Die internationale Wirtschaftspresse benennt mögliche Ergebnisse und wirtschaftliche Konsequenzen aus der Klimakonferenz in Kopenhagen. Laut New York Times könnte Apple bald Lala übernehmen. La Tribune läutet die Hochzeitsglocken für PSA und Mitsubishi. Der BusinessSpectator mahnt Amerika, von Europa zu lernen. Fundstück: Klopapier-Krise in Westminster.
Keinen vollständigen Vertragsabschluss erwartet die Financial Times von der Klimakonferenz in Kopenhagen, wohl aber die Schaffung der Grundlagen für einen bindenden Vertrag im nächsten Jahr: „Der Gipfel muss den Geist des echten Fortschritts atmen – fern von Kuhhandel und politischem Unsinn – und nicht nur Politiker, sondern Milliarden Menschen weltweit davon überzeugen, dass es lohnt, gemeinsam gegen die Erderwärmung zu kämpfen.“ Um diesen Geist zu erzeugen, müsse Kopenhagen in verschiedenen Fragen vorwärts kommen: bei Emissionsreduktionszielen für entwickelte und sich entwickelnde Staaten, bei der Finanzierung, bei Vereinbarungen zum Technologietransfer und bei Behördenstrukturen zur Sicherstellung der Ziele. „Es würde Sinn machen, die erfolgreichen Ergebnisse aus Kyoto in eine neue Vereinbarung zu destillieren, natürlich vorsichtig umbenannt, für die USA.“ Die negativen und sekptischen Kräfte, seien sie von Selbstinteresse oder Naivität getrieben, dürften nicht die Oberhand gewinnen, wenn wirklich die Gefahr für die Zukunft der Erde abgewendet werden solle, ohne das künftige Wirtschaftswachstum zu opfern.
Die Financial Times Deutschland glaubt nicht, das es deutlich weiter reichende Zusagen zu Emissionsreduktionen bei diesem Gipfel geben wird. Worum es nun vor allem gehe, sei Geld: „Wie viel ist den Industrieländern ein künftiger Deal wert?“ Effektiver Klimaschutz koste – schätzungsweise etwa ein Prozent des weltweiten BIPs: „Das klingt nach viel, wäre aber machbar. Die Rettung der Banken hat rund fünf Prozent gekostet.“ So sei das Problem vor allem ein politisches. Um sich auf die Verteilung der Kosten zu einigen, brauche es ein Mammuttreffen mit über 100 Regierungs- und Staatschefs. „Die Industrieländer werden tief in die Tasche greifen müssen. Denn die Schwellen- und Entwicklungsländer tragen historisch keine Schuld an der Erderwärmung und werden am stärksten unter ihr leiden.“
„Kopenhagen wird gut sein für die Wirtschaft“, gibt sich BusinessWeek überzeugt. Der zur Konferenz ausgerichtete „Bright Green“-Technologiebasar stelle mehr als 160 Firmen vor, die sich mit Solarenergie, grünen Gebäuden u. ä. befassen. „Saubere Energie könnte die größte Chance im Wirtschaftssektor in diesem Jahrhundert sein“, zitiert das Blatt den Leiter der US-Delegation. Insbesondere zwei Ergebnisse der Klimakonferenz könnten dem Wirtschaftszweig zu einem Boom verhelfen: Zum einen müsse der Gipfel dazu ermuntern, den Emissionshandel auszubauen. „Das würde die Kosten für Umweltverschmutzung hochtreiben und somit Energieffizienz und erneuerbare Energien fördern.“ Zum anderen müssten die Industrieländer beschließen, Geldtransfers in Entwicklungs- und Schwellenländer zu lenken, um ihnen zu mehr Effizienz in der Wirtschaft zu verhelfen: „Das würde auch den weltweiten Wettbewerb fördern.“
Die spanische Industrie steht den Zielen der Klimakonferenz skeptisch gegenüber, resümiert Expansión. Obwohl die spanische Regierung – wohl auch wegen ihrer Ratspräsidentschaft ab Januar 2010 – die Anstrengungen der Europäischen Union voll unterstütze, herrsche unter den spanischen Unternehmen höchstens gedämpfter Optimismus. Insbesondere große Unternehmen, die von zentraler Bedeutung bei der Reduzierung von CO2 und weiteren Treibhausgasen seien, hielten sich zurück. So poche die ab 2012 am Emissionshandel beteiligte spanische Fluggesellschaft Iberia auf ein global gültiges Abkommen, weil sie Wettbewerbsnachteile fürchte. Unterstützung komme dagegen von Santander: Auch in Zukunft wolle die Bank Projekte im Wachstumssektor Erneuerbare Energien finanzieren.
Selbst beim Klima gehe es in erster Linie ums Geld, konstatiert der Financial Express aus Indien. So hingen Klimaschutzvereinbarungen u. a. davon ab, dass gemeinschaftliche Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden. Empfehlenswert sei da ein Finanzierungsmix, der politisches Engagement, öffentliche Finanzierung und privates Investment vereine – und für alle Vorteile bringe. Multilaterale Arrangements seien wichtig, um nicht nur einigen wenigen Ländern den Zugang zu sauberen Technologien zu ermöglichen. Die Entwicklungsländer sorgten sich außerdem, dass ihnen Hilfen für den Klimaschutz nur im Austausch für Hilfsgelder für Bildung oder Gesundheit bewilligt würden. In der Vergangenheit habe es viel Misstrauen zwischen den reichen und den armen Ländern gegeben. So könne eine Lösung eine übergeordnetes Gremium sein, das reichen wie armen Ländern gleiches Stimmrecht einräume bei der Regelung der Klimaschutzfinanzierung.
