Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den Einstieg des deutschen Autobauers Volkswagen bei Suzuki. Die Börsen-Zeitung zeigt kein Mitleid mit Griechenland, nachdem die Ratingagentur Fitch das Land herabgestuft hat. Das Wall Street Journal denkt darüber nach, ob sich mit der Fahndung bei LBBW wirklich Beweise für die Unverantwortlichkeit der Banker finden lassen. Fundstück: Positives Verkehrschaos.
Der deutsche Autobauer Volkswagen beteiligt sich mit knapp 20 Prozent bei Suzuki. Die Financial Times Deutschland hält den Einstieg grundsätzlich für genau das Richtige. Der Haken: „Mit 20 Prozent lässt sich nur wenig ausrichten“, wendet das Blatt ein. Kooperationen ohne vollen Durchgriff auf den Partner seien wesentlich schwerer zu managen als Mehrheitsbeteiligungen. Sie binden mehr Ressourcen, und es dauere länger, bis sich Erfolge zeigten. „Nicht umsonst wurden in der Autoindustrie schon viele Minderheitsbeteiligungen wegen Erfolglosigkeit wieder gelöst“, hält die FTD fest.
Die Neue Zürcher Zeitung interessiert sich mehr für die kleineren Branchengeschwister: PSA Peugeot habe nun rascher als erwartet erklärt, mit einem Anteil von 30 bis 50 Prozent bei dem japanischen Autobauer Mitsubishi einsteigen zu wollen. Von diesem Deal erhofften sich die Franzosen nicht den Sprung nach Asien, wo Mitsubishi nur 37 Prozent seiner Autos absetze, sondern in die USA, beobachtet das Blatt. Und hebt die gemeinsamen Vertriebsnetze und sich ergänzenden Produktpaletten hervor. Indes: Der Weltmarkt verlange nach größeren Produktionseinheiten, zitiert die NZZ Helmut Becker, Leiter des Münchner Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Auch Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Universität Duisburg-Essen halte eine bloße Kooperation für sinnvoller, weil sich die Produktionskapazitäten an den falschen Stellen befänden: nicht auf den Wachstumsmärkten. Letztlich ist auch die Zeitung skeptisch, dass der Einstieg der Franzosen den Abstieg Mitsubishis und auch des eigenen Unternehmens aufhalten könne.
Aus Sicht der britischen Financial Times fordert VW nun mit der Beteiligung an Suzuki Toyota an der Spitze der Welt Auto-Liga heraus – habe nicht stets VW-Chef Ferdinand Piëch erklärt, bei den konzerneigenen Marken das magische Dutzend voll machen zu wollen? Die FT zitiert Autoindustrieanalyst Sanford Bernstein von Max Warburton, der die Logik hinter dem Deal als zwingend bezeichne. „Eine Kombination mit Suzuki würde VW wahrscheinlich mit einem noch besseren Wert ausstatten, als der Porsche Deal“, zitiert das Blatt den Analysten. Der Deal mit dem japanischen Unternehmen werde jedenfalls VWs Achillesferse stärken, ist die FT überzeugt. Trotz ihrer Erfolge seien nämlich die Modelle im traditionell wichtigen Kleinwagensegment mittelmäßig – und ziemlich teuer, so das Blatt.
Kein Mitleid mit Griechenland
Die Börsen-Zeitung zeigt kein Mitleid mit Griechenland, nachdem die Ratingagentur Fitch das Land am Dienstag auf BBB+ herabgestuft hat. Nicht nur habe sich das Land mit getürkten Statistiken in die Währungsunion geschummelt, auch nach dem Beitritt im Jahre 2001 habe der „haushaltpolitische Schlendrian“ regiert. „Selbst in wirtschaftlichen guten Jahren war von Konsolidierungsbemühungen nichts zu sehen. Anstatt sich nach dem Beitritt zu der als Stabilitätsgemeinschaft konzipierten Währungsunion zusammenzureißen, wurden die günstigeren Refinanzierungsbedingungen des Euroraums schamlos ausgenutzt, um weiter auf Pump zu wirtschaften.“ Eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands würde gleichwohl ein politisches Erdbeben in ganz Europa auslösen und sei allein daher schon nicht denkbar. Im Zweifel sei daher mit bilateralen Hilfen der großen Länder zu rechen.
LBBW: Schwierige Suche nach Beweisen
Das Wall Street Journal nimmt die Fahndung bei der LBBW zum Anlass zu fragen, ob das Management verantwortlich gemacht werden könne für falsche Investmententscheidungen. Und beantwortet die Frage mit nein. „Die Untersuchungen gehen einher mit einem zunehmend beliebten Backlash in Deutschland gegen Banken für die riesigen Investitionsausfälle, die Steuerzahler nun zu schultern gezwungen sind“, beobachtet das Blatt. Es werde sicher schwierig nachzuweisen, dass die Verantwortlichen wussten, wie krank die getätigten Investments zum Zeitpunkt der Investition waren. Auch wenn die Bafin im Fall der SachsenLB vor den faulen Immobilienkreditderivaten gewarnt habe. Schließlich seien die fraglichen Immobilienderivate erst Anfang 2007 unter ernsthaften Druck geraten, zitiert das Blatt Hans Peter Burghoff, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim in Stuttgart.
