Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Pleite des US-Finanzdienstleisters CIT und prognostiziert die Folgen für die Wirtschaft. Das Wall Street Journal analysiert den überraschenden Gewinn von Ford. Das Wirtschaftsblatt hinterfragt die Rolle der EU bei der Opel-Übernahme durch Magna. Fundstück: „Bernanke ist ein herumlaufender Irrtum“.
Die schlimmsten Insolvenzen mögen zwar vorbei sein, aber mit dem Finanzdienstleister CIT fordert die Finanzkrise ein weiteres großes Opfer, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin Economist . Für Finanzdienstleister sei es schwieriger, aus einer Insolvenz herauszukommen, weil ihr Geschäft so sehr vom Vertrauen abhänge, das sich somit in Luft auflöse. „Die größten Verlierer der Insolvenz sind natürlich die Aktionäre, darunter auch glücklosen Steuerzahler, die dem Unternemen 2,3 Milliarden Dollar aus dem TARP-Fonds überwiesen“, analysiert das Blatt. Dass nicht noch mehr Geld in CIT geflossen ist, sei eine richtige Entscheidung der Politiker gewesen. Die „Marktstarre“ im vergangenen Jahr habe schwere Mängel im Geschäftsmodell offenbart. „Für die Wirtschaft wird die Insolvenz lautlos ablaufen, es wird kaum zu einem Schock kommen“, glaubt das Blatt – nicht zuletzt, weil die Kreditvergabe von CIT nur noch einen Bruchteil des früheren Volumens erreicht habe.
Der Plan des bankrotten Unternehmens, sich um seine Bankentochter im Bundesstaat Utah neu zu formieren, hänge vom Wohlwollen der Aufsichtsbehörden ab, die dem Unternehmen bereits früher die Hilfe verweigert hätten, blickt die Financial Times voraus. „Die Einlagensicherung – die CIT den Zugang zu ihrem Bürgschaftsprogramm verweigert hat – verdient Anerkennung“, applaudiert das Blatt. Sollte ein Richter die Pläne von CIT abnicken, werde der Finanzdienstleister vor zwei Herausforderungen stehen: Das Unternehmen müsse seine Größe durch Verkäufe auf rund ein Fünftel reduzieren. Viel wichtiger sei jedoch, dass es seinem Geschäftszweig der Finanzierung von Einzelhändlern mit Geld unter die Arme greifen müsse. Das Unternehmen müsse dieses Business neu erfinden, dazu fehle es ihm jedoch an Netzwerken und Expertise.
CIT sei für die Steuerzahler der erste große Verlust im Rahmen des Programms zur Stabilisierung des Finanzmarktes (TARP) in elf Monaten – werde aber nicht der letzte bleiben, prophezeit Fortune . Es sei unwahrscheinlich, dass der Staat sein Geld zurückbekommen werde, das er in den Versicherer AIG, den Autobauer GM, die Citigroup und den Hypothekenfinanzierer Fannie Mae gepumpt habe. So hätten zum Beispiel bereits im August 32 weitere Banken, die Geld aus dem TARP-Fonds bekommen hätten, ihre Dividenden an den Staat – ähnlich wie CIT – nicht auszahlen können. Dies sei nicht das einzige Warnsignal. So habe etwa die South Financial Group, die 347 Millionen vom Staat bekommen habe, einen Verlust von 341 Millionen im dritten Quartal gemeldet. „Die 32 Banken stehen insgesamt mit 2,3 Milliarden Dollar beim Steuerzahler in der Kreide. Natürlich werden nicht alle zusammenbrechen, allerdings zählt momentan jeder Dollar“, warnt das Blatt.
Der Einäugige unter den Blinden
Der Ford-Vorstand Alan Mullay schwärme zwar gerne von den schönen neuen Autos und Trucks seines Unternehmens, schreibt das Wall Street Journal. Den überraschenden Gewinn im dritten Quartal des laufenden Jahres habe Ford allerdings dem Handel mit gebrauchten Fahrzeugen zu verdanken. Von den 1,1 Milliarden Dollar Gewinn kämen rund 661 Millionen aus dem Finanzdienstleistungsgeschäft des Autobauers. Die Preise für gebrauchte Fahrzeuge seien in den vergangenen neun Monaten kontinuierlich gestiegen. Davon profitiere der Autobauer, der die Autos, die nach einem abgelaufenen Leasing zum Hersteller zurückgehen, weiterverkauft habe und nun höhere Preise für seine Gebrauchten verlangen könne. „Am meisten sind die Preise für gebrauchte Trucks und SUVs gestiegen, die wahrscheinlich den größten Teil des Leasingportfolios von Ford ausmachen“, vermutet das Blatt.
