Autobranche kämpft ums Überleben

Die internationale Wirtschaftspresse sieht die Autobranche in einer ernsten Lage und lobt die wenigen Gewinner der Krise. Die Börsen-Zeitung warnt vor einem möglichen finanziellen Kollaps Griechenlands im nächsten Jahr. Vedomosti sieht die Rohstoffabhängigkeit Russlands weiter wachsen. Fundstück: Tiger Woods’ Sexleben versorgt Anwälte.

Unter den Autobauern weltweit komme Volkswagen mit den besten Voraussetzungen aus der Krise, meint die Financial Times . Trotzdem sei das Unternehmen an der Börse stark unterbewertet. Ein großes Problem seien die schlechte Bilanz auf der Seite der Unternehmensführung und Befürchtungen, die beiden Familien hinter Porsche, denen auch VW-Vorstand Ferdinand Piëch angehört, könnten bei der Übernahme des Sportwagenbauer zu sehr bevorteilt werden. Dies belaste den Unternehmenswert jedoch ungerechtfertigt stark. „Volkswagen genießt einen Ruf für Qualität und Technologie, verfolgt eine erfolgreiche Mehrmarkenstrategie und ist wirklich stark in Entwicklungsändern wie China vertreten“, hält die Zeitung dagegen. Daher rät das Blatt den Investoren: „Einsteigen und anschnallen“.

In Zeiten wie diesen, meint die Economic Times aus Indien, sei es mehr als eine Herausforderung, wenn Unternehmen das ehrgeizige Ziel verfolgten, an der Spitze bleiben zu wollen. Dies sei das Ziel von Rolls-Royce im asiatisch-pazifischen Raum – und das, obwohl die Verkaufszahlen in diesem Jahr unter den Erwartungen geblieben seien. Der Autobauer sei optimistisch, 2010 mit dem neuen Modell „Ghost“, das erst im September auf der Frankfurter Automesse präsentiert wurde, Boden gut zu machen. Allein in Indien gebe es etwa 1000 Personen mit sehr großem Vermögen: Barvermögen oder Anlagewerte im Wert von jeweils mehr als 30 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Reichen steige auf dem Subkontinent schneller als anderswo. So werde Indien vermutlich auch der erste asiatische Markt sein, auf dem der Ghost zuerst zu haben sei; 25 Vorbestellungen aus Indien seien bereits eingelaufen, aber Rolls Royce sei „hungrig nach mehr“ in der asiatisch-pazifischen Region.

Die Financial Times Deutschland richtet einen skeptischen Blick auf die gesamte Autobranche. „Die Autobauer kämpfen nach wie vor ums Überleben – weltweit“, warnt das Blatt. Politische Krücken wie die Abwrackprämie oder die Kurzarbeit hätten die Öffentlichkeit nur vorübergehend getäuscht. Das wirkliche Problem sei nicht die Konjunktur sondern die Überkapazitäten, die in der Autoindustrie bei 30 Prozent der Produktion liege. „Ein solcher Überlebenskampf wird nur über Schrumpfen gewonnen, und das kostet Arbeitsplätze“,meint das Blatt. Besonders Opel dürfte nach Ansicht der Zeitung von einem Auftragsloch im nächsten Jahr betroffen sein. „Sollte sich nächstes Jahr herausstellen, dass der Mutterkonzern GM nur Bruchstücke seiner deutschen Tochter retten kann, muss Berlin eine Insolvenz akzeptieren“, lautet das Resümee.

Das Wall Street Journal berichtet von neuen Sorgen der amerikanischen Autofahrer und potenzieller Käufer infolge der Insolvenz und Abwicklung einiger Automarken. Fast ein Fünftel der Autokäufer habe sich aus Sorge um die Zukunft der jeweiligen Marke gegen einen Chrysler, Dodge, Pontiac oder Saturn entschieden. „Viele Käufer fürchten, dass es für ihre Autos keine Ersatzteile mehr gebe, wenn die Marke oder das ganze Unternehmen untergehen“, erklärt das Blatt. Ein anderes Problem sei der Wiederverkaufswert. Während ein Chevrolet nach einem Jahr noch 61 Prozent seines Wertes habe, komme ein vergleichbares Auto der untergehenden Marke Saturn von GM auf nur 52 Prozent.

