Kosten für A400M sind Nagelprobe für Airbus

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Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert, welche Chancen Airbus und EADS haben, mit ihren Drohungen zum Aus des Militätfliegers Airbus A 300 M (Foto) bei den europäischen Regierungen zu landen. Expansión wundert sich über ein neues altes Lufthansa-Geschäft. Expert kündigt eine russische Abwrackprämie an. Fundstück: Im Wein liegt die Wahrheit.

Im Milliardenpoker um die Finanzierung des Militärtransporters A400m hat Airbus gestern den sieben Kundenstaaten mit harten Konsequenzen gedroht, ohne aber offen von einem Programmabbruch zu sprechen. Seit längerem schon habe Airbus geklagt, der Vertrag über 180 Maschinen, den das Unternehmen 2003 unterzeichnet hat, sei nicht einhaltbar, erinnert die Financial Times . „Wir haben einen Fehler gemacht, den Festpreis-Vertrag für ein Programm mit riesigen technologischen Herausforderungen mit einem unrealistischen Zeitplan zu akzeptieren“, zitiert das Wirtschaftsblatt den CEO des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois. „Das passiert unseren

amerikanischen Konkurrenten bei dieser Art Programmen gewöhnlich nie.“ Die Warnung markiere eine Eskalation in dem Versuch des Herstellers, die sieben europäischen Partnerregierungen, die das A400M-Programm unterzeichnet hätten, dazu zu bringen, weite Teile der zusätzlichen Kosten zu übernehmen, ist die Zeitung überzeugt. Gallois, der bislang einen verbindlicheren Ton angeschlagen hatte, warne nun ähnlich unverhohlen wie Airbus-Chef Tom Enders, der damit drohte, das Projekt ganz scheitern zu lassen. Gallois habe angefügt, die Angelegenheit sei wichtiger als das Thema Banker-Boni.

Airbus-Chef Enders setze darauf, dass das A400M-Projekt zu groß zum Scheitern sei, vermutet die Börsen-Zeitung . Die „aus den Fugen geratenen Kosten für das Militärtransportflugzeug“ seien eine Nagelprobe für Airbus. Enders Chancen stünden gut, einen Teil der Mehrkosten von geschätzten fünf Milliarden Euro auf die sieben europäischen Bestellländer abzuwälzen – allen voran Deutschland und Frankreich als größte Abnehmer, ist das Blatt überzeugt. „Die Auftraggeber haben keine andere Wahl, als in dem Streit um die Finanzierung einzulenken. Denn schließlich steht bei dem A400M-Projekt zu viel auf dem Spiel: Der europäische Hightech-Industriestandort (Tausende Arbeitsplätze hängen daran), die (ohnehin angeschlagene) Reputation von Airbus und die Position von EADS im Wettstreit mit Boeing“, kommentiert die Zeitung. Auf diese Karte setze Enders. Das zurecht vorgebrachte Argument der schwarz-gelben Bundesregierung, Airbus müsse den Vertrag einhalten und die Zusatzkosten großteils selbst aufbringen, verliere bei der Lage an Gewicht, erwartet die Zeitung. Ein Programm, das bereits viele Milliarden Euro verschlungen habe, werde die Regierung sicher nicht – wie von Enders angedroht – kippen lassen.

Ab und zu auch mal nachzurechnen, sei nie falsch, gesteht die Financial Times Deutschland zu. Das gelte sogar für Unternehmen unter großem staatlichen Einfluss. „Airbus-Chef Thomas Enders handelt daher genau richtig, wenn er androht, den Militärtransporter A400M zu opfern, weil er ihm zu teuer wird.“ Doch Enders hätte es vorher wissen können, ist die Wirtschaftszeitung überzeugt. Schließlich habe er mit am Verhandlungstisch gesessen, als Airbus den sieben Bestellnationen vollmundig versprochen habe, die Neuentwicklung sei in jedem Fall für 20 Milliarden Euro zu haben – wenn auch in anderer Funktion. „Bereits damals hätte er sich ausrechnen können, dass die Festlegung auf einen Festpreis sich eines Tages rächen könnte“, so die FTD. Dass es etwa wegen technischer Probleme zu Verzögerungen kommen könnte oder Deutschland, Frankreich oder Großbritannien Sonderwünsche anmelden würden, sei abzusehen gewesen. Verweigerten die Staaten nun, den Aufschlag zu zahlen, werde es Enders wohl den Job kosten, dass er die Rechnung so spät präsentiert habe.

