Opel/Magna: Teil einer New Ostpolitik?

Die internationale Wirtschaftspresse  kommentiert die jüngste Entwicklung im möglichen Deal  zwischen GM/Opel und Magna. Forbes sorgt sich im Chrysler. Business Week untersucht das Potenzial von Windows 7 für die Microsoft-Aktie. La Tribune wähnt Europa in Selbstmordgefahr. Fundstück: Michael Jackson – ein Genie als Finanzmanager?

Einseitigkeit und Verbissenheit wirft die Financial Times Deutschland der Bundesregierung bei ihrer Festlegung auf Magna vor: Sie habe alle anderen Bieter vergrault, weder der Finanzinvestor RHJI noch Fiat wollten noch etwas von einem Opel-Kauf wissen. „Selbst eine Planinsolvenz, die am Anfang noch viele Chancen gebracht hätte, würde mittlerweile wohl deutlich ungünstiger für Opel ausgehen.“ Nun sei die Situation so vertrackt, dass GM womöglich Opel behalte – „und deutlich mehr Stellen streicht und Werke schließt, als es den Beschäftigten und der Bundesregierung lieb wäre.“ Der Verbleib bei GM sei tatsächlich keine gute Lösung. Es fehle GM am nötigen Geld, um Opel wirklich am Leben zu halten. Zudem sei das Klima zwischen den Managern der US-Konzernmutter und den europäischen Opel-Beschäftigten so vergiftet, dass man sich kaum noch vorstellen könne, wie beide Gruppen erfolgreich zusammenarbeiten sollen. „Ironischerweise muss man deshalb am Ende darauf hoffen, dass der Verkauf an das Magna-Konsortium doch noch irgendwie zustande kommt. Schmücken sollte sich die deutsche Politik dann aber nicht damit.“

„Die neuerliche Diskussion, terminiert für den 3. November, ermöglicht es General Motors, den EU-Wettbewerbshütern zu demonstrieren, dass sie ihre endgültige Entscheidung über Opel ohne jeglichen Druck von Seiten deutscher Politiker gefasst hat“, meint das Wall Street Journal zu der jüngsten Entwicklung im Opel-Magna-Deal. So sei durchaus denkbar, dass GM nun doch Opel behalte, zumal keine neuen Bieter in Sicht seien. „Neben der Überlegung, Opel an den belgischen Investmentfonds RHJ International zu veräußern, war auch immer der Gedanke, Opel von Detroit aus selbst zu restrukturieren im Spiel.“ Ein Teil des GM-Vorstands sei noch immer gegen den Deal mit Magna und der russischen Sberbank: „Sie fürchten, mit Opel ihr Standbein im wichtigen Europa-Geschäft zu verlieren – und so der Fähigkeit des Konzerns, international im Wettbewerb bestehen zu können, zu schaden.“ Dennoch: Opel zu behalten, würde der Konzernmutter viele Komplikationen bescheren, allen voran die fehlende Unterstützung von Seiten der US-Regierung.

Die Financial Times rückt den möglichen Deal zwischen GM, Opel und Magna in einen größeren Kontext – der „new Ostpolitik“ der Bundesregierung. „Deutschland und Russland sind in einem Maße mit neuen Geschäftsabschlüssen beschäftigt, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.“ Der Einstieg der russischen Sberbank bei Opel sei nur ein Beispiel. Im August sei die Wadan-Werft an den ehemaligen russischen Energieminister gegangen, der dritte wichtige Deal des Jahres sei die Absage von Siemens an die Franzosen zugunsten von Rosatom. „Diese neue Allianz wird in anderen Ländern mit hoch gezogenen Augenbrauen registriert, in Paris, London und Washington, aber auch in Warschau, Kiew und Prag.“ Kanzlerin Angela Merkel betone immer, wie wichtig Russland für die Sicherheit in Europa sei, doch dahinter stehe auch wirtschaftliches Interesse. Nicht nur die Abhängigkeit vom Gas sei zu nennen. Deutschland sei der größte Exportmarkt für Russland, Porsche habe letztes Jahr in Russland mehr Autos verkauft als in den USA, VW sei dort der größte Industrieinvestor, Eon der größte im Energiemarkt. Der deutsche Klaus Mangold, Russlandexperte und einst bei Daimler im Vorstand, betone denn auch, dass die russische Wirtschaft 20 Jahre zurückliege in ihrer Entwicklung und Transfer aus dem Westen wie bei Opel brauche: „Diese Deals sind nicht aufzuhalten.“

