China ebnet den Weg zur Erholung der Weltwirtschaft

Die internationale Wirtschaftspresse zollt China angesichts seiner jüngsten Export- und Importzahlen Respekt. Report on Business und Les Echos kommentieren die geplante Google-Steuer. La Vie Financière freut sich über die mögliche Kooperation von Renault und Daimler. Expanión bewundert die Krisenresistenz der Formel 1. Fundstück: Geld spielt als Lohn fast keine Rolle.

Mit Erstaunen registrieren die Experten des US-Wirtschaftsdienstes Bloomberg die jüngsten Zahlen aus China: Export und Import hätten in einem Maße angezogen (17,7 bzw. 56 Prozent), das nicht nur den Stopp der Stimulusprogramme der Regierung nahelege, sondern auch die Weltwirtschaft aus der Rezession führen könne. „Eine Erholung der Weltwirtschaft scheint greifbar und Staaten, die Stimulusprogramme aufgelegt haben, könnten sich eher von ihnen verabschieden als vermutet.“ Denn auch wenn China mit der jüngsten Entwicklung gerade mal die Verluste seit 2008 wett mache, setze diese Entwicklung ein positives Signal: „Es sind einfach großartige Neuigkeiten, und es zeigt, dass sich die Nachfrage wirklich verbessert.“ Dass der Import zunehme, deute darauf hin, dass die staatlichen Maßnahmen Chinas zu seiner Belebung fruchten – auch davon profitiere die Weltwirtschaft. Doch die Entwicklung berge auch Gefahren: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wirtschaft Chinas heißläuft, wird mit steigenden Importen größer.“

Als weiteres Anzeichen für den Aufstieg Chinas und die Verlagerung ökonomischer Macht vom Westen Richtung Osten wertet die New York Times die Nachricht, dass China nun Exportweltmeister ist. „Sicher, dieser Titel hat hauptsächlich symbolischen Wert, aber er untermauert die These, dass China an Präsenz gewinnt – als Industriemacht, als Hauptabnehmer von Öl, Eisenerz und anderer Verbrauchsgüter, als Investor – und als Hauptsstimme in der Debatte, wie die Weltwirtschaft zu managen ist.“ Die Fähigkeit der Volksrepublik, den langjährigen Exportweltmeister Deutschland vom Thron zu stoßen, stehe für die Fähigkeit agiler, kostenbewusster chinesischer Unternehmer, ihre Produkte weiterhin ins Ausland absetzen zu können – während die Konkurrenz unter einer sinkenden, globalen Nachfrage leide.

Aus Sicht des Wall Street Journals bestärkt die Entwicklung der chinesischen Export- und Importzahlen Investoren in ihrer Überzeugung, dass das Land als drittgrößte Wirtschaft nach den USA und Japan auch weiterhin die globale Nachfrage am Leben hält, während die übrigen Staaten versuchten, die Weltwirtschaft wieder auf die Füße zu stellen. Wichtigster, positiver Effekt könnten dabei die Konsequenzen für die chinesische Währung sein: „Die jüngsten Zahlen erhöhen den weltweiten Druck auf Peking, endlich eine Aufwertung des Yuan zuzulassen. Zudem machen sie es der chinesischen Regierung argumentativ leichter, diesen Schritt zu gehen.“ Möglicherweise könnte der Yuan bereits zum Ende des Quartals 2010 aufgewertet werden, sollte der Export Chinas bis dahin weiter wachsen.

Die Google-Steuer ist nur ein simpler Vorwand

Durchaus nachvollziehen kann Report on Business den Vorstoß der französischen Regierung, eine Steuer auf Online-Werbeeinnahmen von Internetsuchmaschinen, allen voran Google, einzuführen. „Kritiker bewerten ihn als lahme Reaktion auf eine Innovation des digitalen Zeitalters. Doch tatsächlich stellt sich Frankreich die Frage, die sich auch Unternehmen der Telekommunikations-, Buch- und Musikbranche stellen: Was tun, wenn Google kommt und alles revolutioniert?“, merkt das kanadische Wirtschaftsportal an. Google sei nicht mehr Suchmaschine allein, sondern expandiere heute in viele Bereiche: in Telefonie, mobiles Internet, E-Books, Betriebssysteme, Online-Stores und ins Geschäft mit Nachrichten und Smartphones. Weil das Unternehmen seine Hände überall im Spiel habe, sei es ein wichtiger Testfall für die Zukunft – und Maßstab für die in diesen Sektoren agierenden Konkurrenten: „Sie müssen Innovation auf einem Feld schaffen, das von Google bestellt wurde.“ Deshalb sei die von Frankreich angedachte Steuer angreifbar: „Wir sollten mit Unternehmen wie Google kooperieren, und sie uns nicht zu Feinden machen durch Abgaben.“

Den völlig falschen Ansatz sieht Les Echos aus Frankreich in der Steuer. Zwar sei zu begrüßen, dass Frankreich alle Suchmaschinen, und nicht nur Google allein, mit einer Abgabe belegen wolle. „Eine einzige Firma zu besteuern, wäre wirklich befremdlich gewesen – nur, um Unternehmen aus der Musik- oder Filmbranche zu retten, die durch die technische Revolution zurückgeworfen wurden, aber auch selbst strategische Fehler begangen haben?“ Zwar könne der französische Staat etwas für die Vielfalt in der Kulturindustrie tun, doch Google zu melken, nur weil das Unternehmen Geld verdiene, sei ein zu simpler Vorwand. „Google ist weltweit Nummer Eins geworden, ohne dabei gegen das Gesetz zu verstoßen, und verdient es deshalb nicht, bestraft zu werden. Viel wichtiger wäre dagegen zu beurteilen, ob Google seine Position ausnutzt. Genau das wäre ein Problem, dass der Staat angehen sollte, aber nicht einfach, das Unternehmen zu besteuern.“