Lufthansa steuert wieder den Irak an

„Unglaublich“ findet die spanische Wirtschaftszeitung Expansión die Pläne der Lufthansa, von Sommer dieses Jahres an wieder Linienflüge von Deutschland nach Bagdad und Erbil im Irak anzubieten. Geschäft ist Geschäft, das sei wohl die Maxime der deutschen Luftgesellschaft, auf der Suche nach Rentabilität – wo auch immer diese sich verstecke, vermutet das Blatt. Grund für diese mutige Entscheidung sei wohl auch, dass Lufthansa ab 1956 und bis zu Beginn des Golfkrieges im Jahr 1990 bereits regelmäßig Flüge zwischen Deutschland und dem Irak durchgeführt habe. Davon abgesehen werde die nordirakische Stadt Erbil bereits von den zur Lufthansa Gruppe gehörenden Austrian Airlines von Wien aus angeflogen. Mit dieser strategischen Entscheidung baue das deutsche Unternehmen sein Operationsvolumen im Mittleren Osten weiter aus. Ein Markt, den Lufthansa bereits jetzt mit 88 Flügen pro Woche in elf verschiedene Länder bediene.

Banker von Obamas Gnaden kassieren die höchsten Boni

„Überraschung!“, verkündet das Wall Street Journal. Banken mit Regierungsgarantien nähmen die größten Risiken auf sich, verdienten das meiste Geld und zahlten die höchsten Boni aus. Dabei habe Präsident Obama noch vergangenen Monat erklärt, er habe sich nicht vorgenommen, einem Haufen Fat-Cat-Banker an der Wall Street herauszuhelfen. Seine Wähler möge diese Erklärung beruhigen, stellt das Blatt fest. Aber es stimme nicht mit den Regierungspolitik überein. „Wir stehen am Scheitelpunkt der wohl sichtbarsten und reichhaltigsten Bankbonus-Saison der Geschichte“, hält die Wirtschaftszeitung fest. Einerseits trügen Banker eine große öffentliche Verantwortung – spätestens, als die Politiker entschieden, das Überleben ihres Geschäfts zu garantieren. Auch gegenüber ihren eigenen Shareholdern hätten sie eine rechtliche Verantwortung, die „sie begierig darauf mache, so viele Risiken auf sich zu nehmen, wie nur möglich“. Es sei nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich die Banker in diesem Konflikt verhalten werden, meint das WSJ. Sie werden sich an ihren Gehaltsschecks orientieren. Damit halten sie sich aber nur an getroffene Bonusvereinbarungen. „Und es ist die Regierung, nicht die Banken, die das öffentliche Vertrauen verloren haben“, stellt die Zeitung fest. Es gebe nur einen Weg, das Bonusproblem zu lösen: „Wir sollten Anteilseigner weiter ihren Managern zahlen lassen, wie und wie viel sie wollen“, ist das WSJ überzeugt.

Russlands Abwrackprämie könnte verpuffen

Die russische Variante der Abwrackprämie geht in rund zwei Monaten an den Start, berichtet das Wirtschaftsmagazin Expert. Wer ein neues Auto aus russischer Produktion kaufe, bekomme vom Staat von da an für sein altes Gefährt rund 1200 Euro. „Allerdings ist es sehr zweifelhaft, dass das Programm einen ähnlichen Erfolg haben wird, wie in westlichen Industrieländern“, kommentiert das Magazin. Die Rabatte in den Autohäusern, seien teilweise noch höher als die geplante Abwrackprämie – hätten allerdings den Einbruch der Verkaufszahlen nicht aufhalten können. Hinzu komme, dass der Unterhalt eines alten Autos in Europa und den USA deutlich teuerer sei als in Russland. Erst das mache für Europäer und Amerikaner die Investition in ein neues Auto wirtschaftlich. Den „TÜV“ gebe es in Russland dagegen etwa schon für rund 70 Euro Schmiergeld. „Einer der Profiteure könnte allerdings der Lada-Hersteller Awtowas sein“, mutmaßt das Blatt. Sein billigstes Modell koste abzüglich der Abwrackprämie dann nur noch rund 2300 Euro.

Fundstück: Im Wein liegt die Wahrheit

Ein schwieriges halbes Jahr voller großer Aufgaben warte auf Spanien, da ist sich die Wirtschaftszeitung Cinco Días sicher. Sowohl wirtschaftlich als auch politisch müsse das Land in den sechs Monaten seiner EU-Ratspräsidentschaft mit allerlei Hindernissen rechnen. Gut, dass Spanien in solch schwierigen Zeiten auf treue Verbündete zählen könne, findet das Blatt. Wie etwa den Wein mit dem Herkunftssiegel „Denominación de Origen Rioja“. Dieser adele die spanische EU-Ratspräsidentschaft nicht nur als offizielles Getränk der vielen Konferenzen und Besprechungen. Er sorge auch gleichzeitig für die optimale Tourismusentwicklung im Land.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.deMitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev

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Foto: Airbus

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