Gottes Werk und Bankers Beitrag

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die anhaltende Debatte über Erfolg und Mission von Goldman Sachs und entdeckt dabei eine zweifelhafte Stiftung. Vedomosti zeigt sich von der Rede des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew zur Lage der Nation unbeeindruckt. Veckans Affärer untersucht das skandinavisch-russische Mobilfunkkarussell. Fundstück: Der Duft der Banker.

Bloomberg hinterfragt das Dementi von Goldman-Chef Lloyd Blankfein hinsichtlich seiner Aussage aus einem Interview, dass Banken, indem sie Unternehmen mit Krediten unterstützten und so für mehr Wohlstand sorgten, „Gottes Werk“ verrichteten. Der öffentliche Zorn habe Goldman offenbar dazu veranlasst, die Aussage zu relativieren. Gleichwohl stehe Blankfeins Statement in einer Reihe mit den jüngsten PR-Offensiven anderer Top-Banker. So hätten zuletzt Brian Griffiths, internationaler Berater von Goldman Sachs, und Barclays-Chef John Varley bei Gastvorträgen in Londoner Gotteshäusern das globale Bankensystem und die globale Ungleichheit, für die es verantwortlich gemacht worden sei, verteidigt. „Was ist zum Teufel los mit diesem Gott-Gequatsche des Too-big-to-fail-Clubs“, fragt Bloomberg skeptisch.

Reuters zweifelt an den Aktivitäten der Goldman Sachs Foundation, einer weltweit tätigen, gemeinnützigen Stiftung, die von der Goldman Sachs Group ins Leben gerufen wurde. Dass die Steuererklärung der Stiftung über 200 einzeilig beschriebene Seiten umfasse, zeige, wie stark Goldman selbst bei der eigenen Wohltätigkeit investiere und handele. Seltsam sei dabei, dass Goldman zwar 501 Millionen Dollar seit 1999 in die Stiftung gesteckt habe, aber nur einen Bruchteil von rund fünf Prozent ausgeschüttet und in Projekte gesteckt habe – das Minimum, das für den gemeinnützigen Status erforderlich sei. Von den meisten Aktivitäten der Stiftung profitiere am Ende Goldman selbst. Als Beispiel nennt Reuters die Asia Society an der Park Avenue in New York: eine „Quasselbude“, in der Goldman-Banker ihren ausländischen Kunden „Honig ums Maul schmieren“.

Das US-Wirtschaftsmagazin Portfolio zieht eine Verbindungslinie zwischen dem Erfolg von Goldman Sachs und dem Abschied der Investment-Boutique Greenhill & Co. aus dem Private-Equity-Geschäft. Hintergrund: Das Unternehmen wolle sich stärker auf die Beratung im M&A-Geschäft in Boom-Zeiten sowie bei Restrukturierungsfragen in Bärenmärkten konzentrieren. Erstaunlich sei der Zeitpunkt dieser neuen Ausrichtung, da aktuell einige der größten und vielfältigsten Institute wieder profitabel arbeiteten – wenn auch bei weitem nicht alle auf dem Niveau von Goldman Sachs. „Die Entscheidung (…) signalisiert: Zumindest eine Firma hat erkannt, dass der Weg, größer und vielfältiger zu werden sowie mehr Proprietary-Deals abzuschließen, nicht der einzige zum Erfolg ist. Die traditionelle Rolle der Wall Street als Vermittler ist lukrativ genug“, lobt das Magazin. In der aktuellen Debatte über Regulierung und „too big to fail“ müsse das Beispiel von Greenhill & Co. ein Impuls auch für die großen Institute wie Citigroup oder Morgan Stanley sein, sich auf die eigenen Wettbewerbsvorteile zu konzentrieren.

