Die internationale Wirtschaftspresse übt Druck auf die Teilnehmer des Klimagipfels in Kopenhagen aus. Der Economist sieht den Status von London als europäische Finanzmetropole gefährdet. Die Financial Times Deutschland hinterfragt die optimistische Prognose des US-Solarkonzerns First Solar. Fundstück: Enron-Pleite am Broadway.
„Wir hoffen, dass Präsident Obama und die anderen Staatschefs erkennen, wie viel auf dem Spiel steht, und dass sie in letzter Minute den Durchbruch erzielen“, schreibt die New York Times . Immerhin habe sich bisher abgezeichnet, dass es eine vorsichtige Einigung gibt: Die reichen Länder bezahlten die ärmeren Staaten dafür, dass diese die Regenwälder der Welt retten. „Das wäre ein guter Deal, sowohl für die reichen als auch die armen Länder und noch besser für den Planeten“, applaudiert das Blatt. Auf dieser Grundlage müssten die verhandelnden Parteien zumindest einen vorläufigen politischen Konsens erzielen, der wiederum die Voraussetzungen für ein detailliertes, umfassendes und rechtlich bindendes Agreement im kommenden Jahr schafft.
Die Wirtschaftswoche meint, dass der sich in Kopenhagen abzeichnende Kampf Reich gegen Arm nicht neu sei. „Neu ist allenfalls die Tonlage der Debatten. Den Afrikanern reicht es längst nicht mehr, nur am Tisch der Europäer Platz zu nehmen. China und Indien wollen ihren wachsenden Wohlstand nicht durch CO2-Ziele bremsen. Aber die Amerikaner sind auch nicht bereit, mit leuchtendem Beispiel voran zu gehen.“ Die „Chaos-Truppe an den Verhandlungstischen“ sei nicht viel besser als die Krawallmacher vor den Türen der Konferenz. Wenn jeder nur aufs Ganze gehe, komme hinterher kein vernünftiger Kompromiss heraus, moniertdas Blatt. „Das schadet dem Klima – auch dem der internationalen Diplomatie. So scheitert die Rettung der Welt zuletzt an ihren Rettern.“
Die Börsen-Zeitung zeigt sich überrascht, dass sich Industrie- und Entwicklungsländer auch nach wochenlangen Gesprächen auf Ministerebene derart unversöhnlich in Kopenhagen gegenüber stünden. „Offenbar haben es die zahllosen Politikberater und Spin-Doctors, die das Treffen seit Monaten weltweit vorbereiten, nicht geschafft, die Wogen so weit zu glätten, dass am Ende mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung herauskommt.“ Im Grunde seien sich ja alle einig, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden sollten – strittig sei nur, wer dafür aufkommen müsse.
London verliert an Boden
Der Economist sieht den Status von London als europäische Finanzmetropole gefährdet. Zwar hätte London vor der Kreditkrise gute Chancen gehabt, New York als weltweit wichtigste Finanzmetropole abzulösen. Doch wegen der Änderungen des politischen und Regulierungs-Klimas – insbesondere der erhöhte Spitzensteuersatz sowie die verschärften Steuerregeln für „non-domiciled residents“ – sei Londons Position gefährdet. Eine Meinungsumfrage der Rechtfirma Eversheds habe ergeben, dass Schanghai die britische Metropole in den kommenden zehn Jahren überholen könnte. „Asien wird als Finanzzentrum wichtiger werden, wegen der wirtschaftlichen Macht sowie der Rolle als Quelle von weltweit Erspartem. Viel von diesem Geld fließt an andere Schwellenländer und muss daher nicht durch London oder New York. Es gibt keine großen Stadt in Asien, die nicht zumindest ein bisschen Hoffnung hat, zu einem Finanz-Hub zu werden.“
Fusions-Poker in den letzten Zügen
Die spanische Wirtschaftszeitung El Economista sieht den seit Monaten andauernden Fusions-Poker zwischen den spanischen Fernsehsendern in den letzten Zügen. Nach Verhandlungen in alle Richtungen sei die Fusion von Antena 3 mit La Sexta und Telecinco mit Cuatro mehr als wahrscheinlich. Die verschiedenen Ideologien der Sender habe man zugunsten vorteilhafter Geschäftsaussichten vorerst auf Eis gelegt. Obwohl viele Medien bereits sicher mit den beiden Fusionen rechneten und detaillierte Analysen böten, stehe der verbindliche Händedruck insbesondere zwischen Antena 3 und La Sexta noch aus, kritisiert die Zeitung allzu eifrige Kollegen. Ungeachtet dessen habe die Börse auf die Nachrichten über mögliche Fusionen positiv reagiert und die Aktienkurse der beteiligten Sender mit einem Kursanstieg von 4,5 Prozent (Antena 3) und 2,7 Prozent (Telecinco) belohnt.
Trügerischer Solar-Boom
Die Financial Times Deutschland hinterfragt die optimistische Prognose des US-Solarkonzerns First Solar, der mehr Umsatz und Gewinn als bisher von Experten geschätzt erwarte. Die dadurch genährte Zuversicht könnte sich jedoch als trügerisch erweisen – besonders für die deutsche Konkurrenz. Hierzulande werde die Nachfrage nachlassen, sobald die Förderung für die Einspeisung von Solarstrom tatsächlich sinke, weshalb die deutschen Hersteller den Boom nutzen sollten, solange er anhalte, um sich auf die nächste Runde vorzubereiten. Die werde in den USA und Asien spielen.
Fundstück: Enron-Pleite am Broadway
Während sich die Franzosen in diesem Herbst im Theater von Nizza die Bühnenfassung von Jérôme Kerviels Megaspekulation bei der Société Générale angeschaut haben, warten die New Yorker darauf, dass der Enron-Skandal am Broadway aufgeführt wird. Im Frühjahr soll die Produktion, die aktuell einem kleinen Londoner Theater viel Geld in die Kassen spült, in den USA starten. Das Theaterstück zeigt laut Fortune den Aufstieg und Fall des Energieriesen, der nach Bilanzfälschungen und gescheiterten Übernahmen 2001 pleite ging, und setze dabei sogar Gesangs- und Tanzeinlagen ein – der Dramatiker wolle “das Show-Business des Business” zeigen. Selbst notorische Nicht-Theatergänger könnten bald noch einmal in den schalen Enron-Genuss kommen: Im September hat sich Columbia Pictures die Film-Rechte am Stück gesichert.
Mitarbeit: Florian Käfer
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