Dubai weckt Ängste und Hoffnungen

Die internationale Wirtschaftspresse geht den Ursachen für die Dubai-Krise auf den Grund und benennt Konsequenzen. Barrons preist AOL als Schnäppchen an. Die Financial Times kritisiert Chinas Haltung zu Überkapazitäten. Die Business Times macht sich für eine Steuer auf Finanzgeschäfte stark. Fundstück: Cartoons für finanzschwache Kanadier.

Die internationale Wirtschaftspresse geht den Ursachen für die Dubai-Krise auf den Grund und benennt Konsequenzen. Barrons preist AOL als Schnäppchen an. Die Financial Times kritisiert Chinas Haltung zu Überkapazitäten. Die Business Times macht sich für eine Steuer auf Finanzgeschäfte stark. Fundstück: Cartoons für finanzschwache Kanadier.

Die internationale Wirtschaftspresse geht den Ursachen für die Dubai-Krise auf den Grund und benennt Konsequenzen. Barrons preist AOL als Schnäppchen an. Die Financial Times kritisiert Chinas Haltung zu Überkapazitäten. Die Business Times macht sich für eine Steuer auf Finanzgeschäfte stark. Fundstück: Cartoons für finanzschwache Kanadier.

Das Wall Street Journal warnt davor, die Zahlungsprobleme Dubais als Relikt einer vergangenen Manie zu sehen, statt als ein Zeichen für anstehende, neue wirtschaftliche Probleme. „Wie die Subprime-Krise oder die Investmentvehikel der Citigroup wurde die Verschuldung Dubais erst möglich durch die globale Förderpolitik der US-Notenbank für Kredite. Dubai hat die leicht zugänglichen Darlehen genutzt, um sich zum nächsten Singapur aufzubauen.“ Der Staat habe sich offen gezeigt für Investoren, und damit sicher ein besseres Modell abgegeben als Saudi-Arabien. Doch er wurde im Boom mit- und fortgerissen – und sein Immobilienmarkt wuchs sich zu einer Blase aus. „Die Ironie dabei ist, dass Dubais Schuldenproblem die Zentralbanken weltweit in ihrem Bestreben bestärken drüfte, den Geldhahn weiter offen zu halten, um eine neue Kreditklemme zu verhindern.“ Das werde kurzfristig dem Goldpreis und risikoreichen Anlagen Auftrieb geben, langfristig aber zu neuen Blasen führen.

„Die Schulden Dubais entsprechen nicht mal einem Prozent der Bankbilanzsumme im Euro-Raum“, hält die Financial Times Deutschland dagegen. Sie kämen damit höchstens als Auslöser für Börsentumulte infrage, nicht aber als ihre Ursache. „Die Ursachen liegen natürlich Jahre zurück, aber bei aller Aufregung sind in der vergangenen Woche ein paar Details untergegangen, die damit zusammenhängen und so gar nicht mit der Theorie einer von den Schwellenländern ausgehenden globalen Erholung zusammenpassen wollen.“ So seien beispielsweise die Exporte Japans oder Hongkongs rückläufig, in Singapur sei die Industrieproduktion auf den Stand vom Februar zurückgegangen und in Rumänien der Klimaindex der EU-Kommission auf ein Tief gesunken.

Bei Challenges weckt die Dubai-Krise Hoffnung auf einen Wandel: „Könnte Dubai nicht den Appetit der Banken auf staatliche Anlagen zügeln?“ Eine Statistik von Standard & Poor’s zeige, dass europäische Banken zunehmend in staatliche Anlagen investierten, aber kaum Kredite an Unternehmen und private Haushalte geben. „Das ist doch schizophren: Einerseits sollen die Finanzinstitute die Wirtschaft mit Geld versorgen, andererseits verlangen die Behörden von ihnen, in Staatsanleihen zu investieren.“ Kleine und mittelgroße Firmen gerieten immer mehr in die Klemme. „Mit Dubai dürfte sich die Sorge, dass Staaten nicht in der Lage sind, ihre Schulden zurückzuzahlen, mehren. Vielleicht wenden sich die Banken von ihnen ab – und entdecken den Charme kleiner Unternehmen ganz neu.“

