Schoko-Schlacht um Cadbury

CadburyDie internationale Wirtschaftspresse widmet sich der Übernahmeschlacht um den britischen Süßwarenhersteller Cadbury und lotet die Chancen von Hershey und Ferrero aus. Report on Business trägt das Allfinanz-Modell zu Grabe. Der Economist sorgt sich um das deflationäre Japan. Der Financial Express freut sich auf Volkswagen. Fundstück: Hamstern gegen die Krise.

Für das Wall Street Journal kommt die mögliche Offerte des Süßwarenriesen Hershey für Cadbury nicht überraschend: Nach zwei missglückten Übernahmeversuchen (2002 Wrigley und 2007 Cadbury) scheine sich die Meinung im Unternehmen und in der dahinter stehenden Stiftung geändert zu haben. “Hershey muss seine Leistungsfähigkeit und seine strategische Position für nachhaltiges Wachstum verbessern”, zitiert die Zeitung aus einem Meinungspapier des Stiftungsratsvorsitzenden LeRoy Zimmerman aus dem Jahr 2008. Doch die Vorstände von Konzern und Stiftung seien noch uneins: Im Stiftungsrat befürchte die Mehrheit der Mitglieder, dass sich Hershey für einen Deal mit Cadbury zu hoch verschulde. Andere Fragezeichen seien hinter der Haltung der Anteilseigner und in der Stadt Hershey zu vermuten, die ein Verlust der Unabhängigkeit Hersheys erschüttern würde. “Doch die Zeit für Kreditaufnahmen ist derzeit günstig: Die Banken sind bereit, das Fünffache des Ebitda zu geben”, merkt das Wirtschaftsblatt an.

Eine “willkommene Alternative in der zunehmend umstrittenen und verfahrenen Situation zwischen den Führungskräften von Cadbury und Kraft” sieht die Financial Times in der möglichen Hershey-Offerte. “Cadbury und Hershey arbeiten seit langem zusammen, Hershey produziert die Süßwaren der Briten für die USA, Überlegungen zu einem Zusammengang der beiden gibt es seit 2007. Immerhin erhielte Hershey so Zugang zu internationalen Märkten.” Dennoch: Ein Deal würde die Schulden des amerikanischen Giganten in die Höhe treiben und das Kreditrating Hersheys gefährden. Zudem habe der Stiftungsrat ähnliche Pläne in der Vergangenheit stets verkompliziert. “Und da ist noch die Tatsache, dass Ferrero und Hershey derzeit Gespräche führen: Noch ist unklar, ob die Italiener gemeinsam mit Hershey für Cadbury bieten oder eine eigene Offerte vorlegen.”

Die Teilnahme von Ferrero an der momentanen Übernahmeschlacht um Cadbury analysiert ilsole24ore. Durchaus verständlich seien die Bedenken der Familie Ferrero, als börsennotiertes Familienunternehmen gegen einen Multi wie Kraft Foods zu bieten. Die Umsicht, mit der sich das Familienunternehmen aus Alba zum viertgrößten Süßwarenhersteller weltweit entwickelt habe, sei bemerkenswert. Doch schütze die derzeitige Marktposition Familie und Aktionäre nicht vor der Gefahr des Verfalls. Auch die Perlen des “Made in Italia” müssten sich der Konkurrenz stellen, finanziell gut strukturiert und stark im Weltmarkt vertreten sein. Die Aufmerksamkeit, mit der die internationale Finanzwelt auf das Gebot von Ferrero reagiere, zeige jedoch auch, dass italienische Unternehmen im Ausland – zu Unrecht – als schwach wahrgenommen werden. Hier leite Ferrero ein Umdenken ein und belege, dass italienische Unternehmen solide sind, jedoch gerade zu schüchtern auf den internationalen Märkten auftreten.

Allfinanz ist Egomanismus

Einen sichtlich erleichterten Nachruf auf das Allfinanz-Modell hält Report on Business aus Kanada: “Der Tod dieser schlechten Idee kommt gerade noch rechtzeitig.” In den 90er Jahren sei die Allianz zwischen Banken und Versicherungen der letzte Schrei gewesen, die Akteure glaubten, einen Supermarkt der Finanzdienstleistungen schaffen zu können, der Kosten klein hält und Risiken minimiert. “Doch Banken wie die ING aus den Niederlanden griffen dabei in die Bilanz-Trickkiste und nutzten dasselbe Kapital zur Sicherung ihrer Bank- und Versicherungsgeschäfte.” Das Beispiel ING habe gezeigt, dass Allfinanz der Krise nicht stand hält. Zuvor sei bereits der Fortis-Hybrid zerschlagen worden, und auch die deutsche Allianz-Versicherung sei mit der Dresdner Bank nie glücklich geworden – und habe diese dann an die Commerzbank verkauft. “Man fragt sich, wie die Beteiligten auf diesen Schwindel hereinfallen konnten. Vielleicht war das Modell nur ein weiterer Vorwand für egomanische Banker und Versicherer, um noch größere Konzerne zu schaffen – und höherer Gehälter.” Das Modell Allfinanz habe deutlich gemacht, dass Firmen nicht nur zu groß sein können, um bankrott zu gehen, sondern auch zu groß, um erfolgreich zu sein.