Microsoft verliert gegen den „kleinen Mann“

„David schlägt Goliath, jedoch geht Goliath nicht zu Boden“, beschreibt
Daily Finance
eine gerichtliche Auseinandersetzung des Software-Riesen Microsoft mit der winzigen Softwareschmiede i4i, bei der das kleine Unternehmen 290 Millionen Dollar wegen der Verletzung von Patentrechten zugesprochen bekommen habe. Microsoft habe patentgeschützte Anwendungen von i4i in seinem Textprogramm Word benutzt. Das Gericht habe den Verkauf der betroffenen Versionen von Word untersagt. Einem Sprecher von Microsoft zufolge werde der Konzern jedoch seine Word-Software bis zum Anfang des Verkaufsverbots am 11. Januar nachbessern. „Das Urteil ist ein Sieg für den buchstäblichen kleinen Mann, allerdings wird es den Microsoft-Moloch nicht entgleisen lassen“, meint das Blatt.

Die Schlinge zieht sich zu

Die Börsen-Zeitung blickt düster auf die finanzielle Situation Griechenlands. „Die Schlinge um den hellenischen Hals zieht sich zu“, kommentiert das Blatt die Entscheidung der Ratingagentur Moody’s, Griechenlands Bonitätsnote zu senken. Allerdings bleibe das Moody’s-Rating im Gegensatz zu denen von Fitch und Standard & Poor’s noch im „A“-Bereich. „Die Grenze nach unten, die Moody’s noch nicht überschreiten will, ist brisant“, warnt das Blatt. Wenn alle drei großen Ratingagenturen das südosteuropäische Land mit der Note „B“ versehen hätten, würden griechische Staatsanleihen ab 2011 nicht mehr als Sicherheiten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) für Repo-Geschäfte hinterlegt werden können. „Beides könnte dem notorisch klammen Land vollends den Garaus machen“, glaubt die Zeitung. Die Währungshüter sollten sich hinter verschlossenen Türen schon Mal den Kopf zerbrechen „für den Fall der Fälle“.

Russland wird noch abhängiger

Das russische Wirtschaftsblatt Vedomosti analysiert, wie stark Russland wirklich von der Rohstoffförderung abhängt. Demnach hätte sich die Abhängigkeit von Rohstoffen wie Öl und Gas trotz des starken Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre nur erhöht. „Bis 2005 erholte sich der Produktionssektor von der schwersten Krise 1998“, erklärt Zeitung. Importe seien zunehmend durch heimische Produkte ersetzt worden, während der Rubel gleichzeitig an Wert verloren habe. Nach 2005 hätten jedoch die hohen Ölpreise rund 80 Prozent des BIP ausgemacht. „Darin liegt auch der Grund für den unerwartet tiefen Absturz der russischen Wirtschaft im Herbst vergangenen Jahres“, meint das Blatt. Ohne die sehr hohen Rohstoffpreise vor der Krise wäre das Wachstum bereits 2007 ins Stocken geraten.


Protest gegen Strompreiserhöhung

Nach dem Aufstöhnen vieler kleiner Betriebe wegen der von der spanischen Regierung geplanten Strompreiserhöhung beschweren sich nun auch große Industriekonzerne über die ihrer Meinung nach unzumutbare Steuererhöhung, berichtet die Wirtschaftszeitung El Economista. Schon jetzt mache die Steuer 30 Prozent des Endpreises aus. Trete der Vorschlag des Industrieministeriums in Kraft, so werde sich der Anteil um weitere 26 Prozent erhöhen. Untragbar sei diese Steuererhöhung in einer Zeit, in der viele Unternehmen aufgrund der schlechten Auftragslage verzweifelt um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpften, zitiert die Zeitung aus einem Protestschreiben der Industrie an die zuständige Ministerin, Elena Salgado. Die exponentielle Erhöhung des staatlich regulierten Strompreises sei bei gleichzeitiger negativer oder moderater Inflation einfach nicht zu rechtfertigen, protestiere die spanische Wirtschaft.

Fundstück: Tiger Woods Sexualeben versorgt Anwälte

Das Sexleben des Golfstars Tiger Woods sorgt für große Weihnachtsgeschenke bei den Anwälten von der Ost- bis zur Westküste der USA und in Übersee, schreibt das Magazin BusinessWeek. Nachdem in jüngster Zeit mehr als ein Dutzend angeblicher Geliebter aufgetaucht sei, seien Woods Juristen im Dauereinsatz. Die Anwälte hätten in diesem Monat eine gerichtliche Verfügung erwirkt, die es englischen Medien untersage, angebliche Nacktfotos von Woods zu zeigen. Zweifellos habe Woods noch mehr Anwälte losgeschickt, als Sponsoren den ehemaligen Saubermann nicht mehr bezahlen wollten. „Auch die Frauen um Woods nehmen rechtlichen Beistand in Anspruch, um gerüchtehalber über Schweigegelder zu verhandeln“, so das Blatt. Die meisten Anwälte seien Profis und seien erfahren mit „Frauen, die Verbindungen zu Stars haben“.

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Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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