AOL ist ein Schnäppchen

Das Barrons Magazine analysiert die Chancen von AOL, ab dem 9. Dezember 2009 als selbstständige Firma zu bestehen. Vor zehn Jahren habe AOL Time Warner übernommen, um einen Internet- und Medienkolloss zu bilden. Nun bringe Time Warner AOL an die Börse zurück, um sich von dem Unternehmen zu trennen. Doch der Handel – für elf Time-Warner-Papiere gebe es einen neuen AOL-Anteilschein – sei nicht gerade gut gestartet, der Preis von 27 auf 23 Dollar gefallen. „Aus dem Wal ist ein kleiner Fisch geworden“, so der Kommentar. Doch AOL habe Potenzial. Zwar meinten Analysten, dass es bis 2014 kein Wachstum gebe und die Einnahmen weiter sinken. Doch habe AOL keine langfristigen Schulden und plane, ein Drittel der Angestellten zu entlassen. Das werde Profitabilität und Cash Flow verbessern. Auch habe sich AOL von Ballast getrennt. 2010 laufe der Vertrag mit Google für die Suchmaschine aus, möglicherweise steige Microsoft zu besseren Konditionen ein. Und schließlich generiere AOL immer noch viel Traffic auf den Seiten von Time Warner. „AOL ist ein ernst zu nehmendes Schnäppchen.“

China braucht eine Strukturreform

Von einem Bericht der in China angesiedelten European Chamber of Commerce zeigt sich die Financial Times beunruhigt: Das Reich der Mitte treibe seine Strategie, Überkapazitäten auf- und auszubauen, unbeirrt voran. „Das Ausmaß ist atemberaubend.“ Dabei stellten die Überkapazitäten nicht nur ein Problem auf den Märkten weltweit dar. China selbst setzte sich einer ungleichmäßigen wirtschaftlichen Entwicklung aus, weil Investitionen die Überkapazitäten dieses Jahres milderten, aber im kommenden Jahr erhöhten. „Der Konsum zieht nur allmählich an, die Überkapazitäten können also nur über weitere Investitionen oder Exporte abgebaut werden. Wenn China aber wieder mehr exportiert, würde das Handelssystem in eine Krise gestürzt.“ Chinas Handelspartner müssten sich mit dem „wachsenden Giganten“ auseinandersetzen und deutlich machen, dass sie nicht die Überkapazitäten auffangen werden. „Sie könnten darauf hinweisen, dass diese Strategie auch den Lebensstandard des durchschnittlichen Chinesen beeinträchtigt.“ China brauche eine Strukturreform. „Möglichst sofort – wenn es nicht schon zu spät ist.“

Spanien ist der kranke Mann Europas

Der Economist erklärt Spanien zum „neuen, kranken Mann Europas“ und diagnostiziert Fehler in der Wirtschaftspolitik. Spanien sei zu Beginn der Rezession geschwächt gewesen, aufgrund des Baubooms und der daraus resultierenden Blase. Während die meisten europäischen Staaten aus dem Rezessionsloch geklettert seien, sei die spanische Wirtschaft weiter geschrumpft. Die Regierung wolle nun ein Gesetz für nachhaltige Wirtschaft vorlegen, doch das enthalte „mehr gute Wünsche als harte Maßnahmen“, kommentiert das Blatt. Vor allem fehle eine Arbeitsmarktreform: „Es gibt eine Menge Arbeiter und Angestellte unter Festvertrag, die sich keine Sorgen machen müssen – das ist schlecht für die Produktivität.“ Die Regierung wolle es sich nicht mit den Gewerkschaften verscherzen, doch das System sei unfair. Nun sollten Steuern erhöht und staatliche Ausgaben begrenzt werden, doch das werde Konsum und Kaufkraft beeinträchtigen, warnten Experten. Die einzige Hoffnung liege auf den Nachbarstaaten: „Zwei Drittel des Exports aus Spanien geht in EU-Länder. Spanien könnte von der Erholung etwa in Frankreich oder Deutschland profitieren.“