Russlands Präsident baut Luftschlösser

Vedomosti zeigt sich von der Rede des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew zur Lage der Nation unbeeindruckt. Der Präsident habe erneut auf die größten Probleme – chronische Rückständigkeit, Rohstoffabhängigkeit und Korruption – hingewiesen. Auch das Allheilmittel „Modernisierung“ sei schon mehrfach genannt worden. Allerdings sei unklar geblieben, wie Russland diese erreichen soll. „Die Modernisierung sieht Medwedew vor allem auf der Ebene der Technologie. Doch selbst für eine technische Modernisierung müssten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Institutionen verändert werden“, kommentiert das Blatt. Es sei naiv, echte Durchbrüche vom Präsidenten zu erwarten. „Die vorgeschlagenen Schritte stehen in keiner Dimension zu den vorhandenen Problemen“, kritisiert die Zeitung.

Kniefall des Vattenfall-Chefs

Nachdem Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson gestern im Anschluss an die scharfe Kritik der schwedischen Regierung seine Demut öffentlich zur Schau getragen hat, schreibt die Financial Times Deutschland , dass sich so seine Lage kaum verbessern werde. In Deutschland sei das Image des Unternehmens ramponiert, seitdem es wiederholt Probleme im Kernkraftwerk Krümmel gegeben habe – auch damals habe sich Josefsson reuevoll gezeigt. Indem der einst vom Magazin „Time“ zum „Europäischen Helden“ gekürte Manager statt der Helden- nun die Büßerpose übe, werde sein Standing nach innen wie nach außen unterhöhlt. „Ein Vorstandschef, der mit dem Eigentümer nicht zurechtkommt und seinen wichtigsten Markt nicht im Griff hat, droht zum Grüß-August zu werden. Das wird die schwedische Regierung dann erst recht nicht lange mit ansehen wollen.“

Die richtige Dosis oder: die Bank von morgen

Die Bankenkrise sei schon vergessen, bemerkt die französische Wirtschaftszeitung La Tribune angesichts der Quartalsergebnisse der großen europäischen Finanzinstitute, die sich, mit Ausnahme einiger weniger Akteure in Deutschland und England, zu überbieten scheinen. Die französischen Banken spielten sich gar als Musterschüler auf, da sie alles daran setzten, die Staatshilfen so schnell wie möglich wieder zurück zu zahlen – Gelder, die eigentlich den Unternehmen hätten zugute kommen sollen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dieses Verhalten gebe all jenen Stimmen Recht, die eine Besteuerung der Bankengewinne verlangten, um die Kosten der Finanzkrise verursachergerecht zu verteilen. Ebenso sei die rasche Rückkehr der Finanzbranche zum „Business as usual“, mit sehr komfortablen Profiten aus Kreditgeschäft und Wertpapierhandel, zu hinterfragen. Es sei an der Zeit, dass sich die Banken für eine ausgewogene Dosierung ihrer Geschäftstätigkeit entscheiden, so die Zeitung: Es winkten schnelle aber „riskante“ Profite in den Wachstumsmärkten. Dennoch dürften die gesättigten Märkte mit geringen Margen nicht vernachlässigt werden.

Skandinavisch-russisches Mobilfunkkarussell

Endlich habe der schwedische Mobilfunkbetreiber Teliasonera seine verworrenen Unternehmensbeteiligungen in Osteuropa neu geordnet, freut sich das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer. Gemeinsam mit dem russischen Telekomunternehmen Altimo entstehe nun ein neuer Konzern, der an der New Yorker Börse notiert werde. Darin vereint hätten die beiden Unternehmen ihre Anteile an den Mobilfunkoperatoren Megafon und Turkcell. Ziel des Unterfangens: Man wolle den Mobilfunkmarkt in Russland, in der Ukraine und in weiten Teilen Eurasiens kräftig aufmischen. Komisch aber, wundert sich die Zeitung, dass der russische Oligarch Mikhail Fridman, der Eigentümer von Altimo, vor einem Jahr genau denselben Deal mit der norwegischen Telenor abgeschlossen habe. Altimo sei nun also Teilhaber an zwei Unternehmen mit identischer Strategie. Dieses „Verwirrspiel“ könne doch eigentlich nur mit einer Mega-Fusion enden, mutmasst Veckans Affärer.

