Der Kampf der Smartphone-Giganten

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Nokias Motiven für die Patentklage gegen den Hauptkonkurrenten Apple. Die Financial Times Deutschland begrüßt den Forderung von Schwarz-Gelb nach einer europäischen Ratingagentur. Vedomosti rätselt über die russische Pipeline-Strategie. Fundstück: Rolling Stones für Merkel und Westerwelle.

Nachdem Nokias Verkaufszahlen in den USA durch das iPhone unter Druck gerieten, hätten die Finnen ihre Anwälte als neue Waffe gegen den Konkurrenten Apple entdeckt, mutmaßt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes . Nokia werfe Apple vor, mit dem iPhone seine Patente für GSM, UMTS und drahtloses Internet zu verletzen. Witzigerweise seien die Patente, um die es geht, meilenweit von dem entfernt, was den Erfolg des iPhones gegenüber den NokiaGeräten ausmacht, wie beispielsweise die Software für den Apps-Store. Im günstigsten Falle könnten die Finnen einen Lieferstopp für Apples Smartphones in den USA bewirken. Wahrscheinlicher sei jedoch ein finanzieller Vergleich oder ein Lizenzaustausch. Analysten gingen davon aus, dass Apple eine Gegenklage bewirken könnte, etwa wegen Nokias Musikportal Ovi – das sehr stark Apples iTunes ähnele –. um eine bessere Verhandlungsposition zu erzielen.

Während Apple Nokia das Leben auf dem Handymarkt schwer mache, versuche Nokia es umgekehrt im Gerichtssaal, schreibt BusinessWeek über Nokias Patentklage gegen Apple. Die Finnen werfen Apple vor, mit Nokias Innovationen unrechtmäßig Geld zu verdienen, ohne dafür bezahlen zu wollen. „Neben dem Versuch, Lizenzgebühren von Apple zu bekommen, könnte Nokia mit dieser Klage versuchen, über einen außergerichtlichen Vergleich an Apple-Technologien zu kommen“, vermutet das Magazin. Einige Analysten vermuteten außerdem, dass Nokia einer ähnlichen Klage der Amerikaner zuvorkommen wollte. Nokia plane, bald ein Gerät auf den Markt zu bringen, mit einigen Eigenschaften, die von Apple patentiert worden seien. Wie auch immer die Auseinandersetzung ausgehe, eine Gefahr für Apples Geschäft gebe es nicht, schließt BusinessWeek.

Das Problem an der Marktführerschaft sei, dass es eigentlich nur noch einen Weg gebe – den nach unten, schreibt Fortune zum Dilemma von Nokia. Im vergangenen Jahr habe Apple seinen Marktanteil bei Smartphones weltweit auf 12 Prozent verdoppelt, während Nokia drei Punkte auf 40 Prozent eingebüßt habe. In den USA halte sich Nokia mit drei Prozent Marktanteil gerade so über Wasser, während die iPhones fast ein Viertel des Marktes abdeckten. Apple habe ein Gerät geschaffen, das so perfekt sei, dass es die Standards setze, an denen andere Geräte zu messen seien. „Es ist einfach nachzuvollziehen, warum der Telekommunikationsgigant, der nach eigenen Angaben 60 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung versenkt hat und den Smartphones zum Durchbruch verhalf, Apple zum Teilen seines Reichtums zwingen will“, meint das Blatt.

Europäische Ratingagentur als Alternative

Die Financial Times Deutschland begrüßt die Forderung von Schwarz-Gelb nach einer europäischen Ratingagentur zur Bewertung von Finanzrisiken. „Man kann sich nur wünschen, dass die neue Regierung das Thema vorantreibt, denn der Handlungsbedarf ist enorm“, meint das Blatt. Eine europäische Ratingagentur wäre eine sinnvolle Alternative zu den bisherigen Anbietern. Diese hätten die Risiken oft genug nur verschleiert, weil sie in einem Interessenskonflikt gesteckt hätten. Für die Bewertung der Produkte hätten die Emittenten selber zahlen müssen. „Dadurch können sie Druck auf die Agenturen ausüben, um möglichst positive Bewertungen zu bekommen“, kritisiert die Zeitung. Interessenskonflikte ließen sich am besten vermeiden, wenn die Investoren zur Kasse gebeten würden. An einer unrealistisch positiven Einstufung der Wertpapiere könne ihnen nicht gelegen sein, weil sie zu falschen Anlageentscheidungen führe.

