VW kann Toyota überholen

Die internationale Wirtschaftspresse sieht VW auf dem Weg zum Spitzenplatz der größten Autobauer weltweit. Profil veröffentlicht die Liste der Investoren, die im Zuge der Übernahme der Hypo Alpe Adria Bank durch die BayernLB abgesahnt haben. Im Ölstreit zwischen Russland und Weißrussland sieht Vedomosti Minsk im Vorteil. Fundstück: Mythos und Realität.

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt die jüngsten Entwicklungen in der internationalen Autobranche.

BusinessWeek sieht VW auf einem guten Weg, Toyota als weltgrößten Autobauer abzulösen. Noch vor zwei Jahren habe die entsprechende Zielvorgabe von CEO Martin Winterkorn lächerlich geklungen – damals hätten die Deutschen drei Millionen Autos weniger als die Japaner verkauft, hätten in den USA an Boden verloren und bei der Qualität der Fahrzeuge einen schlechten Ruf gehabt. Heute sei Toyota angreifbar, und im November habe VW erstmals mehr Autos gebaut als Toyota; zwar verkaufe Toyota immer noch mehr Autos, aber die Lücke sei auf weniger als 1,5 Millionen geschrumpft. Besonders ehrgeizig sei Winterkorn in den USA, wo der Absatz bis 2012 verdoppelt werden solle. In diesem Jahr wolle VW einen Kompaktwagen anbieten, der dem Toyota Corolla Konkurrenz machen solle. „Wir müssen die Massen zu VW führen“, zitiert das Blatt den US-Chef von VW, Mark Barnes. Dies sei eine Abkehr von der früheren Strategie, mit Modellen wie dem Phaeton (85.000 Dollar) den US-Markt zu erobern.

Die Financial Times untersucht die Strategie von Fiat-Chef Sergio Marchionne bei Chrysler. Auf die Frage, ob der Italiener seine Ziele beim US-Autobauer erfüllen könne, differenziert das britische Blatt. Sollte das Ziel darin bestehen, Chrysler zu stabilisieren, die Produktlinie aufzufrischen, sieben Milliarden Dollar Staatshilfe zurückzuzahlen und das Unternehmen an die Börse zu führen, seien seine Chancen gut – obwohl jedes einzelne Ziel anspruchsvoll sei. „Sollte sein Ziel jedoch darin bestehen, Chrysler-Fiat in die erste Liga der weltweit agierenden Autobauer an die Seite von Ford, Toyota, Volkswagen und anderen zu führen, ist das Vorhaben zweifelhaft. Sein Imperium ist vielzu sehr ein Mischmasch von lokalen Marken, als dass er damit die Welt erobern könnte.“ Dem setze Marchionne entgegen, es sei wichtiger, weltweit dieselben Plattformen zu verwenden, statt eine starke Marke wie Ford oder Toyota zu besitzen.

Das Manager Magazin vergleicht die Stimmung auf der diesjährigen Autoshow in Detroit mit der Lage vor der Wirtschaftskrise. „Die Zeit der Premierenpartys, bei denen Vorstandsvorsitzende wie Comedians agierten und Chefentwickler auch mal Stuntmen spielen durften, sind vorbei.“ Doch immerhin rappelten sich die US-Hersteller wieder auf, mit frischem Geld und einem radikalen Sparkurs mühsam aufgepäppelt. In der neuen US-Autowelt stünden nicht mehr Pick-ups, Geländewagen und Musclecars im Vordergrund, sondern vor allem kompakte und sparsame Autos. Beeindruckend sei zum Beispiel vom Auftritt von Ford. Der einzige US-Hersteller, der ohne Stütze durch die Krise gekommen sei, setze vor allem auf das neue Kompaktmodell Focus und werte auch die bislang 4000 US-Bestellungen für den Kleinwagen Fiesta als Erfolg.

Die Investmentfirma Genii hoffe nach wie vor auf eine weitere Verhandlungsrunde bei GM, berichtet das schwedische Wirtschaftsblatt Dagens Industri . Die Gruppe um den Formel 1-Häupling Bernie Ecclestone lasse nicht locker und habe ein neues Kaufangebot für Saab vorgelegt. Falls GM auf den Deal eingeht, werde Genii sich an den Plan halten, den die Saab-Leitung für die schwedische Traditionsmarke ausgearbeitet habe. Dabei handle es sich um einen soliden Plan, den mehrere unabhängige Spezialisten begutachtet und als realistisch eingestuft hätten, so Geniis Pressesprecher Lars Carlström. 100.000 Autos müsse Saab pro Jahr absetzen, um überleben zu können und langfristig in die schwarzen Zahlen zu rutschen. Die Chance, dieses Ziel zu erreichen, sei nach Ansicht Carlströms jetzt größer denn je: Vor einigen Jahren habe Saab immerhin 130.000 Autos abgesetzt. Man müsse die Marke Saab in Zukunft exklusiver vermarkten und in eine gehobenere Preisklasse „heben“.