Rapider Ausbau des chinesischen Bahnnetzes geplant

Nach einem Bericht des chinesischen Wirtschaftsportals China Economic Net investiert die chinesische Regierung in den kommenden drei Jahren rund 30 Milliarden Dollar in den Ausbau der chinesischen Bahninfrastruktur. In der Planungsphase seien Schienennetze von 20.000 Kilometer Länge vorgesehen, davon 13.000 Kilometer als Hochgeschwindigkeitsstrecke für Züge bis 350 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Für die Chinesen ermögliche dies zukünftig das Reisen zwischen zwei beliebigen chinesischen Großstädten innerhalb eines Tages. Die Dimension des Streckennetzes und die geplante kurze Umsetzphase, so das Portal, seien mit der Bahnrevolution im 19. Jahrhundert in den USA vergleichbar: Man baue Infrastruktur und Wirtschaft aus, schaffe Tausende Arbeitsplätze und verbessere die Bewegungsmöglichkeiten für Arbeiter aus allen Gebieten Chinas; die Industrialisierung beschleunige sich dadurch erheblich. Wermutstropfen sei die entstehende Konkurrenz für die Fluggesellschaften.

Anhaltender Goldrausch

Nachdem eine Feinunze Gold mit 1123 US-Dollar einen neuen Rekordpreis in London erreicht hat, vergleicht die italienische ilsole24ore den aktuellen Run auf das Edelmetall mit dem Goldrausch am Klondike im vergangenen Jahrhundert. Der Wirtschaftstitel führt die stark gestiegene Nachfrage nach dem Edelmetall zurück auf die große Liquidität, die im Umlauf sei, und die damit verbundene Suche nach lohnenden Investitionen. Die US-Zinssätze für kurzfristige Anleihen bewegten sich nahe der Null, daher bevorzugten Anleger das Edelmetall. Gold sei längst nicht mehr vorwiegend ein Rohstoff für die Industrie und Schmuckherstellung – im zweiten Quartal 2009, so das World Gold Council, habe der Anteil von Juwelieren an der weltweiten Nachfrage bei 56 und der Industrie bei 13 Prozent gelegen. Investoren würden jedoch bereits 31 Prozent einnehmen, mit steigender Tendenz.

Fundstück: Der Duft der Banker

Al Pacino bekam für seine Rolle als perfekt gestylter Gentleman in “Der Duft der Frauen” den lang ersehnten Oscar. Einen ähnlich bleibenden Eindruck hinterlässt wohl der Stilberater Clifford Lilley bei den Teilnehmern seines Bekleidungs-Workshops. Ebenso wichtig wie das Aussehen ist der Geruch des Mannes, meint Lilley im Gespräch mit der Handelszeitung . Aber Achtung: Bitte nicht so stark parfümieren, dass die Blumen in der Vase welken, sondern den Duft einfach im Raum versprühen und dann hindurchgehen. Weitere Sünden: Krawatten mit lustigen Motiven, T-Shirt unter dem Hemd und nackte Männerbeine. Für die Nichtbelehrbaren, die eher den Fauxpax des berühmten Stück “nackten Beines” zwischen Anzughose und Socken in Kauf nehmen, anstatt sich mit heißen Kniesocken herumzuplagen, hat der Stilberater Lilley ebenfalls einen Rat parat: “Mit Socken aus Seide oder Baumwolle räumen Sie das Problem von Schweißfüßen aus der Welt”.

ÜBERSCHRIFT

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Fundstück: ÜBERSCHRIFT

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Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Maxim Kireev, Mingli Lauscher, Fridolin Pöschl

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

1 Kommentar zu “Gottes Werk und Bankers Beitrag”


  1. 1 Peri Poller

    Eigentlich n cooler Kommentar, aber konnt ihr spater nicht ein bisschen umfassender schreiben? Das ware wirklich genial

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