Heinekens neuer Biermix schmeckt

Die internationale Wirtschaftspresse attestiert Heineken einen guten Riecher bei der Übernahme des mexikanischen Bierbrauers Femsa. Die Financial Times warnt den russischen Aluminiumriesen Rusal vor zu viel Optimismus vor dem kommenden Börsengang. Die Börsen-Zeitung wundert sich über die gute Bilanz von Siemens. Fundstück: Die Wii der Pornobranche.

Der holländische Braukonzern Heineken hat mit seiner 3,8 Milliarden Euro schweren Übernahme der mexikanischen Brauerei Femsa ein gutes Geschäft gemacht, meint das Wall Street Journal. Die Mexikaner hätten einen weitaus geringeren Preis erhalten, als viele erwartet hätten. Darüber hinaus bezahle Heineken die Übernahme in Anteilen an der Heineken Holding und an „betriebsführenden Gesellschaften“. „Die Heineken-Familie behält so die Kontrolle und nimmt keine neuen Schulden auf“, schreibt das Blatt anerkennend. Nach Unternehmensangaben werde sich der Einstieg in etwa sechs Jahren bezahlt machen. Dafür müssten die Verkaufszahlen von Femsa etwa um zehn bis elf Prozent wachsen. „Das scheint machbar zu sein“, glaubt das Blatt. Und trotz einiger Risiken verdiene Heinekens neuer amerikanischer Look einen „anständigen Trinkspruch“.

Die Financial Times Deutschland analysiert die Motive von Heineken bei der Femsa-Übernahme anhand der Geschäftszahlen. Heinekens Umsatz sei über die vergangenen fünf Jahre im Schnitt leicht gewachsen, das EBIT jedoch um 1,3 und das Nettoergebnis gar um 10,6 Prozent gefallen. „Femsa hingegen prahlt auf seiner Internetseite mit Zehnjahreszahlen. In Peso gerechnet stiegen Umsatz und Nettogewinn im Schnitt um zwölf Prozent. Nicht schlecht“, meint das Blatt. Zwar sei das Wachstum in den vergangenen fünf Jahren deutlich abgeflacht, sei aber immer noch besser als bei Heineken. Die Holländer sicherten sich mit Femsa immerhin Absatzwachstum, welches sie in Europa, ihrem mit 76 Prozent Volumenanteil (West und Ost) wichtigsten Markt, kaum noch bekämen. Ein Wermutstropfen bleibt aber. „Der Blick auf die Zahlen verdeckt jedoch das wirkliche Drama hinter solchen Fusionen: die weitere Verflachung des globalen Bierangebots“, schreibt die Zeitung.

Mit der Übernahme von Femsa ist den Holländern das beinahe unmögliche Gelungen, schreibt der Wirtschaftsdienst Reuters. Einerseits habe Heineken den direkten Konkurrenten SABMiller überboten, jedoch gleichzeitig einen fairen Preis gezahlt, ohne neue Schulden aufzunehmen oder Kontrolle herzugeben. Der Deal katapultiere Heineken auf Platz zwei im mexikanischen Biermarkt, der nach Profit weltweit auf Platz vier liege und an die dritte Position im zweitlukrativsten Bierland Brasilien. Die Amsterdamer Brauerei erhoffe dadurch auch steigende Exporte in die USA und eine starke Stellung bei der hispanischen Minderheit in den Vereinigten Staaten. Trotzdem bleibe ein Risiko. Zum einem stehe der Endpreis noch nicht fest, weil Heineken die Anteile, mit denen das Unternehmen die Übernahme bezahlt habe, zurückkaufen müsse. „Wenn der Aktienkurs weiter steigt, steigt auch der Preis der Übernahme“, folgert die Agentur.

Kein Applaus für Russian Aluminium

Vor dem Börsengang des weltweit größten Alminiumherstellers, der russischen Rusal, gibt die Financial Times den Russen, die in Kürze mit einer Werbetour an den führenden Börsen der Welt starten, eine Warnung mit auf den Weg. „Normalerweise sind solche Roadshows eine fröhliche Veranstaltung, die Russen sollten sich lieber auf gespannte Stille vorbereiten“, meint das Blatt. Es gibt zwar viele gute Seiten aus Sicht der Investoren. Zum Beispiel halte Rusal 25 Prozent am größten Nickel- und Palladiumproduzent der Welt Norilsk Nickel. Außerdem bescherten die per Strom aus Wasserkraftwerken betriebenen Aluminiumhütten in Sibirien dem Unternehmen branchenweit die höchsten Margen. Andererseits werde Rusal bis 2013 keine Dividende zahlen und habe rund 15 Milliarden Dollar Schulden bei Banken. „Vor diesem Hintergrund ist die ungewöhnlich hohe, 40-prozentige Spanne bei der Aktienbewertung angemessen“, kommentiert die Zeitung.

