Die internationale Wirtschaftspresse erteilt der von US-Präsident Barack Obama angekündigten Bankensteuer eine deutliche Absage. Die Financial Post kritisiert die Investorenpolitik der kanadischen Regierung. La Tribune sieht die Main Street auf dem Vormarsch gegen die Wall Street. Indien entdeckt Zierfische als Exportschlager. Fundstück: Nur noch sechs Minuten bis zum jüngsten Gericht.
„Es gibt bessere Wege, um Banker zu bestrafen“, übertitelt die Financial Times ihre vernichtende Analyse zur Wirksamkeit der Bankensteuer. Nicht nur Gier, die Immobilienblase oder Fantasiefinanzprodukte hätten zur Krise geführt, sondern auch Sorglosigkeit – auf Seiten der Banker und auf Seiten der Behörden: „Letztere wurden schlicht durch die Innovationen findiger Finanzexperten abgehängt.“ Mit einer Strafsteuer oder einer Umkehr der bisherigen „Deregulierung“ aber könne man die Krise nicht bewältigen: „Wir brauchen eine umfassende Reform der Regeln, um die Banken daran zu hindern, dass sie zu groß werden oder ihren Angestellten überhöhte Löhne zahlen – aber keine kurzfristig Lösung.“
BusinessWeek wundert sich über den Aufschrei der Banken angesichts der drohenden Steuer: „Sie wird voraussichtlich neun Milliarden Dollar pro Jahr bringen, die Gewinne der betroffenen Banken aber werden auf 90 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt, die Bonuszahlungen dürften ähnlich hoch sein. Das sind also gerade mal fünf Prozent auf kombinierte Gewinne und Boni.“ Am System werde die Steuer kaum etwas ändern: „Sie ist ein höchst indirekte und ineffiziente Methode, um Probleme wie die Größe von Banken, Fremdkapitalaufnahme oder Risikomanagement anzugehen. Es gibt wichtigere Regulierungsmaßnahmen gegen die systemischen Risikien des Finanzwesens.“ Weil die Banken aber die Steuer sicher an ihre Kunden weitergeben werden, könne eine Folge sein, dass sich mehr und mehr Kunden abwenden – und neue, unabhängige Institute entdecken.
Gut fürs Herz, aber nicht fürs Hirn, konstatiert die Financial Times Deutschland: „Leider kann man aus guten Gründen gegen die Sondersteuer sein. Sie wirkt, wenn auch ein paar Nummern größer, ähnlich populistisch, kurzsichtig und hastig zusammengefriemelt wie die Londoner Bonussondersteuer.“ Profitieren würden Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Lobbyisten, denn natürlich biete auch dieses Gesetz Schlupflöcher. „Die Banken werden daher erwartbar nach Wegen suchen, diese Steuerlast zu minimieren. Oder, um den öffentlichen Druck zu minimieren, die Auszahlungen zumindest optisch gering zu halten.“ Zum Bespiel, indem sie weniger Bares und mehr Aktien an die Mitarbeiter verteilen, was sogar die Gewinnrechnung entlaste. „Und so bleibt als eigentliches Problem nicht die hohen Gehälter, sondern der Umstand, dass sie überhaupt verdient werden können. Obamas Steuer setzt also wieder zu spät ein, an den bereits erzielten Einnahmen.“
Beurteile man die Steuer logisch, gebe es einen Grund, skeptisch zu sein, meint das Wall Street Journal: „Die Behörden sind besorgt angesichts der Kreditklemme und wollen, dass die Banken mehr Darlehen gewähren. Doch Banken benötigen Verbindlichkeiten, wenn sie Geld verleihen wollen.“ Die vorgeschlagene Steuer aber würde eine 0,15%-Abgabe auf Bankverbindlichkeiten bedeuten. „Diese Steuer mag die Finanzinstitute vielleicht davor abschrecken, Risiken einzugehen oder zuviel Fremdkapital aufzunehmen, aber sie ist sicher kein Anreiz für die Vergabe von Krediten und Darlehen.“
Kanada vergrault internationale Investoren
Kein Verständnis für das Auftreten der kanadischen Regierung gegenüber U.S. Steel zeigt die Financial Post: Weil der Konzern 2007 Stelco übernommen, in 2009 aber 1.500 Arbeiter entlassen und Dependancen in Kanada geschlossen habe, soll der Stahlproduzent ca. 14,6 Millionen Dollar Strafe zahlen. U.S. Steel benenne als Ursache die Krise; zudem seien wieder 800 Arbeiter eingestellt worden. Müsse der Konzern die Strafe zahlen, wäre die Existenz des Kanada-Geschäfts bedroht. Nach Meinung der Zeitung ist der Investment Canada Act Grund für dieses Übel: Der Regierung würden mit diesem Gesetz „Gott-gleiche“ Befugnisse erteilt, denn ob ein ausländischer Investor so agiere, dass „Kanadas globale Wettbewerbsfähigkeit“ nicht beschränkt wird, sei letztlich dem Urteil des zuständigen Ministers überlassen. „Dieser kann Investoren und Unternehmern alle möglichen Zugeständnisse abringen, egal, ob sie eine Rolle spielen oder nicht.“ Fazit: „Der Investment Canada Act bringt nur Unsicherheit in die Wirtschaft.“
Machtkampf zwischen Sacyr und Repsol
Immer offensichtlicher werde der Machtkampf zwischen dem Energieunternehmen Repsol und seinem Hauptaktionär Sacyr, beobachtet die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. Einstimmig habe die Geschäftsführung von Sacyr beschlossen, nicht an der von Repsol-Chef Antonio Brufau einberufenen Sondersitzung des Verwaltungsrates teilzunehmen, um Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen. Damit protestiere Sacyr gegen den Führungsstil von Brufau und dessen für Sacyr ungünstige Entscheidungen, wie z. B. reduzierte Dividendenzahlungen – Geld, das Sacyr aktuell gut gebrauchen könne. Hinzu komme, dass Luis Del Rivero, Präsident von Sacyr, seit Monaten alles unternehme, um Brufau zu stürzen und selbst die Führung von Repsol zu übernehmen. Dass ihm das nicht gelinge, liege vor allem daran, dass wichtige Aktionäre wie La Caixa weiterhin hinter dem Repsol-Chef stehen, ist sich die Zeitung sicher.
