Konsumenten müssten wieder mehr Vertrauen in die Zukunft haben. In der Industrie stiegen die Preise dagegen weiter. „Das zeigt, dass die staatlichen Hilfen zwar einigen Unternehmen – insbesondere dem Rüstungssektor – geholfen haben. Beim Konsumenten ist davon aber nichts angekommen“, kritisiert das Blatt.
Poker um neuen Präsidenten der Caja Madrid
Wer wird neuer Präsident der angeschlagenen spanischen Sparkasse Caja Madrid? Für die Wirtschaftszeitung El Economista sind Luis de Guindos und Ignacio González die Kandidaten mit den besten Aussichten. Denn sowohl der ehemalige Staatssekretär Guindos als auch González, stellvertretender Präsident der Region Madrid, seien in der madrilenischen politischen Szene bestens vernetzt. Welcher Kandidat sich tatsächlich durchsetzen werde, das hänge maßgeblich vom Verhandlungsgeschick der politischen Parteien ab. Diese seien im Aufsichtsrat der Sparkasse vertreten und müssten sich trotz des starken Eigeninteresses auf einen Kompromisskandidaten einigen. Obwohl die Liste möglicher Kandidaten in den letzten Wochen deutlich kürzer geworden sei, komme aufgrund der starken Differenzen zwischen den Parteien möglicherweise auch ein Außenseiter wie Rodrigo Rato vom Internationalen Währungsfonds in Betracht, mutmaßt die Zeitung.
Der hohe Ölpreis kehrt zurück
Die Business Times aus Singapur rät, den hohen Öl-Preis im Auge zu behalten. Grund dafür sei nicht die Ölknappheit, sondern in erster Linie die steigende US-amerikanische Nachfrage nach Heizöl sowie der anhaltend schwache Dollar. Vor allem die positive wirtschaftliche Entwicklung zahlreicher Länder sei der wichtigste Motor der Preissteigerungen. Gefährlich seien neben dem Tempo, mit dem die Preise stiegen, die enormen Preisschwankungen: 90 Dollar im Januar, im Juli dagegen wieder 150 Dollar – und ehe das Jahr endet, finde man sich bei 50 Dollar wieder. „Solche Achterbahnfahrten wirken sich negativ auf die Verbraucher, die Unternehmen und die Investitionen in die Infrastruktur zur Ölförderung oder –lieferung aus“, bilanziert das Blatt.
Fundstück: Die Bibel der Bienenfleißigen
In der Bild-Zeitung verabschiedet der sich gerne mit einer Träne im Auge an die gute, alte Zeit erinnernde Kolumnist Franz Josef Wagner den Quelle-Katalog: das „Buch der Wünsche“, in dem die „bienenfleißigen Deutschen der Nachkriegszeit“ wie in der Bibel geblättert hätten. „Der Tod von Quelle ist wie ein wirklicher Tod. Es ist der Tod eines Verwandten, Onkel, Tante, Bruder. Man weint, als wäre der Quelle-Katalog ein Mensch. Ein Mensch, der gestorben ist.“
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Daniel Lenz, Fridolin Pöschl
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