Siemens-Bilanz verzaubert

Die Börsen-Zeitung findet, dass die Bilanz von Siemens einen zweiten Blick verdient hat. Schließlich sei dem Unternehmen im ersten Qaurtal des Geschäftsjahres ein Kunststück gelungen: Zwar sei der Umsatz im niedrigen zweistelligen Bereich gesunken, der operative Gewinn dagegen gestiegen. „Bei einem Industriebetrieb, dessen Wertschöpfung auf Fabriken und deren Vollauslastung aufbaut, ist diese Leistung erstaunlich“, wundert sich das Blatt. Schließlich zerstöre nichts so drastisch die Margen wie brachliegende Produktionskapazitäten. „Sicherlich wäre die Siemens-Performance ohne Kurzarbeit undenkbar. Doch hinzu kommt eine Leistung des Managements, die sich im Vergleich zur Konkurrenz zunehmend als herausragend erweist“, lobt die Zeitung. Außerdem profitiere der Konzern von seiner hohen Diversifizierung. Das Blatt warnt jedoch vor verfrühter „Hurra-Stimmung“. Der Härtetest folge, wenn Kurzarbeit und Überstundenabbau ausgereizt seien.

Telefónica leidet unter Mega-Abwertung

Eine Milliarde Euro habe Telefónica durch die am vergangenen Freitag durchgeführte Abwertung der venezolanischen Währung Bolivar verloren, titelt die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días. Unter den größten Opfern des „Schwarzen Freitags der Mega-Abwertung“, wie die venezolanische Presse das Ereignis nenne, seien BBVA, Repsol und Mapfre. Mit Abstand am meisten leide allerdings Telefónica unter dem Beschluss des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, die Landeswährung gegenüber dem amerikanischen Dollar um 50 Prozent abzuwerten. Wiederholt habe das spanische Unternehmen seine venezolanischen Aktionäre vor dieser zu erwartenden Maßnahme gewarnt, berichtet die Zeitung. Der Aktienwert sei in einer einzigen Nacht um insgesamt eine Milliarde Euro gesunken. Gerade noch einmal davongekommen sei dagegen die spanische Bank Santander. Diese habe kurz zuvor ihre venezolanische Tochter verkauft und sich so viel Ärger erspart.

Italiens wertvolle Winde

Die Zeitung Ilsole24ore bejubelt die Entwicklung des Windparks in Italien, der im vergangenen Jahr auf eine Leistung von 4850 Megawatt ausgebaut worden sei. Mit einem Zuwachs von 30 Prozent habe der Windpark 6,7 Terawattstunden Strom produziert und decke so 2,1 Prozent des Verbrauch. Italien sei nun das dritte Land in Europa und weltweit an sechster Stelle bei der Energieerzeugung aus Windkraft. Der Energiebedarf von sieben Millionen Italiener werde durch die Windenergie gedeckt werden; 4,7 Millionen Tonnen CO2 würden eingespart. Für die Zukunft sei ein weiterer Ausbau auf 16.000 Megawatt möglich, sobald die Regierung die nötigen gesetzlichen Grundlagen für Windparks schaffe.

Staatliches Management ist schuld an Lada-Crash

Für die katastrophale Lage beim größten russischen Autobauer Awtowas sei besonders das frühere Management aus den Kreisen der staatlichen Industrieholding Russian Technologies, die 25 Prozent plus eine Aktie an Awtowas hält, verantwortlich. Das berichtet die Tageszeitung Vedomosti unter Berufung auf den russischen Rechnungshof, der die zweckmäßige Verwendung staatlicher Rettungsgelder beim Autoriesen überprüft habe. „Die Unternehmensführung hat viel zu spät mit der Umsetzung der Krisenpläne angefangen und zuerst den Staat um Geld angepumpt“, meint das Blatt. Weil die Autoproduktion viel zu langsam heruntergefahren worden sei, sei das Unternehmen schnell in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Fundstück: Die Wii der Pornobranche

Die Pornoindustrie leidet mit am schwersten unter der Wirtschaftskrise, hat ein Autor des Wirtschaftsportals Daily Finance herausgefunden. Während sich etwa beim größten Branchentreff, der Pornomesse Adult Entertainment Expo (AEE), vor vier Jahren die Besucher beinahe gegenseitig zertrampelt hätten, sei im ersten Krisenjahr vor zwei Jahren schon deutlich mehr Platz auf der AEE gewesen. Dieses Jahr sollen es noch weniger Besucher und Aussteller sein. Es gebe zu viele Firmen, die DVDs auf den Markt bringen, klagt ein Brancheninsider. Das Unternehmen Adult Entertainment Broadcast Network (AEBN), eines der erfolgreichsten im Pornobusiness, hat sich daher etwas einfallen lassen. Auf der AEE stelle AEBN sein neues Gerät, den Real Touch vor. „Es ist für den Porno so etwas wie die Wii für die Videospiele“, meint der Gründer von AEBN. Man sei nicht mehr länger Zuschauer, sondern Teil der Filmszene. „Vielleicht ist es ja die Lösung, nach der die Pornoindstrie die letzten vier Jahre gesucht hat“, ironisiert das Blatt.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, .

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