Chrysler und das fehlende Geld

Forbes blickt besorgt in die Zukunft es US-Autobauers Chrysler – und fragt sich, wo das Geld für den Neustart herkommen soll. Fiat plane, das italienische Fahrwerk mit der Karosserie von Chrysler zu kombinieren, um neue Autos auf den Markt bringen zu können. Doch das würde Milliarden Dollar verschlingen, zum einen, weil der aktuelle Wert des Dollars den Import von Fiat-Teilen in die USA verteuere, zum anderen, weil neue Produktionsstraßen benötigt würden. „Außerdem muss die Marke am Leben erhalten werden, bis die neuen Autos kommen. In zwei Jahren, vielleicht drei? Auch das kostet.“ Obwohl Chrysler seine Schulden durch den Konkurs vermindern konnte, sei dort kein Geld vorhanden, und auch die Banken würden kaum Darlehen geben. Fazit: „Der Steuerzahler wird erneut zur Kasse gebeten: Fiat-CEO Sergio Marchionne wird den Staat sicher um weitere Hilfen bitten.“ Außerdem mache ein Gerücht in Detroit die Runde: Die Marke Dodge solle zugunsten von Chrysler aufgegeben werden: „Chrysler würde dann für PKWs stehen, und Dodge für Transporter und Jeeps.“

Microsofts Wunderwaffe Windows 7

Den möglichen Effekt des neuen Betriebssystems Windows 7 auf den Wert der Microsoft-Aktie untersuchat BusinessWeek . „Der Applaus zum Start des neuen Systems und die Signale aus der Wirtschaft, wieder in neue Computer zu investieren, haben die Hoffnung der Microsoft-Investoren neu belebt. Und Umsatz und Gewinn sind weniger stark gefallen, als viele Analysten erwartet haben.“ Dennoch habe die Aktie kaum profitieren können: „Ein Anleger, der in 2000 Microsoft-Aktien erworben hat, kann sich derzeit über einen Nettogewinn von einem Prozent freuen.“ Ob Windows 7 den Konzern aus der Negativentwicklung herausholen könne, werde maßgeblich vom Konsumgütermarkt abhängen, also von Firmen und Privatleuten, die Vista bewusst umgangen und auf das vorherige XP gesetzt hätten. „Immerhin hat Microsoft einige Mängel von Vista mit dem neuen System behoben. Und auch für Netbooks eignet sich Windows 7 besser als seine Vorgänger.“ Um die Aktie zu stärken, bleibe Microsoft neben dem Absatz von Windows 7 nur noch eins: weiter auf Kostenreduzierung im Konzern zu setzen.

Jazztel bald beim Ibex 35?

Glaube man Leopoldo Fernández Pujals, so ist Jazztel bereit für den Sprung in den wichtigsten spanischen Index an der Madrider Börse, den Ibex 35, fasst die Wirtschaftszeitung Expansión ein Interview mit dem Hauptaktionär und Vorsitzenden des Unternehmens zusammen. Mit Erfolg richte der Telefon- und Internetanbieter sein gesamtes Augenmerk auf die Akquise neuer Kunden. Der Geschäftsplan für die nächsten Jahre sehe wohl eine Verdopplung der Vertragspartner vor, spekuliert die Zeitung. Unzufrieden sei Fernández Pujals allerdings über den von Marktanalysten seiner Meinung nach unterschätzten Wert der Marke Jazztel. Schließlich habe diese viel Potenzial und gute Wachstumschancen. Dafür würden die vorgelegten Quartalszahlen von Jazztel sprechen, denen zufolge das Unternehmen nicht nur die für den Zeitraum von Januar bis September avisierte Zahl neuer Vertragskunden erreicht, sondern auch seinen Schuldenberg halbiert habe.

