Die internationale Wirtschaftspresse bilanziert die Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank – der Anfang eines Übernahme-Reigens in Europa? Die Schadenfreude bei den anderen Privatbanken sei aktuell begrenzt. Les Echos glaubt, dass Wolfgang Schäuble als Finanzminister unbequem für Angela Merkel werden könne. Laut Cinco Dias sind die Opelaner in Spanien erleichtert. Fundstück: Arnies verschlüsselte Rache.
Mit dem Rückkehr der Profite komme Bewegung in den europäischen Bankenmarkt, stellt die französische Wirtschaftszeitung La Tribune fest. Die Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank sei nur der Anfang eines Übernahme-Reigens, der, begünstigt durch die Auflagen der europäischen Kommission, die Bankenlandschaft verändern werde. Um wieder mehr Wettbewerb in den geschrumpften britischen Bankensektor zu bringen, erwäge die britische Regierung beispielsweise, aus den in Staatseigentum übergegangenenen Banken drei neue Institute hervorgehen zu lassen. Konkret sei geplant, die großen britischen Banken im Bieterverfahren um die zum Verkauf stehenden Teilbereiche der Northern Rock, der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group auszuschließen. Dabei könnten neue Markteilteilnehmer wie Tesco oder Virgin Money zum Zug kommen, die ihrerseits bestrebt seien, im Bankenmarkt Fuß zu fassen.
Die Börsen-Zeitung beschreibt die Lage bei Oppenheim als „dramatisch“. Wenn eine Bank, die im August ein Eigenkapital von 2,1 Milliarden Euro ausgewiesen habe, jetzt für eine Milliarde Euro – also zu einem Preis-Buchwert-Verhältnis deutlich unter 0,5 – über den Tisch gehe, dann sei damit über die Verfassung des Kaufobjekts fast alles gesagt. Vor diesem Hintergrund sei die Verhandlungsposition der mit dem Rücken zur Wand stehenden Oppenheimer schwach gewesen. Dem stehe jedoch ein Drohpotenzial auf der Oppenheim-Seite gegenüber: Die Deutsche Bank hätte als größter Finanzier der Einlagensicherung bei einer Pleite der Kölner „einen schweren Schlag abgekriegt“.
Aus Sicht der Financial Times Deutschland steht die schwierigste Aufgabe für die Deutsche Bank noch bevor: die Integration von Oppenheim. So mancher Oppenheim-Kunde werde die Nase darüber rümpfen, künftig von einem Megakonzern betreut zu werden. Die Frankfurter müssten sich überlegen, wie viel Oppenheim sie behalten wollten und wie viel sie lieber loswerden sollten. Beim Spitzenpersonal rät die FTD, sich vom bisherigen Bankenchef Matthias Graf von Krockow, der Sal. Oppenheim mit halsbrecherischen Geschäften in die Krise gestürzt habe, zu trennen; den zweiten Mann der Bank, Christopher Freiherr von Oppenheim, werde man dagegen schon wegen des guten Familiennamens behalten müssen. Für die Deutsche Bank sei es außerdem sinnvoll, mehr Eigenkapital aufzubauen. „Denn Übernahmen wie die von Oppenheim zehren am Kapital. Zudem werden die gesetzlichen Anforderungen mittelfristig steigen. Die Gelegenheit, frisches Geld aufzunehmen, ist derzeit günstig. Warum also noch warten?“
Schäuble hat nichts zu verlieren
Les Echos aus Frankreich porträtiert den neuen deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, in dessen Karriere es offenbar immer um „Kassen“ gehe – schwarze Kassen im Jahr 2000, wegen der sich der Nachfolger von Helmiut Kohl von der CDU-Spitze habe verabschieden müssen; aktuell leere Kassen des Staates, die Schäuble nun für Angela Merkel verwalten müsse. Verwundert zeigt sich das Blatt, dass Schäuble noch im Juni die Steuergeschenke des Staates abgelehnt habe, seitdem aber zur „neuen Religion des Defizits“ konvertiert sei. Der 67-Jährige könnte sich als schwieriger Finanzminister für Merkel erweisen, blickt das Blatt in die Zukunft. Der als Finanzminister mit einem Veto-Recht ausgestattete„Politikveteran“ habe nichts mehr zu beweisen und nicht viel zu erwarten.
