Euro: Keine Chance als Weltwährung

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den andauernden Wertverfall des Dollars, sieht den Euro aber nicht als Alternative. Die Financial Times traut dem Glanz der Deutschen Bank nicht. Vedomosti berichtet vom kurzen Intermezzo der Handelskette Carrefour in Russland. Fundstück: Madoffs Nordpol-Investments.

Man solle sich lieber um den Euro und nicht um den Dollar sorgen, titelt das Wall Street Journal im Hinblick auf die aktuelle Wechselkursentwicklung. Reservewährungen würden nicht einfach so geschaffen, sondern entstünden über einen langen Zeitraum. „Der Dollar habe zwei Weltkriege und eine gute Hälfte des Jahrhunderts gebraucht, um da Pfund von seinem Platz zu verdrängen“, erinnert die Zeitung. Die aktuelle Dollarschwäche müsse im Kontext betrachtet werden, schließlich habe die Währung seit dem letzten Hoch im Jahr 2002 nur 21 Prozent verloren. „Das ist nicht mehr als in den vergangenen Tiefs der 1970-er und 1980-er Jahre.“ Das kurzfristige Problem könnte vielmehr auf der anderen Seite des Atlantiks liegen. „Der Euro ist seit März um 19 Prozent gegenüber dem Dollar gestiegen. Das setzt die Exporteure unter Druck und setzt den wirtschaftlichen Aufschwung aufs Spiel“, kommentiert die Zeitung.

Der starke Euro sei eine schlechte Nachricht für die wirtschaftliche Erholung der Eurozone, glaubt das Wirtschaftsmagazin Forbes . Steigende Exportpreise sei genau das, was besonders Deutschland im Moment nicht gebrauchen könne – Exporte machten mehr als die Hälfte des deutschen BIPs aus, weit mehr noch als etwa in Japan. „Der hohe Eurokurs könnte den Kampf der europäischen Regierungen gegen die Krise zunichtemachen und für einen erneuten Rückfall der Wirtschaft sorgen“, zitiert das Blatt einen Analysten. Die europäischen Exporte seien im August um rund ein Viertel eingebrochen, verglichen mit dem Vorjahresmonat. Bleibe der Euro bei 1,50 Dollar oder darüber, werde die Deflationswahrscheinlichkeit in der Eurozone erhöht. „Vor dem Hintergrund des starken Euro könnte sich die Abschwächung des Aufschwungs sehr negativ auf die Wirtschaft Europas auswirken“, so das Magazin.

Die Debatte um einen vermeintlichen Untergang des Dollars komme zu früh, kommentiert die Financial Times Deutschland . Dabei sei auffällig, dass der Euro nicht als Alternative ins Gespräch gebracht werde. In seiner zehnjährigen Geschichte habe sich die Gemeinschaftswährung zwar als großer Erfolg für die Mitgliedsstaaten erwiesen. „Lässt man jedoch die aktuelle Währungsaufwertung außen vor, gibt es keinerlei Anzeichen für einen Aufstieg des Euro zur Weltwährung.“ Ein Grund dafür sei, dass der Euro die selbst auferlegten Beschränkungen in Bezug auf Verwendung und Übernahme im Ausland noch nicht überwunden habe. Ein strenges Festhalten an den Anforderungen des Wechselkursmechanismus II und der Maastricht-Kriterien für Staatsdefizit, Inflation und Zinssätze halte Beitrittskandidaten auf Abstand und sei nicht gerade förderlich für einen Einflussgewinn des Euro.

