Schwellenländer diktieren nun Bedingungen

Die internationale Wirtschaftspresse zieht eine nüchterne Bilanz der Klimakonferenz in Kopenhagen – und sieht das wichtigste Ergebnis im Machtzuwachs Chinas. Die New York Times rät US-Präsident Obama zur Banker-Boni-Steuer. Challenges diagnostiziert Schizophrenie in der jüngsten Entscheidung zur EADS-Affäre. Fundstück: Santa Claus ruiniert seine Fans.

„Grenzen“ aufgezeigt zu haben – das sei das wesentliche Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen, stellt das Wall Street Journal enttäuscht fest: US-Präsident Barack Obama habe geglaubt, mit seiner persönlichen Intervention etwas bewegen zu können, doch die Konferenz habe offenbart, welche Grenzen dem Weißen Haus gesetzt seien. Es sei eine Grundlage herausgearbeitet worden für einen verbindlichen Vertrag, „doch diese Grundlage wurde schon so oft geschaffen.“ Kopenhagen sei letztlich von Anfang an eine „Totgeburt“ gewesen – weil Staaten wie China, Brasilien und Indien nicht gewillt seien, jegliche Verpflichtung zu akzeptieren, die ihr Wirtschaftswachstum behindert. Die Schwellenländer hätten sich clever gezeigt in ihrer Strategie, die Kohlendioxid-Schuld des Westens zu betonen, dafür erhielten sie nun Hilfen in Höhe von bis zu 100 Milliarden Dollar bis 2020. „Wir können es kaum erwarten, dass Obama den Amerikanern höhere Steuern ankündigt, damit die USA dafür zahlen kann, dass China mit seiner Energie effizienter umgeht und so wettbewerbsfähiger wird.“

Eine „von Uneinigkeit geprägte Einigung“ sieht die Financial Times in dem Papier, das von Obama in Abstimmung mit einigen Staaten in Kopenhagen vorgelegt wurde. Nicht nur hätten sich Staaten im Nachhinein beschwert und das Papier angegriffen. Es sei auch in seinen Ergebnissen weit von dem entfernt, was sich die Befürworter der Konferenz nach vielen Jahren der Verhandlungen erhofft hätten. „So mancher sieht in dem Treffen einen entscheidenden Moment einer neuen Weltordnung, in der mächtige Schwellenländer dem Rest der Welt ihre Bedingungen diktieren können.“ Sollte das tatsächlich so sein, wäre ernsthaft zu hinterfragen, ob die UN ein geeignetes Forum sei, um eine solide Verpflichtung aller Staaten zu Kohlendioxidreduzierungen zu erreichen, immerhin eines der hartnäckigsten Probleme in den Beziehungen der Staaten untereinander. Weil das Papier nicht von allen akzeptiert worden sei, sei die UN zu weiteren sechs Monaten harter und möglicherweise hoffnungsloser Verhandlungen verdammt, um Akzeptanz einzuholen – gefolgt von der fast unlösbaren Aufgabe, diese Akzeptanz in ein Abkommen zu münzen.

Aus Sicht der Financial Times Deutschland hat sich China bei der Klimakonferenz als entscheidender Spieler in der Weltpolitik etabliert. Gerade die Europäer hätten seit Längerem darauf gedrungen, dass China eine aktivere Rolle in der Welt spielt. „Das tut China nun seit einigen Jahren, etwa auch durch Entwicklungshilfe in Afrika. Dass der mit Geld verbundene Einfluss auf andere Länder jetzt auch bei internationalen Verhandlungen genutzt wird, sollte niemanden überraschen.“ Echte internationale Kontrolle akzeptiere China ebenso wenig wie Indien oder auch die USA. „ Kein Wunder also, dass China, die USA und Indien, die CO2-Emittenten Nummer eins, zwei und vier, das Ergebnis von Kopenhagen im Gegensatz zum Rest der Welt begrüßt haben.“ US-Präsident Obama werde nun von zwei Seiten kritisiert: Konservative meinten, er habe China nachgegeben und finanziere letztlich die wirtschaftliche Modernisierung des Hauptkonkurrenten. Umweltschutzorganisationen dagegen seien enttäuscht von dem Mann, der einen grundlegenden Wandel der Wirtschaftsweise in den USA versprochen hatte. „Chinas Macht dagegen wächst weiter. Gegen den größten CO2-Verschmutzer lässt sich keine Klimapolitik machen.“