Reges Kaufinteresse an Air Comet, Viaje Marsans & Co

Über mangelndes Interesse an der Fluggesellschaft Air Comet, der Reisebürokette Marsans und der Busflotte könne sich deren derzeitiger Eigentümer, Díaz Ferrán, nicht beklagen, beobachtet die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. Und das sei gut so, denn das Geld brauche der spanische Unternehmer dringend, um das Überleben seiner angeschlagenen Touristikgruppe zu sichern. Immer mehr Kaufangebote müsse Díaz Ferrán nun sorgfältig prüfen, habe laut Insiderangaben aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Gerüchte, dass Orizonia am Kauf von Viajes Marsans interessiert sei, hätten sich nicht bestätigt. Zu teuer sei der Tochter von Viajes Iberia der vorgegebene Kaufpreis von 450 Millionen Euro. Neben den Reisebüros sei insbesondere die Airline Air Comet dank ihrer modernen Flotte sehr attraktiv. Und auch die zur Grupo Marsans gehörende Busflotte besitze durchaus Potenzial, ist die Zeitung überzeugt.

Sand ins Getriebe der Spekulation

Die möglichen Auswirkungen von Finanzgeschäftssteuern auf die Spekulationsfreude hinterfragt die Business Times aus Singapur. Die Zeit dafür sei durchaus reif. Vor 40 Jahren sei eine solche Steuer vorgeschlagen worden, um jene abzuschrecken, die durch Tricks schnelles Geld machen wollten. Damals habe die Idee nicht weitergeführt, heute jedoch könne eine solche Steuer die „Gaunereien“ verhindern, die auf den „hyperaktiven Finanzmärkten“ stattfinden. Eine Steuer auf Finanzgeschäfte, die das Vertrauen in extrem kurzfristige Finanzierungsinstrumente bzw. Finanztransaktionen wie Rückkaufvereinbarungen erschüttert, hätte möglicherweise sogar die momentane Krise verhindert. Eine Transaktions-Steuer bedeute für die Besteuerten geringe Ausgaben, bringe jedoch beachtliche Einnahmen und mindere die Angst vor dem Budgetdefizit der öffentlichen Haushalte. Natürlich würde die Steuer nicht alle Probleme lösen, doch könne sie „Teil des Prozesses sein, unseren aufgeblähten Finanzsektor zu schrumpfen.“

Fundstück: Cartoons für finanzschwache Kanadier

Kanada zählt zu den Ländern mit einem exzellenten Bildungssystem, doch Wissenschaftler entdeckten nun Defizite: Wie das Finanzportal Canoe Money berichtet, habe eine Erhebung unter Schülern und Studenten zu ihren Fähigkeiten im Umgang mit Geld erschreckende Ergebnisse gebracht: Weniger als die Hälfte der Befragten habe gewusst, wie man ein Budget aufstellt, nur ein Drittel war überzeugt, gute Finanzentscheidungen zu treffen und nur 38 Prozent glaubten, über genug Finanzwissen zu verfügen, um nach dem Abschluss zurecht zu kommen. „Die Gefahr, dass diese Schüler und Studenten schlechte Angewohnheiten bezüglich ihrer Finanzen entwickeln, ist groß.“ Der Investor Education Fund habe nun eine lustige Cartoon-Serie gestartet, mittels derer die Zielgruppe Einblick in die Finanzwelt erhalte und lerne, mit Geld umzugehen. Der Fund setzt große Erwartungen in den Erfolg der Comics: „Unsere Wirtschaft basiert auf den alltäglichen, finanziellen Entscheidunen von Millionen Kanadiern. Jüngste Ereigenisse wie die Finanzkrise haben gezeigt, dass auch darin Risiken lauern. Die finanzielle Bildung unserer Bürger zu verbessern, stärkt unser Finanz- und Wirtschaftssystem.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

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