Renault und Daimler passen gut zusammen

Überaus positiv bewertet La Vie Financière eine mögliche Kooperation zwischen Renault und der Daimler AG. Vergangene Woche sei bekannt geworden, dass die beiden Automobilkonzerne seit Dezember Gespräche über gemeinsame Projekte oder gar ein globales Abkommen führten. Das seien großartige Neuigkeiten für die französische Marke mit der Raute: „Mit einem weltweit führenden Anbieter im Segment der Ober- bzw. Luxusklasse zusammenzuarbeiten, würde Renault einen Imagegewinn bringen.“ Doch auch die Deutschen könnten profitieren – vom Know How der Franzosen im Kleinwagen-Segment. „Daimler hat es immer noch nicht geschafft, vernünftige Zahlen für die A- und B-Klasse sowie für den Smart zu erreichen.“ Immerhin sei der Aktienkurs von Renault seit Dezember um 11,8 Prozent gestiegen: „Folgt nun nach dem Erfolg mit dem Niedrig-Preis-Modell Logan der Einstieg ins Geschäft mit Oberklasse-Wagen?“, fragt das französische Finanzportal.

Die Formel 1 kennt keine Krise

Sportlicher Wettstreit kennt keine Krise, kommentiert die spanische Wirtschaftszeitung Expansión die großzügigen Sponsoringverträge in der Formel 1. Insbesondere Santander, Petronas und Virgin könnten es offenbar kaum erwarten, in die neue Saison zu starten. Die Summe bereits zugesagter Sponsoringzahlungen dieser drei Unternehmen betrage bereits 130 Millionen Euro. Und das, obwohl beispielsweise das Team Renault erst jetzt nach geeigneten Nachfolgern für die bisherigen Hauptsponsoren ING und Mutua Madrileña suche. Auch die Teams von Lotus, Campos Meta und USF1 seien noch auf Sponsorensuche. Um Geld müsse sich dagegen das Team Virgin Manor keine Sorgen machen. 40 Millionen Euro habe der englische Unternehmer Richard Branson investiert, um Virgin – den Namen seiner Firmengruppe – optimal zu platzieren. Am schnellsten habe allerdings die spanische Bank Santander ihr Scheckbuch gezückt: Sie habe bereits im September 2009 mit Ferrari einen Sponsoringvertrag über 200 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre vereinbart.

Sony, Microsoft und Nintendo wollen wieder bergauf

Die erfolgsverwöhnte Spiele-Branche habe 2009 herbe Verluste einstecken müssen, konstatiert der Financial Express aus Indien. Verkaufsrückgänge, die Schließung von Studios, Entlassungen und Gehaltskürzungen hätten die Branche gezeichnet, die sich selbst gern als „rezessionssicher“ dargestellt habe. Branchenriesen wie Nintendo oder Microsoft hätten die Krise deutlich zu spüren bekommen. Doch nun sei das Schlimmste wohl überstanden, und die Branche sei sicher, dass es 2010 mit neuen Software-Produkten, aufregenden Neuentwicklungen und der digitalen Verbreitung von Spielen wieder bergauf gehe. Für Konsolen wie Wii oder Xbox seien neue oder weiter entwickelte Spiele angekündigt, Sony und Microsoft wollten zudem Nintendo herausfordern: Sie hätten das Geschäft mit Heimkonsolen entdeckt, denn mit „Gelegenheitsspielern“ wie Kindern, Frauen und Familien seien gute Gewinne zu erzielen. Und Microsofts Projekt „Natal“ habe durchaus das Potenzial, so erfolgreich, revolutionär und einflussreich zu werden wie Nintendos Wii-Konsole.

Fundstück: Geld spielt als Lohn fast keine Rolle

Geld als Lohn für Arbeit wird vollkommen überwertet – meint das US-Wirtschaftsmagazin Fortune mit Blick auf das neue Buch von Bestsellerautor Daniel Pink. In „Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us“ weise er nach, dass Löhne und Gehälter kaum zur Motivation von Arbeitern und Angestellten beitragen. Vielmehr seien andere Faktoren Ausschlag gebend für die Arbeitsleistung: das Gefühl, unabhängig agieren zu können, seine Arbeit selbst gestalten zu können und einem größeren Zweck zu dienen. Studien hätten gezeigt, dass mit steigenden Geldanreizen die Motivation, Aufgaben bestmöglich zu meistern, sinke. Vergleichbar sei das, so Pink, mit Drogen: Den Lohn zu erhöhen oder Zusatzboni zu bieten, habe Nebenwirkungen wie Kokain oder Nikotin – der Empfänger giere nach immer mehr. Firmen wie Best Buy’s Richfield in Minnesota, wo jeder Arbeiter seien Arbeitstag selbst bestimme und die Produktivität seitdem um 35 Prozent gestiegen sei, untermauerten Pinks These. Ob sie in der Wirtschaft künftig umgesetzt werde, sei fraglich. Pink, einst Redenschreiber für Al Gore, sei da optimistisch: „Manager tendieren zu Pragmatismus.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

1 Kommentar zu “China ebnet den Weg zur Erholung der Weltwirtschaft”


  1. 1 wii-mushroom

    Wie ich soeben gelesen habe, wollen sich die drei großen Konsolenhersteller wohl erstmal eine Pause gönnen, denn mit einer nächsten Konsolengeneration sei wohl in nächster Zeit nicht zu rechnen …

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