Die internationale Wirtschaftspresse protokolliert die aktuelle Diskussion über die Wiederwahl Ben Bernankes zum Chef der Fed. Report on Business macht Hedgefonds und Private Equities als mögliche Gewinner der Obama-Bankenreform aus. Forbes kritisiert das „Banken-Gehabe“ von General Electrics. Les Echos sieht den Euro demaskiert. Fundstück: Die Karriere tötet die kunstvolle Hausfrau.
„Selbstdarstellungssucht, Berechnung, engstirnige Politik“ – das ist nach Meinung von BusinessWeek der Hintergrund zur aktuellen Diskussion über die Wiederwahl von Ben Bernanke zum Chef der US-Notenbank (Fed). Über Partei- und Ideologiegrenzen hinweg gebe es Befürworter und Gegner, doch sei damit zu rechnen, dass Bernanke ein zweites Mal antreten dürfe – auch wenn rund ein Dutzend Senatoren gegen ihn stimmen werde. Paul Volcker, eins selbst Fed-Chef, meine, dass Bernanke „durch Feuer gegangen sei“: „Er ist gerade jetzt um ein Vielfaches qualifizierter für den Job als vor vier Jahren.“ Sicher habe Bernanke auch Fehler gemacht, aber er habe „jede Ideologie beiseite geschoben und grundsätzlich alles richtig gemacht, vielleicht hat er sogar die Weltwirtschaft vor dem Abgrund bewahrt“, meint das Blatt. Immerhin sei die Mehrzahl der Wirtschafts- und Finanzexperten für ihn, keiner werde in den Finanzkreisen weltweit derart respektiert wie er.
Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes sieht in Bernanke das jüngste Opfer des populistischen Kampfes gegen Boni und Gewinne an der Wall Street – und der derzeitigen US-Arbeitslosenquote von zehn Prozent. „Bernankes Job ist im Grunde genommen ein unpolitischer. Aber wenn Politiker schon nicht die Gewinne der Banken beschränken oder neue Jobs schaffen können, so können sie doch wenigstens auf Bernanke einprügeln.“ Bernanke sei nicht das einzige Opfer, auch US-Finanzminister Timothy Geithner werde angegriffen, maßgeblich wegen seiner Rolle bei der Rettung von AIG. Beide hätten sich nun bereit erklärt, misstrauische Congress-Mitglieder persönlich zu besänftigen. Doch letztlich würde ihnen vor allem eins helfen: eine Besserung der Arbeitslosenquote.
Die Financial Times hat sich bei Wirtschaftsexperten umgehört – und erfahren, dass diese eine Nichtbestätigung Bernankes äußerst kritisch sehen: „Die Zurückweisung Bernankes als Fed-Chef würde von Ökonomen als Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed gewertet.“ Auch die Märkte könnten seine Nichtberufung zur zweiten Amtszeit als weitere Unsicherheit in der ohnehin ungewissen Zukunft der Weltwirtschaft deuten. Ein Mitglied des Bankenkommittes des US-Senats befürchte sogar, dass ein Nein gegenüber Bernanke die Wirtschaft in erhebliches Trudeln bringen werde.
Die Gewinner von Obamas Bankenreform
„Hedgefonds und Private Equities könnten die Gewinner der Bankenreform von US-Präsident Barack Obama sein“, vermutet Report on Business. Denn der Wettbewerb im Börsenhandel würde beschränkt, und talentierte Banker und Finanzexperten könnten nun Banken verlassen, um bei Hedgefonds und Private Equities anzuheuern, meint das kanadische Wirtschaftsportal. „Wenn weniger Beteiligte in diesem Sektor mitmischen, könnten sich die Margen verbessern, und damit auch die Gewinne.“ Auch sei damit zu rechnen, dass Banken, die bislang im Private Equity-Geschäft tätig waren, Firmen ausgründen: „Das war zum Beispiel der Fall bei CVC, ursprünglich Citigroup; ähnliches könnte mit Barclays Private Equity oder Lloyds Development Capital passieren.“ Positiv sei es allemal, wenn Banken nun nicht mehr in einen Interessenskonflikt gerieten – z. B. wenn diese einen Kredit für ein Buy-Out gewähren und zugleich Investor in dem betreffenden Buy-Out-Fonds sind.
General Eletrics mutet an wie eine Bank
„General Electric mag die Wall Street mit dem jüngsten Quartalsergebnis überrascht haben, doch ein genauer Blick in die Aktenordner des Industrie-Banken-Konglomerats macht deutlich, das das Unternehmen noch längst nicht aus dem Finanzgestrüpp heraus ist“, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes. Lange schien GE gegen die Behauptung, der Konzern sei letztlich eine Bank, protestiert zu haben. Doch seine Ergebnisse habe es nun mal wie eine Bank aufbereitet, mit Kernkapitalqoten, Ausbuchungen und all jenen Angaben, die Investoren benötigen, um festzustellen, ob ein Unternehmen sicher und gesund sei. „GE wirkt nicht mehr so sehr wie ein Hedgefonds, der sich als Industrieunternehmen maskiert, nimmt sich aber nach wie vor Banken zum Vorbild.“ Zwar habe GE das Bankengeschäft erfolgreich zurückgedrängt. Doch 2010 werde, was diesen Bereich angeht, ein weiteres, schweres Jahr für GE, insbesondere, wenn sich die Lage auf dem Immobilienmarkt wieder verschlechtere.