Deutsche Bank: Absturz trotz Gewinn

Für die Deutsche Bank scheint alles glatt zu laufen, befindet die Financial Times: Sie habe die Finanzkrise besser überstanden als die einheimische Konkurrenz und weder Staatsgelder noch eine Bad Bank für Schrottpapiere benötigt; und nun erwarte die Bank für das dritte Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,4 Milliarden Euro. Doch der „Goldjunge“ der deutschen Bankenbranche glänze nicht so wie es scheine. Der Aktienkurs sei am Mittwoch um fünf Prozent abgestürzt. Mitnahmeeffekte seien eine mögliche Erklärung, Sorgen um die Grundlage der Gewinne eine andere. „Die Profite könnten etwa aus Veräußerungen von Industriebeteiligungen oder aus einer cleveren Neubewertung der Optionen auf eine Erhöhung der Anteile an der Postbank stammen“, glaubt das Blatt. Die Deutsche Bank hänge zu stark von ihrem Investmentbanking-Geschäft ab. Die Sparte habe vom schwachen Wettbewerb profitiert, dieser werde aber zunehmend härter ausfallen, erwartet das Blatt.

Offenbar verscheuche die Angst vor einer bevorstehenden Aktienemission so manchen Investor, sucht die Börsen-Zeitung nach Erklärungen für die Schwäche der Aktie. „Von der Hand zu weisen ist die Angst der Aktionäre vor einer Verwässerung ihres Kapitals im Fall der Deutschen Bank kaum“, pflichtet das Blatt bei. Das Management schließe eine Emission zur Finanzierung von Übernahmen nicht aus, und geplant seien gleich mehrere Transaktionen. Der Zukauf von Teilen der ABN Amro sei am Dienstag vereinbart worden, in den kommenden Tagen soll zudem über eine Beteiligung an Sal. Oppenheim informiert werden, über kurz oder lang werde es auch um eine Mehrheit an der Postbank gehen. „Und weiß nicht längst jedes Kind, dass die Banken mehr Kapital brauchen? Sollte die Deutsche Bank ihre Aktionäre in diesen Tagen bitten, neue Anteilscheine zu zeichnen, wäre dies dennoch ein PR-Desaster“, kommentiert die Zeitung. Schließlich habe Vorstandschef Josef Ackermann selbst festgestellt, man habe sich auf die neuen Vorgaben infolge der Krise eingerichtet.

Carrefour zieht sich aus Russland zurück

Vedomosti kommentiert den Rückzug der französischen Handelskette Carrefour vom russischen Markt. Die Kette habe ihre Entscheidung damit begründet, dass sie keine Möglichkeit sehe, in naher Zukunft zum Marktführer im russischen Einzelhandel aufzusteigen. „Man konnte seinen Augen kaum glauben, dass Europas größte Kette einen solchen Satz in seinem Quartalsbericht abdruckt“, schreibt das Blatt – dies gelte besonders vor dem Hintergrund, dass Carrefour seinen ersten Markt in Russland vor nicht ein Mal drei Monaten eröffnet habe. Carrefours Einstieg in Russland sei seit über einem Jahrzehnt erwartet worden. In dieser Zeit hätten sich die russischen Wettbewerber jedoch die neuen Technologien angeeignet, hätten gelernt, den Lieferanten die Zähne zu zeigen und die besten Standorte für ihre Geschäfte zu sichern. Als Carrefour schließlich in diesem Jahr seinen ersten Laden eröffnete, hätten die Franzosen lernen müssen, dass es in Russland eine große Kette Namens „Perekrestok“ bereits gibt – was soviel wie Kreuzung oder Carrefour auf Französisch heiße.

Ferrovial abgestraft

Die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días kommentiert den Verkauf des bisher von Ferrovial betriebenen Londoner Flughafens Gatwick an Global Infrastructure Partners (GIP). Die Bekanntgabe der Vereinbarung habe sowohl den Aktienwert von Ferrovial als auch den des Tochterunternehmens Cintra in die Tiefe gerissen, beobachtet die Zeitung. Dabei habe Ferrovial durch die gleichzeitige Fusion mit Cintra eigentlich positive Akzente setzen und unterstreichen wollen, wie gut das Unternehmen den Marktentwicklungen gewachsen sei. Doch die Nachricht sei vom Zwangsverkauf des Londoner Flughafens auf Drängen der britischen Wettbewerbsbehörde überschattet worden. Um 2,3 Prozent sei das Papier in den Stunden nach der Bekanntgabe gefallen und so zu den schlechtesten am Ibex 35 dotierten Werten abgestiegen.