Liste der HGAA-Investoren

Das österreichische Nachrichtenmagazin Profil hat die Liste der Investoren veröffentlicht, die beim Hamburger Vermögensverwalter Tilo Berlin zwischen Dezember 2006 und März 2007 insgesamt 250 Millionen Euro investiert hatten, um in zwei Etappen zunächst 9,1 Prozent an der Hypo Alpe Adria Bank International AG zu erwerben – mit finanzieller Unterstützung der BayernLB sei das Paket später auf 25 Prozent und eine Aktie aufgestockt und schließlich mit sattem Gewinn an die BayernLB veräußert worden. Auf der Liste stehen 46 institutionelle und private Investoren, vornehmlich aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die offenbar aber nur über Genussrechte von der Transaktion profitierten. Darunter sind bekannte Namen wie die Milliardärswitwe Ingrid Flick, die Piëch Vermögensverwaltung GbR (hinter der möglicherweise der Neffe von VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, Florian Piëch, steckt) sowie der Ex-Vorstandschef der Deutschen Bahn Heinz Dürr.

Weißrussland im Ölstreit mit besseren Argumenten

Im Ölstreit zwischen Russland und Weißrussland hat Minsk dieses Mal die bessere Verhandlungsposition, analysiert die Zeitung Vedomosti. Grund der Auseinandersetzung sei, dass Weißrussland die von Moskau geforderten Exportzölle auf russisches Öl nicht bezahlen möchte. In den vergangenen zwei Jahren habe Minsk deutlich weniger für Öl aus Russland gezahlt als Kunden in Westeuropa. Das meiste Öl habe Weißrussland weiterverkauft. „Allein in den letzten zwei Jahren hat die russische Ölindustrie den Nachbarstaat dadurch indirekt mit etwa zehn Milliarden Dollar subventioniert“, erklärt das Blatt. Russland sehe sich im Nachteil und fordere von Weißrussland höhere Exportzölle, was die Weißrussen ablehnten. „Und das mit gutem Grund“, meint die Zeitung. Schließlich sei Russland mit Weißrussland seit Dezember in einer Zollunion, der auch Kasachstan angehöre. Dass Weißrussland nun schwerer zum Zahlen zu bewegen sein werde, habe der Regierung klar sein müssen.

Onos Zukunft auf dem Spiel

Für das hoch verschuldete Unternehmen Ono sei der alles entscheidende Moment gekommen, stellt die Wirtschaftszeitung Cinco Días fest. Entsprechend schöpfe der spanische Netzbetreiber alle Möglichkeiten aus, um die Zahlungsfrist der fälligen Verbindlichkeiten von 3,6 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 zu verlängern und so das Überleben des Unternehmens zu sichern. Im Gegenzug wolle Ono die Zinszahlungen an die Banken erhöhen und einen zusätzlichen Betrag „als Dankeschön“ für die Kulanz der Kreditgeber überweisen. Der entscheidende Moment stehe Ono nächste Woche bevor, wenn sich die Unternehmensspitze mit den Banken treffe. Dabei sei völlig unklar, ob sich diese mit dem Angebot des Internetdienstleisters zufriedengeben oder, wie vielerorts vermutet, weitere Zugeständnisse fordern, kommentiert die Zeitung.

Fundstück: Mythos und Realität

Alle Investmentbanker tragen Nadelstreifenanzüge und gestreifte Krawatten, schließlich ist das die inoffizielle Uniform der Branche. Außerdem ist die Welt des Investmentbanking ein Club alter Freunde und Kumpels – wenn du an einer US-amerikanischen Ivy-League-Uni studiert hast. In diesem Job gibt es kein Privatleben. Freunde, Familie und Hobbies kennen richtige Investmentbanker nicht, weil sie Tag und Nacht arbeiten. Diese und andere Mythen über das harte Investmentbanking-Geschäft konfrontiert der der auf YouTube zu sehende „Unofficial Guide to Investmentbanking“ der Deutschen Bank mit der Realität, in dem er einfach mal in den Handelsräumen nachfragt. Und die befragten Banker können sich häufig ein Lachen nicht verkneifen.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev, Fridolin Pöschl.

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