Singt Apple bald Lala?
Die New York Times spekuliert über eine mögliche Übernahme des Musikportals Lala durch Apple. „Bei dem vier Jahre alten, kalifornischen Start-Up können Nutzer ihre Musikbibliothek anlegen, ohne diese herunterladen und archivieren zu müssen. Und Apple sucht derzeit nach Alternativen für Apple-Musikfans.“ Tatsächlich stelle sich heute die Frage, warum man Musik überhaupt noch herunterladen müsse. Insider behaupteten, dass Lala auf Apple zugegangen sei, weil das Geschäft noch immer nicht profitabel sei. „Letztes Jahr kam Lala mit dem Angebot, für 79 Cent Musik zu kaufen, für 89 Cent herunterzuladen oder 10 Cent zu zahlen, um den Song unbegrenzt oft im Internet zu hören.“ Das sei für viele Nutzer zu kompliziert gewesen, und so habe Warner Music, einer von Lalas Investoren, elf von 20 Millionen Dollar an Investitionen abschreiben müssen. Möglicherweise werde Apple nur die cleveren Ingenieure und das Konzept von Lala übernehmen. „Ein Grund, warum das Konzept bislang nicht erfolgreich war, könnte darin liegen, dass die Nutzer ihre Bibliothek nicht einem Start-Up anvertrauen wollen. Mit Apple würde sich das natürlich ändern.“
PSA und Mitsubishi wären ein schönes Paar
Einer möglichen Ehe zwischen PSA und Mitsubishi vermag La Tribune viel Positives abzugewinnen. Zwar seien die Japaner angeschlagen, ihr Umsatz habe sich halbiert, ihre Allrad-Modelle seien in Zeiten der Klimaerwärmung out und schließlich habe sich einst auch Daimler-Chrysler von ihnen getrennt. Aber Mitsubishi verfüge über Ressourcen, habe sich selbst ein Liftung verpasst, einen Vorsprung bei elektrisch betriebenen Autos erarbeitet und: „Hinter Mitsubishi steht eine reiche Familie.“ Diese habe schon einmal in Notzeiten, im Jahr 2005, ausgeholfen, das Schwesterunternehmen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) sei zu Hilfe geeilt. MHI sei gerade dabei, die Beziehungen zu einem anderen französischen Unternehmen zu intensivieren: Areva, Weltchampion im Nuklearbereich. „Wenn PSA mit Mitsubishi zusammengeht, würde das MHI erlauben, sein Engagement bei den japanischen Autobauern aufzugeben und sich mit Areva an einen Tisch zu setzen.“
Amerika kann von Europa lernen
Der australische BusinessSpectator gratuliert der Europäischen Zentralbank zu ihrer Entscheidung, ihre Liquiditätshilfen zurückzufahren und mahnt die USA, sich ein Beispiel daran zu nehmen. Die EZB werde im Dezember den Banken zum letzten Mal Geld für ein Jahr in unbegrenzter Höhe bereitstellen, der Zins werde dabei nicht mehr fest 1,0 Prozent betragen, sondern sich am Durchschnitt ihres jährlichen Zinssatzes orientieren. „Die Banken müssen also damit rechnen, dass die Kredite teurer werden. Damit beginnt die EZB, die Banken langsam zu entwöhnen und verschafft sich selbst mehr Flexibilität.“ Es bereite große Sorge, dass die US-Notenbank ihre Politik dagegen nur an nationalen Bedingungen fest mache. „Es interessiert die Amerikaner nicht, was ihre Finanzinstitutionen anrichten können mit dem nahezu kostenlosen Zugang zu Krediten und Steuergeldern. Das erhöht die Gefahr einer neuen Bankenkrise im noch immer angeschlagenen, globalen Finanzsystem.“ Die USA sollten es den Europäern nachmachen und den Märkten wenigstens signalisieren, dass die Hilfsmaßnahmen nur begrenzt gezahlt werden könnten – und sie in naher Zukunft ohne diese auskommen müssten.
Fundstück: Klopapier-Krise in Westminster
„Kein Toilettenpapier mehr in Westminister“, berichtet amüsiert Forbes. In den ehrwürdigen Räumen des britischen Parlaments seien kürzlich die papiernen Rollen ausgegangen – und hätten eine „Klopapier-Krise“ unter den schätzungsweise 13.000 Angestellten und Besuchern pro Tag ausgelöst. Die Ursache: Habe bislang ein Inspektor für die Bestückung gesorgt, sei diese nun an eine Privatfirma ausgegliedert worden. Ziel sei gewesen, Kosten zu sparen. Offenbar ahme diese Firma mit dem viel sagenden Kürzel KGB die Großindustrie nach und liefere „just in time“ – habe aber dieses eine Mal versagt. Kosten würden ohnehin nicht gespart, denn man habe eine neue Ebene an Verwaltungsangestellten aufbauen müssen, die die Einhaltung der Verträge mit Privatfirmen kontrollieren. „Dieses einst mächtige Parlament, das vor weniger als einem Jahrhundert ein Empire gemanagt hat, schafft es heute nicht mal mehr, seine Toiletten adäquat mit Toilettenpapier zu bestücken“, zieht das Magazin ein symbolisches Fazit.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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