Kritischer Moment für Viajes Marsans
Für die Wirtschaftszeitung Expansión steht fest: Der spanische Reiseveranstalter Viajes Marsans kämpft in diesen Tagen mit dem kritischsten Moment seiner hundertjährigen Geschichte. Durch die Krise der Fluglinie Air Comet finanziell schwer angeschlagen, verhandele das von Gonzalo Pascual und Gerardo Díaz Ferrán geführte Unternehmen derzeit über Bankenkredite in Höhe von 30 Millionen Euro, um einen Liquiditätsengpass zu verhindern. Insgesamt sechzehn Banken, darunter Santander, seien bereit, sich an der Zwischenfinanzierung zu beteiligen. Eine ungeschickte Geschäftsstrategie müsse sich das Führungsteam von Marsans allemal vorwerfen lassen, habe doch ausgerechnet die Reiseagentur Viajes Marsans als „Kronjuwel“ der Touristikgruppe Marsans insgesamt 400 Millionen Euro in die gescheiterte Fluggesellschaft Air Comet und weitere Unternehmen gesteckt, kritisiert die Zeitung.
Griechenland beendet des Euro-Maskenball
„Griechenland hat dem Euro die Maske entrissen“, kommentiert Les Echos die Reaktionen der europäischen Nachbarn auf das Defizit der Griechen. Die Krise in dem südeuropäischen Staat habe ein Problem offen gelegt, das altbekannt sei: Die Strukturen der Euro-Länder seien zu verschieden, die einen solidarisch, die anderen für drastische Maßnahmen. „Schon ist die Rede vom deutschen Euro und vom griechischen Euro.“ Es sei verständlich, dass die Nachbarn nur wenig Entgegenkommen gegenüber Griechenland zeigten: Die einen hätten selbst Probleme (Irland, Spanien), die anderen wollten nicht die Milchkuh geben (Deutschland). „Wir sind an die Grenzen der Einheitswährung gestoßen: Jeden Tag stützen die reichen Nationen die armen, durch ihr Wachstum und ihre Sparsamkeit. In Wahrheit existiert dieser unsichtbare Konsens aber nicht, genauso wenig, wie es eine einheitliche Währungspolitik gibt. Der Maskenball ist vorbei.“
Obama erschüttert die Selbstgefälligkeit der Wall Street
„Die Wall Street ist in der Selbstgefälligkeit, in der sie die vergangenen acht, neun Monate zugebracht hat, erschüttert worden“, beobachtet die Business Times aus Singapur mit Blick auf die Auswirkungen der Obama-Bankenreform auf den Aktienmarkt. Bislang hätten Investoren noch immer geglaubt, dass der Handel mit Aktien ein risikoloses Geschäft sei – auch aufgrund der Versprechungen des US-Finanzministeriums und der US-Notenbank, die Wall Street im Falle eines drohenden Kollapses mit Geld zu stützen. Die jüngsten Nachrichten aber stellten eine Gefahr für die künftigen Bankengewinne dar. Am Ende könne Obamas Idee gar in ein Gesetz münden – dies erscheine aber aufgrund des Einflusses der Wall Street kaum möglich. Als Reaktion auf Obamas Ankündigung seien reflexartig US-Aktien verkauft worden, das habe weltweit den Druck erhöht. Die Aktien kleiner Unternehmen und Aktien mit geringem Kurs seien besonders betroffen.
Fundstück: Die Karriere tötet die kunstvolle Hausfrau
Mit der beruflichen Karriere von Frauen stirbt die „Kunst der Hausfrau“ aus, beklagt die New York Times. Hätten die 1950er noch die selbstbestimmte, glückliche Hausfrau gekannt – immerhin habe diese zu Hause das Sagen gehabt und am Ende des Tages genauso zufrieden auf ihre Arbeit geblickt wie ihr Mann, der Geldverdiener – sei die Verortung der Frau im 21. Jahrhundert wie ein Fluch: Immer mehr Frauen in Amerika verdienten mehr als ihr Lebensparter; 1970 seien es vier Prozent gewesen, heute seien es schon 22 Prozent. Diese hart arbeitenden Frauen verfügten aber selten über einen Mann, der so gut funktioniere wie die Hausfrau der 1950er Jahre: Den Haushalt zu managen sei beider Job, wobei der Mann nie die Qualitäten einer Frau entwickeln werde, und die Frau diese aufgrund ihrer Arbeit nicht entfalten könne. „Heute gibt sich frau schon zufrieden, wenn ihr Hausmann wenigstens eine ordentliche kalte Platte mit Aufschnitt hinbekommt.“
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