Der Titel der „Einäugigen unter den Blinden“ sei dem Ford in diesem Jahr gewiss, kommentiert die Financial Times Deutschland. Von den drei US-amerikanischen Autoherstellern sei er der einzige, der das Rezessionsjahr ohne Staatshilfe überstanden habe. Ford sei der einzige, der Marktanteile dazu gewinne, und er sei der einzige, der im dritten Quartal – höchst überraschend – einen Gewinn vermelden könne. „Ford strahlt, weil es seinen Detroiter Rivalen noch viel schlechter geht“, relativiert aber das Blatt. Das heiße aber noch lange nicht, dass es Ford auch gut gehe. Der Konzern habe bisher Einiges richtig gemacht und eine gute Portion Glück gehabt: Er habe sich noch vor Ausbruch der Krise Kreditzusagen gesichert und früher als heimische Konkurrenten sparsame Kompaktautos für den amerikanischen Markt ins Programm genommen. „Doch weder Glück noch gutes Management können verhindern, dass Ford im kommenden Jahr noch eine sehr holprige Strecke vor sich hat“, warnt das Blatt.
Opel-Deal noch nicht in trockenen Tüchern
Das Wirtschaftsblatt aus Österreich befürchtet, dass Magnas Zuschag bei Opel „noch lange nicht in trockenen Tüchern“ ist. Dagegen spreche vor allem das Image der EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Kommissarin habe mit ihrem Einsatz gegen Microsoft, ThyssenKrupp und den europäischen Energiegiganten Standhaftigkeit und Furchtlosigkeit vor großen Namen und politischem Druck bewiesen. Nun habe die Kommissarin, kurz vor Ende ihrer Amtszeit, ihr Meisterstück abzuliefern und müsse entscheiden, ob die Staatshilfe für das Magna-Konsortium rechtens gewesen sei. „Winkt Kroes den Deal ohne viel Aufhebens durch, ist ihr hart erarbeitetes Image als objektive Hüterin der EU-Wettbewerbsregeln dahin“, meint das Blatt. Denn um zu beweisen, dass die Opel-Interessenten ungleich behandelt worden seien, genüge ein Blick ins Zeitungsarchiv.
Tausche Freundschaft gegen Gas
Sofort nach dem dänischen „Ja“ zur Ostsee-Pipeline habe Wladimir Putin seinen Kollegen aus Kopenhagen nach Moskau eingeladen, berichtet Kommersant . Auffällig sei, dass die Beziehungen der beiden Länder in letzter Zeit eher angespannt gewesen seien. Interessant sei, was Dänemark für seine Zusage bekomme, außer den warmen Worten des russischen Premiers. Für die Zusage, dass die Pipeline durch dänisches Gewässer verlaufen könne, werde Dänemark mit russischem Gas beliefert. „Das erlaubt dem Land, selbest Gasexporteuer in die Niederlande und nach Schweden zu bleiben“, analysiert das Blatt. Abgesehen davon habe Putin Entgegenkommen in Umweltfragen signalisiert. Für Dänemark seien die Ergebnisse der Verhandlungen sehr lukrativ – und wohl das Maximum, was das Land habe für sich herausschlagen können.
Gemeinsamer Kandidat für Caja Madrid
Die spanische Wirtschaftszeitung Expansión sieht ein Ende der parteiinternen Machtkämpfe um den neuen Vorsitzenden der Caja Madrid in Sicht. Mit dem Verzicht von Ignacio González auf das Amt stehe zumindest ein klarer Sieger fest: Mariano Rajoy, der Vorsitzende der spanischen Volkspartei PP. Dessen klarer Favorit, Rodrigo Rato, erhalte nun auch die Unterstützung seines bisherigen Konkurrenten, Ignacio González. Viele Unstimmigkeiten habe dessen Kandidatur innerhalb der Partei hervorgerufen und für reichliche Schlagzeilen gesorgt. Die jetzige Einigung auf einen gemeinsamen Kandidaten sei ein wichtiger Schritt hin zur Vorstandswahl der Caja Madrid. Bleibe zu hoffen, dass nun Frieden herrsche zwischen der Stadt Madrid, der Regionalregierung und der spanischen Volkspartei, kommentiert die Zeitung.
Fundstück: „Bernanke ist ein herumlaufender Irrtum“
Der Federal Reserve-Chef Ben Bernanke hat nach Ansicht eines Forbes-Kolumnisten „keine Ahnung, wovon er redet“, wenn es um Wirtschaft gehe. Der berühmte Ökonom Henry Hazlitt habe einmal gesagt : „Die Ökonomie wird von mehr Trugschlüssen geplagt, als jede andere Wissenschaft“. Würde er noch Leben, so Forbes, hätte er einen Heidenspaß, die ökonomischen Irrtümer des Fed-Chefs anzusprechen: Angefangen bei der Inflation, die laut Bernanke durch Wachstum bedingt sei, bis hin zu seinem Glauben, dass pure Gelderschaffung die Wirtschaft ankurbele. Auch seine Warnung vor dem steigenden Handelsdefizit der USA und der Aufruf zu politischen Gegenmaßnahmen offenbare seine Denkwelt – eine Welt, in der Bürokraten über den Fluss von Waren und Kapital entschieden. „Bernanke ist ein herumlaufender Irrtum. Statt der Fed, die unsere aktuellen Probleme mitverschuldet hat, weiter zu stärken, ist es Zeit, die Rolle der Fed in der nationalen und weltweiten Wirtschaft einzuschränken“, fordert das Blatt.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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