Verwirrung um Gazproms Pipelineprojekte

Über den Besuch des italienischen Staatschef Silvio Berlusconi bei Wladirmir Putin rätselt ilsole24ore und bezeichnet die Szenerie als surreal. Über den Besuch sowie den Treffpunkt sei seitens der italienischen Regierung der Mantel des Schweigens gehüllt worden – warum das Schweigen über einen ganz normalen Arbeitsbesuch Silvio Berlusconis, fragt sich der Wirtschaftstitel. Schließlich sei es bei dem Besuch um die neue Gaspipeline South Stream gegangen, mit der Russland Gas an der Ukraine vorbei über die Türkei in die südeuropäischen Länder leiten wolle. Im Norden arbeiteten die Russen mit den Deutschen an der so genannten North Stream, einer zweiten Leitung durch die Ostsee. Doch die südliche Pipeline South Stream werde früher einsatzbereit sein, wie Berlusconi bestätigt habe. Die drei Partner Russland, Italien und die Türkei könnten auf die Erfahrung der bisherigen Zusammenarbeit mit der Pipeline Blue Stream zurückgreifen, die von Enel und Gazprom durch das Schwarze Meer gebaut worden sei.

Vedomosti wundert sich über die Putins Äußerung, die Pipeline South Stream könnte früher fertiggestellt werden als die North-Stream-Röhre. Die Inbetriebnahme der nördlichen Pipeline sei für das Jahr 2011 geplant gewesen. Für die südliche Route sei dagegen bisher noch nicht einmal ein Zeitplan verabschiedet worden. „Bei der Äußerung kann es sich eigentlich nur um einen Scherz handeln“, zitiert das Blatt einen hochrangigen Gazprom-Mitarbeiter. Da der Bau von South Stream frühestens Ende 2010 beginnen könne, müsste die Pipeline, nehme man Putin beim Wort, in nur neun Monaten vollendet werden. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass sich der Bau von North Stream soweit verzögern werde, dass die Südtrasse früher fertig werde. Bisher gingen Experten beim Bau von North Stream von einer einjährigen Verzögerung aus, weil noch wichtige Zusagen der Ostsee-Anrainer fehlten.

Geschäftsidee aus der Krise

Gekonnt setze der spanische Bauunternehmer Joaquín Rivero mit seiner neuen Geschäftsidee „Básico Homes“ auf eine durch die Krise entstandene Marktlücke innerhalb der Immobilienbranche, freut sich die Wirtschaftszeitung Expansión . Vorzüglich verstehe es der Präsident von Gecina, aus der aktuellen Situation Nutzen zu ziehen. Viele Banken säßen aufgrund geplatzter Hypotheken oder rückständiger Zahlungen auf Häusern und Wohnungen und seien wegen der schwachen Nachfrage froh, diese überhaupt verkaufen zu können. Da komme das Angebot von „Básico Homes“ gerade recht, die Verwaltung der Immobilien und sämtliche Maklerarbeiten zu übernehmen. Schließlich hätten allein spanische Banken und Sparkassen durch die Finanzkrise über 25 Milliarden Euro an Immobilien-Aktiva angehäuft, bekräftigt die Zeitung. Mit Caixa Catalunya und Cajamar habe Básico Homes bereits die ersten beiden Klienten gefunden.

RMB verändert russische Devisenstrukturen

Das chinesische Finanzportal Sina berichtet über die kommende Umstrukturierung der russischen Devisenreserven, die bisher aus Euro und Dollar bestanden hätten. Demnach werde bald auch die chinesische Währung Renminbi (RMB) in Russland für die Devisenreserven berücksichtigt. Der russische Finanzminister Alexej Kudrin erwarte für die Devisenstrukturen mittelfristig eine Neuordnung und stelle die Aufnahme des RMB in Russland in Aussicht. Begründung: China sei zur zweitgrößten Wirtschaftsnation aufgestiegen, und der RMB gewinne mehr und mehr an Bedeutung. Es gebe einen Beschluss der Eurasian Economic Community EEC – bestehend aus einigen ehemaligen Sowjetrepubliken und Russland –, nach dem im bilateralen Handel mehr und mehr auf den US-Dollar verzichtet und stattdessen eigene Währungen der EEC-Mitgliedsstaaten eingesetzt werden sollen. Die russische und chinesische Zentralbank seien führend in der Umsetzung des Vorhabens.

Fundstück: Rolling Stones für Merkel und Westerwelle

Die FTD empfiehlt der Großen Koalition, sich auf der Suche nach einem gemeinsamen Motto lieber bei den Songtexten der Rolling Stones zu bedienen, statt teure Werbeagenturen einzusetzen. Aus den Koalitionsverhandlungen sei zu hören, Angela Merkel und Guido Westerwelle schwankten zwischen „Mut zur Zukunft!“ und „Zuversicht für Deutschland!“. „Deutlicher kann man nicht sagen, dass die Lage katastrophal ist“, spottet die Zeitung. „Statt der abgedroschenen CDU-Wahlkampfhymne ,Angie’ könnte man es diesmal mit einem anderen Hit versuchen: ,You Can’t Always Get What You Want.’ Schließlich bleiben uns Errungenschaften wie der Gesundheitsfonds erhalten, und obendrauf bekommen wir neue gigantische Schulden – um Steuerentlastungen zu finanzieren, die keiner will“, schreibt das Blatt. Auch für den Wahlkampf 2013 gebe es den passenden Stones-Titel: „Ain’t Too Proud to Beg“ – nicht zu stolz, um zu betteln.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Mingli Lauscher

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