Main Street gewinnt an Boden gegen die Wall Street
Als führendes Finanzinstitut an der Wall Street feiert La Tribune die US-Bank JP Morgan Chase. Grund dafür seien aber nicht die brillanten Zahlen, die JP Morgan vorgelegt habe. Zwar habe der Finanzkonzern erneut Gewinn geschrieben und seine Konkurrenten deplatziert. Doch dem gegenüber stünden Verluste im Kredit-, Privatkunden- und Kreditkartengeschäft, und Bank-Chef Jamie Dimon habe sich von seiner pessimistischen Grundhaltung in Bezug auf die Zukunftsaussichten der Bank nicht verabschiedet. Aber: Dimon habe angekündigt, die variablen Bonizahlungen an seine Banker auf 80 Prozent zu kürzen. Das sei die eigentliche, bemerkenswerte Nachricht: „Die erste Bank an der Wall Street hat nicht gezögert, eines ihrer größten Tabus anzurühren“, applaudiert das französische Wirtschaftsblatt. Zwar würden die Konkurrenten nicht so bald folgen, doch die Skrupel vor hohen Boni würden sich letztlich in den Bürotürmen an der Wall Street durchsetzen: „Main Street gewinnt an Boden im Kampf gegen die Wall Street.“
Italiens Tankstellen müssen europäischer werden
Die Annäherung an den europäischen Benzinpreis fordert ilsole24ore und regt eine Reform des Mineralöl-Marktes in Italien an. Die Preise an den Zapfsäulen im Bel Paese seien um 3,5 Prozent teuerer als im europäischen Durchschnitt. Den erhöhten Preis führt der Wirtschaftstitel auf die Ineffizienz des italienischen Vertriebsnetzes zurück. Der Umsatz der 24.000 Tankstellen in Italien liege im Vergleich zu 16.000 in Deutschland, 14.000 in Frankreich und 11.000 in Großbritannien deutlich unter dem EU-Durchschnitt und die große Anzahl der Vertriebsstellen erhöhe die Logistik-Kosten. Viele Tankstellen seien unrentabel, weil die Geschäftszeiten zu starr seien, ausschließlich Benzin verkauft würde und es keine Selbstbedienung gebe. Nur an 40 Prozent der Zapfsäulen in Italien könne selbst getankt werden, im Gegensatz zu 90 Prozent in den europäischen Nachbarländern. Dort haben die Tankstellen – ähnlich wie Apotheken – immer offen und nur ein Teil ihres Umsatzes stammt aus dem Verkauf von Benzin.
Indien entdeckt Zierfische als Exportschlager
Indien habe ein neues, lohnenswertes Geschäft entdeckt, schreibt der indische Financial Express: Zierfische. Es handele sich um einen Wachstumsmarkt, der geeignet sei für den Export und dessen Ausbau vergleichsweise geringe Investitionen erfordere. Der Markt für Zierfische sei riesig, immerhin sei das Halten und Züchten von Zierfischen das weltweit zweitbeliebteste Hobby nach Fotografieren. Indien plane, seinen Reichtum und seine Vielfalt an Zierfischen sowie die mannigfaltigen, klimatischen Zuchtmöglichkeiten in Profit umzuwandeln. Derzeit erzeuge das Land etwa 700 Millionen Fische jährlich. Der Export habe bislang 1,2 Millionen US-Dollar eingebracht. Nun glaube der Staatsminister für Landwirtschaft, dass im Jahre 2012 das Exportvolumen 50 Millionen US-Dollar betragen könne – Tendenz steigend. Banken zur Finanzierung und Unterstützung der Züchter und Exporteure sowie gute Infrastrukturen seien aber die Voraussetzung dafür.
Fundstück: Nur noch sechs Minuten bis zum jüngsten Gericht
Das Bulletin of the Atomic Scientists (BAS) hat ihre „Doomsday Clock“ um eine Minute zurück gestellt: Statt fünf Minuten vor Zwölf zeige sie nun nur noch sechs Minuten vor Zwölf an. „Das BAS blickt offenbar etwas optimistischer in die Zukunft, wenn es um die Frage geht, ob die Welt dem jüngsten Gericht entgegen schreitet oder doch noch in der Lage ist, ihre Probleme zu lösen“, schreibt das Portal Daily Finance. Die Uhr sei 1947 gestartet und seitdem 19 Mal justiert worden. „Am schlimmsten stand es um die Erde 1953, als die USA und die Sowjetunion Nuklearraketen testeten und die Hydrogenbombe schufen: Da zeigte die Uhr zwei Minuten vor Zwölf.“ Entspannt sei es dagegen zwischen 1991 und 1995 gewesen, mit 17 Minuten vor Zwölf. Doch zeige sich, dass die „Macht“ großer Staaten auf die Doomsday Clock nachlasse: „Die Lage zwischen den USA und Russland entspannt sich, USA und China haben ein Emissionsabkommen unterschrieben und in Kopenhagen fand man zu einer Vereinbarung. Der BAS war das aber nur eine Minute wert.“
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer.
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