Japan ignoriert seine Deflation

Der Economist sorgt sich um Japan, das inzwischen unter Deflation leide: “Die Verbraucherpreise sind gesunken, zuletzt um 2,2 Prozent.” Ursachen für diese Entwicklung seien die hohen Kapazitäten nach dem Zusammenbruch des Exports, die niedrigen Ölpreise und eine schrumpfende Bevölkerung, die zur Folge habe, dass sich Einzelhändler im Kampf um Marktanteile unterbieten. Dennoch passe die Japanische Bank ihren Kurs nicht an: Sie sorge sich nicht um die Preisentwicklung, weil sie noch keine Deflationsängste bei Unternehmern und in der Öffentlichkeit wahrnehme und glaube, dass die private Nachfrage anziehe und die Wirtschaft aus dem Tief hole. “Diese Haltung ist gefährlich, denn die Verbraucherpreise sollen bis 2011 rückläufig sein. Erst kürzlich mahnte die OECD Japan, die Deflation zu bekämpfen.” Auch die Regierung sei untätig, das Defizit werde 2010 rund zehn Prozent des Bruttosozialprodukts betragen. Zwar sei die Wirtschaft bis Ende September um 4,8 Prozent gewachsen, das sei aber maßgeblich auf staatliche Intervention zurückzuführen. “Und noch hat die neue Regierung ihre Wirtschaftspolitik nicht konkretisiert.” Potenzial liege in der Produktivität, insbesondere im Dienstleistungssektor, empfiehlt das britische Wirtschaftsblatt. “So könnte die Regierung nachhaltig Wachstum schaffen, und Schulden und Deflation zugleich bekämpfen.”

Grenzenlos gut: Mikrokredite

Über das Potenzial von Mikrokrediten unterhält sich der französische Wirtschaftstitel Challenges mit der Gründerin der Association pour le droit à l’initiative économique, Maria Nowak. Diese sieht die Banken Frankreichs als Partner für ihr gesellschaftliches Anliegen: “Die Geldinstitute leihen uns Geld zu interessanten Zinssätzen, das erlaubt uns, armen Menschen Mikrokredite zu gewähren.” Die Möglichkeit, das französische Banken das Geschäft mit Mikrokrediten für sich entdeckten, bewertet sie positiv: “Im Ausland ist das bereits weit verbreitet, doch im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsmärkten ist der Markt für Mikrokredite wirklich grenzenlos.” Sollten Banken in Frankreich tatsächlich Mikrokredite anbieten, könne sich ihre Organisation dann den Menschen und ihren Ideen für eine wirtschaftliche Existenz widmen, die noch schwierigere Ausgangsbedingungen haben. “Schließlich gibt es Millionen von potenziellen Existenzgründern.”

Mediapro hoch verschuldet

Besorgt berichtet die spanische Wirtschaftszeitung El Economista von hohen Geschäftsverlusten der katalanischen Mediengruppe Mediapro. Nicht nur müsse das defizitäre Unternehmen in den nächsten sechs Jahren über 2,5 Milliarden Euro für Senderechte aufbringen, es stehe auch einem Schuldenberg gegenüber, der dem 25fachen des Eigenkapitals entspreche. Nachdem sich Jaume Roures, Präsident von Mediapro, mit dem Erwerb von Senderechten für die spanische Fußball-Bundesliga und Formel-1-Rennen weit aus dem Fenster gelehnt habe, müsse er sich jetzt den schmerzlichen Konsequenzen stellen. Trotz der insgesamt 3,14 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten gebe sich Mediapro betont gelassen und verweise auf die zu erwartenden Einnahmen durch die Senderechte. Erstaunlich, dass das Unternehmen keine weiteren Daten zu Gewinnerwartungen veröffentlichen wolle, kritisiert die Zeitung.

Volkswagen erobert Indiens Straßen

Der Financial Express aus Indien glaubt, dass die Autoindustrie neu durchstarten kann – mit Kleinwagen. So beherrsche das indische Billig-Mobil Nano weltweit die Schlagzeilen, zudem seien in Indien die internationalen Automarken dabei, Marktanteile zu erringen. So werde der neue VW Polo im kommenden Jahr sein Debüt in Indien geben. Selbst der Beetle von Volkswagen könne auf dem Subkontinent zu neuen Erfolgen fahren. Die Frage sei zwar, warum Inder ausgerechnet einen Beetle kaufen sollten, wenn es Autos gebe, die zweimal so groß sind, aber nur ein Viertel kosten. Doch diesen Volkswagen umgebe eine spezielle Aura, ganze Generationen identifizierten sich mit diesem Auto. Die von VW in Indien geschaltete, etwa acht Millione Dollar teure Werbung ziele darauf ab, den Beetle als Auto für jede Lebenslage vorzustellen. Der Beetle für Indien werde aus den mexikanischen Fabriken kommen. Und wenn alles gut laufe, werde sich der überteuerte Beetle in Indien super verkaufen.

Fundstück: Hamstern gegen die Krise

Amerikas Kinder trotzen der Krise mit prall gefüllten Bäckchen: Ein kleines, elektronisch gesteuertes Nagetier, berichtet BusinessWeek, ist das angesagte Spielzeug der Saison. Die batteriebetriebenen Zhu Zhu Pets geben Laute von sich, sausen auf einer Fahrspur herum, laufen im Hamsterrad und verfügen über etwas künstliche Intelligenz. Für 9,99 Dollar bot die Firma Cepia das possierliche Etwas an, heute werden die haarigen Genossen für bis zu 40 Dollar bei Amazon oder Ebay gehandelt. CEO Russell Hornsby und sein Team wurden vom Erfolg überrollt: Einzelhändler meldeten rasch ausverkaufte Regale und bestellten mehr, manche geben aktuell nur ein “Tier” pro Familie heraus. Vorbild für die Zhu Zhu Pets war der Hamster der Familie Hornsby. Anders als seine elektronischen Geschwister war er aber nicht vor den Gefahren der Krise gefeit: Die hungrige Katze der Familie hat ihn gefressen.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer.

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

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