Boni-Steuer für gierige US-Banker

Die New York Times liefert dem US-Präsidenten Argumente für die Einführung einer Steuer auf Banker-Boni. „Obama ist ehrlich verärgert über die Art und Weise, wie Amerikas große Banken Milliarden an Steuergeldern nutzen, um hohe Boni auszuzahlen, während die amerikanische Geschäftswelt nach Krediten hungert. Noch hätte er Zeit, eine Steuer auf unerwartete Gewinne durch den Congress zu bekommen.“ Großbritannien sei hier Vorbild, rund eine Milliarde Dollar erwarte das Land aus seiner Boni-Steuer. „Das ist nicht viel, aber die Finanzindustrie in den USA ist viel größer.“ Eine Steuer würde die Banken dazu bringen, die Boni zu kürzen und stattdessen ihr Eigenkapital aufzupolstern, das würde sie sicherer machen. Und die Drohungen von Bankern, man werde das Land verlassen, wenn Boni gekürzt würden, könne man getrost ignorieren: „Es macht wenig Sinn, nach Singapur auszuwandern, nur um eine Steuer zu vermeiden.“ London sei als Finanzzentrum out, Frankreich wolle dem Steuerbeispiel der Briten folgen, auch Deutschland und weitere Staaten könnten überzeugt werden, eine solche Steuer einzuführen. „Sie würde sicher nicht ausreichen, aber sie wäre ein Anfang.“

Schizophrene Entscheidung in der EADS-Affäre

Als überraschenden „Paukenschlag“ wertet Challenges die Entscheidung der Pariser Börsenaufsicht Autorité des marchés financiers (AMF), die 17 Beschuldigten in der EADS-Affäre „reinzuwaschen“. Die Begründung des Sanktionsausschusses der AMF, dass die Kenntnis der Verzögerungen beim A380 üblich sei für die Branche und somit kein Insiderwissen darstelle, lese sich fast Wort für Wort wie die Argumentation der Verteidigung. Doch schließlich habe die AMF nur die Wahl gehabt zwischen „Pest und Cholera“: „Entweder hätte die AMF alle freigesprochen gegen die Überzeugung der Öffentlichkeit, dass die Aktionäre gefehlt haben, oder aber sie hätte strikt ihr Urteil gefällt, im Bewusstsein, dass es vom Pariser Berufungsgericht kassiert wird.“ Dass die AMF sich aber hinstelle und sage, sie akzeptiere die Einschätzung ihrer eigenen Kommission, des Sanktionsausschusses, sei „schizophren“: „Anders gesagt: Wir haben die Entscheidung getroffen, aber wir haben sie nicht getroffen.“ In jedem Fall sei das aber ein Epilog zur EADS-Affäre, denn noch könnten die Kleinaktionäre vor Gericht gewinnen: „Es ist sicher Chamapgner geflossen bei den Aktionären von Lagardère und Daimler, aber es wird eine Fortsetzung geben.“

Strategiewechsel bei spanischer Prisa-Gruppe

Mit dem Verkauf ihres Fernsehsenders Cuatro an den bisherigen Rivalen Telecinco verabschiede sich die spanische Mediengruppe Prisa von ihrer bisherigen, auf den Multimediasektor ausgerichteten Geschäftsstrategie, kommentiert die Wirtschaftszeitung Expansión. Das komplizierte Geflecht von Anteilsveräußerungen und Kaufrechten lasse allerdings erahnen, dass der Fusion zwischen den Sendern Cuatro und Telecinco zur größten Fernsehgesellschaft Spaniens sorgfältige und durchdachte Geschäftsverhandlungen vorausgegangen seien. Immerhin beherberge die neue Fernsehgesellschaft acht TDT-Kanäle, kontrolliere einen Marktanteil am spanischen Fernsehgeschäft von 25 Prozent und erwirtschafte einem Umsatz von über einer Milliarde Euro, unterstreicht die Zeitung die Bedeutung des neuen Unternehmens.