Europa bringt sich selbst um

Vor einer fortlaufenden Verschuldung der Staaten der Europäischen Union warnt La Tribune . „Europa mag die Krise bislang ganz gut gemeistert haben, aber zu welchem Preis? Die bisherigen Regeln wurden zum Teil außer Kraft gesetzt.“ So habe erst EU-Kommissarin Nelly Kroes nachgegeben, und die Wettbewerbsregeln „in Klammern gesetzt“, um Hilfen für Banken und Automobilbranche zu ermöglichen. Nun werde es immer schwerer, die einzelnen Länder von ihrem „Wirtschaftsnationalismus“ abzubringen: Was Opel möglich sei, könne britischen Banken oder Renault-PSA nicht verwehrt werden. Der Stabilitätspakt werde systematisch ausgehebelt: Nicolas Sarkozy ignoriere das Defizit Frankreichs, die Deutschen planten einen Fonds für steigende Sozialausgaben und in Griechenland sei man gerade dabei, dass Haushaltsdefizit zu verdoppeln. „Europa muss aufpassen und sich an den Maastrrichter Vertrag halten, alles andere wäre Selbstmord!“ Denn irgendwann werde der Kontinent einen „demografischen Schock“ erleben, und selbst in Ländern mit einer noch guten Geburtenrate werde sich dann die Frage stellen, wer die künftigen Steuern und Abgaben zur Stabiliserung der nationalen Haushalte noch zahlen soll.

Staatliche Unterstützung besser verteilen

Die Economic Times aus Indien meint, dass die Inhaber von Wertpapieren wie Anleihen oder Obligationen nicht wie bisher von finanziellen Rettungsaktionen der Regierungen profitieren sollten. Bislang sei die staatliche Unterstützung von ins Strudeln geratener Finanzinstitutionen immer allen zu Gute gekommen, die zum Kapital des jeweiligen Unternehmens beigetragen hätten – bis auf Anteilseigner, die oft die Verluste tragen mussten. So hätten bei den Rettungen von AIG, Citigroup oder Fannie Mae auch die Anleihegläubiger profitiert. Doch das staatliche Sicherheitsnetz sollte nicht auf diese Gruppe ausgeweitet werden, fordert das Blatt. Gerechtfertigt sei vielmehr, Sparer und „normale Kontoinhaber“, die kaum Einblick in die finanzielle Situation eines Kreditinstitutes hätten, zu unterstützen. Bei Wertpapierinhabern hingegen reflektierten extra festgelegte Vertragskonditionen, welches Risiko sie eingehen. Auf jeden Fall sollten sie von den Vorteilen der staatlichen Unterstützung ausgeschlossen werden – dies würde die Kosten für staatliche Rettungsaktionen enorm reduzieren.

Fundstück: Michael Jackson – ein Genie als Finanzmanager?

War er clever, ein wenig abgedreht oder hatte er einfach nur Glück? Ein Blick in die Finanzen des King of Pop zeige, dass alles auf Michael Jackson zutreffe, schreibt Fortune . Zwar bestätigten Leute, mit denen Jackson zusammen gearbeitet habe, dass er eine „schräge Aufassung“ von Geschäften und kein Gefühl für den Wert von Geld gehabt habe. Doch andererseits habe er auch Gespür bewiesen. So habe ihn der Rat Paul McCartneys, ganze Musikkataloge aufzukaufen, eine Menge eingebracht. Auch sein Einstieg bei Sony/ATV Publishing habe sich als goldrichtig erwiesen, wenn auch bisweilen nicht für das Unternehmen: So kam es vor, dass Entscheidungen nicht getroffen werden konnten, weil Jackson nicht aufzutreiben war. Richtig clever aber sei wohl der Rückzug des Musikers im vergangenen Frühjahr gewesen: „Jackson wollte ein ganzes Warenhaus aus Neverland versteigern lassen, und sagte kurz vorher ab. Nun ist das ganze Zeug im Wert gestiegen, und eine kleine, feine Ausstellung mit einst zur Versteigerung vorgesehenen Objekten bringt nun ordentlich Geld.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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