Ein leises Servus zum GM-Abschied

hendersonDie internationale Wirtschaftspresse hält den Abgesang auf den überraschend ausgeschiedenen GM-Chef Fritz Henderson. Die Business Times aus Singapur orakelt, Stimulationspakte entschieden über die Form der Aufschwungkurve: V, W oder U? Ilsole24ore sagt für dieses Jahr Low-Cost-Weihnachten voraus. Fundstück: Stress macht Frauen keine grauen Haare.

Abgesang für GMs frischgebackenen Ex-Chef Henderson

Der Abgang von General Motors-CEO Frederick “Fritz” Henderson signalisiere eine neue Phase in der Rolle, die die US-Regierung in der amerikanischen Wirtschaft spielt, konstatiert das Wall Street Journal . Mit Regierungsentsandten vollgestopfte Vorstände hätten in den vergangenen zwei Monaten gleich zu drei Abgängen geführt, so die Zeitung: Mr. Henderson, Kenneth D. Lewis von der Bank of America Corp. and Alvaro de Molina von GMAC Financial Services. Das Blatt fragt: “Welchen Interessen dienen diese Vorstände?” und antwortet: “Jeder der abgehenden CEOs war mit Vorständen aneinandergeraten, die ernannt worden waren, um die erheblichen Anteile der Regierung an den Unternehmen zu repräsentieren. Das WSJ beruft sich auf Corporate Governance-Spezialisten die feststellen, die Vorstände würden die Arbeit der Regierung tun, ohne hierzu beauftragt worden zu sein. “Wir haben diese Unternehmen effektiv verstaatlicht”, zitiert die US-Zeitung John Olson, Senior Partner von Gibson Dunn & Crutcher aus Washington, die verschiedene Unternehmensvorstände berät. Die Interessen der privaten Investoren an den von ihnen gehaltenen Unternehmen sieht Olson auf den Rücksitz verwiesen.

Der nur acht Monate amtierende GM-Chef Fritz Henderson habe GM zwar erfolgreich durch Insolvenz und Sanierung gesteuert, befindet die Financial Times Deutschland . Aber dass er auf einem Schleudersitz gesessen habe, sei ja auch klar gewesen – zu sehr war der Sohn eines GM-Verkaufsmanagers doch Teil des “alten” GM-Konzerns, so das Blatt. Außerdem könne von echten Erfolgen trotz der geglückten Sanierung keine Rede sein. Den Weg auf den Chefsessel habe Henderson die erfolgreiche Sanierung von GM Europa geebnet, hält das Blatt fest. Klar sei aber damals auch schon gewesen, dass Henderson als Finanzchef die Milliardenverluste mitzuverantworten gehabt habe, so die FTD.

Die britische Financial Times sorgt sich, für GM werde es nun schwierig, einen geeigneten Nachfolger für Henderson zu finden. Zu zeitlupenhaft und nach innen gewandt habe sich GMs Unternehmenskultur gezeigt. “Das wird es nicht leicht machen, einen Ersatz zu finden”, orakelt das Blatt. Und verweist auf den Konkurrenten Ford als Modell. Der Autobauer habe es 2006 geschafft, Alan Mulally von Boeing zu holen, obwohl der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Bill Ford damals im Amt blieb. “Offenbar korrekt ging Mr. Mulally davon aus, dass Mr. Ford ihm Handlungsfreiheit gewähren werde”, hält die Zeitung fest.
Verwaltungsratschef Ed Whitacre, mit dem Henderson stets im Clinch lag, übernimmt nun selbst vorläufig Hendersons Posten.

Das japanische Gespenst ist wieder da

Der britische Economist zeigt Mitgefühl mit Japans Zentralbank, der Bank of Japan. Die müsse sich zur Zeit ja fühlen, wie bei einem üblen Déja vue, vermutet die Zeitung. Ist doch – drei Jahre, nachdem die Zentralbank dachte, sie habe sie beendet – die Deflation zurückgekehrt. Um sie zu bekämpfen, müsse die Bank nun ein Instrument auferstehen lassen, das sie längst begraben hatte: die Ausweitung der Geldmenge. Und das mit dem heißen Atem der Regierung im Nacken. Wohl deswegen sei auch der Versuch, die japanische Wirtschaft mit Geld zu fluten nach Einschätzung von Analysten nur halbherzig ausgefallen, vermutet das Blatt. “Was die Bank tat, war besser als nichts, aber es ging nicht so weit wie viele gehofft hatten – nicht so weit, wie es Japan braucht”, so das Magazin. Die Regierung habe immerhin ihre Entschlossenheit gezeigt, sich gegen die neuerliche Deflation zu stemmen und die Wirtschaft wiederzubeleben, zitiert das Blatt Premierminister Yukio Hatoyama, der sich gerade mit Zentralbankchef Masaaki Shirakawa getroffen hatte. Auch wenn der Yen nun weiter steige, sei das Signal klar. Und Regierung und BoJ möglicherweise ja beim nächsten Eingriff bereit zu einer konzertierteren Aktion, hofft das Blatt.

