Google macht mobil

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Übernahme des Online-Werbedienstleisters AdMob durch Google. BusinessWeek köchelt die Kauf-Offerte von Kraft für Cadbury herunter. Cinco Dias untersucht die Förderungserfolge des Erdölgiganten Repsol. Vedomosti kritisiert die  geplante Verdreifachung der Biersteuern in Russland. Fundstück: Spanien will Frackträgern den Garaus machen.

Google übernimmt den Online-Werbedienstleister AdMob, ebenfalls mit Sitz in Kalifornien, für 750 Millionen Dollar in Aktien. Der Deal werde dem mobilen Werbemarkt einen großen Schub verschaffen, ist die BusinessWeek überzeugt. Google verfüge mit dem für ihn drittgrößten Zukauf nun über die benötigte Technologie, um seine ersten Ansätze im Bereich des mobilen Anzeigenmarketings weiter ausbauen zu können. AdMob-Gründer und Inhaber Omar Hamoui sei nach Ansicht von Vic Gundotra, Vizepräsident Engineering bei Google, „wirklich visionär in seinem Bereich“.

Auch die Financial Times glaubt, der Deal werde dem Suchmaschinenbetreiber einen wichtigen Halt in dem am schnellsten wachsenden Bereich des Online-Anzeigengeschäfts verschaffen. Nach Einschätzung von Digitalmarketing-Experten sei Googles Timing viel besser als das von Rivalen wie Microsoft oder AOL, die vor zwei Jahren bereits im mobilen Bereich zugekauft hatten.

Google-CEO Eric Schmidt habe sein Versprechen rasch eingelöst, erklärt Barron’s -Blogger Eric Savitz. Schmidt habe erst kürzlich weitere Zukäufe angekündigt und eine Akquisition pro Monat in Aussicht gestellt – größtenteils kleinere Zukäufe; eine große Akquisition wie im Fall von AdMob werde es allerdings nur jährlich oder alle zwei Jahre geben. Der Autor wundert sich nur, dass Google den Deal in Aktien abwickeln wolle – wo das Unternehmen doch immerhin 22 Milliarden Dollar Cash auf der Kante habe.

Feindliche Übernahme von Cadbury?

„Ist Cadbury die fehlende globale Zutat?“, fragt sich die BusinessWeek . Der amerikanische Lebensmittelkonzern Kraft Foods hatte am Montag eine formale Kauf-Offerte für den britischen Süßwarenhersteller Cadbury vorgelegt. BusinessWeek köchelt das Angebot ein wenig herunter und schaut nach, welche Erwartungen dabei festkrusten: die nicht zu leugnende Tatsache, dass Menschen auf der ganzen Welt Bonbons, Kaugummis und Schokolade lieben und dabei der von ihnen bevorzugten Marke treu seien, statt Nachahmerprodukte zu akzeptieren.

Der Zugang zu wichtigen Märkten wie etwa Indien führe über Cadbury, referiert die Börsen-Zeitung. Außerdem ließen sich auch eigene Kraft-Marken wie Philadelphia, Milka oder etwa Jacobs-Kaffee so leichter in Großbritannien vertreiben. Dem Unternehmen blieben nun 28 Tage Zeit, den Cadbury-Aktionären die Übernahmeunterlagen zu übermitteln. Das britische Übernahmerecht räume darüber hinaus eine Frist von weiteren 60 Tagen ein, in denen das Geschäft dann besiegelt sein muss – alles in allem also drei Monate Zeit.

Wer (Erdöl) sucht, der findet

Wer suchet, der findet, stellt die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Dias mit Blick auf die Förderungserfolge des Erdölgiganten Repsol fest. Siebzehn neue Erdölvorkommen habe das spanische Unternehmen allein im laufenden Jahr entdeckt. Der Erfolg sei das Ergebnis hoher Investitionen. Doch wie komme es zu diesem plötzlichen Anstieg neu erschlossener Erdölvorkommen nach dem mäßigen Förderungserfolg vor noch wenigen Jahren? Repsol habe durch die Fusion mit dem argentinischen Unternehmen YPF zunächst sämtliche Investitionen zurückschrauben müssen. Auch der niedrige Erdölpreis zu Beginn dieses Jahrtausends habe seinerzeit weniger Anreiz geschaffen als heute. Erst als 2005 das argentinische Geschäft wieder vom Kernbetrieb des Energieproduzenten Repsol abgekoppelt wurde, habe sich dessen Betriebsergebnis und damit auch der Aktienkurs deutlich verbessert.

Bier soll Staatshaushalt stopfen

Vedomosti steht der geplanten Verdreifachung der Biersteuern in Russland skeptisch gegenüber und sorgt sich um die Gesundheit der Russen. Auf den ersten Blick könne die Gesellschaft von steigenden Alkoholpreisen nur profitieren. Das Steueraufkommen und die Lebenserwartung würden steigen. „Allerdings ist es nicht ganz so einfach“, kommentiert das Blatt. „Wenn nur die Biersteuer steigt, ist das eher schädlich für die Gesundheit des Volkes, weil die Konsumenten dann auf Wodka und billigeren Selbstgebrannten umsteigen“, argumentiert die Zeitung. Überall auf der Welt würden die Regierungen in Krisenzeiten die Steuern auf Alkohol und Zigaretten erhöhen, weil die höheren Preise die Menschen nicht vom Konsum abhielten. „Entweder erhöht die Regierung die Steuern auch auf hochprozentige Schnäpse oder lässt sich am besten einen ganz anderen Weg einfallen, um die Haushaltslöcher zu stopfen“, fordert das Blatt.

Optionsverkäufe zügeln Goldpreisrallye

Der zuletzt in die Höhe geschossene Goldpreis könnte von einer Welle von anstehenden Optionsverkäufen im Zaum gehalten werden, erwartet das Wall Street Journal . Vermehrte Verkäufe seien in den kommenden sechs Monaten zu erwarten, falls Hedge-Fonds und andere institutionelle Investoren begännen, die Rallye als Überhitzung zu werten. Auf der jährlichen London Bullion Market Association Conference im schottischen Edinburgh habe eine Umfrage unter den Teilnehmern ergeben, dass diese für September 2010 einen durchschnittlichen Goldpreis von 1181 Dollar pro Feinunze erwarten. Der Goldpreis habe aber am Montag bereits bei 1100 Dollar gelegen.

Fundstück: Berüchtigte Frackträger vor dem Aus?

Die lange Tradition der berühmten und berüchtigten spanischen Schuldeneintreiber „Cobradores del Frac“ ist in Gefahr, warnt die Wirtschaftszeitung Expansión. Ein ganzer Sektor überwiegend kleiner und mittelständischer Unternehmen sehe sein Geschäftsmodell aufgrund einer Abmahnung der spanischen Datenschutzbehörde an Telefónica gefährdet. Die gängige Praxis des Telekommunikationsgiganten, Schuldnerdaten an die privaten Schuldeneintreiber weiterzugeben oder zu verkaufen, sei mit dem Datenschutz nicht vereinbar, begründe die Behörde ihren Bußgeldbescheid in Höhe von 420.000 Euro. Denn zunächst müsse das Einverständnis des Schuldners eingeholt werden, bevor dessen Daten an die berüchtigten „Herren im Frack“ weitergegeben werden dürfen. Deren pragmatischer Brauch, ihren „Opfern“ so lange mit Aktenkoffer und Frack hinterherzulaufen, bis diese ihre Schulden bezahlt haben, verschwinde womöglich bald aus dem Straßenbild Spaniens, befürchtet die Zeitung.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev

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