Trübsal in Frankreichs Unternehmen

Die französische Wirtschaftszeitung Les Echos sorgt sich um das Arbeitsklima in der „Grande Nation“. Die rätselhafte Serie von Selbstmorden beim französischen Telekommunikationskonzern France Télécom, das wachsende Unbehagen innerhalb der Belegschaft des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS und die immer wiederkehrenden Anzeichen von „Nervosität“ in den großen Staatsbetrieben SNCF und EDF seien in Krisenzeiten wohl nicht überraschend, stellt die Zeitung fest. Jede Rezession hinterlasse in der Arbeitswelt ihre Spuren, doch seien die  Auswirkung der jetzigen Krise komplizierter als in den Jahren 1975 oder 1993 und in ihrer Tragweite noch nicht greifbar. Es scheine, als hätten viele Unternehmen bei den als notwendig empfundenen Veränderungsprozessen einfach auf ihre Mitarbeiter vergessen. Die Zeitung fordert die Sozialpartner auf, die Diskussion um die gescheiterte 35-Stunden-Woche in die Unternehmen hineinzutragen und individuell tragbare Lösungen zu erarbeiten. Zudem sollten sich Führungskräfte wieder stärker mit der Motivation der eigenen Mitarbeiter auseinandersetzen, statt ausschließlich auf den Druck der Aktienmärkte und Eigentümer zu reagieren.

China kämpft gegen Überkapazitäten

Das chinesische Internetportal cnstock beobachtet eine langsame Erholung der chinesischen Wirtschaft, warnt aber vor enormen Überkapazitäten in bestimmen Branchen. Do habe der Koordinator der „National Development and Reform Commission“, Xiong Bilin, berichtet, dass sich die Strukturen bestimmter Branchen nur langsam entwickelten. Es werde trotz fehlender Auslastung weiter in Kapazitätserweiterungen investiert. Aus Sicht der Zentralregierung seien besonders die Branchen Kohle, Stahl, Glas, Baustoffe und die Windenergie betroffen; in diesen Segmenten werde für weitere Projekte keine Genehmigung mehr erteilt. Bilin sehe nicht das chinesische Konjunkturprogramm zur Krisenbewältigung als Ursache; vielmehr seien die Überkapazitäten bereits vor der Krise vorhanden gewesen – im aktuellen Umfeld führe das Konjunkturprogramm jedoch zu einer weiteren Verschärfung der Situation.

Fundstück: Madoffs Nordpol-Investments

Der Anwalt der Opfer von Bernie Madoffs Finanzbetrügereien, Joseph Cotchett, habe pikante Details aus Madoffs Tagen als milliardenschwerer Investor öffentlich gemacht, berichtet das Internetportal Daily Finance. Demnach sei die Bernard L. Madoff Investment Securities LLC eine „Brutstätte des Hedonismus“ gewesen. Sogar zwei Prostituierte hätten auf Madoffs Gehaltsliste gestanden, deren Aufgabe unter anderem gewesen sei, Kokain für die Firmenzentrale zu besorgen. „Sie taten ihren Dienst gewissenhaft, schließlich wurde Madoffs Hauptsitz auch als Nordpol bezeichnet, wegen der ausschweifenden Partys“, schreibt das Portal. Ob Drogen, Partys mit halbnackten Kellnerinnen und Masseusen oder Wochenenden auf der firmeneigenen Jacht – das Leben von Madoff sei ein „dekadenter Spaß“ gewesen. Fazit von DailyFinance: „Während seiner 150 Jahren hinter Gittern wird Madoff viel Zeit haben, seinen Insassen von den tollen Partys zu berichten“, spottet die Zeitung.

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Mitarbeit: Florian Käfer, Mingli Lauscher, Fridolin Pöschl

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