Erleichterung bei Opel in Spanien
Erleichtert zeige sich Pedro Bona, der Vertreter der spanischen Arbeitnehmer von General Motors Europa, über die Einigung zum Erhalt des Opel-Werks in Figueruelas. Anstatt der geplanten Schließung sei jetzt ein Plan mit Zukunft erarbeitet worden, zu dessen Gewinnern sowohl die Arbeiter in Eisenach als auch jene in Spanien gehörten. Allerdings seien viele Fragen noch offen, zitiert die Zeitung den Arbeitnehmervertreter. Zum Beispiel verlange der mit Magna vereinbarte Sparkurs von Figueruelas jährliche Einsparungen von über 25 Millionen Euro. Jetzt müsse geprüft werden, wo dieses Geld eingespart werden könne. Die Zukunft müsse man sich eben erst verdienen, zitiert Cinco Dias den spanischen Opel-Mann: Mehr denn je müsse das Opel-Werk in Nordspanien beweisen, dass es die beste Produktionsstätte in Europa sei und sich die Entscheidung gegen die Schließung für Magna auszahle.
Aus für Soitu.es
El Economista zeigt sich bestürzt über das Ende des vor knapp zwei Jahren von Gumersindo Lafuente gegründeten spanischen Online-Magazins Soitu.es. In einem Abschiedsschreiben habe dieser den Lesern und Investoren für ihr Vertrauen in das unabhängige und für Leserbeiträge offene Magazin gedankt. Viele Medienunternehmen habe die Krise hart getroffen, stellt die Zeitung fest. Als erster großer Verlag habe Grupo Planeta die digitale Version der Zeitung ADN eingestellt. Soitu.es folge nun dieser traurigen Tradition. Erst zwei Jahre sei es her, dass Gumersindo Lafuente die spanische Zeitung El Mundo verlassen habe und mit einen erheblichen Teil seiner dortigen Mitarbeiter das Portal Soitu.es aufgebaut habe. Dieser Traum sei nun geplatzt. Und das möglicherweise aufgrund der Tatsache, dass BBVA als wichtiger Investor beschlossen habe, sich von dem Online-Magazin abzuwenden, spekuliert das Blatt.
Was kommt nach dem Dollar?
Der Financial Express aus Indien überlegt, welche Währung den Dollar als Reservewährung ablösen könne. Der Euro gelte als Kandidat für die Führungsposition. Doch dessen Problem sei, dass es keine EU-Behörde gebe, die Euro-Anleihen ausgebe, weshalb man entweder deutsche, französische oder gar griechische Anleihen kaufen müse. Der chinesische Renminbi Yuan sei hingegen nicht voll konvertierbar, außerdem hätten Ausländer nicht die Möglichkeit, chinesisches Kapital oder Anlagen frei zu kaufen und zu verkaufen. Weder die EU noch China seien bereit, die „Verantwortung der Vorherrschaft“ zu tragen; ein Hegemon müsse ebenfalls bereit sein, Kapital frei ins Land hinein und wieder heraus fließen zu lassen. „Es gibt keinen Kandidaten für solch eine Politik, außer den USA“, bilanziert das Blatt. Vielleicht könne noch der Internationale Währungsfond mit seiner künstlichen Währungseinheit SDR einspringen. Der jedoch sei noch kein eigentliches Zahlungsmittel; es würde Jahrzehnte dauern und Milliarden benötigen, bis solch ein „Super-SDR“ etabliert sei.
Fundstück: Arnies verschlüsselte Rache
Auch als Politiker bevorzugt Arnold Schwarzenegger offenbar deutliche Worte gegenüber diplomatischem Ton. Wie der San Francisco Chronicle berichtet, hat der Gouverneur von Kalifornien den Gesetzesentwurf zur Sanierung eines Werftengeländes in San Francisco in einem pikant verschlüsselten Brief an die kalifornische Parlamentskammer abgelehnt. Die jeweils ersten Buchstaben der Zeilen ergeben: “I f… you”. Ein Zufall, wie Schwarzeneggers Sprecher erklärt? Offenbar richtet sich der Groll vom Ex-Terminator auf den Abgeordneten Tom Ammiano, einen Aktivisten der Schwulenbewegung, der kürzlich bei einer Party der Demokraten gebrüllt haben soll: “Du kannst meinen schwulen Hintern – Ammiano hatte den Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Fridolin Pöschl



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