Einigung über spanische Sparkassen-Fusion in letzter Minute

In sprichwörtlich letzter Minute habe sich die Unicaja mit der Cajasur verbindlich auf konkrete Schritte für die angestrebte Fusion geeinigt, berichtet die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días . Damit sei verhindert worden, dass die spanische Zentralbank in die Geschäfte der angeschlagenen Sparkasse Cajasur eingreife. Beiden Sparkassen stehe noch die Absegnung der Fusionspläne durch die Aufsichtsräte bevor. Auch in der Politik werde über die Zukunft von Kreissparkassen diskutiert. Neben der spanischen Wirtschaftsministerin Elena Salgado habe sich nun auch der Verantwortliche für Wirtschaft im Kabinett von Castilla y Leon, Tomas Villanueva, für eine “Entpolitisierung” der spanischen Sparkassen ausgesprochen. Den Bürgen müsse klargemacht werden, dass Vertreter der Politik in den Aufsichtsräten von Sparkassen eine Bereicherung bedeuteten und keinesfalls die Unabhängigkeit der Geschäfte gefährdeten, zitiert ihn die Zeitung.

Das Dilemma mit den Stimulationspakten

Regierungen und Notenbanken befinden sich in einer Zwickmühle, meint die Business Times aus Singapur. Sollen sie ihre Wirtschafts-Stimulationsprogramme jetzt beenden und damit die Behinderung des Aufschwungs riskieren? Oder sollen weiterhin Gelder zugeschossen werden – auf die Gefahr, dass diese Mittel in die falsche Hände geraten? Der Internationale Währungsfonds warne vor einem zu frühen Ende der Stimulationspakete, da dies am Ende teurer werden könne, als weiterhin finanzielle Unterstützung zu leisten. Die Europäische Zentralbank hingegen plädiere für ambitionierte und realistische Ausstiegs-Strategien. Denn das bislang zur Verfügung gestellte Geld fließe oft anscheinend über Banken wieder in riskante Anlagegeschäfte, was zu erneuten Spekulationsblasen führen könne. Außerdem häuften sich die Zweifel an der Effektivität der Stimulationspakete – vor allem in den USA. Denn beispielsweise die Anzahl der Arbeitslosen in Amerika sei so hoch wie nie. Wie mit den Stimulationspakten weiter verfahren werden soll, sei nun ein “heikler Balanceakt” und entscheide darüber, wie der Aufschwung verlaufen werde – V-, U-, oder W-förmig.

Low-Cost Weihnachten in Italien

Die italienischen Verbraucher werden auch 2010 gezwungen sein, sparsam zu sein, prognostiziert ilsole24ore
. Die Angst um den Arbeitsplatz werde weiterhin die Anschaffung größerer Konsumgüter aufschieben. Aber eine kleine Besserung zeichne sich demnächst ab: Die durchschnittlichen Ausgaben für Weihnachten 2009 werden auf 209 Euro steigen – im Vergleich zu 190 Euro im Vorjahr. Dennoch seien diese Summe immer noch weit entfernt von den 490 Euro, die jeder Italiener durchschnittlich im Jahr 2007 für Weihnachten ausgab. Auf dem Gabentisch 2009 würden sich Bekleidung, Schmuck, Eintrittskarten für Konzerte und Sportereignisse finden.

Russischer Staat wird zum Investmentfonds

Vedomosti sieht den russischen Staat momentan als praktisch einzigen Investor in der russischen Wirtschaft. Unter diesen Umständen könne nur er “als Defibrillator fungieren” und die Wirtschaft wiederbeleben. “Die russische Regierung verhalte sich wie ein Investmentfonds und kann nur erfolgreich sein, wenn sie sich an die gleichen Regeln wie ein professioneller Anleger hält”, analysiert das Blatt. Die Erfahrung der erfolgreichsten Fonds zeige, dass es möglich sei, langfristig ein 20-prozentige Preissteigerung der Aktiva zu erzielen. Der Schlüssel dazu sei die richtige Auswahl der Investitionsprojekte. “Der Investmentfonds Russland” solle sich auf die jetzt schon konkurrenzfähigen Felder Kommunikation, Atomtechnologie, Raumfahrt, Medizintechnik und Energiewirtschaft, sowie auf Infrastrukturprojekte setzen.

Fundstück: Stress macht Frauen keine grauen Haare

Über eine ermutigende Erkenntnis des Konsumgüterriesen Unilever berichtet der österreichische Standard : Es ist nicht der Stress, der Frauen graue Haare beschert. Das hatten die Firmen-Wissenschaftler an 200 ein- und zweieiigen dänische Zwillingsschwestern im Alter von 59 bis 81 Jahren studiert. Die hatte nämlich ergeben, dass sich bei eineiigen Zwillingen – mit identischem Erbgut – kaum Unterschiede zeigen. Bei zweieiigen Zwillingen dagegen, waren nicht nur die Gene, sondern auch der Grad der Ergrauung unterschiedlich stark, so die Zeitung. Allerdings gibt es Ausnahmen, zitiert das Blatt eine Wissenschaftlerin. Welche das sind, wird allerdings vornehm verschwiegen.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev, Mingli Lauscher, Fridolin Pöschl

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