Hightech-Firmen verlassen die Nischen

Die internationale Wirtschaftspresse macht sich Gedanken über die Übernahme von 3Com durch HP. Cinco Días schwingt das rote Tuch beim Kampf der Telefónica gegen die spanische Finanzbehörde. Vedomosti beobachtet erste Reformschritt bei den russischen Staatskonzernen. Fundstück: Mangelhafte Kinderwagenklemme

Verschiedene Blätter machen sich heute Gedanken über die von Hewlett Packard (HP) angekündigte, 2,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Netzwerkausrüsters 3Com. „Analysten hatten schnell die Logik hinter dem neuen Megadeal erfasst“, erkennt etwa das Wirtschaftsmagazin BusinessWeek: „HP attackiert Ciscos marktbeherrschende Position bei der Ausrüstung von Netzwerkcomputern, just in dem Moment, als Cisco aggressiver in den Markt für Rechneranlagen vorstößt, in dem HP stark ist.“ Die große Herausforderung, den Deal zum Erfolg zu bringen, werde wohl sein, die in den USA und Europa durch jahrelanges Missmanagement makelbehaftete neu erworbene Marke 3Com aufzupolieren, so BusinessWeek.

Der Deal sei eine Kriegserklärung von HP an Cisco, glaubt auch Barron’s. Doch Brocade werde der Deal wesentlich härter treffen als Cisco – das Wall Street Journal hatte vergangenen Monat berichtet, dass Brocade nach einem Käufer Ausschau hält und HP hier als Kandidat gehandelt werde. „Aus offensichtlichen Gründen erscheint diese Option für Brocade nun sehr viel unwahrscheinlicher“, stellt Savitz fest. Und Oracle – die ebenfalls als möglicher Käufer gehandelt wurden – habe bereits jedes Interesse an Brocade verneint.

Das Wall Street Journal nimmt den Deal zum Anlass, den Blick nüchtern auf die gesamte Branche zu lenken. Dies sei „der jüngste Schritt in einem Marsch der Tech-Industrie auf dem Weg zur Konsolidierung von Molochen wie HP, Cisco, Dell Inc. und Oracle Corp.“ Deren Spezialisierung auf Nischen wie Cisco im Bereich Netzwerktechnik, Dell bei Personal Computern, Oracle in der Nische der Unternehmens-Software und HP bei PCs und Druckern sei Vergangenheit. Die jüngste Flut von Deals stärke die Bemühungen der großen Technologieunternehmen, One-stop-Shops zu werden – in denen der Kunde alles aus einer Hand bekommt.

Protest gegen spanische Steuerregel

Cinco Días beobachtet Telefónica beim Kampf gegen die spanische Finanzbehörde Hacienda. Diese habe bis vor kurzem den steuerrechtlichen Abzug der im Ausland erworbenen Unternehmen vom Firmenwert erlaubt und damit spanische Unternehmen eigentlich unterstützen wollen. Die Weise, in der das Finanzamt die Regelung interpretiere, mache deren effektive Anwendung in der Praxis allerdings unmöglich, zitiert die Zeitung Telefónica. Aber nicht nur Telefónica sei mit der Regelung nicht zufrieden. Auch Brüssel habe diese zuletzt heftig kritisiert und auf Drängen von Konkurrenten wie der Deutschen Telekom für wettbewerbswidrig und somit illegal erklärt. In Kritik geraten sei die spanische Sonderregelung insbesondere durch die Übernahme von O2 durch Telefónica. Die ebenfalls an O2 interessierte Deutsche Telekom habe mit der Höhe des Übernahmeangebotes von Telefónica nicht mithalten können und wohl auch deshalb eine durchaus erfolgreiche Kampagne dagegen gestartet.