Ferrovial nach Fusion gestärkt
Gestärkt gehe das spanische Unternehmen Ferrovial aus der Fusion mit der bisherigen Tochtergesellschaft Cintra hervor, beobachtet die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Dieser Zusammenschluss sei mehr als nur die Summe der beiden Unternehmen. Vielmehr passe sich Ferrovial mit der Integration von Cintra an die wirtschaftliche und finanzielle Marktumgebung an und stärke die eigene Verhandlungsposition gegenüber Kreditgebern und Zulieferern. Ausgeglichener komme Ferrovial daher und avanciere gleichzeitig zu einem der Global Player auf dem Markt der auf Verkehrsinfrastruktur spezialisierten Bauunternehmer. Zusätzlich könne Ferrovial seine Dienstleistungen flexibler und diversifizierter anbieten und habe im Übrigen auch bei der Auswahl der Führungspersonalien ein geschicktes Händchen bewiesen, lobt die Zeitung.
Bei der Luftfahrtindustrie geht es aufwärts
Die Business Times aus Singapur erkennt bei der Luftfahrtindustrie einen leichten Aufschwung, da die Betriebszahlen sukzessive angestiegen seien in den vergangenen Monaten. Zwar liege man im Fracht- und im Passagierbereich noch 15 bis 20 Prozent hinter den absoluten Spitzenzahlen von vor zwei Jahren zurück. Doch die Branche könne bereits 2010 wieder in ausgeglichenen Fahrwassern schwimmen. Kaum eine andere Branche sei so anfällig dafür, von einer Krise zur nächsten zu schlingern, wie die Luftfahrtindustrie. Aber immerhin, so das Blatt, sei sie auch der „Lebensnerv des weltweiten Transports, der Kommunikation und des Handels“. Doch sie sei auch überreguliert und stoße stetig auf neue Hürden. Die Regeln würden hauptsächlich in Europa und Amerika gemacht, obwohl Asien den am schnellsten wachsenden Luftfahrt-Markt habe, mit den profitabelsten Airlines. Asiatische Fluglinien fühlten sich bevormundet und müssten sich gemeinsam mehr Gehör verschaffen, um ihren Status zu ändern.
Zinsen müssen wieder steigen
Italiens Zentralbankchef Mario Draghi befürchte, dass von den Banken, die „too big to fail“ seien, das große Problem für die Zukunft ausgehe, berichtet ilsole24ore. Die Ausgangsposition der Banken werde schwieriger, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie noch mehr beschränken werde als vor der Krise, zitiert das Blatt den Banker und Chef des Financial Stability Board (FSB). Die größte finanzielle Sorge für die Zukunft bereite das enorme Volumen der Unternehmens- und Staatsanleihen, die in den nächsten fünf Jahren fällig werden. Eine Rettung sieht Draghi nur in der Erholung der Zinssätze, wenn diese nach oben angepasst würden.
Fundstück: Positives Verkehrschaos
Auf rund 900 Kilometer Länge hat sich der Verkehrsstau in Moskau summiert, nachdem es gestern zum ersten Mal im Jahr richtig geschneit hat. Die Wirtschaftszeitung Vedomosti versucht, dem Chaos positive Seiten abzugewinnen. Erstens zeuge der Riesenstau von gestiegenem Wohlstand. „Noch keine 20 Jahre zurück hätten wir alle auf irgendwelchen Haltestellen gefroren und den liegen gebliebenen Bus verdammt. Heute fluchen wir in beheizten Innenräumen, und das Autoradio erlaubt es sogar, den Tag mit etwas Kultur zu ergänzen“, schreibt das Blatt. Zweitens könnten die Moskowiter ihre etwas eingerosteten Fahrkünste auf die Probe stellen und nachbessern. Und Drittens sei es eine perfekte Gelegenheit für die Autofahrer, das Leben der „Normalrussen“ kennen zu lernen. „Steigen Sie doch zur Hauptverkehrszeit in die Metro, versuchen Sie, sich an der Rolltreppe vorzudrängeln, lassen Sie sich im stickigen U-Bahnwaggon ordentlich durchschütteln und überzeugen Sie sich davon, dass Werbung noch dümmer sein kann als im Fernsehen“, empfiehlt das Blatt schmunzelnd. „Es gibt schließlich Schlimmeres als einen Stau“.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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