Italiener bevorzugen internationale Arbeitgeber

Microsoft sei der beste Arbeitgeber in Italien, berichtet Ilsole24ore – und zitiert dabei aus der aktuellen Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen Great Place to Work. An zweiter Stelle folge Mars Italien und auf dem dritten Platz Cisco Systems. Insgesamt 35 Unternehmen schafften ein Umfeld für ihre Arbeitnehmer, in dem die Mitarbeiter stolz auf ihren Arbeitgeber sind und sich im Kollegenkreis wohl fühlen. Überrascht zeigte sich der Wirtschaftstitel von der überwältigenden Mehrheit multinationaler Niederlassungen in diesem Ranking. Erst auf Platz vier fände sich das erste italienische Unternehmen und nur noch eine weitere italienische Firma habe den Sprung in das Ranking der besten Arbeitgeber in Italien geschafft. In den Vorjahren hätten noch Ferrari (Sieger in 2007) und eine Supermarktkette zur Elite der Arbeitgeber gezählt.

Banken versüßen bittere Bonus-Steuerpillen

Nach dem weltweiten Sturm gegen die Boni-Exzesse der Banker veränderten zahlreiche Banken sukzessive ihre Entlohnungsstrukturen, regsitriert die Business Times aus Singapur. Um der Besteuerung oder Verzinsung der Boni zu umgehen, „polsterten“ internationale Bankhäuser die Grundgehälter ihrer Mitarbeiter auf, manchmal um 100 Prozent oder mehr. Die Citigroup habe bereits im Juni die Entlohung einiger Angestellter angepasst, die Credit Suisse habe im Oktober neue Entlohnungsstrukturen für leitende Angestellte angekündigt und bei vielen andere Banken würden Gehaltsanpassungen zu Beginn des kommenden Jahres erwartet. Das Gehalt leitender Banker aufzustocken – „in einer Zeit, in der die Wachhunde ihre Zähne in die tief verwurzelte und weit verästelte Bonuskultur schlagen“ – werde mehr und mehr zum Trend. Die neuen Strukturen, beteure die Credit Suisse, seien ausgerichtet an den Richtlinien für Entlohnungspraktiken, die beim G 20-Gipfel in Pittsburgh im September befürwortet wurden.

Fundstück: Santa Claus ruiniert seine Fans

Wie (unnötig) weit sich Political Correctness treiben lässt, stellt der Daily Telegraph angesichts eines Aufrufs konsterniert fest: Im British Medical Journal mahne ein australischer Gesundheitsexperte an, das Rollenmodel des Weihnachtsmannes radikal zu ändern. „Santa Claus ist übergewichtig, trinkt zu viel Brandy und klettert auf Dächern herum, ohne einen Helm zu tragen“, zitiert das Blatt den Experten. Er sei damit ein schlechtes Vorbild für die vielen jungen Menschen, an die er sich richte, wenn er nur 0,1 Prozent seiner Fans von seiner Lebensweise überzeuge, wären Millionen Menschenleben ruiniert. Auch sei zu bedenken, dass er „ein bedeutender Exportartikel“ des Westens für die Schwellenländer sei. „Doch beeindruckt der Weihnachtsmann nicht gerade durch seine Angwohnheiten? Immerhin wird er nicht müde, seinen Job zu erfüllen, trotz schockierender Arbeitsbedingungen.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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