Mehr Marktwirtschaft für Staatskonzerne

Die so genannten Staatskorporationen in Russland könnten bereits im nächsten Jahr in Aktiengesellschaften umgewandelt werden, berichtet Vedomosti. Der Generalstaatsanwalt habe nun die Ergebnisse seiner von Präsident Dmitri Medwedew angeordneten Untersuchung der Staatsunternehmen vorgelegt. In allen Staatskonzernen außer der Kernkraftholding Rosatom seien Verstöße festgestellt worden. „Sie erfüllen nicht die ihnen auferlegte Aufgaben und Funktionen, verwenden die staatlichen Mittel ineffektiv und verstoßen gegen Gesetze“, fasst das Blatt die Ergebnisse zusammen. Rosnano, die in Nanotechnologieprojekte investieren soll, habe in zwei Jahren nur 125 Millionen Euro, verteilt auf acht Projekte, investiert. Die meisten der Staatskorporationen zeichneten sich ebenfalls durch zu hohe Gehälter und Boni aus. Medwedew habe als ersten Reformschritt die Umwandlung in eine marktwirtschaftlichere Geschäftsform angeregt.

AIG-Chef Robert Benmosche als Held

Während alle Welt sich über Chef des krisengeschüttelten US-Versicherungsriesen AIG empört, feiert das Wall Street Journal Robert Benmosche als „Helden“: Überraschend habe er sich nach Streitereien um Gehälter und Boni und seiner Rücktrittsdrohung schließlich doch dazu bekannt, Seit an Seit mit den AIG-Angestellten um die Sanierung des Unternehmens zu kämpfen. Offenbar sei Benmosche der „clevere CEO, der mit dem Finanzministerium hart verhandelt hat und mit allen Mitteln erreichen wollte, dass AIG wieder erfolgreich ist“. Indem er oft lauthals die Mitarbeiter und Geschäfte von AIG verteidigt habe, baue er langsam wieder das Vertrauen auf, das der Versicherungskonzern benötige, um zu überleben. Fazit: Benmosche sei der „Boss, der für Ihre 90 Milliarden Dollar-Investition in AIG kämpft“.

Verbraucherkredite in Italien zu teuer

Mit einem Zinssatz von zehn Prozent lägen die Verbraucherkredite italienischer Banken um dreieinhalb Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt, schimpft ilsole24ore. Schuld daran seien der mangelnde Wettbewerb und die fehlende Transparenz der Branche. Dies stelle die italienische Zentralbank Banca d`Italia in ihrem Bericht an die Finanzkommission der Regierung fest. Abhilfe solle eine neue Richtlinie für den Zahlungsverkehr schaffen, die im Juni 2010 in Kraft trete und mehr Transparenz und Bewegung in den italienischen Bankenmarkt bringe. Diese Richtlinie für den Zahlungsverkehr werde auch für Ratenzahlungen, eingeräumt von Supermärkten und Telefongesellschaften, gelten und sehe strengere Auflagen für Verbraucherkredite vor.

Fundstück: Mangelhafte Kinderwagenklemme

Produktmängel sind eine ernste Sache. Gerade in den USA, wo für mangelnde Produktsicherheit schon mehrstellige Millionenbeträge an Schadensersatz gezahlt wurden. Da überrascht es die Financial Times nicht weiter, dass der britische Kinderwagenhersteller Maclaren einen in den USA vertriebenen Kinderwagen zurückrief, nachdem gleich mehrere Wagen Kleinkindern eine Fingerkuppe amputiert hatten. „Die Worte ,Kind’ und ,Amputation’ in ein und derselben Pressemitteilung der US-Sicherheitsbehörde würden sicher jeden beunruhigen“, zeigt sich die Zeitung verständig. Umso erstaunlicher, dass Maclaren in Großbritannien lediglich auf den Produktmangel hingewiesen habe – ein einfacher Warnhinweis, dass die Besitzer darauf achten sollten, dass ihre Kinder beim Öffnen des Kinderwagens nicht die Finger in den Faltmechanismus des Kinderwagens stecken sollen. Nun sei Maclaren ein „kleines privates Unternehmen mit einem großen öffentlichen Problem“, stellt die FT fest. Lektion eins für den Kinderwagenhersteller wie auch andere Produktanbieter: „Sei bereit“. Lektion zwei: „Sei mitfühlend.“ Lektion: „Sei freundlich.“ Und: „Mach keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Märkten.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev.

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

0 Kommentare zu “Hightech-Firmen verlassen die Nischen”


  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben




Internationale Wirtschaftsnachrichten